PRAKTIKUM -
Learning by Doing

10.09.2012 | 09:00 |   (DiePresse.com)

Erste Schritte on the Job

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Ein ganzes Semester lang Arbeitsluft schnuppern: Praxisnäher geht es kaum. Und weil es ein wichtiges Ziel der FH ist, die Studierenden berufsvorbereitend zu qualifizieren, ist in jedem Vollzeitstudium ein Berufspraktikum in der Dauer von einem Semester oder mindestens drei Monaten integraler Bestandteil der Ausbildung. Da das Praktikum einem konkreten Ziel oder Projekt gewidmet ist, wird es immer in der zweiten Hälfte des dreijährigen Bachelorstudiums angesiedelt. Nur bei berufsbegleitenden Studiengängen kann es entfallen, wenn Studierende eine einschlägige Berufstätigkeit nachweisen können.

Fingerübung Bewerbung
Bei der Suche nach dem passenden (und nach Möglichkeit auch adäquat bezahlten) Praktikumsplatz sollte man sich überlegen, in welchem Umfeld man sich gut fühlt und welche Tätigkeit am besten zu einem passt bzw. welche Aufgaben man gern erfüllen möchte. Für die spätere „Verwertbarkeit“ gilt: Große Firmen machen sich oft gut im Lebenslauf. Kleine Betriebe wiederum fördern durch ihre meist flachen Hierarchien das eigenverantwortliche Arbeiten, und man erhält leichter Einblicke in verschiedene Bereiche. Ein halbes Jahr im Vorhinein sollte die Suche nach dem idealen Platz beginnen.
Natürlich können FH-Studierende auf die Unterstützung ihrer Fachhochschule zählen. Diese verfügen über ein Netzwerk kooperierender Unternehmen, die in der Regel langjährige Erfahrungen mit FH-Studierenden haben. Dies hindert jedoch niemanden, sich in Eigenregie nach interessanten Betrieben oder Institutionen umzusehen, bei Karrieremessen UnternehmerInnen anzusprechen oder per Initiativbewerbung seine Fühler nach Praktikumsplätzen auszustrecken. Immer öfter nützen Unternehmen auch Social Media wie Facebook, um auf Praktikumsplätze aufmerksam zu machen. Wer sein Praktikum im Familienbetrieb leisten möchte, dem steht auch diese Möglichkeit offen – vorausgesetzt, dass dort ein Projekt verfolgt werden kann, das den Inhalten des Studiengangs entspricht.

Abgestimmt auf Abschlussarbeit
Das Praktikum wird von einer Lehrveranstaltung begleitet und an der Fachhochschule evaluiert. Oft fließen Erfahrungen daraus in eine Bachelorarbeit ein oder geben den Impuls dazu. Wer berufsbegleitend studiert, kann sich seine Tätigkeit auch auf das Praktikum anrechnen lassen – wenn sich der Job in jener Branche befindet, für die auch das gewählte FH-Studium das nötige Rüstzeug vermittelt. Ob dem so ist, wird zuvor von der Fachhochschule geprüft. Die Letztentscheidung fällt jeweils die Studiengangsleitung.

Praxis auch im Master
Das Masterstudium dient in erster Linie der fachlichen und wissenschaftlichen Vertiefung. Trotzdem bieten auch hier etliche Studiengänge die Möglichkeit, praktisch tätig zu sein. Besonders attraktiv sind berufsintegrierte Modelle für Vollzeitstudierende: Sie erlauben, etwa an drei Tagen der Woche Projekte in Unternehmen durchzuführen und in den restlichen beiden Tagen an der Fachhochschule die nötigen Vorlesungen, Übungen und Seminare zu absolvieren.
Egal jedoch, ob durchgängig oder berufsintegriert studiert wird:  Sehr oft entstehen Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten im Auftrag der Unternehmen, bei denen ein Praktikum absolviert wird. Stimmt die Chemie zwischen Studierenden und Firmenleitung, so können solche Projekte das Entree in den regulär bezahlten Job bedeuten. Der Übergang zwischen Studium und Berufslaufbahn erfolgt so nahtlos wie unkompliziert.

Auslandserfahrung sammeln
Studierende, die ihr Berufspraktikum im Ausland absolvieren wollen, werden bei der Organisation in der Regel vom International Office der Fachhochschule unterstützt. Oft kann bei der Auswahl der jeweiligen Stelle auf einen Pool von bis zu hunderten Partnerunternehmen und -organisationen zurückgegriffen werden, mit denen Kooperationen oder Austauschverträge bestehen. Im Rahmen des EU-Programms Erasmus besteht die Möglichkeit, einen finanziellen Zuschuss zum Auslandspraktikum zu bekommen. Wer seinen Antrag fristgerecht einreicht, hat gute Karten.
Dabei kommen nicht nur EU-Länder infrage, sondern alle Ecken der Welt, von Australien bis Südamerika.  Je exotischer das Wunschziel, desto früher sollte man mit der Bewerbung beginnen. Im Lebenslauf für die Bewerbung macht sich aber auch ein Semster in einem Nachbarland nicht schlecht, ist doch ein erfolgreich absolviertes Auslandspraktikum der beste Nachweis für die heute unverzichtbare Fähigkeit, interkulturell zu kommunizieren und in multinationalen Teams zu arbeiten. Ob In- oder Ausland: Die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen zu sammeln, die einen persönlich weiterbringen und sich auch im Lebenslauf gut machen, sind vielfältig – und man sollte sie nutzen.

Große Chance
Für so manche wird das zum Türöffner und ist mitunter der Beginn einer Karriere. Je nach Branche bekommen 15 bis 30 Prozent ein Jobangebot von jenem Unternehmen, in dem sie ihr Praktikum absolviert haben. Gleichgültig ist dabei, ob man in einem großen oder kleinen Unternehmen gearbeitet hat. Rückmeldungen bestätigen, dass Unternehmen mit Fachhochschulstudierenden sehr gute Erfahrungen machen und alljährlich für neue BewerberInnen offen sind. Schließlich profitieren beide Seiten von der Situation. Die PraktikantInnen erhalten einen Einblick in die Branche und die Chance, ArbeitgeberInnen kennenzulernen. Die Personalabteilungen wiederum bekommen die Möglichkeit, sich von potenziellen späteren BewerberInnen bereits im Vorfeld ein Bild machen zu können.

Praxiserfahrung

  • Auswahl: Viele Firmen im In- und Ausland bieten Berufspraktika für FH-Studierende. Die Fachhochschulen helfen bei der Suche nach einem Platz, doch auch Eigeninitiative führt zum Ziel.
  • Vorbereitung: Man muss sich entscheiden, ob man sein Praktikum in der Region, in Österreich oder im Ausland absolvieren möchte, welche Aufgabe einen reizt und welche Art von Unternehmen zu einem passen könnte.
  • Bewerbung und Vertrag: Die Bewerbung erfolgt mit Lebenslauf und Motivationsschreiben, bei Interesse folgt die Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Klappt es, wird zwischen Betrieb und Studierenden ein Vertrag geschlossen und eine Betreuungsperson bestimmt.

www.fachhochschulen.ac.at

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