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Das Freizeitmatriarchat

24.10.2009 | 18:44 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Das Ungleichgewicht bei der Verantwortung für die Freizeitgestaltung von Paaren wird in Studien immer wieder bestätigt. Alte Rollenbilder und die Verteilung der "Haus-Macht" sind schuld daran.

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Ich kann's nicht mehr hören: ,Liebling, was machen wir am Wochenende?‘ Ich bin doch nicht seine Animateurin.“ Sabine klagt, schimpft – und dennoch wiederholt sich Woche für Woche dasselbe Spiel. Wie bei vielen anderen Frauen auch, die bei der Freizeitgestaltung regelmäßig die Initiative ergreifen müssen. Warum das so ist, weiß Sabine nicht. Nur in einem ist sie sich sicher: „Wenn ich das meinem Mann überließe, würden wir gar nichts mehr unternehmen.“

Dieses Ungleichgewicht bei der Verantwortung für die Freizeitgestaltung von Paaren wird in Studien immer wieder bestätigt. „Nur wird leider kaum jemals untersucht, warum das so ist“, sagt Sabine Völkl-Kernstock. Die klinische Psychologin kann aber immerhin mit einigen Erklärungsansätzen aufwarten: „In erster Linie geht es um gesellschaftliche Rollenbilder und um den Aspekt des Ansehens“, meint sie. Sich zu sehr für Beziehung und Familie einzusetzen, passe nicht ganz zum traditionellen Männerbild. „Ein Mann, der sich hier nicht besonders engagiert, fällt nicht unangenehm auf.“

Die Ausnahme sind Männer, die sich von alten Rollenbildern emanzipieren – vor allem Väter, die in Karenz sind oder waren. Diese übernehmen auch mehr Verantwortung für die Freizeitgestaltung. Paartherapeut Norman Schmid zitiert – wie so oft in Familienfragen – das leuchtende skandinavische Beispiel. „Vor allem in Schweden haben die Väter durch die Karenz einerseits eine andere Bindung zu den Kindern und kümmern sich andererseits mehr um soziale Netzwerke.“ Deshalb seien männliche Vorbilder auch so wichtig. „Nur so entkommt man traditionellen Rollenbildern. Burschen etwa nehmen das Interaktionsverhalten ihrer Mütter nicht so auf wie das männlicher Vorbilder.“

Die Frau, das soziale Wesen. Der zweite wichtige Aspekt ist die Verteilung der Macht in den Haushalten. „Wenn Männer das Geld heimbringen und beruflich erfolgreich sind, haben sie Macht. Frauen geben als Ausgleich dafür die Freizeitgestaltung nicht gerne aus der Hand“, meint Völkl-Kernstock. Fehlende berufliche Anerkennung wird daheim kompensiert. Je gleichberechtigter die Partnerschaft, desto fairer ist auch die Aufteilung der Familien- und Beziehungsarbeit.

Ebenso wie die Männer tun die Frauen das, was sie gelernt haben. Ob genetisch bedingt oder anerzogen: Fakt ist, dass Mädchen besonders für das Soziale sensibilisiert werden. Wenn Mama schon immer die Familienbesuche und die Wochenendgestaltung organisiert hat, dann wird diese Aufteilung meist unbewusst übernommen. „Da hat sich auch bei den Männern eine gewisse Unselbstständigkeit und Bequemlichkeit etabliert“, sagt die Psychologin.

Paartherapeut Schmid bestätigt das. „Frauen fügen sich oft selber unbewusst in diese Rolle und verhätscheln ihre Männer. Irgendwann reicht ihnen das zwar, dann ist es aber meist schon zu spät.“

Was nicht heißt, dass Männer bei der Freizeitgestaltung nicht aktiv sein können. Allerdings vor allem bei Dingen, die ihnen wichtig sind – und die sie oft alleine ausüben. „Männer sind dominanter und weniger flexibel, wenn sie etwas wirklich wollen. Das sieht man zum Beispiel beim Sport, da wird selten Rücksicht auf die Partnerin genommen“, so Schmid. „Frauen suchen eher kommunikative und entspannungsorientierte Freizeitgestaltung, während Männer eher praktische und aktive Tätigkeiten wie Handwerken oder Sport bevorzugen.“ Ein Nebeneffekt dieser Präferenzen ist, dass soziale Netzwerke bei Frauen deutlich besser ausgebildet sind als bei Männern. „Das wird Männern oft erst bei Trennungen bewusst“, so der Paartherapeut.

Freizeit wird immer wichtiger. Der Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) Peter Zellmann spricht sogar von einem „Wandel vom Industriepatriarchat zum Freizeitmatriarchat“. Freizeit wird immer wichtiger, außerberufliche Fragen holen auf. „Geld ist nicht mehr alles. Es geht um Lebensqualität. Glück, Zufriedenheit, Hoffnung, das Soziale – all das, was als typisch weiblich gilt, gewinnt an Bedeutung“, so Zellmann. Auch in der Paarbeziehung. „Männer waren immer schon froh, dass Frauen Freizeit und Familie managen. Heute steht man dazu und findet es gleichwertig.“ Der nächste Schritt wäre somit, dass auch Männer sich aktiv in die Organisation der Freizeitgestaltung einbringen. Und dass die Frauen sie lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2009)

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9 Kommentare
Gast: Hausfrau
05.11.2009 20:19
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Was wäre gewesen, wenn...

das Gegenteil der Fall ist, nämlich der Mann über die Wochenendbeschäftigung bestimmt. Auch daraus hätte man den Männern wieder einen Strick gedreht.
Ist dieser Gendermainstreaming-Wahnsinn eigentlich noch für irgend etwas anderes gut, als Männer und Frauen gegeneinander auszuspielen?

Gast: Peter
29.10.2009 15:08
0 0

selektive wahrnehmung der akademikerin

warum sagen die männer denn nichts oder amchen einen vorschlag für die wochenendgestaltung??

ganz einfach,w eil doch kein vorschlag den frauen passt, daher lässt er es im laufe der zeit bleiben, um nicht permanent streiten zu müssen

man bin ich froh keine zu hause zu haben, ich kann tun und lassen was ich will, ohne eine frau animieren zu müssen, oder andere oder mich

das leben mit einer frau muss schrecklich sein, die täglichen zeitungsberichte über familientragödien sind beleg genug

Gast: Hihi
29.10.2009 13:45
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hihi

Den Frauen passt auch wirklich überhaupt nichts an den Männern. Klagen und Jammern ohne Ende, egal wie mann es macht.

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Sei nicht unbescheiden!

Du kannst Dir immer aussuchen, wie Du's falsch machst!

Gast: Mann
28.10.2009 16:57
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Also ich bin froh..

wenn ich am Wochenende mein Ruhe hab
wenn ich keine Visagen sehen muß
wenn ich mich für nichts begeistern muß
wenn ich nirgends hin muß
leider spielt sich das nur selten.....
...und ich hab noch nie um eine Wochenendgestaltung gebeten - sie kommt einfach ungebeten...........
;)

Peregrin
27.10.2009 17:32
0 0

Wie mann's macht, macht mann's falsch

Da richten sich also Männer nach den Frauen (wahrscheinlich durch Jahre passiv-aggressiver Manipulation ermüdet), aber wieder ist es nicht recht. Da muß man wohl dem "Gendermainstreaming" noch viel Geld in den Rachen stopfen.

http://www.youtube.com/watch?v=GaA5gH7eDIk

Antworten Gast: Die Sterne des Orions
31.10.2009 10:04
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Wieso sind

meine Schwiegereltern auf YouTube zu sehen? Moment! Da könnte ja meine Frau in 20 Jahren......

Gast: xxx
26.10.2009 21:27
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ist das alles?

Haben wir keine anderen Probleme?

komajo
26.10.2009 17:04
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Sabine,

du musst deinen Mann nur lassen und alle ist in Ordnung.

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