Mit einem weit verbreiteten Mythos, wonach Kinder klüger werden sollen, wenn sie früh Mozart hören, räumt die Universität Wien nun auf: Den "Mozart-Effekt", wonach das Hören von Musik Mozarts intelligenzsteigernde Effekte habe, gibt es nicht, ergab eine Untersuchung durch ein Forschungsteam um Jakob Pietschnig vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung der Uni Wien. Die Wissenschaftfler haben 39 durchgeführten Studien zu diesem Thema mit mehr als 3000 Testpersonen untersucht. Dabei ließ sich kein musikspezifischer Effekt auf das Raumvorstellungsvermögen nachweisen, teilte die Hochschule am Dienstag in einer Aussendung mit.
Mozart für werdende Mütter
1993 hatte die US-Psychologin Frances H. Rauscher im Fachmagazin "Nature" eine Arbeit über verbesserte Leistungen bei Intelligenztests nach dem Hören von Mozarts Musik publiziert. Demnach habe das Hören der 1781 von Mozart komponierten Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV 448) kurzfristig leistungssteigernde Wirkungen auf die Raumvorstellung.
Der wissenschaftliche Artikel fand enormen Anklang: Mozarts Musik wurde als Wundermittel zur Steigerung des IQ von Kindern gefeiert. Einzelne US-Bundesstaaten veranlassten, dass jede Mutter eines Neugeborenen eine Klassik-CD kostenlos erhält. Mit dem Namen "Mozart-Effekt", den sich später Trittbrettfahrer sogar patentieren ließen, ließen sich trefflich Geschäfte machen.
Jedenfalls hat Rauschers Studie dazu geführt, dass von Wissenschaftern unterschiedlichster Fachgebiete die Wirkung von Musik auf Mensch und Tier untersucht wurden - mit unterschiedlichsten Ergebnissen.
Einer der populärsten Mythen der Psychologie
Die ursprünglich von Rauscher konstatierten Resultate wurden jedenfalls bei der von den Wiener Forschern Jakob Pietschnig, Martin Voracek und Anton K. Formann durchgeführten Meta-Analyse nicht bestätigt. Sie haben dazu die Ergebnisse von 39 Studien zu diesem Thema statistisch untersucht, ihre Arbeiten wurden nun in der Fachzeitschrift "Intelligence" veröffentlicht.
"Ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören, aber die Erwartung, dadurch eine Steigerung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit zu erzielen, ist nicht erfüllbar", erklärt Pietschnig.
Die Wissenschafter entlarvten damit den "Mozart-Effekt" als Mythos - der auch von US-Psychologen kürzlich an die sechste Stelle der 50 größten Mythen der populären Psychologie gereiht wurde ("50 Great Myths of Popular Psychology" von Scott Lilienfeld). An erster Stelle steht dabei übrigens die Ansicht, dass wir nur zehn Prozent unseres Gehirns tatsächlich nutzen.
(Ag.)
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