Diakonie berät werdende Eltern behinderter Kinder

Nach pränatalen Diagnosen werden Eltern häufig allein gelassen. Die Diakonie hat eine Betreuungsstelle ins Leben gerufen, fordert aber auch Hilfe von der Regierung.

Diakonie beraet werdende Eltern
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Diakonie beraet werdende Eltern
Diakonie beraet werdende Eltern – (c) EPA (National Geographic Channel)

Eine Einrichtung der Diakonie in Linz bietet ab April Beratung für werdende Eltern von Kindern mit Behinderung an. Grund dafür sei die derzeit "mangelnde Information" etwa nach einer pränatalen Diagnose, begründete Diakonie-Direktor Michael Chalupka diesen Schritt. Er forderte auch die Koalition auf, ihrem Bekenntnis im Regierungsprogramm zum Ausbau der Beratung Taten folgen zu lassen.

"Viele Eltern können sich ein Leben mit einem Kind mit Behinderung schlichtweg nicht vorstellen", sieht Chalupka Bedarf für eine derartige Betreuungsstelle. Das Pilotprojekt in Linz sei durch private Spenden und Sponsoring finanziert worden, der Diakoniedirektor wünscht sich aber zumindest in jedem Bundesland eine solche Einrichtung. Ohne staatliche Unterstützung werde dies allerdings nicht möglich sein. Gespräche mit dem Familienministerium habe es zwar gegeben, konkrete Schritte in diese Richtung aber noch nicht.

Die Diakonie will mit dem Projekt "Beratung jenseits einer symbolischen oder ideologischen Politik ermöglichen", so Chalupka. Dementsprechend differenziert müsse auch die Debatte über pränatale Diagnostik ablaufen. Der Geschäftsführerin des Zentrums in der Linzer Spattstraße, Für Andrea Boxhofer, ist es wichtig, gegenüber den Eltern nicht direktiv zu sein und Respekt vor deren Entscheidungen zu haben. Was man in der Betreuungsstelle machen werde, sei beinahe "klassische Krisenintervention".

Dass Eltern, die ein Kind mit Behinderung erwarten, kaum Beratung oder Betreuung finden, hat Helga Müller-Finger - sie ist selbst Medizinerin - erfahren. Der Umgang im Krankenhaus mit der pränatalen Diagnose ist für sie ein "grausames Erlebnis" gewesen, "es gab keine Telefonnummer, keine Beratung, nichts", schilderte sie. Dementsprechend sei es wichtig, Frauen in einer solchen Situation nicht alleine zu lassen, Bedenkzeit einzuräumen und sie bezüglich einer Entscheidung nicht unter Druck zu setzen.

Auch Ulrich Körtner, Mitglied der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt und Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien, sprach sich für Entscheidungsfreiheit aus: "Eine gute Beratung muss ergebnisoffen sein." Die Möglichkeit der pränatalen Diagnose stelle die Gesellschaft vor ein Dilemma, da man oft nicht wisse, wie man mit dem im Einzelfall gewonnen Wissen umgehen solle. Wichtig sei nun, größeres Augenmerk auf die Beratung zu legen. Hier müssten die politisch Verantwortlichen in den Blick genommen werden, meinte auch er.

(APA)

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