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Im Namen des zornigen Vaters

13.06.2009 | 18:18 |  von Ulrike Weiser (Die Presse)

Laut Soziologen werden sich künftig immer weniger Männer damit abfinden, dass der Kontakt zu den Kindern durch eine Scheidung leidet oder gar abbricht. Das neue Verantwortungsgefühl kommt oft viel zu spät.

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Douglas Wolfsperger sah seine Tochter Hanna zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr. Fünf Jahre hatte er um den Kontakt zu der 11-Jährigen gekämpft – und verloren. Fünf Jahre Prozesse, Anrufe, Briefe, Tränen. Ein Fall von ganz normalem Scheidungswahnsinn eben. Bloß dass diesen speziellen Fall ganz Deutschland kennt, weil er seit vergangener Woche im Kino läuft.

Denn Wolfsperger ist nicht nur Vater, sondern auch Filmemacher. Mit der Doku „Der entsorgte Vater“ bringt er – zwölf Jahre nachdem Matthias Matussek einen gleichnamigen Aufsatz im „Spiegel“ publizierte – Väterschicksale auf die Leinwand und eine Debatte ins Rollen. Ist doch „allein die Existenz des Films ein Zeichen“, meint der deutsche Soziologe Gerhard Amendt, der eine Studie über Scheidungsväter erstellt hat: „Dass dieser Film möglich wurde, zeigt, dass sich etwas zusammenbraut. Es gibt einen Bewusstseinswandel. Immer mehr Männer wollen nach der Scheidung ihre Väterlichkeit weiterführen und nicht hinnehmen, dass ihnen der Umgang mit den Kindern genommen oder stark eingeschränkt wird.“

Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Besonders schrill präsentieren sich die Väter in Großbritannien, wo die Aktivisten von „Fathers 4 Justice“ verkleidet als Superhelden Guerrillaaktionen ausführen. In den USA leiht ihnen Schauspieler Alec Baldwin sein Gesicht. Als „Angry Dad“ fand er die Rolle seines Lebens. 2008 ging er im legendär schmutzigen Kampf mit Exfrau Kim Basinger um Tochter Ireland unter die Autoren. „A Promise to Ourselves – A Journey Through Fatherhood and Divorce“ ist eine bittere Abrechnung mit dem US-Familienrecht. Und in Österreich? Prominente Gesichter fehlen, doch Aktionen und Vereine sprießen. Im Vorjahr ließ ein Linzer Friseur „Ich bin Vater. Und ich will meine Kinder sehen“ plakatieren. Der Verein „Vaterverbot“ (eine von mehreren heimischen Organisationen) gewann binnen eines Jahres 2500 Mitglieder. Er habe eigentlich nur eine Plattform im Internet gründen wollen, sagt Organisator Michael Achleitner. Inzwischen trifft er die Justizministerin, macht Lobbying für eine verpflichtende gemeinsame Obsorge, plant Demos. Dass Vereine wie seiner großen Zulauf haben, erklärt er auch damit, dass es kaum institutionelle Hilfe für Väter gebe: „Bei den Männerberatungsstellen ist der Ansatz anders. Da geht es darum, dass sich der Mann bessern soll.“

Die wütenden Väter aber wollen lieber Richter, Gesetz und Gutachter bessern. Zu Recht? Jein. Einerseits zeigten klinische Erfahrungen, dass Väter oft selbst schuld seien, wenn der Kontakt zu den Kindern nicht funktioniere, sagt der Wiener Kinderpsychotherapeut Helmut Figdor. Andererseits sei der Vorwurf struktureller Nachteile für Väter nicht unberechtigt. Denn: Gutachter und Rechtsprechung würden tendenziell die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes unterschätzen. Und: „Wenn die Mutter die alleinige Obsorge hat, hat sie wirklich viel Macht.“

Vaterbewusstsein durch Trennung. Die aber nicht von ungefähr kommt, meint Männerforscher Erich Lehner: „Viele Männer erwachen erst durch die Trennung und werden zum Vater. Warum demonstriert denn keiner vorher dafür, dass Männer ohne berufliche Nachteile in Karenz gehen können?“ Außerdem stört Lehner die Ideologie der „Vaterrechte“-Bewegung. Man könne zwar „nicht taxfrei sagen, dass alle Vätergruppen rechts sind“ (manche verwehren sich dezidiert dagegen), aber oft stecke doch ein gegen den Feminismus gerichtetes Weltbild dahinter. So ist es für ihn kein Zufall, dass die FPÖ auf das Thema Scheidungsväter setzt. Das sieht auch Politologe Peter Filzmaier so, wenngleich es für ihn bloß mit Taktik zu tun hat: „FPÖ-Wähler sind eben vor allem Männer.“ Für SPÖ und Grüne hingegen sei das Thema heikel: Man könnte Wählerinnen verschrecken. Denn die Gefahr, dass der Einsatz für Väterrechte sofort als Angriff auf die ohnehin belasteten Mütter interpretiert werde, bestehe, sagt Olaf Kapella vom Österreichischen Institut für Familienforschung. Er meint aber: „Es muss möglich sein, ohne ständige Aufrechnung die Ungerechtigkeit zu betrachten, der eine Gruppe für sich ausgesetzt ist.“

Die Frage des Blickwinkels stellt sich schließlich auch in Bezug auf die Kinder. Wie sehen diese das heftige Engagement der Väter? Eine pauschale Antwort gebe es nicht, sagt Figdor, der dem umstrittenen „Parental Alienation Syndrom“ (Entfremdung des Kindes vom Elternteil, mit dem man nicht zusammenlebt) kritisch gegenübersteht. Außer dass zu großes Bedrängen schade. Und dass Männer, die wie Amendt sagt, „oft fix und fertig sind“, taktisch nicht immer klug vorgehen. Das weiß Herr Baldwin, der seine Tochter, als die sich nicht an einen Telefontermin hielt, entnervt auf dem Anrufbeantworter als „gemeines, gedankenloses Schwein“ beschimpfte. Und das sollten auch jene wissen, die gut gemeinte Filme und Plakataktionen starten. Denn, meint Figdor: „Das sind politische Aktionen. Für den Einzelfall bringt das eher nichts.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

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12 Kommentare
Gast: Gast
15.06.2009 07:37
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Wen interessiert links - rechts?!?!?!

Es geht doch den Vätervereinigung darum, mehr Rechte zu bekommen. Nicht nur auf dem Papier, sondern im Leben.

Nachdem die Justiz ausgesprochen frauenfreundlich agiert, war diese Reaktion schon lange absehbar.

Solange es ein Kinderspiel ist, einen Vater abzumontieren haben diese Vereine absolute Existenzberechtigung!!!

Man möge also mit der Politisiererei aufhören. Es geht nicht um Parteipolitik sondern um Menschenrechte.

Die einzige Partei, die politisiert hat, war 2007 die SPÖ mit ihren männerfeindlichen Plakaten (zu Weihnachten!!!).

Gast: Ein erwachsenes Scheidungskind
15.06.2009 06:54
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Tja

Erfahrenen Medienkennern faellt die eindeutige Sprache des Artikels bestimmt genauso auf, wie der Apell an Geschiedene, sich dieser "Ideologie der „Vaterrechte“-Bewegung" fernzuhalten. Na dann.

Nett auch der Schlusz:
Für den Einzelfall bringt das eher nichts.

"Ja, duerfens denn das?"

Gast: RichardT
14.06.2009 16:00
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Vater oder Mutter schuld

ich bin ein erwachsenes Scheidungskind.
Ich würde mir ein wesentlich besseres Bewusstsein für die Wünsche und Nöte der Kinder wünschen.
Erst heute weiß ich wie sehr mir beide Elternteile durch ihre elenden Streitereien auch nach der Scheidung geschadet haben.
Angeblich wollen immer alle das Wohl des Kindes. Das würde bedeuten Eigeninteressen hintanstellen und dafür sorgen, daß das Kind soviel wie möglich bei beiden Elternteilen ist.
Und noch was: ob Vater oder Mitter schuld an der Trennung haben interessiert das Kind weder wenn es Kind ist, noch wenn es erwachsen ist.
Die Wahrheit werd ich eh nie erfahren, nur immer Berichte die sehr subjektiv sind und den Rest muß ich mir zusammenreimen.

Antworten Gast: ***
14.06.2009 17:36
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Re: Vater oder Mutter schuld

Gab es den Wunsch nach klaren Regeln, die beide Eltern einzuhalten gehabt hätten, und nach Hilfe und Verständnis von neutralen Dritten?

Antworten Antworten Gast: RichardT
15.06.2009 09:59
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Re: Re: Vater oder Mutter schuld

Als Kind merkst Du doch gar nicht was genau schief läuft. Erst als Erwachsener erkennt man welch mieses Spiel die Eltern betrieben haben.
Ein Kind denkt doch immer, das was die Eltern machen ist richtig oder geht nicht anders.
Da hast Du auch keine Wünsche nach klaren Regeln oder Hilfe und Verständnis wie Du denkst. Das sind Sichtweisen eines Erwachsenen. Woher sollte ich denn wissen, daß es auch geschiedene Eltern gibt die sich noch gut vertragen, und wenn ich es gewußt hätte, ich hätte doch als 7 oder 10jähriger nicht mit meinen Eltern Diskussionen über ihre Beziehungen anfangen können.
Nein, die Eltern sind schlicht und einfach in der Pflicht ihren Kindern Vater und Mutter ohne Probleme für das Kind zu ermöglichen. Wie, das ist deren Problem, muß man sich halt vorher überlegen mit wem man ins Bett steigt.
Ich bin heute auch Vater und glücklich verheiratet.

Gast: John
14.06.2009 15:56
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rechts? links? ist doch völlig wurscht!!!

Aja, weil Väterrechtsbewegungen tendenziell gegen den Feminismus argumentieren sind sie also "rechts"? Und "rechts" = böse?

So dumm !! Ich kann diesen rechts-links-Mist echt nicht mehr hören. Es gibt viele gute Gründe gegen das was bei uns heute und hier als "Feminismus" läuft, professionelle Infos kann man sich z.B. beim Verein "Manndat" holen.

Es stimmt schon, die FPÖ greift das als einzige Partei auf, so wie sie auch als einzige Partei wagt des Islam zu kritisieren - was beides, nicht zu Unrecht, in ein "rechtes Licht" rückt, nur bedeutes das NICHT, dass es nicht auch BERECHTIGTE Kritik an beidem gibt.

Die ist dann nicht links oder rechts, sondern einfach vernünftig im Hinblick auf ein tatsächlich GLEICHBERECHTIGTES und "GLEICHBEPFLICHTIGTES" zusammenleben. Es ist völlig klar, dass in Österreich heute die Männer insgesamt gegenüber Frauen benachteiligt sind. Die ganzen Punkte aufzuzählen, würde zu lange dauern, ich verweise wieder auf "Manndat"

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feminismus

sich für gleichberechtigung (zum beispiel von frauen) einzusetzen, ist eine gute sache. vieles ist erreicht worden, vieles ist noch zu tun.

auf der anderen seite, es gibt auch andere minderheiten und mehrheiten, die in dieser hinsicht zu leiden haben. ich denke zum beispiel an alte menschen. es gibt zwar interessenvertretungen. die zentralen probleme bleiben aber ungelöst.

ein tabuthema ist es in ö., sich für die gleichberechtigung von männern (und vätern) einzusetzen. da gäbe es viel zu tun (so wie in der vergangenheit für frauen). in der zwischenzeit habe ich praktische erfahrungen gesammelt (auch als betroffener vater, als leser und als politisch aktiver mensch). das ergebnis ist, der mainstream des feminismus (jedenfalls in österreich - was in den medien auffällt), verfolgt vorwiegend oder überwiegend ziele, die wenig mit dem streben nach >gleichberechtigung< zu tun haben. diese österreichische variante der feminismus-ideologie ist gekennzeichnet durch: gewalt und menschenverachtung.

ideologien sind an sich nichts schlechtes. sie sind aber nicht das höchste gut. dazu gehört, dass selbstkritik und selbstreflexion eine rolle spielen. sonst wird das "projekt", der verein, die partei, die redaktion zum selbstzweck. bei lao tse steht geschrieben (eine mögliche übersetzung): nützen ohne zu schaden, das ist der weg des himmels. zum "glück" ahnen "echte" ideologinnen und ideologen selten oder gar nie, was sie an ihren schreibtischen anrichten (einseitigkeit, hetze). stimmt's?

Gast: exVater
14.06.2009 10:24
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Vatersituation hoffentlich keine mediale Eintagsfliege

Es ist zwar toll, dass auch einmal etwas über Väter geschrieben wird, doch ist das im Verhältnis der sonst frauenlastigen Medien nur eine Eintagsfliege.
Es gehört viel stärker betont welche Auswirkungen diese Menschenrechtsverletzungen gegen die Väter und Kinder auf diese, aber auch auf die Gesellschaft zurückbleiben. Ebenso gehören die oft schmutzigen Tricks mit Methode aufgezeigt und angeprangert mit denen viele Frauen aggieren und aufgedeckt wie Behörden diese Verbrechen ignorieren und selbst zu Tätern werden.
Immerhin bleiben menschliche Wracks zurück die dann nicht selten von der Gesellschaft erhalten werden müssen - eine schlimme Tendenz. wo doch das Generationsgefälle gesellschaftlich schon genug Probleme in sich birgt.

Gast: politischer Betrachter
14.06.2009 00:09
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ausgleichende Gerechtigkeit

der Niedergang der SPÖ ist die Schuld der militanten, kinderfeindlichen Frauenlobby, die nur ihre eigenen Interessen verfolgt

Gast: dunklemacht
14.06.2009 00:08
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Sorgerecht

Ich bin Mutter von 5 Kinder, eines lebt im heim und der rest bei mir. -kinder sind von 3 verschiedenen Väter.

Ich lebe richzig gut von den staatshilfen, leider zahlt keines der väter unterhalt

ich habe auch das glück in einem dorf ramsloh zu leben wo es für mich keine arbeit gibt..

Ich finde unsere unterhaltsgesetze klasse.
und die väter von meine kids, sind so wie so weiter weg und belästigen gott sei dank nicht mein leben..
und kann in aller ruhe mein cognac cola trinken, das jugendamt vermutet zwar mein trinkverhalten, haben sich aber damit abgefunden
Die arge in friesoythe versuchen mir zwar in einer eingliederungsmassnahme zu schicken aber ich weiss das ich mit krankmeldung ganz schnell meine ruhe habe..

schöne grüsse aus saterland..


Gast: Zaungast
13.06.2009 23:46
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gerechter Zorn

Das Elend der Kinder hat Namen:
Klaar, Bures, Logar - Frauenlobby
Täubel-Weinreich - Richtervereinigung
Figdor - Sachverständige

Gast: Wilhelmine Tell
13.06.2009 20:57
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Warum demonstriert denn keiner vorher dafür, dass Männer ohne berufliche Nachteile in Karenz gehen können?

Was nützt die ganze Demonstration, wenn die Realität doch so ist, dass Frauen und wahrscheinlich auch Männer in den meisten Fällen gewaltige Einbußen bis hin zu Jobverlust und Arbeitslosigkeit hinnehmen müssen, wenn sie sich um Kinder kümmern.
Wenn die Karenz vorbei ist, sind die Kinder immer noch da, die 24 Stunden pro Tag Betreuung brauchen. Jeder Chef weiß, dass er nur noch an zweiter Stelle kommt.

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