Wenn die Technik den Lehrer in die Pfanne schmeißt

Viel ist über Nutzen und Verzichtbarkeit der Digitalen Integration debattiert worden. Doch sie hat auch etwas Lustiges. Und manchmal leider sogar Peinliches.

Wer in einer Klasse sein täglich Brot verdient, ist wohl mit vielen dieser Wasser bereits gewaschen: Man projiziert eine interaktive Übung zur Interpretation einer Kurzgeschichte an die Wand und die Birne im Beamer geht flöten. Oder man schickt seine Schäfchen ins weltweite Web, um dort den Folgen der französischen Revolution auf den Zahn zu fühlen, und das Wi-Fi ist überlastet. Oder man lässt Laptops von der Ladestation holen, um wenig später festzustellen, dass diese über Nacht nicht angesteckt waren. Das Popcorn der Putzfrauen war in diesem Fall wohl wichtiger als das Laden der Geräte.*

An Peinlichkeit kaum zu übertreffen...

Während eben genannte Pannen mit ein wenig Kreativität locker zu meistern sind, kann es live im Unterricht natürlich auch zu Situationen kommen, welche die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler nachhaltig – sagen wir mal „verändern“ – können:

Desktop Ein Klassiker ist dabei das Desktop-Hintergrundbild. Während Fotos von Mitzi und Strolchi noch relativ gut ankommen (japanische Forscher sollen sogar herausgefunden haben, dass Jungtiere sich positiv auf die Motivation auswirken würden), sind Schüler bei schmollmundigen partnerumschlingenden Urlaubsfotos in Bikini und Schlabberlook meistens nicht so begeistert. Too much Information – Man will sich schließlich nicht mit Bodymaßindex und Hautirritationen welchen Lehrkörpers auch immer auseinandersetzen. Oder mit deren spaghettiverschmierten Kindern, altbackenen Chorausflügen oder substrahlenden Gartenblumenbeeten.

YouTube Eine ganz andere Geschichte, aber zumindest genauso unpassend, sind die Filmempfehlungen von YouTube, vor allem jene, die direkt nach dem Besichtigen eines Videos der ganzen Klasse gemacht werden: Da werden einem Filmchens wie „Nippelsynchronisieren mit Terry Crews“ (weil man am Abend davor eine Jimmy Fallon Show angesehen hat) oder „Some Americans are stupid and proud of it“ (weil man vor ein paar Tagen Trumps Amtsantrittsrede gelauscht hat) oder „Wie man einen Sixpack bekommt“ (weil die Frau in der Früh den Laptop für ihren Morgensport missbraucht hat) empfohlen – natürlich sind diese Empfehlungen immer fesch mit Halbnackten oder anderen Unannehmlichkeiten illustriert.

Facebook Und wer schon mal Facebook oder ähnliches im Unterricht verwendet hat, wird sich wohl auch riesig darüber gefreut haben, wenn personalisierte Werbungen über die Leinwand der Klasse huschten: Da werden einem unter anderem Uranförderungsaktien, Haarwuchsmittel oder Justin Bieber Konzerte dringendst ans Herz gelegt – egal ob man sein Geld auf der Bank oder unter dem Kopfpolster hat, 30 oder 80 Jahre alt ist oder FM4 oder Arabella hört. Aber hier sind die Schüler zum Glück nicht besser dran: Welcher Pubertierende lässt sich schon gerne Clerasil und ähnliches empfehlen?

E-mail und SMS Immer wieder ein Highlight sind schließlich auch die Pop-Up Meldungen diverser E-Mail und Messenger-Programme, welche die Aufmerksamkeit der Klasse mitten in der Grammatikübung auf sich ziehen: „Bitte um Feedback über Schüler so und so weil der das und das Problem hat“ kommt besonders bei besagtem Schüler ziemlich gut an. „Schatz, kannst du bitte heute die Buben zum Ballettunterricht bringen?“ taugt hingegen allen ziemlich.

*Ist zwar so nicht passiert, doch das Popcornmachen unserer Reinigungsbelegschaft hat schon mal einen Feueralarm und eine Evakuierung unserer Schule verursacht. Auch lustig.

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