Wirtschaftsnobelpreisträger: Hemmt Wohlstand den Bildungshunger?

Nobelpreisträger James Heckman sieht eine starke staatliche Umverteilung offenbar als Hemmschuh, wenn es um den sozialen Aufstieg durch Bildung geht.

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Nobelpreisträger James Heckman
Nobelpreisträger James Heckman – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Um Ungleichheit zu verringern und Aufstiegschancen für Kinder aus unterprivilegierten Familien zu verbessern, sollte möglichst früh in Bildung und Betreuung investiert werden, betonte Wirtschaftsnobelpreisträger James Heckman am Montag bei einem Vortrag auf der Wirtschaftsuni Wien.

Unabhängig von Einkommen und Bildung der Eltern sollten Kinder den sozialen Aufstieg schaffen, also intergenerational sozial mobil sein. Dies könne man vor allem in den ersten Lebensjahren massiv fördern, Investitionen in Frühbildung und Betreuung hätten enormen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern, sagt Heckman.

Oft lässt es sich auch ohne Bildung gut leben

Allerdings sieht er eine starke staatliche Umverteilung als möglichen Hemmschuh: Dänemark sei beispielsweise Vorreiter, was die Förderung von Kindern aus unterprivilegierten Verhältnissen betrifft. Jedoch nutzen viele die Möglichkeiten nicht: Durch die starke staatliche Umverteilung lasse es sich dort auch ohne viel Bildung ganz gut leben, die "soziale Mobilität" finde nicht statt.

Es zahle sich aus, für frühe Bildung Geld in die Hand zu nehmen: Investitionen in hochqualitative, frühkindliche Programme würden etwa in höherer Bildung, mehr Gesundheit, weniger Kriminalität und besserem sozialem Verhalten resultieren und Renditen von etwa 13 Prozent pro Jahr bringen. Auch Erwachsene sollten beispielsweise durch Mentoring gefördert werden. Heckman setzt sich seit Jahren für "Predistribution" statt reiner Umverteilung durch den Staat ein.

Man müsse Menschen auch motivieren, ihre Kompetenzen einzusetzen und auszubauen. Dem IQ werde hierbei oft zu viel Bedeutung beigemessen, einige Studien würden belegen, dass er nur zu drei bis vier Prozent an der Höhe des Einkommens von Erwerbstätigen beteiligt sei. Viel wichtiger seien soziale und emotionale Fähigkeiten.

Anreize statt bedingungsloses Grundeinkommen

Ein großer Fan des bedingungslosen Grundeinkommens ist Heckman nicht. Es könne aber Vorteile bringen, wenn man es an Anreize koppelt, die zur Weiterbildung und auch zum Einsetzen der Fähigkeiten, also zum Arbeiten, motivieren. Ein Dorn im Auge ist ihm, dass durch ein bedingungsloses Grundeinkommen Gruppen entstehen könnten, die vom Rest der Gesellschaft isoliert werden.

Zur Person

James Joseph Heckman studierte zunächst Mathematik und war danach an verschiedenen Hochschulen Dozent. Er erhielt im Jahr 2000 zusammen mit Daniel McFadden den Wirtschafts-Nobelpreis für die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse selektiver Stichproben.

Heckman untersuchte in der Mikroökonomie das Entscheidungsverhalten von Personen, Haushalten und Unternehmen. Er entwickelte ein einfaches Verfahren zur Erkennung und Behebung von Fehlern und Fehlinterpretationen von Selektionsprozessen.

Er schrieb einige Arbeiten über die Wirkung von Sozialprogrammen auf Gesellschaft und Wirtschaft; so untersuchte er etwa die Ergebnisse des High/Scope Perry Preschool Project, in dem verglichen wurde, welchen Einfluss eine Vorschule auf den späteren Lebensweg haben kann.

 

(APA/Red.)

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