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Migranten retten die Geburtenrate (nicht)

22.07.2011 | 12:00 |  Von Bernadette Bayrhammer (DiePresse.com)

Österreich verdankt seinen Geburtenüberschuss den Ausländern. Doch die positive Rolle der Migranten für die Demografie wird nicht von Dauer sein.

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Ohne Zuwanderer würde die österreichische Bevölkerung noch schneller altern, als sie es ohnehin schon tut. Denn: Bislang schrumpft ausschließlich die heimische Bevölkerung. Bei Österreichern überwogen im vergangenen Jahr die Sterbefälle (mit 7374). Den zugegebenermaßen kleinen Geburtenüberschuss von 1543 Menschen verdankt Österreich den Migranten. Bei der Geburtenrate zeigt sich der Unterschied sehr deutlich: Während Österreicherinnen im Schnitt 1,32 Söhne oder Töchter zur Welt bringen, sind es bei Frauen ausländischer Herkunft 1,87 Kinder.

Diese positive Rolle der Zugewanderten für die österreichische Demografie wird aber nicht von Dauer sein. Denn insgesamt gleichen sich die Fertilitätsraten der in Österreich lebenden Migranten an die (niedrige) der heimischen Bevölkerung an. „International liegen die Geburtenraten der zweiten Generation zwischen der der ersten und der heimischen Bevölkerung“, sagt Wolfgang Lutz, Leiter des Instituts für Demografie an der Akademie der Wissenschaften. „Ab der zweiten Generation gibt es kaum mehr einen Unterschied zur heimischen Bevölkerung.“ Schon die eingebürgerten Frauen bekommen wesentlich weniger Kinder als ausländische; mit 1,5 Kindern sind sie wesentlich näher an der Geburtenrate der Frauen ohne ausländische Wurzeln.

Die Nachwuchslücke
Die DiePresse.com-Sommerserie nimmt sich ein großes Thema vor: Warum bekommen die Österreicher immer weniger Kinder? Und welche Konzepte gibt es, um diese demografische Entwicklung zu entschärfen? Kommende Woche: Wollen Sie Kinder? Warum sich junge Leute für oder gegen Nachwuchs entscheiden.

Bildung und soziokultureller Lernprozess

„Gerade türkische Migrantinnen haben in Österreich eine deutlich höhere Geburtenrate als Österreicherinnen“, sagt der Demograf Lutz. „Der Unterschied verschwindet aber, wenn man das Bildungsniveau berücksichtigt.“ Zwar ist die Geburtenrate von weniger gebildeten Migranten immer noch etwas höher, als die der bildungsfernen Österreicher. Mit steigender Bildung entscheiden sich aber auch die Migranten mit bildungsferner Herkunft tendenziell für weniger Kinder. Bei höher gebildeten Migranten, sei es aus der Türkei oder anderswo, unterscheide sich die Geburtenrate kaum von der der Österreicher. 

Dazu kommt ein „soziokultureller Lernprozess“: Weg von der Idee traditioneller, patriarchaler Gesellschaften, so viele Kinder zu bekommen, wie Gott einem schenkt – hin zu einem moderneren Verständnis, wo die Entscheidung für oder gegen Kinder eher rational getroffen wird, sagt Lutz. Für viele junge Frauen mit Migrationshintergrund stellt sich dann auch die Frage nach der Eigenständigkeit, und die tangiert den Kinderwunsch und wirft (genauso wie bei den jungen Österreicherinnen) Probleme wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf.

Ähnliche Trends kennen die Demografen aus anderen Ländern: Frauen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation passen sich dem Geburtenverhalten westdeutscher Frauen an, hat etwa die die Soziologin Nadja Milewski für Deutschland herausgefunden. Zwar neigen vor allem türkische Frauen der zweiten Generation zu einer frühen Eheschließung, die dann mit der Geburt des ersten Kindes einhergehe; dennoch gebe es einen „Anpassungstrend“. In Schweden etwa stellte Gunnar Andersson fest, dass die Muster der Familiengründung bei Einwanderern inzwischen denen der Schweden sehr stark ähneln. Viel wichtiger als die Herkunft sei, ob die Frau erwerbstätig sei: Das steigere die Wahrscheinlichkeit einer Familiengründung deutlich.

Gewisses Schrumpfen sogar günstig?

Wer glaubt, mit der Geburtenrate der Migranten die Bevölkerungslücke schließen zu können, die sich durch den demografischen Wandel auftut, hat sich also geschnitten? Jein, sagt der Demograf Lutz: Denn ein Grund, warum Österreich derzeit nicht schrumpft, ist auch die Neuzuwanderung. Außerdem stelle sich die Frage, ob ein Schrumpfen der Bevölkerung unbedingt schädlich sei. „Ich würde bestreiten, dass es eine Bevölkerungslücke gibt“, sagt Lutz. „Ein gewisses Schrumpfen kann sogar günstig sein, wenn man die jüngere Generation gleichzeitig besser ausbildet.“

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118 Kommentare
 
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astuga
04.01.2012 15:31
0 0

Man könnte natürlich...

Das Geld das uns die Migranten und alle Integrationsmaßnahmen kosten, stattdessen in Bildungs- und Familienpolitik für Österreicher investieren.

Nur so eine Idee, aber was weiß ich schon...

Gast: frostyIce
27.07.2011 16:44
1 0

Arbeiten bis zum Umfallen


D.h. natürlich die Jungen müssen hackeln bis zum Unfallen und nebenbei Schulungen besuchen

Gast: Michael Ko
26.07.2011 17:58
5 0

Wachstum

bravo für den Schlusssatz! Bevölkerungswachstum in Österreich ist nicht gut. Das bringt nur steigende Preise für Wohnung, Grund und Nahrung. Die Städte sind voll, in Wien geht verkehrsmäßig nichts mehr! In Wien ist sinnvoll Platz für 1,5 Mio!

Gast: Gesichtschirurg
26.07.2011 14:53
1 1

Also liebe Österreicher...

...wenn die Migranten die Geburtenrate nicht retten und auch nicht Schuld sind an einer angeblichen "islamischen Übervölkerung" bleibt nur eins:

Ärmel hochkrempeln, mehr Kinder zeugen (oder auch nicht) sowie auf Konsum und soziale Errungenschaften verzichten. Die Wahrheit die euch keine Partei sagen will.

P.S.: Das Kopftuchfoto ist mal wieder sehr Aussagekräftig.

0 0

Re: Also liebe Österreicher...

Was soll denn das bringen?

Kinder bekommen ist etwas schönes für jene, die sich Kinder wünschen. Aber unser Pensionssystem retten wird das alleine auch nicht. Dazu müssten nämlich die Kinder, wenn sie erwachsen sind, auch mal halbwegs gut verdienen. Oder zumindest mal einen Job finden.

Gast: Hanniball
26.07.2011 13:39
1 0

Mehr Migranten?

Ja gerne doch, aber bitte gut ausgebildete.

Antworten Gast: völlig unkritische Posterin
09.08.2011 11:58
0 0

Das möchte ich sehen, wie Hanniball & Co reagieren,

wenn ihnen die gut ausgebildeten Migranten die Jobs wegnehmen ...

Gast: EFF EFF
26.07.2011 11:34
2 0

Kinder kosten Geld und Zeit.

Die natürliche Auslese ist im modernen Kapitalismus der pekuniären Auslese gewichen.

Nachwuchs hat als Argument für Glück und ein erfülltes Leben ausgedient. Während Doppelverdiener vor 30 Jahren noch als wohlstandsförderndes Fortschrittsmodell von Arbeitern misstrauisch beäugt und als gierig gecancelt wurde, feierten Intellekuelle das neue Lebensmodell. Einer verdiente genug für zwei und den Nachwuchs. Zwei verdienten genug für dreieinhalb ohne Nachwuchs. Heute verdient ein Arbeitnehmer nicht mehr genug um der "Lebensabschnittspartnerschaft" eine Existenz ohne substanzielle materielle Wohlstandsdefizite zu garantieren.
Die Entwicklung von der einst mächtigen systemgefährdenden Grossfamilie geht über die leichter steuerbare Kleinfamilie weiter zum in sozialen Sicherungssystemen verwalteten, durchs Leben geführten, atomisierten Einzelindividuum.
Die Familie als unabhängige Verwaltungseinheit widerspricht dem Verständnis vom modernen Staat als Gesellschaftsmodell.

Gast: Buusch
26.07.2011 11:13
5 0

Statistiken sind für die Katz - was fehlt ist gesunder Hausverstand

. . . wenn jung, braucht man Schule, Bildung, Arbeit
inkompetent, verantwortungslos - jung und ohne was
. . . dann die Familie, doch für ein Heim bleib nichts übrig
die Steuern dienen den Pfründen der Parteien und Lobbyisten
. . . was bleibt sind Armenäuser und kein Platz für Kinder!

Gast: mink
26.07.2011 04:06
2 0

Nur eine gesunde Wirtschaft

garantiert jedoch die notwendigen Arbeitsplätze - zumindest für diejenigen für die zum Gelderwerb auch Arbeit erforderlich ist.
Gerade die jetzige Generation von Pensionisten haben sich aber wenig klug verhalten und ein System "nach mir die Sintflut" gefördert.
Es sieht alles danach aus das alle wichtigen Weichenstellungen, über Auslagerung von Arbeitsplätzen, ungeplante Immigration auch von Menschen die der hiesigen Kultur höflich gesagt mißtrauisch gegenüberstehen und Klientelwirtschaft einen Scherbenhaufen für die Jüngeren bedeuten. Dass diese daher bei Familiengründungen sehr zurückhaltend sind ist nachvollziehbar und war zu erwarten.

biedermann
25.07.2011 23:32
7 1

nicht die hohen geburtenraten

sondern viele sichere arbeitsplätze bestimmen den wohlstand eines landes.

Antworten Gast: jaromir.honzak
26.07.2011 00:03
3 0

Re: nicht die hohen geburtenraten

eben.es geht nicht um die quantität sondern um gut ausgebildete jugendliche.die sind die zukunft.

2 0

Re: Re: nicht die hohen geburtenraten

Und man braucht auch Jobs, von denen man leben kann. Die beste Ausbildung nützt nichts, wenn die Arbeitgeber einen mit einem Gehalt abspeisen, von dem man nicht leben kann.

Gast: Demographie
25.07.2011 22:11
2 0

Empfohlene Sommerlektüre für unsere Politiker, insbesondere Häupl und Kurz


Endlich einmal eine objektive Studie!
WU-Professor Lutz verbürgt Qualität.

Gast: gast gast
25.07.2011 20:23
1 10

lieber mehr migranten

als rechte

Antworten Gast: österreicher
27.07.2011 12:14
0 1

Re: lieber mehr migranten

auch meine meinung!

Antworten Gast: Jo Seas
26.07.2011 08:33
2 0

Re: lieber mehr migranten

es gibt nur eine Handvoll Leute in Österreich, die noch rechter sind als du "gast gast"

Antworten Gast: Dreidimensional
26.07.2011 07:25
3 1

Re: lieber mehr migranten

Eben, Faschismus hat viele Gesichter.

Antworten gofy
25.07.2011 21:47
9 0

Re: lieber mehr migranten

blöd nur, wenn die migranten nocht rechter sind.
da wird der linke aber blöd aus der wäsche schauen.

Antworten Antworten richard
10.08.2011 09:25
0 0

Re: Re: lieber mehr migranten

Logik, Hausverstand und Beobachtungsgabe haben eben in der linken Denkschablone keinen Platz.

Antworten saftPresse
25.07.2011 21:47
0 3

Re: lieber mehr migranten

Korrekt, kamerad ;)

Leitwolf
25.07.2011 20:10
6 1

Politiker haben nicht an ihrem Volk zu basteln

...das wäre wohl das Mindeste was wir aus dem Holocaust gelernt haben müssten.

1 3

Re: Politiker haben nicht an ihrem Volk zu basteln

Nicht die Politiker basteln, sondern das Schicksaal! Jeder ist einfach auf der Suche nach einem besseren Leben! Egal ob groß, klein, schwarz oder weiß, dick oder dünn. Jeder ist einfach nur auf der Suche nach seinem Glück! Du wirst nicht glauben, jedoch auch diese Kopftuch - Tragenden Frauen da oben sind so wie Du auf Suche nach Glück. Was schert uns, was die Politiker sich dabei denken?

Gast: Bürger1
25.07.2011 20:05
2 5

Niedrige Geburtenrate

Die niedrige Geburtenrate ist sehr einfach erklärt, wenn man sieht, dass es bei jährlich ca. 80000 Geburten in Österreich geschätzte 30000-40000 (manche Quellen sprechen auch von bis zu 80000) Abtreibungen gibt.

0 0

Re: Niedrige Geburtenrate

Man sollte sich lieber fragen, warum es so viele Abtreibungen gibt. Warum entscheiden sich diese Frauen dafür, ihre Kinder nicht zu bekommen?

Leichtfertig entscheidet das sicher niemand. Und ehrlich gesagt ist es oft besser, das Kind wird abgetrieben als es leidet sein Leben daran darunter, unerwünscht zu sein.

Antworten spontan
25.07.2011 23:28
0 0

Re: Niedrige Geburtenrate

Die niedrige Geburtenrate durch Abtreibungen anzupragern ist eines und relativ einfach!
Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht in welchen Situationen es vielfach ungewollt zur Schwangerschaft kommt, weil auch der Geschlechtsakt nicht immer gewollt war.

Ich bin überzeugt davon, dass es zw. ungewollten Geschlechtsakt/Schwangerschaft und Abtreibung einen Zusammenhang gibt. Daher sollte man noch bevor man die Abtreibung anprangert sich darüber Gedanken machen wie MM damit zurechtkommen könnten, dass sie in ihrer jeweiligen Beziehung ziemlich enthaltsam leben "müssen", und darüber, warum soviele MM einfach in solchen Beziehungen verhaftet bleiben, wenn sie doch einen leibhaftigen Bedarf an Zärtlichkeit (nicht nur Sex) haben.

Meine These: Je besser die MM sich selbst ernst nehmen desto weniger Seitensprünge, desto weniger Abtreibungen!Wer doch einmal ein Anfang!!!!

 
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