Wenn Eltern NSA spielen

Mit Überwachungsapps können Eltern alles, was ihre Kinder mit dem Smartphone anstellen, ausspionieren. Das geht weit über das Lokalisieren per GPS hinaus.

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Kind mit Smartphone – imago/Felix Jason

„Papa, wann bekomme ich ein Handy?“ Irgendwann zwischen der ersten und vierten Klasse Volksschule müssen sich Eltern dieser Frage stellen. Klassischer Nachsatz der Kinder: „Der/Die XY hat auch schon eines.“ Kaum ist das Smartphone angeschafft, tauchen neben Tarif und Datenvolumen weitere weit schwierigere Fragen auf. Was darf mein Kind alles mit dem Handy machen? Im Netz surfen? WhatsApp nutzen? Apps installieren? Welche Kreditkarte wird hinterlegt? Wie kontrolliere ich die Kosten? Die meisten Smartphonehersteller bieten einen sogenannten Kindermodus. Damit lassen sich Funktionen und Apps gezielt deaktivieren. Die Mobilfunkanbieter wiederum stellen mittlerweile Systeme zur Kostenkontrolle zur Verfügung.

Allerdings weiß man dadurch noch nicht, mit wem die Kinder wie und was kommunizieren. Das ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Cybermobbing ist seit Jahresbeginn ein Straftatbestand und mit bis zu drei Jahren Haft bedroht. Aber wie kontrolliert man die Kommunikation der Kinder?


Spionage-Apps

Derzeit gibt es rund 20 Anbieter für Handyüberwachungsapps. Kostenlos ist keine. Das Überwachen der Kinder kostet bis zu 34 Euro pro Monat und Gerät. Profiapps wie Spyera und Flexispy bieten dafür einen Leistungsumfang mit NSA-Qualitäten und werden angeblich auch von Privatdetekteien und Regierungsbehörden verwendet. Das Smartphone der Kinder wird zum offenen Buch. Die Ortung via GPS wirkt dabei schon fast lächerlich. Eltern können live Telefonate mithören oder aufzeichnen, in Kontakten stöbern, WhatsApp-, Snapchat- oder Facebook-Konversationen mitlesen oder die Handykamera und das Mikro aktivieren. Und das alles, ohne dass es die Kinder mitbekommen. Denn Flexispy und Spyera laufen, so wie nur wenige andere Apps, gut versteckt im sogenannten Stealthmodus. Es gibt also im Hintergrund kein Appsymbol oder Ähnliches, alles ist völlig unauffällig.

Fraglich bleibt bei diesen Apps, wo der Schutz der Kinder endet und eine Verletzung der Menschenwürde beginnt. Rechtlich ist diese Grenze unscharf. Und einer Sache muss man sich bewusst sein: Die Daten der Kinder landen auf einem US-Server.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2016)

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