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Die fix gebundenen Kinder

19.05.2012 | 18:01 |  von Doris Kraus (Die Presse)

Von Los Angeles bis zum Prenzlauer Berg in Berlin (und auch in manchem Wiener Trendbezirk) steht "attachment parenting" hoch im Kurs. Diese Erziehung neigt zu Extremen wie stillen bis zum Alter von vier.

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Die Aufregung war riesig, der Zorn war gerecht. Die junge Mutter, die sich auf dem Cover von „Time“ ablichten ließ, mit ihrem fast vierjährigen Sohn an der Brust, löste einen wüsten Debattensturm aus: darüber, wie lange Kinder eigentlich gestillt werden sollen. Doch diese Diskussion greift zu kurz. Sie ist nämlich nur ein Teil einer Denkschule, die noch viel mehr tut, als Kinder bis weit ins Kindergartenalter zu ermuntern, an der mütterlichen Brust zu nuckeln. Sie heißt „attachment parenting“, die bindungsorientierte Elternschaft – und sie steht derzeit von Los Angeles bis zum Prenzlauer Berg (mit einem kleinen Abstecher in Wiens Trendbezirke) bei vielen Müttern hoch im Kurs.

Das Problem dabei ist, dass das von dem amerikanischen Kinderarzt William Sears formulierte Erziehungskonzept zwar durchaus wohlmeinend ist, sehr gern aber extrem interpretiert und gelebt wird. Die mittlerweile allgemein gültige Lehrmeinung ist, dass eine gelungene Bindung zwischen Kind und Eltern die Entwicklung gefestigter Persönlichkeiten begünstigt und die Fähigkeit zu stabilen sozialen Beziehungen fördert.


Keine negativen Emotionen.
Genau darauf zielt auch „attachment parenting“ ab. Nur wie dieses Ziel erreicht wird, ist heftig umstritten. Denn Sears' Prinzipien – wie stillen, wenn das Kind Hunger hat, intensiver Körperkontakt auch in der Nacht oder die Vermeidung negativer Emotionen – werden teilweise so gnadenlos praktiziert, dass sie Mütter und Kinder zur Karikatur werden lassen. Und schlimmer noch, sagen Psychologen: Sie behindern auch die Kinder in ihrer Entwicklung.

Das ganze Problem ist eine Altersfrage. Bei Babys akzeptiert die Gesellschaft die meisten der Attachment-parenting-Prinzipien mittlerweile. Zu „Aufregern“ werden sie erst, wenn die Kinder ein bestimmtes Alter erreichen. Und wenn dann noch immer davon die Rede ist, dass Kinder bis zum Schulalter gestillt werden können, dass sie ruhig bis zur Pubertät im Bett der Eltern schlafen sollen oder dass sämtliche negativen Emotionen von ihnen ferngehalten werden sollen. „Das ist eine Grenzüberschreitung, eine Missachtung des Kindes. Das hat mit Bindung nichts mehr zu tun“, sagt der bekannte deutsche Kinderpsychiater und Autor Michael Winterhoff („Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, „Lasst Kinder wieder Kinder sein!“). „Was tut man denn einem knapp vierjährigen Kind an, dessen Mutter sich mit ihm an der Brust auf einer Zeitschrift abbilden lässt? Das ist reiner Narzissmus.“

Die ersten neun Monate seien ausschlaggebend, um in einem Kind den Grundstein für das Urvertrauen zu seinen primären Bezugspersonen zu legen. Um einen Säugling, der darauf angewiesen ist, versorgt zu werden, müsse man sich immer sofort kümmern. Sonst bestehe die Gefahr, dass das Kind in seiner späteren Bindungsfähigkeit geschädigt werden könnte. „Aber irgendwann ist dann Schluss“, sagt Winterhoff. „Ab einem Alter von neun Monaten können Kinder auch einmal ein bis zwei Minuten warten. Und im Bett der Eltern haben sie ab einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt nichts mehr verloren. Auch im Interesse der Eltern nicht.“

Die Wiener Psychotherapeutin Sabine Völkl-Kernstock sieht das ähnlich. „Attachment parenting in dieser extremen Form steht in totalem Widerspruch zu allem, was wir aus der Entwicklungspsychologie wissen. Vor allem zu den Autonomiebestrebungen eines Kindes.“ Werden die Kinder von den Eltern „zu ihrem eigenen Besten“ in einer künstlichen Abhängigkeit gehalten, werden sie in gewisser Weise auch gezwungen, über die Zeit hinaus Kleinkinder zu bleiben.

Das kann zu einem Ungleichgewicht in der sozialen Entwicklung der Kinder führen. Zwar sind viele überzeugte Attachment-parenting-Anhänger der Meinung, Kinder sollten möglichst spät oder überhaupt nicht in einen Kindergarten gehen. Tun sie es aber doch, zeigt sich nicht selten, dass gerade diese Kinder Probleme mit dem sozialen Gefüge haben. Das liegt vor allem daran, dass ihre Eltern sie an die Erwartung gewöhnt haben, dass alle ihre Bedürfnisse immer und sofort befriedigt werden. Dadurch kann es Kindern schwerfallen zu akzeptieren, dass andere Personen ebenfalls Bedürfnisse (und manchmal einen ähnlich kategorischen Anspruch an deren Erfüllung) haben. Gleichzeitig haben die Kinder keinerlei Erfahrung im Umgang mit Frustrationen und negativen Emotionen, weil die Eltern sie dagegen immer hermetisch abgeschirmt haben.

Immer auf Pause eingestellt.
Unter dem Strich kommt trotz bester Absichten dabei oft eine niedrige Sozialkompetenz heraus. „Solche Kinder sehen nur sich und ihre Lustbefriedigung. Sie haben kein Unrechtsbewusstsein und wenig Empathie. Sie erkennen keine Zusammenhänge in Konflikten und können sie daher auch nicht lösen. Sie akzeptieren keine Strukturen und sind immer auf Pause eingestellt“, sagt Michael Winterhoff.

Bleibt die Frage, warum Eltern mit besten Absichten so übers Ziel hinausschießen. „Erziehungsperfektionismus“, sagt Völkl-Kernstock. „Man will nur ja alles richtig machen, alles muss gut sein für das Kind, es darf nie weinen und nie negative Gefühle erleben.“ Dazu kommt in einer durch und durch technologisierten Welt wohl auch die Sehnsucht nach Gegenentwürfen und nach „Natürlichkeit“. Nicht nur das Essen soll bio sein, sondern auch die Erziehung. Was deshalb allerdings nicht automatisch heißt, dass sie auch immer bekömmlich ist.

Aufreger

Jamie Lynne Grumet
(26) lebt in Kalifornien. Ihr Sohn Aram wird im Juni vier und wird von seiner Mutter noch immer gestillt. Grumet ist Anhängerin von „attachment parenting“ und will ihrem Sohn so lange die Brust geben, bis er selbst darauf verzichtet. Das Cover löste eine weltweite Kontroverse aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2012)

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71 Kommentare
 
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Je natürlicher, desto besser

Es ist doch eigentlich ganz einfach:
Was ist natürlich, und das sollten wir zu erreichen versuchen. Ist nicht immer leicht in unserer eher kinderfeindlichen Umwelt, aber versuchen sollte man es.

Wir machen jedenfalls beste Erfahrungen mit dieser Methode, die heißt:
Das Kind bestimmt, wie schnell es selbständig wird, und das ist ein allmählicher Prozeß. Außerdem haben unsere Kinder viele Gelegenheiten zu verschiedenen Kontakten - zuerst in der eigenen Kleinfamilie, parallel dazu allmählich zunehmend in der Großfamilie (Großeltern, Cousins und Cousinen), in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und schließlich in der Schule, z.T. auch im Kindergarten (nicht alle unsere Kinder besuchten den Kindergarten!).

Glückliche Kinder sind kein Zufall.
Siehe auch hier:
http://www.vfa-ev.de/index.php?id=10

Gast: AstridBa
29.05.2012 15:49
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neun monate lang abhängig, und dann

sofort selbstständig? was ist denn das für ein unsinn, den herr winterhoff von sich gibt?legt sich da in seiner population ein schalter um und zack,brauchen 9 monate alte säuglinge nicht mehr sofortige bedürfnis (bedürfnis!- nicht wunsch!)-stillung?
von diesem ersten stolperstein mal abgesehen hat die autorin leider zT sehr ersichtlich den time-artikel über sears von vor zwei wochen abgeschrieben und sich ansonsten null um eine anständige recherche gekümmert: da fehlen bezüge zu juul, gonzáles und sears' werke selbst hat sie auch nicht wirklich angesehen.
zum langen stillen:die wenigsten frauen,die lange stillen,nehmen sich das vor,denke ich.ich bin auch "so reingerutscht"und stille meinen zweiten sohn, der jetzt 16 monate ist,noch.es hat sich einfach so ergeben!er wird sich abstillen (lassen),wenn er soweit ist.und solange es mich nicht stört/belastet,ist das völlig in ordnung. in den meisten teilen der welt ist langes stillen und familienbett so normal,dass es gar keiner erwähnung wert ist-warum ist es in mitteleuropa so ein riesending?

Gast: kysyra
27.05.2012 09:54
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wo finde ich die studie?

wo finde ich die studie mit den daten, dass attachment parenting-kinder so eine niedrige sozialkompetenz haben?
ist das eine peer-review studie?

Naja, zumindest kann unsere tochter da nicht mit drin gewesen sein, die es irgendwie trotz familienbett und stillen ins zweite lebensjahr hinein geschafft hat, eines der selbständigsten, fürsorglichsten und sozial kompetentesten kinder zu sein, die ich kenne (nicht nur unsere meinung sondern komischerweise auch die der kindergärtnerinnen...)

Wenn ein Journalist eine festgefügte Meinung hat, wird er mit Sicherheit immer ein paar experten finden, die dieselbe vertreten!

Gast: ekiam111
26.05.2012 23:06
1 0

Autentisch sein!!

Wie gut, das wir kein Elternbett haben. Die beiden "Großen 2J und 4J können sich aussuchen, ob sie in ihrem Bett oder bei uns schlafen möchten, das baby schläft natürlich bei uns. Ich denke, solange Kinder die Wahl haben ist es doch keine künstliche Abhängigkeit.
Herr Winterhoff kennt doch unsere Elterninteressen gar nicht, das geht ihn auch nichts an.
Natürlich muss jedes Kind auch seinem Alter entsprechen mal warten, wenn ich mein Bedürfnis dann mal wichtiger finde und negative Emotionen gehören doch mit zum Leben, die dürfen auch gezeigt werden, auch von den Eltern. Wie unecht wäre der Alltag denn bitte, wenn alle negativen Emotionen unterdrückt werden oder man seine eigenen Bedürfnisse immer hinten an stellt?
Warum vertrauen Eltern nicht einfach wieder auf ihre jahrtausende alte Intuition? Statt den alten Dingen neue Namen zu geben und sie zu extrem um zu setzten?
Ach so, unsere Kinder, so wird uns häufig geasgt, sind sehr freundlich und sozial kompetent (obwohl sie im Familienbett schlafen und lange stillen)

Kinder werden von alleine große, wenn sie Wurzeln und Flügel mit bekommen.


Gast: Benny007
23.05.2012 13:42
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eklig

Stillen ist generell eklig. Ich würd mir vorkommen wie eine Milchkuh...

Antworten Gast: Martina C.
27.05.2012 11:19
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Re: eklig

Aha, und weil sie sich vorkommen wie eine Kuh, kriegen ihre Säuglinge die Milch für Kälber, na dann passt es doch, was? :0)

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@redaktion

Wo ist mein link zu Embryotox und zur American Academy of Pediatrics hin?

Gast: E.S.
21.05.2012 15:02
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Bindungsorientierte Erziehung fördert Empathie

Sicher ist der Artikel insofern berechtigt, als das jegliche Form von Extreminsmus abzulehnen ist, auch in der Erziehung. Die Welt ist nunmal nicht schwarz weiß und so ist es auch kritisch wenn sich extreme Haltungen herausbilden, die nur eine Sichtweise zulassen. Dennoch stellt der Artikel das bindungorientierte Erziehen unangemessen negativ dar. Eine bindungsorientierte Erziehung ist ein wesentlicher Grundstein für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung und zwar weit über den neunten Lebensmonat hinaus. Diese Grenze ist vollkommen willkürlich gewählt. Außerdem ist es durchaus erwiesen, dass ein bindungsorientierter Erziehungsstil Empathie fördert und nicht verhindert wie Winterhoff behauptet.
Mehr dazu in den Bucht Besucherritze.

Gast: Iris E.
21.05.2012 10:25
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Ich hab mich nie...

... mit dem Begriff "Attachement Parenting" auseinander gesetzt. Genauso, wie ich keine Erziehungsratgeber und ähnliches lese. Denn ich lasse weder mich noch meine Kinder in eine Schublade stecken.
Ich weiß nur, dass ich meine fast 2jährige noch stille. Wir genießen jede Sekunde des Stillens und des gemeinsamen Schlafens. Sie ist ein ausgeglichenes, freundliches kleines Mädchen, das keine Probleme mit Fremdbetreuung hat und sich auch von Papa, Oma und sogar Tante in den Schlaf begleiten lässt (ohne Busen natürlich).
Sie ist auch manchmal wütend, traurig, grantig, trotzig. Ich versuche ihr beizubringen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Genauso wie ich ihr lerne, mit positiven Gefühlen umzugehen.
Das lange Stillen mit dem Verhindern negativer Gefühle gleichzusetzen zeugt für mich, das sowohl der Verfasser dieses Artikels als auch die befragten Psychologen keinerlei Ahnung vom Stillen und der Mutter-Kind-Bindung dabei haben.
Stillen hat auch nichts damit zu tun, Sklave seiner Kinder zu sein! Im Gegenteil, das Stillen ist einer von vielen möglichen Aspekten einer gesunden Mutter-Kind-Bindung. Manche Mutter-Kind-Paare stillen ihr Nähebedürfnis durchs Stillen, andere durch Kuscheln, wieder andere durch gemeinsames Spielen. Warum kann man denn nicht diese Vielfältigkeit akzeptieren? Die einen machen es so, die anderen anders.
Und würden all diese Langzeit-gestillten Kinder zu verweichlichten Muttersöhnchen(töchterchen) werden, dann wären wir schon lange ausgestorben!

Gast: Mama71
21.05.2012 08:35
2 0

Schlecht recherchierter Artikel!!!

...eigentlich ein Meinungsbeitrag!
Doris Kraus hat sich überhaupt nicht mit den Thesen auseinandergesetzt, sondern einfach zwei sogenannte Experten ausgesucht, wo sie vermutlich wusste, was sie sagen werden. Wenn sie eine Meinung schreiben will, soll sie das so ausschildern, aber wenn es ein Artikel sein soll, dann erwarte ich mir Objektivität, Fakten und keine Meinung, die auf Vorurteile und Unwissenheit beruht.
Tut mir leid, die PaS wird echt immer oberflächlicher. Wo bleiben die eingehend recherchierten Artikel!!?? Das kommt davon, wenn JournalistInnen überfordert sind und schlecht bezahlt!

Gast: Koerpergarten
20.05.2012 22:42
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Stillen schützt vor Übergewicht im Kindesalter

Derzeit gibt es weltweit 41 Mio. adipöser Kinder (unter 5 Jahre) und die Tendenz ist alarmierend und steigend. Muttermilch hilft das Risiko des Kindes an Übergewicht im Kindesalter zu erkranken zu reduzieren, und zwar je länger gestillt wird desto geringer das Risiko. (Eine Mutter die 5 Monate stillt reduziert das Risiko für das Kind um 20%).

Ein Still-Snack statt einer Ladung Fritten, Haribo, Pizza oder Pasta ist vielleicht eine Gesunde Alternative für so manche Kinder im Beikost Alter oder darüber hinaus?

Re: Stillen schützt vor Übergewicht im Kindesalter

keine Besuche bei Burger King und Co. helfen das Risiko des Kindes an Übergewicht im Kindesalter zu erkranken zu reduzieren.

Wer Kinder regelmäßig mit Süßigkeiten und FastFood versorgt, braucht sich nicht wundern. Früher wurde bestimmt auch nicht bis in die Ewigkeit gestillt und die Kinder waren damals schlank. Insofern bezweifle ich, dass hier wirklich ein Zusammenhang besteht.

Außerdem ist im obigen Beitrag die Rede davon bis zum vierten Jahr zu stillen - das hat nichts mehr damit zu tun, ob das Kind später einmal übergewichtig wird oder leichter allergische Reaktionen zeigt.

Re: Re: Stillen schützt vor Übergewicht im Kindesalter

Danke! Hätten Sie das nicht geschrieben, hätte ich das gemacht ;).

Was mir extrem auffällt: Eltern werden immer gestresster und wollen hauptsächlich, dass ihre Kinder ruhig sind. Das wollen sie mit allen möglichen Mitteln erreichen: Kind Computer spielen oder fernsehen lassen, soviel es will, Kind mit Süßigkeiten versorgen, Kind geben, was es will...

DAS ist der Grund, wieso viele Kinder immer unerträglicher werden und auch immer dicker.

Gast: gattona
20.05.2012 18:54
2 2

Da hat Herr Autor wohl etwas nicht verstanden

Kinder dürfen sehr wohl negative Gefühle haben, aber es begleitet sie jemand dabei.
Kinder dürfen sehr wohl lange gestillt werden, weil es normal ist. Wieso sollte ein Kind auch Kälbchenmilch brauchen (warum Kuhmuttermilch statt der Milch der eigenen Mutter)?
Kinder gehen selbstverständlich auch in die Kinderkrippe oder in den Kindergarten, weil es tatsächlich Institutionen gibt, die Sears auch wirklich gelesen und verstanden haben, im Gegensatz zu Herrn Winterhoff.
Mein Kind ist 3, geht bereits über 2 Jahre in die Krippe, wird gestillt, ist ausgeglichen und integrierte sich problemlos, und in der Krippe sind länger gestillte Kinder häufiger als flaschengefütterte ;-)

es gibt aber auch andere Kinder

mein erster Sohn wollte absolut nicht gestillt werden, was ich da alles ausprobiert habe, nichts half, er bekam dann Fläschchen und war super zufrieden - und das war die Hauptsache!!!!! - es ging ihm gut dabei. Mein zweiter Sohn war das Gegenteil davon, den legte ich an und er trank. Ich stillte 11,5 Monate, ich hätte länger gestillt, aber er wollte nicht mehr wirklich, ich stillte ab und es war gut so, es geht ihm gut und das ist die Hauptsache. Jetzt ist er ein ausgeglichenes problemloses fast 16 Monate altes "Baby" und mein großen fast 7 Jahre hat es auch nicht geschadet und ist auch groß geworden. Man darf die "Flascherlmütter" nicht verurteilen, denn bei manchen Kindern geht es nicht anders und eine Mutter will immer das Beste fürs Kind.

Frühzeitig Abstillen

ist eher ein Geschäft für die Industrie als gut fürs Kind!

Gast: Odeon
20.05.2012 10:54
6 0

"Attachment parenting" vs. "Tiger Moms"

Scheint mir so eine Art Gegenströmung zu der ebenso extremen Form der Kindererziehung nach Amy Chua zu sein.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft, irgendwo in der (goldenen) Mitte.

PS/ Sigmund Freud antwortete mal einem Freund/Bekannten, der ihn um Unterstützung in Erziehungsfragen bat: "Sie können machen , was Sie wollen, es ist immer falsch".

Gast: Don Quichote
20.05.2012 10:34
3 0

Das Ergebnis einer solchen ...

... Erziehung zu Ego-Terroristen spricht für sich.

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ich glaube das problem

resultiert aus der tatsache, dass eltern immer weniger kinder haben. ein einzelkind kann problemlos jahrelang an der brust hängen und ihm kann die alleinige aufmerksamkeit und fürsorge geschenkt werden. frauen sind (würde man der natur ihren lauf lassen) aber darauf angelegt, zahllreiche nachkommen auf die welt zu bringen. wenn schon "bio" dann in aller konsequenz und dann würde sich dieses problem des attachment parenting von selbst lösen, denn jede mutter würde ihre milchproduktion dem zuletztgeborenen zur verfügung stellen und wäre körperlich gar nicht in der lage auch denen, die schon beisserchen haben ad infinitum als labestation zur verfügung zu stehen.

Antworten Gast: Bellara
23.05.2012 14:08
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Re: ich glaube das problem

DAS ist ja mal interessant: ich muss ja eine außergewöhnliche Mutter sein. Ich habe drei Kinder mit kurzen Abständen, beide Male habe ich die Schwangerschaften durchgestillt und im Anschluss je über ein Jahr zwei Kinder gleichzeitig. Als ich zum dritten Mal schwanger wurde, habe ich noch alle beiden älteren Kinder gestillt. Alle sind gesunde fröhliche Kinder, sozial kompetent und empathisch.
Und nein, ich bin sicher keine Kampf-Öko-Mutter, sondern nur eine, die auf ihren Bauch hört und die Dinge früher selbst anders sah.

Wieso übrigens macht sich Winterhoff einen Kopf darum, dass es den Eltern gut tut, wenn die Kinder nicht bei Ihnen schlafen? Was geht es fremde Menschen an, mit wem ich mein Bett teile? Lächerlich, diese Aussagen...

Antworten Gast: Maxie Ville
20.05.2012 11:10
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Re: ich glaube das problem

Das ist falsch. Stillende Mütter werden nicht schwanger - im Normalfall - das ist "natürliche" Geburtenkontrolle, wenn Sie so wollen. Wenn wir schon die unsägliche Phrase " der Natur ihren Lauf lassen" bemühen, dann ist Stillen bis zum Alter von (mindestens!) 4 Jahren sicherlich im Sinne "der Natur" - jedenfalls eher als Nestlé Fläschchen mit 3 Monaten.

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Stichwort Laktationsamenorrhö

Häufiges Stillen verhindert MEIST den Eisprung. Verlassen sollte an sich aber nicht darauf.

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Re: Stichwort Laktationsamenorrhö

erinnere mich dunkel an einen Spektrumartikel aus den 80 oder 90er Jahren, der eindringlich erklärte, dass es auf die Zeitintervalle beim Stillen ankommt ob der Eispring verhindert wird--alles über drei Stunden ist keinesfalls dazu angetan einen Eisprung zu verhindern. (angeblich reicht da bereits einmal)

Re: Re: ich glaube das problem

ein Gynäkologe hat einmal zu uns gesagt, Verhüten durch Stillen das wirkt ungefähr so sicher wie Apfelsaft trinken! Wir haben viele Mütter in unserem Umfeld, die durch Zeitnahe Entbindung vom nächsten Kind diese Theorie eindrucksvoll bestätigen.

Re: Re: ich glaube das problem

...Stillende Mütter werden nicht schwanger...

YMMD! Danke!

Re: Re: ich glaube das problem

Stillende Mütter werden nicht schwanger?
Das ist wohl eher ein Märchen; denn ich habe es auch genau so erlebt!

 
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