Die Kunst der Botschaft

Die Initiative Design Mobil versucht ein Bewusstsein zu schaffen, Design auch kritisch wahrzunehmen und erklärt, dass Kunst nicht immer schön sein muss.

„Diese Art von Ausbeutung wird nicht unterstützt“: Die Schülerinnen und Schüler entwarfen T-Shirts mit eindrücklichen Botschaften.
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„Diese Art von Ausbeutung wird nicht unterstützt“: Die Schülerinnen und Schüler entwarfen T-Shirts mit eindrücklichen Botschaften.
„Diese Art von Ausbeutung wird nicht unterstützt“: Die Schülerinnen und Schüler entwarfen T-Shirts mit eindrücklichen Botschaften. – Katharina Roßboth

Wien. „Kunst und Design sind die ideale Möglichkeit, schwierige Themen mit ungewöhnlichen Mitteln greifbar zu machen und Aufmerksamkeit zu erlangen“, sagt Katrin Kober, Lehrende an der Uni für angewandte Kunst. Im Workshop Cleaner Clothes, von Kober und ihrem Partner Paul Klein geleitet, wurden Slogans und Motive entworfen, die später auf T-Shirts gedruckt Bewusstsein schaffen sollten.

Auch die vier 16-jährigen Mädchen vom BG Bludenz hatten das Ziel, die schlechten Arbeitsbedingungen im Rahmen von Massenproduktionen in der Textilindustrie aufzuzeigen. Ihre kreative Idee: Die Route Wien-Bangladesch wurde im Google-Maps-Style unter einer Fehlermeldung dargestellt. Der Slogan von Sophia Stübe: „Massenproduktion.docx-Datei kann nicht gefunden werden. Überprüfen Sie, ob die Arbeitsbedingungen in Ordnung sind.“ „Windows zurückgesetzt. Sie haben die falsche Kleidung gekauft. Wollen Sie das rückgängig machen?“, ist die Botschaft von Irma Kessler. Jael Witter druckte: „Modekonzerne. Diese Art von Ausbeutung wird nicht unterstützt.“

Solche Projekte kennt man bereits aus Berlin. Die Aktion Fashion Revolution hat dort Automaten aufgestellt, an denen man T-Shirts für nur zwei Euro kaufen konnte. Statt des T-Shirts wurden aber zunächst schockierende Bilder der Produktion gezeigt. Danach mussten sich die potenziellen Käufer entscheiden, das T-Shirt trotzdem zu kaufen oder die zwei Euro zu spenden.

Näherinnen der britischen Modekette Primark hatten Hilferufe in Etiketten eingenäht. Botschaften wie „SOS, SOS, SOS“, „...forced to work exhausting hours“ oder „degrading sweatshop conditions“ sollten auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen hinweisen. „Bei Design geht es nicht nur darum, dass etwas schön ist, sondern dass etwas klar kommuniziert wird“, sagt Klein. Ihre Initiative versucht Bewusstsein zu schaffen, Design auch kritisch wahrzunehmen.

 

Vergleich mit Bio-Produkten

Design Mobil ist ein Projekt, das in der Universität für angewandte Kunst seinen Ursprung hat und inzwischen österreichweit Workshops für Kinder und Jugendliche anbietet. Das Ziel: „Wir hoffen, dass Kunden sich bei der Auswahl eines fair und eines nicht fair produzierten Produktes, für das fair angefertigte Kleidungsstück entscheiden.“ Ein Vergleich mit Bioprodukten ist zulässig: „Es gibt eine große Auswahl an Milchprodukten, oft sind die Käufer bereit, wesentlich mehr für ein Bio-Erzeugnis auszugeben.“

Design Mobil hat kein Produkt zu verkaufen, sondern versucht „Vermittlungsarbeit“ zu leisten, sagt Klein. Viele kleine Dinge sollen die richtige Richtung anzeigen. Botschaft verstanden.

TIPPS

Kreativität gefragt. Alte Kleidung kann mit Pailletten, Knöpfen, Perlen, Nieten und Löchern attraktiv gestaltet werden.

Kleidung weitergeben. Was zu klein ist, kann von der kleinen Schwester oder dem Bruder nachgetragen werden.

Auf Gütesiegel achten. Das GOTS- Siegel, die Fairtrade-Marke, die Fair Wear Foundation, Naturtextil Best und Earth positiv sind Zeichen für einen kontrollierten Produktionshintergrund.

Bewusst einkaufen. Nur dauerhafte Lieblingsstücke kaufen, sich nicht von kurzfristigen Fashion-Trends lenken lassen. Eine Einkaufsliste mit Blick in den Schrank hilft.

Sorgfältig tragen. Kleidung länger tragen, schonend waschen. Auf den Trockner verzichten, der Umwelt zuliebe.

Mehr Individualität. Kleidung im Secondhand-Shop oder am Flohmarkt kaufen und verkaufen.

Sich engagieren.Kleidertauschbörsen oder „Swap-Partys“ organisieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2015)

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