Deutschland: Volles Sorgerecht für unverheiratete Väter

31.01.2013 | 20:37 |   (DiePresse.com)

Ohne Trauschein hatten Väter in Deutschland bei ihren Kindern bisher wenig zu sagen. Das hat der Bundestag nun geändert.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Unverheiratete Väter können in Deutschland künftig das volle Sorgerecht für ihre Kinder ausüben - notfalls auch gegen den Willen der Mutter. Eine entsprechende Gesetzesreform verabschiedete der deutsche Bundestag am Donnerstagabend. Ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter soll den Vätern nur noch dann verwehrt bleiben, wenn dadurch das Wohl des Kindes beeinträchtigt wäre. Diese Neuregelung gilt auch für Altfälle, die seit vielen Jahren die Familiengerichte beschäftigen.

Das Gesetz ist eine Konsequenz aus mehreren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Darin war die bisherige Begünstigung der Mütter gegenüber unehelichen Vätern beanstandet worden. "Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt", betonte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarenberger (FDP). Nach ihren Worten wird die Reform auch dem gesellschaftlichen Wandel gerecht. Derzeit wird in Deutschland jedes dritte Kind von einer unverheirateten Mutter zur Welt gebracht.

Künftig soll zwar mit der Geburt zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht haben, doch der ledige Vater kann beim Familiengericht die Mitsorge beantragen. Äußert sich die Mutter innerhalb einer Sechs-Wochen-Frist zu dem Antrag nicht oder trägt sie lediglich Gründe vor, die nichts mit dem Kindeswohl zu tun haben, wird das gemeinsame Sorgerecht in einem vereinfachten Verfahren gewährt. Es soll dem Vater nur dann versagt bleiben, wenn es nach Ansicht der Richter dem Kindeswohl widerspräche.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Christine Lambrecht, warnte allerdings vor Urteilen nach Aktenlage. Es sei "ein Unding", dass eine derart weitreichende Entscheidung vom Gericht ohne Anhörung der Eltern getroffen werden solle. Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) wandte sich gegen ein gerichtliches "Schnellverfahren" ohne Anhörung der Beteiligten. "In einem solchen Verfahren kann ein Gericht nicht wirklich feststellen, was dem Wohl des Kindes am besten entspricht."

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

18 Kommentare

Österreich macht Deutschland gerne alles nach

... dann sollen sie das auch zum Thema Väter tun. Bei uns haben Väter, die von der Kindesmutter getrennt leben, überhaupt nichts zu sagen. Sie dürfen nur zahlen.

Der Vater ...

.....ist wichtig für die Kinder!

Österreich ist anders

Deutschland setzt moderne Rechtsauffassungen durch und passt sich der gesellschaftlichen Realität an und schafft Gleichstellung. Österreich verharrt rückständig und schafft keine Gleichstellung.

Gut gemacht!

Finde ich richtig so. Ich finde es auch gut, dass der Vater sich aktiv um die Mitsorge bemühen muss, denn leider gibt es ja auch solche Fälle, dass der Erzeuger Leine zieht, wenn die Frau schwanger wird.

Re: Gut gemacht!

Es ist auch bekannt, dass im Verhältnis mehr Frauen die Alimente verweigern als Männer.

Re: Re: Gut gemacht!

Das ist genauso falsch, wie wenn ein Vater so etwas macht.
Wer ein Kind in die Welt setzt, der muss es auch versorgen (im Rahmen seiner Möglichkeiten). Wenn das Kind jetzt beim Vater lebt, sollte es selbstverständlich sein, dass die Mutter Alimente bezahlt.

einseitig

Es fällt aber auf, dass sie vorerst immer nur auf die Väter Anspielungen machen und erst im Nachhinein einräumen, dass Frauen genauso teilweise sogar noch schlimmer agieren.

Re: einseitig

Das liegt wohl daran, dass ich

a) eine Frau bin
b) Freundinnen habe
c) daher mehr dieser Fälle kenne als umgekehrt, in Wahrheit kenne ich eigentlich nur jene Fälle persönlich, bei denen die Frau mit dem Kind alleine da steht und sich der Mann nicht kümmert

Also reine Erfahrungssache.
Es wird aber sicher auch Frauen geben, die falsch handeln, das will ich gar nicht abstreiten. Nur kenne ich eben keine solchen persönlich.

In Österreich wird uns unverheirateten Vätern dieses Recht noch immer verweigert.

Mag sein, daß vielen Vätern das egal ist, aber wenn unsere grünen Emanzen eine wirkliche Gleichberechtigung wollen, dann sollten sie auch in diesem Punkt eine Gleichheit für die Geschlechter anstreben. (Und nicht nur eine Besserstellung der Frau!)

scheint nicht der hier übliche Murks zu sein.


Vater

Jedes Kind braucht einen Vater und sollte die Chance erhalten, auch gegen den Willen der Erzeugerin, dass es ihn auch bekommt.

Das was sie achtlos als Erzeuger bezeichnen, sind übrigens Menschen aus Fleisch und Blut. Man nennt sie Vater und Mutter.

Von Gleichstellung können wir allerdings erst sprechen, wenn es gleich viele männliche wie weibliche Alleinerziehende gibt. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu tun.

Familie ist ein Grundrecht.

Re: Vater

Erzeuger vs. Vater:

Erzeuger ist jemand, der das Kind nur zeugt, aber danach kein Interesse mehr zeigt und mit dem Kind weder etwas zu tun haben will, noch die Vaterschaft anerkennt, noch sich finanziell beteiligen will. So jemand ist kein Vater.

Ein Vater ist jemand, der zu seiner Verantwortung steht, Interesse an seinem Kind hat, sich um sein Kind kümmert und nicht nur ein lebender Bankomat ist.

Gilt übrigens auch umgekehrt für Mütter vs. Erzeugerinnen.

Re: Re: Vater

Netter rationaler Zugang, aber für das Kind ist es nicht so einfach.

Es hat nur einen Vater.

Re: Re: Re: Vater

Schon richtig, aber den hat es ja im Falle eines Erzeugers, wie von mir beschrieben, ja nun eben nicht.

Wenn sich der Vater nie meldet, das Kind nie sehen will, auch nur unter Zwang bezahlt, dann bleibt der Mutter nicht viel anderes übrig, als dem Kind zu erklären, wie es ist. Auch, wenn es das Kind sicher traurig macht.

Re: Vater

Jedes Kind hat biologisch gesehen einen Vater. Es gibt nur leider Mütter, die aus Haß auf den Vater verhindern, daß das Kind diesen überhaupt (näher) kennenlernt. (Natürlich gibt es auch Väter, die nichts von ihren Kindern wissen wollen, aber das halte ich heutzutage eher für die Ausnahme.)

Ehe endgültig abgewertet

Leider war es auch nach einer Scheidung nicht möglich daß Eltern gleichberechtigt sind. Somit : wozu heiraten ? hat ein Argument mehr.
Besteht keine Bindung zum Kind ( immer schon getrennt lebende "Eltern") muss der Erzeuger jetzt verzichten und er tut es hofffentlich auch!

Re: Ehe endgültig abgewertet


Im Moment zehren wir noch vom demographischen Erbe unserer Großeltern, aber damit ist es bald vorbei. Bei der aktuellen Geburtenrate halbiert sich die Anzahl der Österreicher alle 50 Jahre -- offensichtlich geht dies einigen jedoch noch nicht schnell genug.

Gesellschaftliche Werte und Normen, die dazu führen dass eine Gesellschaft binnen weniger Generationen wegen Kinderlosigkeit von der Bühne des Lebens abtritt, können per definitionem nur falsch sein -- allein dies wäre schon Grund genug, die traditionellen Werte Ehe und Familie endlich wieder zu stärken.

Vater

Jedes Kind braucht einen Vater und sollte die Chance erhalten, auch gegen den Willen der Erzeugerin, dass es ihn auch bekommt.

Das was sie achtlos als Erzeuger bezeichnen, sind übrigens Menschen aus Fleisch und Blut. Man nennt sie Vater und Mutter.

Von Gleichstellung können wir allerdings erst sprechen, wenn es gleich viele männliche wie weibliche Alleinerziehende gibt. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu tun.

Familie ist ein Grundrecht.

AnmeldenAnmelden