Kinder haben Recht auf Namen von Samenspendern

06.02.2013 | 14:57 |   (DiePresse.com)

Die Klage einer Tochter hatte vor Gericht Erfolg: Samenbanken müssen die Namen anonymer Spender nennen, wenn deren Kinder das wollen. Zur Zahl der Betroffenen in Deutschland gibt es nur Schätzungen.

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Eine Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm in einem wegweisenden Urteil entschieden. Geklagt hatte eine 21 Jahre alte Frau, deren Mutter sich auf diese Weise befruchten lassen hatte. Die Richter im westfälischen Hamm werteten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität. Eine Revision ließ das OLG nicht zu. Der Beklagte könnte aber mit juristischen Kniffen beim Bundesgerichtshof (BGH) noch zu einem Revisionsgrund kommen.

Der beklagte Fortpflanzungsmediziner Thomas Katzorke beruft sich weiter darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen. Die Richter des Oberverwaltungsgerichts nahmen dem Mediziner die Argumentation nicht ab.

Die Klägerin Sarah P. wollte sich nicht selbst zu ihrem juristischen Erfolg äußern. Der Anwalt der jungen Frau kündigte aber eine Stellungnahme an. Seit rund vier Jahren weiß die 21-Jährige, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Sie kämpft gemeinsam mit dem Verein Spenderkinder auf juristischem Weg für das Recht, den biologischen Vater kennenzulernen.

100.000 Kindern anonymer Samenspender?

Bereits 1989 hatte das deutsche Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Erst das Jahr 2007 brachte mit dem Gewebegesetz eine Neuerung: Unterlagen zur Samenspende, die als Gewebeübertragung gilt, müssen jetzt 30 Jahre aufbewahrt werden.

Zur Zahl der Betroffenen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Das Essener Novum-Zentrum für Reproduktionsmedizin, das der jetzt beklagte Mediziner Katzorke leitet, geht von rund 100.000 Kindern anonymer Samenspender aus.

In Österreich Namensnennung verpflichtend

Österreichische Samenspender müssen vor der Spende zum einen ihr Einverständnis erklären, dass ihr Samen in der medizinischen Fortpflanzung eingesetzt wird, zum anderen müssen sie der Auskunftspflicht der Samenbank gegenüber gezeugten Kinder zustimmen. Hat ein anonym gezeugtes Kind sein 15. Lebensjahr erreicht, dann hat es automatisch Anspruch darauf zu erfahren, wie der Name des biologischen Vaters lautet.

In Österreich werden die Daten der Samenspende in Österreich von der jeweiligen Spenderanstalt aufbewahrt. Archiviert werden neben dem Namen auch Geburtstag und -ort, Staatsangehörigkeit, Wohnort, Vor- und Zuname der Eltern und Zeitpunkt der Samenspende.

(APA/dpa)

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35 Kommentare
 
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Und wie hätte unser 5er des OGH entschieden:

+++ Unter Millionen von Samenfäden lässt sich der Befruchter nicht eineindeutig zuordnen. Also werden die "üblichen Verdächtigen" als Vater festgestellt: alle, die im Namen das Wort Vater führen. Zuvorderst Benedikt XVI +++
romp

So lächerlich!

Ich persönlich finde dieses Urteil unmöglich! Die Folgen könnten für alle Beteiligten untragbar sein und natürlich wird es viel Missbrauch geben, um an Unterhaltszahlungen heran zu kommen!

Was ist Sarahs Intention? Untenstehende Argumente: Krankheitsbild, Entfaltung der Persönlichkeit ?!?

Muss ich mir jetzt bei jedem one-night-stand eine Reisepasskopie machen und Buch führen? Das ist alles so absurd! Es gibt so viele one-night-stand Kinder, die ihren Vater nicht kennen und somit auch die Krankengeschichte nicht aufliegt. All die armen Kinder können sich nicht in der Persönlichkeit entfalten. Nächstes (heftiges) Beispiel: Vergewaltigungsopfer mit Schwangerschaft als Folge ohne Abbruch (für mich persönlich nicht nachvollziehbar, soll es aber auch geben)... danke, verzichte diesen Vater kennenzulernen!

Ich persönlich finde, dass Eltern haben/kennen kein Recht ist, sondern ein Privileg!

Um Unterhaltszahlungen ...

... wird man sich keine Sorgen machen müssen, das ist im Fortpflanzungsmedizingesetz ausgeschlossen. Trotzdem hielte ich die Möglichkeit einer "echten" anonymen Spende für angebracht.

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Re: Wo sind Sie angrennt?

Wer mit voller Absicht ein Kind von sich in die Welt setzen lässt (und genau das tut der Samenspender, absichtlicher gehts gar nicht mehr), der soll anonym bleiben müssen? Ja mit welchem Recht denn? Jeder Zufallsvater muss zum Ergebnis stehen, ob er es wollte oder nicht. Der Samenspender riskiert aufgrund seiner vertraglichen Situation sowieso nichts, als dass ihm sein Kind einmal begegnet und ihn kennenlernen will. Und DAS ist ihm sehr wohl zumutbar. Wirklich lachhafte Debatte.

Re: So lächerlich!

"Ich persönlich finde, dass Eltern haben/kennen kein Recht ist, sondern ein Privileg!"

Wie wäre es mit Privileg und Recht. Wenn "Eltern haben" nur ein Privileg wäre müssten Staaten kein Adoptionsrecht umsetzen. Jedenfalls beinhaltet die Kinderrechtskonvention das Recht auf Familie und auch auf Persönlichkeitsentfaltung. Und im
Artikel 7 heisst es: "(1) Das Kind ... hat ... soweit möglich das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden."

Re: Re: So lächerlich!

Artikel 7 sagt doch schon alles "soweit möglich" und mE ist es aufgrund des Anonymitätswunsches des Spenders sohin ncht möglich oder sollte es zumindest nicht sein.

Es ist eine heikle Situation für alle Beteiligten und es musste eine Entscheidung gefallen werden, pro Kind oder pro Spender.

Der Spender hat einen gültigen Vertag,

das Kind nur ein diffuses, durch niemanden zu garantierendes "Recht".

Was macht ein Kind das anonym geboren oder in eine Babyklappe gelegt wurde - wenn dieses angebliche Recht hier nicht garantiert werden kann, wieso sollte dann anderswo dafür ein Vertrag gebrochen werden müssen?

Ich hoffe, es gibt in den nächsten Wochen eine Serie ungeklärter Brände in den Archiven von Samenbanken...

Wohin soll das führen ....

Da stand eine Frau zum wiederholten Mal vor dem Richter des Vormundschaftsgerichtes

Richter: "also , gute Frau, sollten wir uns hier nochmals wiedersehen, dann verlange ich von Ihnen den Namen des Erzeugers Ihres weiteren unehelichen Kindes" .....
Der Wiederholungsfall trat ein.
Die Frau. "Herr, Richter, dieses Mal weiß ich aber auch den Namen.
Richter: "Und wie also heißt der Mann?"
Frau: "Reiner Maco"
Richter: "Und woher ist dieses Mal Ihr Wissen ?"
Frau: "Na, das stand auf dem kleinen Stoffschildchen in seiner Unterhose"......


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Und hat das Kind

dann auch Anspruch auf Alimente und Erbschaft des Samenspenders ?

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Re: Und hat das Kind

Nein.

Re: Und hat das Kind

Die Medienberichte verschweigen wieder einmal das wichtigste!Ihre Frage ist DIE wirklich wichtige Frage.Es wäre ein Skandal,könnte man jetzt den biologischen Vater wg Unterhaltszahlungen klagen. Die Samenspende hat nur EINEN Sinn:Einer Frau einen Kinderwunsch zu erfüllen,der anders nicht erreichbar wäre.

Re: Re: Und hat das Kind

"Die Samenspende hat nur EINEN Sinn:Einer Frau einen Kinderwunsch zu erfüllen.."
Nicht unbedingt aus der Perspektive des gezeugten Kindes. Vielleicht aus der Perspektive der zukünftigen Mutter. Anscheinend begründet der Umstand, dass durch die Samenspende eines bestimmten Mannes Sarah P. gezeugt wurde, aus der Perspektive der Sarah P. einen Bezug zu diesem Mann der die Schranken der Anonymität sprengt. Das Gericht hat bereits auf die Persönlichkeitsentfaltung hingewiesen, also die Sichtweise, dass im Samenspenden ausschliesslichen der Sinn liegt einen Kundeswunsch zu erfüllen aus meiner Sicht bereits indirekt verneint. Nur, ein Sinn (etwa, dass man einen genetisch verwandten leiblichen Vater hat) oder eine Konsequenz der Zeugung durch Samenspende aus der Perspektive der Tochter entsteht viele Jahre später.

Re: Re: Re: Und hat das Kind

OK! Habe ich SO nicht bedacht-ABER:Auf keinen!!Fall gerechtfertigt wären einzuklagende Unterhaltszahlungen durch den Samenspender! Dieser wäre dann ruiniert,denn die Zahlungen wären rückwirkend von Geburt an zu leisten.

Re: Und hat das Kind

das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Re: Re: Und hat das Kind

Vielleicht besteht die Möglichkeit auf Unterhalt zu klagen. Um den Samenspender auf Unterhalt zu klagen muss zuerst seine Identität festgestellt werden. Das Recht diese Identitätsfestellung nötigenfalls gerichtlich zu verlangen besteht jetzt. Danach soll es zumindest theorethisch möglich sein auf Unterhalt zu klagen - dies wird auch in Zusammengang mit dieser Geschichte in deutschen Medien berichtet. Z.B. hier (11. Absatz): http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1360148695644&openMenu=1107786571105&calledPageId=1107786571105&listid=1107786571097

Ganz sicher nicht in Österreich

§ 148 Abs. 4 ABGB: "Ein Dritter, dessen Samen für eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung verwendet wird, kann nicht als Vater des mit seinem Samen gezeugten Kindes festgestellt werden. Dritter ist, wer seinen Samen einer für medizinisch unterstützte Fortpflanzungen zugelassenen Krankenanstalt mit dem Willen überlässt, icht selbst als Vater eines mit diesem Samen gezeugten Kindes festgestellt zu werden."

Wie weit kann man denken?

Derzeit wird wirklich alles was geht vermarktet.

Mich würden die Umstände der Unfruchtbarkeit eher interessieren. Denn hier krankt es offensichtlich mehr als es rein oberflächlich den Anschein hat.


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zukünftige Auswirkungen?

Aus Sicht der jungen Frau mag die Klage begründet sein, auch ihr Wunsch, ihren biologischen Vater kennen zu lernen. Vielleicht wäre bei mir auch der Wunsch vorhanden.
Nur wird dieses Urteil folgen für zukünftige Frauen/Familien/Paare mit Kinderwunsch haben. Es werden sich immer weniger Männer als Samenspender zu Verfügung stellen - eben wegen der fehlenden Rechtssicherheit.
Ob die junge Frau diese Auswirkungen berücksichtigt hat, mag ich zu bezweifeln.

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Re: zukünftige Auswirkungen?

Na und ????

Das Kindeswohl hat immer über dem Kinderwunsch zu stehen!

Alles andere ist amoralisch! Über kurz oder lang werden Kinder bei von Lesben ums Singlefrauen im Internet zu bestellen sein! Geschlecht, Augenfarbe, Intelligenz, immunologische Kompatibilität etc. alles zu leistbaren Preisen.

Vom Kinderwunsch zum Kind als Ware. Wir werden das alle noch erleben, leider!

Re: zukünftige Auswirkungen?

Steht im Standard: Aufgrund der Namensnennung verzichten viele potentielle Spender-daher Mangel"


Re: Und? Schlecht?

Finde ich nicht! Das bedeutet nur, dass wieder mehr Bewusst und Verantwortung zum Zug kommen.

Rechte: Anonymität contra Freie Entfaltung .....

Wieso haben die Eltern ( biol. Mutter und Pflegevater ) denn überhaupt dem Kind mitgeteilt, auf welche - ungewöhnliche - Weise es gezeugt wurde ???

Und was ist, wenn es keine anonyme Samenspende war, sondern Ehebruch seitens der leibl. Mutter ?

Und wenn die Tochter nun tatsächlich ihren biol. Vater findet - was hat sie davon ?

Vielleicht ist er ja Millionär ( gutes Geschäft ) oder aber Obdachloser, dann hat sie einen Geist gerufen, den sie nun nicht mehr los wird ... denn als leibliche Tochter hat sie ihm gegenüber dann Verpflichtungen.

Re: Rechte: Anonymität contra Freie Entfaltung .....

sie bringen einiges durcheinander. als tochter hat sie ihm gegenüber keine verpflichtungen und immerhin trägt sie seine gene, eigenschaften und erfahrungen in sich. grund genug zu wissen von wem man abstamm, unabhängig von dessen profession.

Also, Unterhalt ...

... geht prinzipiell durchaus in beide Richtungen, dh auch der Kinder den Eltern gegenüber ...

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Re: Rechte: Anonymität contra Freie Entfaltung .....

Ohne die einschlägigen deutschen Gesetze zu kennen: Aber ich bin mir sicher, dass ein Samenspender jeglichen Anspruch an oder aus den daraus resultierenden Nachwuchs abgeben muss. Und vice versa das gleiche.

Andernfalls würde wohl niemand so verrückt sein seinen Samen herzugeben wenn es daraufhin ggf zu Unterhaltszahlungen kommt..

 
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