Uni-Kür für die Kleinen

13.04.2012 | 18:09 |  PATRICK BALDIA (Die Presse)

Image aufpolieren, Talente fördern, Nachwuchs lancieren: Abseits leidiger Debatten um Zugangsregelungen oder Finanzierung widmen sich viele Hochschulen vermehrt Angeboten für Kinder und Jugendliche.

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„Raus aus dem Alltagstrott“ heißt es in regelmäßigen Abständen an den meisten heimischen Universitäten und Fachhochschulen: Mit speziellen Veranstaltungen und Initiativen wie Open Lectures oder eigenen Techniktagen für Mädchen versucht man, sich verstärkt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Dass sich die Teilnehmer später für ein Studium im eigenen Haus entscheiden, ist ein nicht unerwünschter Nebeneffekt, aber nicht oberstes Ziel. Oft geht es einfach darum, einer bestimmten Zielgruppe die Scheu vor einem Thema zu nehmen und Begeisterung für die Wissenschaft zu wecken. Teilweise spektakuläre Experimente verfehlen ihre Wirkung nicht.

Etwas Besonderes hat man sich an der FH Oberösterreich ausgedacht: Seit fünf Jahren lädt man AHS-Schüler zu einer wissenschaftlichen Experimenteshow ein – „Science Busters“ einmal anders. Konkret wird über einen Zeitraum von rund eineinhalb Stunden das gesamte naturwissenschaftliche Programm der Fachhochschule vorgestellt. „Spannende Experimente – etwa aus dem Bereich Robotik – sollen Lust auf Technik machen“, so Peter Helmberger, von der Fakultät für Technik und Umweltwissenschaften am Campus Wels. Die Veranstaltung sei zudem interaktiv ausgelegt und werde mit einer umfassenden Gebäudeführung sowie einer Jause abgeschlossen. Um eine Entscheidungshilfe handle es sich dabei allerdings nicht, sondern eher um die Überwindung einer „Schwellenangst“. „Wir wollen AHS-Schülern zeigen, dass auch sie für ein naturwissenschaftliches Studium geeignet sind und nicht nur HTL-Absolventen“, so Helmberger.

 

Vom Versuch zum Vorreiter

Mit dem „Rekrutieren“ von Schülern hat auch die Montanuniversität Leoben einige Erfahrung: Zum zehnten Mal geht der spektakuläre „Show-Truck“ der Leobener Universität in den kommenden Wochen auf Tournee. Was im Frühjahr 2003 als Versuch, Studieninteressierte in ganz Österreich auf eine etwas andere Art und Weise anzusprechen, begann, hat sich in den letzten neun Jahren zu einem unverzichtbaren Instrument in der Schulwerbung entwickelt.

Auch die über die Staatsgrenzen hinaus bekannte Kinder-Uni der Universität Wien war als einmaliges Ereignis geplant, so die Geschäftsführerin des dafür zuständigen Kinderbüros Karoline Iber: „Wir haben mit 100 Kindern gerechnet, gekommen sind tausend“, so Iber. Mittlerweile werden regelmäßig bis zu 5000 Kinder erreicht, und zwar nicht nur an der Universität Wien. „Wir gehen mit der Kinder-Uni auch ,on Tour‘, und zwar dorthin, wo Kinder sind“, verrät Iber. Im Vorjahr machte etwa der mobile Hörsaal erstmals am Allerheiligenplatz im 20. Wiener Gemeindebezirk Station. „So können wir auch Kinder erreichen, die nicht aus einem akademischen Umfeld kommen – etwa solche mit Migrationshintergrund“, so Iber.

Ziel sei es schließlich, einer möglichst breiten Gruppe das spannende Thema Wissenschaft näherzubringen. Dass viele der erreichten Kinder später einmal ein Studium beginnen, nennt Iber ein „hohes Ziel“. „Die Realität schaut leider anders aus“, macht sie sich keine Illusionen. Vielmehr gelte es, die Neugier der Kinder zu wecken und aufzuzeigen, dass sich Bildung lohnt. „Viele Kinder mit Migrations- oder Asylbewerber-Hintergrund sprechen fünf Sprachen und nehmen nicht wahr, dass das etwas Besonderes ist“, so Iber. Ein Folgeprojekt der Kinder-Uni, der Uni-Club, richtet sich an Jugendliche ab 13, die sich für den Alltag an der Uni Wien interessieren. Die Teilnehmer können unter anderem wissenschaftliches Arbeiten ausprobieren oder interessante Berufe kennenlernen.

 

Akademisches Ferienlager

Ein völlig neues Konzept hat sich die Uni Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Mozarteum ausgedacht: Sie bietet eine ganze Ferienwoche als „Kinder-Uni“ an. Kinder von acht bis zwölf Jahren sollen sich einen eigenen Studienplan aus Workshops, Seminaren und Vorträgen zusammenstellen. Für Kinder, die nicht so viel Zeit haben, gibt es auch einzelne öffentliche Vorlesungen.

Zusammen mit der FH Salzburg und der Industriellenvereinigung will die Uni Salzburg auch in Sachen „Technik und Mädchen“ einiges bewegen. Mit deren geballter Unterstützung richtet etwa der FH-Studiengang „Informationstechnik & System-Management“ die „Lust auf Technik“-Workshops aus. Wie die Projektkoordinatorin Sandra Lagler erklärt, werden dabei Hauptschulen und Gymnasien besucht. „Damit soll den Mädchen die Scheu vor dem Thema Technik genommen werden. Viele wissen gar nicht, dass man für eine Tätigkeit in der Technik auch viel Feingefühl benötigt und nicht nur Kraft.“ Während mit den „Lust auf Technik“-Workshops primär Unter- und Oberstufenschülerinnen angesprochen werden sollen, richtet sich der FIT-Schnuppertag „Frauen in die Technik“ eher an ältere Jahrgänge. Beim letzten im Februar kamen laut Lagler mehr als 100 Mädchen in die FH Salzburg, um an den Workshops teilzunehmen. Einige der ehemaligen Teilnehmerinnen studieren mittlerweile an der FH „Informationstechnik & System-Management“.

Weitere Veranstaltungen sind bereits geplant: Am 26. April veranstaltet der Studiengang den „Girls Day“ an der FH Salzburg. Ziel sei es, Schülerinnen auf eine „spielerische Art und Weise“ in ein Technikstudium reinschnuppern zu lassen, so Lagler. Im Bereich IT weiterbilden könnten sich Frauen bzw. Studentinnen zudem bei den zwischen 27. August und 9. September stattfindenden „Ditact women's IT summer studies“.

Auf einen Blick

Nicht alt, aber beliebt: Seit den Anfängen der ersten Kinder-Unis sind knapp zehn Jahre vergangen, das Konzept wird weiterhin ausgebaut. Neben den „klassischen“ Vorlesungen für Kids gibt es auch Roadshows, Technik-Events, Workshops und ein akademisches Ferienlager.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.kinderuni.at, www.mozki.at, www.fhooe.at, www.fhv.at/kinderuni,
www.unileoben.at, www.fh-salzburg.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)

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1 Kommentare
Gast: KL7
15.04.2012 10:16
0 0

Einfach nur Schwachsinn!

Es braucht eine vernünftige Aufnahemprüfung an den Universitäten. Die Akadeimikerquote ist ohnedies zu hoch.

Ein weiteres, dummes Argument: Die Akademikerquote ist in Europa höher als in Österreich. Folglich brauchen wir mehr Akademiker.

Die Arbeitslosenquote ist in der EU auch höher als in A.

Das "Wir müssen nachmachen" Argument ist nur dumm.

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