Diakonie berät werdende Eltern behinderter Kinder

28.03.2013 | 12:45 |   (DiePresse.com)

Nach pränatalen Diagnosen werden Eltern häufig allein gelassen. Die Diakonie hat eine Betreuungsstelle ins Leben gerufen, fordert aber auch Hilfe von der Regierung.

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Eine Einrichtung der Diakonie in Linz bietet ab April Beratung für werdende Eltern von Kindern mit Behinderung an. Grund dafür sei die derzeit "mangelnde Information" etwa nach einer pränatalen Diagnose, begründete Diakonie-Direktor Michael Chalupka diesen Schritt. Er forderte auch die Koalition auf, ihrem Bekenntnis im Regierungsprogramm zum Ausbau der Beratung Taten folgen zu lassen.

"Viele Eltern können sich ein Leben mit einem Kind mit Behinderung schlichtweg nicht vorstellen", sieht Chalupka Bedarf für eine derartige Betreuungsstelle. Das Pilotprojekt in Linz sei durch private Spenden und Sponsoring finanziert worden, der Diakoniedirektor wünscht sich aber zumindest in jedem Bundesland eine solche Einrichtung. Ohne staatliche Unterstützung werde dies allerdings nicht möglich sein. Gespräche mit dem Familienministerium habe es zwar gegeben, konkrete Schritte in diese Richtung aber noch nicht.

Die Diakonie will mit dem Projekt "Beratung jenseits einer symbolischen oder ideologischen Politik ermöglichen", so Chalupka. Dementsprechend differenziert müsse auch die Debatte über pränatale Diagnostik ablaufen. Der Geschäftsführerin des Zentrums in der Linzer Spattstraße, Für Andrea Boxhofer, ist es wichtig, gegenüber den Eltern nicht direktiv zu sein und Respekt vor deren Entscheidungen zu haben. Was man in der Betreuungsstelle machen werde, sei beinahe "klassische Krisenintervention".

Dass Eltern, die ein Kind mit Behinderung erwarten, kaum Beratung oder Betreuung finden, hat Helga Müller-Finger - sie ist selbst Medizinerin - erfahren. Der Umgang im Krankenhaus mit der pränatalen Diagnose ist für sie ein "grausames Erlebnis" gewesen, "es gab keine Telefonnummer, keine Beratung, nichts", schilderte sie. Dementsprechend sei es wichtig, Frauen in einer solchen Situation nicht alleine zu lassen, Bedenkzeit einzuräumen und sie bezüglich einer Entscheidung nicht unter Druck zu setzen.

Auch Ulrich Körtner, Mitglied der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt und Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien, sprach sich für Entscheidungsfreiheit aus: "Eine gute Beratung muss ergebnisoffen sein." Die Möglichkeit der pränatalen Diagnose stelle die Gesellschaft vor ein Dilemma, da man oft nicht wisse, wie man mit dem im Einzelfall gewonnen Wissen umgehen solle. Wichtig sei nun, größeres Augenmerk auf die Beratung zu legen. Hier müssten die politisch Verantwortlichen in den Blick genommen werden, meinte auch er.

(APA)

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2 Kommentare
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Danke Diakonie

In Österreich werden 90 bis 95 Prozent der mit Trisomie 21 diagnostizierten Babys abgetrieben. Soweit die Tatsache. Doch dahinter steckt ein unglaublich komplexes Thema, dass es den Menschen schwer macht, eine Meinung dazu zu haben. Deshalb wird versucht, diese Tatsache einfach zu ignorieren. „profil“ hat getitelt „Das verschwindende Kind“. Und das trifft es gut. Verschwinden kann man nur, wenn keiner hinschaut. Ich verurteile nicht die Eltern, die diese schwere Entscheidung treffen müssen. Das ist kein Thema für individuelle, moralische Angriffe. Es geht um unsere Gesellschaft, in der wir leben, um die Konzepte von Perfektion (der perfekten Familie, dem perfekten Kind), in der Kinder mit Down Syndrom keinen Platz mehr haben. Sie sind die eindeutigen Verlierer in der „entwickelten“, „fortschrittlichen“ Gesellschaft. Sie haben in unserer Gesellschaft kein Recht auf Leben. Deshalb ist es für Eltern in der Situation der Entscheidung so schwer „Ja“ zu sagen. Weil es gegen die Norm wäre, sich für ein Kind, das augenscheinlich außerhalb der Norm liegt, zu entscheiden. Doch sind die Kinder erstmal da, zeigt die Gesellschaft plötzlich ein anderes Bild: Es werden nette Basteleien aus den Behindertenwerkstätten gekauft, fleißig bei „Licht ins Dunkel“ gespendet und man geht zu Tanzvorführungen von „Ich bin OK“. Den Eltern die bestmögliche Beratung zu ermöglichen, ist ja wohl das Mindestes was ein Familienministerium, das seinen Namen verdient, zu tun hat.

höchste zeit

auch das sind nachwehen der nazi-zeit: behinderte? weg damit. danach hat man sie halt weggesperrt. und wer heute in österreich ein behindertes kind hat, soll es in die sonderschule geben, da wird nicht einmal ein unterschied gemacht, ob das down-syndrom- rollstuhlfahrer- oder adhs-kinder sind.

eigenartig, dass dann wieder eine nicht staatliche institution den mumm haben muss, was auf die beine zu stellen und hinterher erst recht wieder um unterstützung flennen muss. das offizielle österreich ist ein passiver reaktionskörper, der dann meist auch noch nach dem trägheitdgesetz aber auch alles versucht, ja nix neues entstehen zu lassen.

von daher binich gespannt, was in 10 jahren von dieser initiative noch übrig sein wird. die ausbilung im schulsystem berücksichtigt ja den fakt, dass es eine un-kinderrechtskonvention gibt, die österreich unterfertigt hat und totale integration vorsieht ja null und gar nicht. wir leisten uns lieber weiterhin parallel 2 schulsysteme: die guten ins töpfchen

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