Je früher Kinder in Krippen oder Kindergärten professionell betreut werden, desto besser ist ihre Leistung später in der Schule. Laut der EURYDICE-Studie "Early Childhood Education and Care" im Auftrag der EU-Kommission haben es aber acht EU-Länder verabsäumt, für Kinder unter drei Jahren entsprechende Betreuungsplätze auszubauen. Und dazu zählt auch Österreich, berichtet das Ö1-Morgenjournal.
Die EU-Studie kritisiert, dass es für Kinder unter drei Jahren viel zu wenig staatlich geförderte Krippenplätze gebe. Für berufstätige Mütter seien zudem die Öffnungszeiten nicht flexibel genug und es wird zuwenig Wochenend- oder Abendbetreuung vom Staat angeboten.

Großer Kritikpunkt in der EU-Studie: Österreich würde Mütter durch das Karenzgeld motivieren, daheim zu bleiben. Negative Auswirkungen habe das vor allem für Kinder aus sozial schwachen Familien mir Migrationshintergrund: Sie würden bis zum Volksschulalter die Landessprache nicht lernen.
Basis für weiteres Lernen
EU-Bildungskommissar Jan Figel ruft die EU-Staaten in dem Bericht auf, mehr in vorschulische Bildung zu investieren - als "effizientes Mittel", um die Basis für weiteres Lernen zu schaffen, Schulabbrecher zu verhindern und Chancengleichheit bei den Ergebnissen und Qualifikation zu erreichen. "Die vorschulische Bildung bringt den höchsten Nutzen in Hinblick auf das soziale Anpassungsvermögen", heißt es in der Studie.
Lösungsvorschläge der EU: Es soll in Kindergärten und Kinderkrippen mehr akademisch gebildetes Personal eingesetzt werden. Laut EU-Studie steht in Österreichs Kindergärten und Vorschulen derzeit das Motto "spielendes Lernen" im Vordergrund. In den Skandinavischen Ländern würden Kinder schon viel früher für die Schule relevante Fähigkeiten lernen und so langfristig für PISA-Bildungstests besser abschneiden.
Nur etwa die Hälfte der Dreijährigen (48,5 Prozent) nimmt in Österreich an einem vorschulischen Bildungsangebot teil. EU-weit sind es dagegen fast drei Viertel (73,9 Prozent). Dagegen weist Österreich bei den Vierjährigen schon Teilnehmerraten von 83,2 Prozent und bei den Fünfjährigen von 93,0 Prozent auf, was über dem EU-Schnitt liegt.
Bildungsministerin Claudia Schmied hat als Reaktion auf die EU-Studie einen österreichweiten Bildungsplan für Kindergärten angekündigt. Speziell die Vorschulkinder sollen verstärkt ausgebildet werden. Außerdem auf der Agenda: Fünfjährige sollten verpflichtend in den Kindergarten gehen. Betreffend der von der Kommission geforderten akademischen Ausbildung für KindergartenpädagogInnen verwies Schmied auf eine interministerielle Arbeitsgruppe, die in diesen Tagen eingerichtet wurde.
Heftige Kritik an der Kindergartenpflicht nur für 5-jährige übten die Grünen Abgeordneten Daniela Musiol und Harald Walser. "Bereits jetzt besuchen 93% der 5-jährigen einen Kindergarten, trotzdem haben viele beim Schuleintritt massive Probleme mit der Unterrichtssprache."
Die Grünen fordern unter anderem einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und eine akademische Ausbildung der Kindergartenpädagogen und ganztägig und ganzjährig geöffnete Kinderbetreuungseinrichtungen.
(Red.)

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