Wien(c.d., red.). Was Gruppengrößen, Qualitätskriterien oder die Bezahlung betrifft, haben sich die Kindergartenpädagogen noch nicht durchgesetzt. Dafür gibt es seit heute einen ersten Schritt Richtung bundeseinheitlicher Bildungsstandards für alle Null- bis Sechsjährigen. Auf Basis dieses Rahmenplans, den Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) an alle Kindergärten verschickt, soll es bis nächsten Herbst Details für die Fünfjährigen geben. Da ab dann alle Kinder verpflichtend ein Jahr in den Kindergarten müssen, legt der Bund gemeinsam mit den Ländern Standards fest. Bisher gab es weder einheitliche und in manchen Bundesländern überhaupt keine Bildungsziele für den Kindergarten.
Der jetzt versandte „Rahmenplan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich“ ist im Prinzip eine Anleitung, wie alle Kinder bis zum Alter von sechs Jahren optimal gefördert werden. Dabei handle es sich um keinen Lehrplan, sondern um eine Art „Praxisanleitung“, erläuterte das Unterrichtsministerium am Dienstag. Entwickelt wurde der Plan vom Charlotte-Bühler-Institut für praxisorientierte Kleinkindforschung in Wien in Kooperation mit dem Ministerium.
Unter anderem wird die Bedeutung der Erstsprache hervorgehoben: „Die Familiensprache verdient Wertschätzung, da Sprache und Identität eng zusammenhängen. Erfolgreicher Zweitspracherwerb baut auf erstsprachlichen Kompetenzen auf.“ Augenmerk soll auch auf die Gestaltung der Räume gelegt werden, um Kindern in einer Art Werkstattcharakter kreativen Spielraum zu lassen. „Strukturierte und unstrukturierte Materialien zum Gestalten, Musizieren, für Literacy, naturwissenschaftliches Experimentieren und Forschen sowie hauswirtschaftliche Tätigkeiten unterstützen die Erweiterung der kindlichen Kompetenzen“, heißt es.
Plan für Fünfjährige bis Herbst
Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP) obliegt es nun, bis Herbst 2010 zu einem detaillierteren Bildungsplan für die Fünfjährigen zu gelangen. Die Länder haben sich in einer 15-a-Vereinbarung zu einer einheitlichen Lösung verpflichtet und der Bund dazu, die Erstellung des Plans zu bezahlen. Auch Marek arbeitet mit dem Charlotte-Bühler-Institut zusammen. Ein erstes Treffen gab es bereits. Ziel des Bildungsplans ist es, für Fünfjährige die zu erwerbenden Kompetenzen – soziale, motorische etc. – zu definieren. Ein Test vor Schuleintritt ist allerdings nicht vorgesehen. „Es gibt ohnehin die Schuleinschreibung“, heißt es in Mareks Büro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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