Studie: „Mythen“ der kinderlosen Gesellschaft

14.01.2013 | 17:21 |   (Die Presse)

Wissenschaftler haben in der Studie „Zukunft mit Kindern“ die Fruchtbarkeit in in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert. Sie empfehlen: Mehr „Familienzeit“ im Job, dafür später in Pension.

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Wien/UW. „Menschen mit niedriger Bildung bekommen mehr Kinder.“ „Niedrige Geburtenraten sind die Folge weiblicher Berufstätigkeit.“ „Dank Reproduktionsmedizin kann man Anfang vierzig problemlos Kinder bekommen.“
Solche Stehsätze tauchen in Debatten über niedrige Geburtenzahlen oft auf. Unter der Federführung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie Leopoldina haben Wissenschaftler die Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. In der Studie „Zukunft mit Kindern“, die am Montag in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften präsentiert wurde, erarbeitete man Empfehlungen, wie man den Eltern die Realisierung des Kinderwunschs erleichtert, und unterzog beliebte Thesen einem „Mythen-Check“.

Dieser beginnt schon beim Kinderwunsch: Die Annahme, dass Menschen viel mehr Kinder wollen, als sie bekommen, stimmt so nicht. Der „fertility gap“ wird überschätzt. Einerseits, weil sich der Kinderwunsch im Laufe des Lebens verändert, vermutlich reduziert. Anderseits zählt die Statistik „ungenau“. Denn misst man statt der Anzahl der Geburten pro Jahr (umgelegt auf alle gebärfähigen Frauen) jene Geburten, die ein Altersjahrgang (z. B. Frauen des Jahrgangs 1965) bis zur Menopause hervorbringt, fällt die Fruchtbarkeit höher aus: 1,6 Kinder statt 1,4 pro Frau für die deutschsprachigen Länder. Der Grund: Die erste Methode enthält Verzerrungen, weil Frauen Kinder oft später im Leben bekommen.

Auch die eingangs erwähnten Thesen hinken. Wenig Bildung heißt nicht mehr Kinder: Männer mit geringer Bildung und geringem Einkommen bleiben oft kinderlos, weil sie seltener in einer festen Partnerschaft leben. Weiters beweisen die USA oder Frankreich, dass sich ausgeprägte weibliche Berufstätigkeit nicht in weniger Geburten niederschlagen muss. Auch der Glaube an die Reproduktionsmedizin ist überzogen: Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt ab Mitte 30 drastisch – auch bei assistierter Fortpflanzung. Frauen müssten besser über ihre „biologischen Chancen“ aufgeklärt werden, so die Experten.

Arbeiten bis 70?

Andere Empfehlungen betreffen die Arbeitswelt: Da Karriere und Familie in die „Rush-hour“ des Lebens (30. bis 45. Jahr) gedrängt werden, plädiert man für eine „Entzerrung“. Wie die Bildungskarenz solle es eine „Familienzeit“ geben. Derzeit seien Zeitmodelle (Karenz) zu sehr auf die ersten Lebensjahre der Kinder konzentriert. Mütter und Väter sollten ihre Arbeitszeit flexibler gestalten können. Und dafür länger arbeiten. Günther Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie, kann sich verschiedene Pensionsantrittsalter vorstellen: Wer später (etwa nach dem Studium) mit dem Job beginnt, könnte bis 70 arbeiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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11 Kommentare

ivf mafia

wenn die frauenmörder auf leisen sohlen ihre hormone verteilen, heißt das noch lange nicht, daß man das überlebt. hormon therapien sind extrem gefährlich und viele frauen enden auf intensivstationen und überleben die taktik der ivf mafi nicht.

illegale eizellspende

der alte drecksack hat aufgehört- jetzt versucht sich der junge.

Es hilft der Geburtenrate sicher sehr

wenn man als Elternteil bis 70 arbeiten muss. Das ist bestimmt für manchen ein klares Argument für Kinderlosigkeit.

Re: Es hilft der Geburtenrate sicher sehr

Das hab ich mir auch gedacht. Wer tut sich das dann bitte freiwillig an?
Heute ist es doch eh schon so, dass man zuerst die Matura macht, dann studiert und dann einige Jahre schlechtbezahlte Praktika/Billigjobs annehmen muss, bevor man irgendwann mal einen Fixjob mit halbwegs annehmbarem Gehalt bekommt.

Das bedeutet, bis 30 hat man sowieso keine Möglichkeit, eine Familie zu gründen. Und dann etabliert man sich einigermaßen im Berufsleben - warum sollte man dann eine Kinderpause einlegen, die einem wieder nur finanzielle Nachteile bringt? Kinderbetreuungsgeld ist kein adäquater Ersatz für den Verdienst, der einem entgeht. Nicht mal die kürzeste Form, bei der man etwa 1000 EUR bekommt. Man muss ja berücksichtigen, dass Kinder auch Geld kosten! Mit einem Gehalt + Kinderbetreuungsgeld + Familienbehilfe geht sich das längst nicht aus.
Und je länger man zu Hause bleibt bzw. je mehr Kinder man bekommt, desto größer wird dieser Verdienstentgang. Daher wundert es mich überhaupt nicht, dass immer mehr Menschen nein zu Kindern sagen (speziell dann, wenn sie besser ausgebildet sind).

Ja und klar bleiben Männer mit geringer Ausbildung und wenig Einkommen kinderlos. Wenn schon der Mann wenig verdient, wer soll denn dann die Familie ernähren, wenn die Frau dann auch noch in Karenz geht? Dann geht das ja gleich noch weniger. Denn die Männer gehen ja dann trotzdem nicht in Karenz - die mit geringer Ausbildung noch weniger, als die mit hohem Bildungsstand.

Was für verzweifelte Bemühungen ...

... den Krieg, den die Linken seit Jahrzehnten gegen die Familie führen, schönzureden.
Kinderkriegen und aufziehen ist wunderbar aber rein emotionell. Daher braucht man ein familienfreundliches Umfelld. Das kostet auch nur ganz wenig Geld.
Wie überall, wo der reale Sozialismus tätig ist, hinterlässt er auch hier eine zerstörte Gesellschaft.

Re: Was für verzweifelte Bemühungen ...

Letztendlich liegt es immer am Geld, da können mir die Politiker und Studienersteller erzählen, was sie wollen.

Solange das Kinderkriegen und Kinder großziehen mehr kostet, als man Einkünfte hat, werden sich die Menschen dagegen entscheiden. So einfach ist das.

Eine Studie für den Müll

Zumindest so wie sie hier dargestellt wurde.

Den deutschen Sprachraum isoliert zu betrachten ist an sich schon sinnlos, ob der Durchschnitt bei 1,4 oder 1,6 Kindern liegt völlig ist unerheblich und die Vorschläge sind realitätsfremd.

Es ist ohnehin allgemein bekannt und belegt, dass Wohlstandsgesellschaften bedeutend weniger Kinder bekommen, als solche die sich den teuren Individualismus nicht leisten können und auf Familie angewiesen sind. An diesem Problem sind schon Hochkulturen gescheiter und so wird es auch in Zukunft sein.

Re: Eine Studie für den Müll

in einer überbevölkerten Welt sollte man sich doch eher fragen, ob es wirklich Sinn macht im
er mehr Kinder zu werfen... wer hat da was davon?

Re: Re: Eine Studie für den Müll

Das halte ich eher für einen Trugschluss. Wenn die heimische Bevölkerung schrumpft, wird sie durch Fremde ersetzt, mit allen damit verbunden Konsequenzen.
Außerdem werden Kinder nicht geworfen, sondern geboren.

Re: Re: Re: Eine Studie für den Müll

Eigentlich ist es doch sinnvoll, die bereits vorhandene Weltbevölkerung vernünftig aufzuteilen, anstatt noch mehr Menschen in die Welt zu setzen.

Das Problem ist dabei leider nur, dass die Menschen viel zu intolerant sind. Sie stellen ihre jeweiligen Überzeugungen und Ideologien immer wieder über die Vernunft. Deshalb funktioniert Multikulti auch nicht. Leider.

Re: Re: Eine Studie für den Müll

Finde ich auch. Geburtenraten von 1,5 Kinder pro Frau weltweit würden viele Probleme des nächsten Jahrhundert lösen.

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