Österreich kann sich keine Ghetto-Schulen leisten

11.12.2012 | 18:16 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Das heimische Bildungswesen produziert eine Generation von Verlierern. Denn das System passt schon lange nicht mehr zu seiner Klientel.

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Entweder sind oberösterreichische Kinder schlicht klüger als Wiener Kinder, alle zusammen aber immer noch dümmer als die Mehrzahl ihrer Altersgenossen aus anderen Staaten – oder unser Bildungssystem hat ein gravierendes Problem. Es sind im Kern diese beiden Deutungen, die die Bildungsstudien nahelegen, die am gestrigen Dienstag en masse publiziert wurden. Wie sonst lässt sich erklären, dass ganze 43 Prozent aller 14-Jährigen die Mindeststandards (!), die sich aus den Lehrplänen ableiten, in Mathematik nicht oder nur „teilweise“ erfüllen? Dass also fast die Hälfte teils simple Rechenbeispiele nicht bewältigt?

In der Annahme, dass es nicht per se am Intellekt der Österreicher scheitert, sollten wir einen genaueren Blick auf das Schulsystem werfen. Dieses scheint bei den Gymnasien immer noch ganz passable Leistungen zu produzieren, in allen anderen Schulformen nicht. Es scheint in ländlichen Gegenden besser zu funktionieren als im urbanen Bereich. Und es scheint auf manche Bevölkerungsgruppen deutlich besser ausgerichtet zu sein als auf andere. Es gibt nun zwei Varianten, mit diesen Erkenntnissen, die sich auch mit politischer Rhetorik nicht werden wegdeuten lassen, umzugehen.

Variante eins ist naheliegend – und bequem: Freuen wir uns doch einfach, dass die AHS noch halbwegs gut funktioniert – zumindest, wenn man von vernachlässigbaren urbanen Randgebieten wie Wien absieht. Im Gegenzug finden wir uns damit ab, dass sich alle anderen Schulformen im städtischen Bereich dem Sonderschulniveau annähern. Es ist die Variante, die ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon gewählt hat, als er gestern den Erhalt der „hervorragenden“ AHS-Unterstufen als ÖVP-Erfolg zu verkaufen versuchte. Die Freude sei ihm unbenommen. Gesamtgesellschaftlich ist all das dennoch Unsinn. Österreich kann es sich nicht leisten, mithilfe ein paar funktionierender Gymnasien ein Niveau vorzugaukeln, über das wir nicht verfügen.

Diese Sichtweise hat wenig mit Sozialromantik zu tun. Es ist volkswirtschaftlich nicht vertretbar, all jene, die nicht den Weg in die AHS finden, als bildungspolitischen Ausschuss zu behandeln. Wir produzieren eine Generation nicht beschäftigungsfähiger, nicht integrierter Verlierer, die zu guter Letzt den Steuerzahlern auf der Tasche liegen. Von den verbauten Lebenschancen ganz zu schweigen. Der Einwand, dass es primär in der Eigenverantwortung der Eltern – nicht der Schule – zu liegen habe, Kindern den Weg in die Zukunft zu weisen, ist übrigens richtig. Er nützt vernachlässigten Zehnjährigen nur leider nichts.

Bleibt die unbequemere Variante zwei: Wir müssen versuchen, Kinder so lange wie möglich vor der Ghettoisierung zu bewahren und ihnen die Chance auf Bildungsaufstieg offenzuhalten. Die Leistungen muss der Einzelne dann freilich selbst erbringen. Dass dieses Konzept nicht ganz falsch ist, zeigt der ländliche Raum, in dem auch die „klugen“ Kinder heute noch die Hauptschule besuchen, während dies in den Städten fast nur Migranten und Bildungsferne tun. Am Land ist die Hauptschule damit jene Gesamtschule, die bei vielen Eltern andernorts Panik auslöst. Die vergleichsweise guten Leistungen dieser Schule sprechen aber für sich.

Dass Eltern im urbanen Bereich ihre Kinder ungern als Versuchskaninchen für eine von Migranten überlaufene Gesamtschule missbraucht sehen wollen, ist legitim. Solange Integration in Österreich kaum funktioniert, sollten wir uns von dieser Idee also verabschieden. Die Lösung kann inzwischen in einer Verlängerung der Volksschulzeit, etwa auf sechs Jahre, liegen. Dort driftet die Leistung von guten und schlechten Schülern laut Studien nicht so stark auseinander. Das ist vor allem, wenn es um das Erlernen von Grundkompetenzen geht, wichtig.

Dass Österreich im internationalen Vergleich auch bei den Volksschulen nur mäßig gut abschneidet, ist ein Wermutstropfen. Und muss als Auftrag gesehen werden: Wir müssen noch mehr Wert auf die frühe Bildung – beginnend mit dem Kindergarten – legen. Hier muss in die Kompetenzen der Lehrerinnen – es sind vor allem Frauen – investiert werden, hier muss die Integration passieren.

Wem das nicht gelingt, der braucht sich später nicht über verpatzte Mathematiktests zu wundern.

 

E-Mails an: christoph.schwarz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2012)

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80 Kommentare
 
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36 Wochen Arbeit u. 60 Wochen bezahlt !!


Die Schule ist für die Lehrer da.

Somit heisst das Bildungsproblem GÖD !!

Jeder Versuch das Lehrpersonal an zeitgemässe Arbeitszeiten im Sinne der Kinder heranzuführen scheitert an der GÖD.

Doch wos kümat des an Gewerkschofta ??


Problem-Volksschule

tatsächlich ist in den letzten Jahren die Qualität der Volksschulen massiv gesunken- vor 20 Jahren konnten Kinder zu Weihnachten nach Schuleintritt leidlich lesen und auch schreiben- heute brauchen sie dafür mehr als zwei Jahre-der Grund dafür ist simpel--weder sind Alternativmodelle zur Gänze verwirklicht worden, noch die aus den Militärschulen abgeleitete Jahrgangspädagogik abgeschafft=> unter-überforderte Kinder, unter-überforderte Pädagogen, eine Ausdünnung von StützlehrerInnen, ....
dafür die Notwendigkeit von Englisch in der Volksschule....wenn die Erstsprache Deutsch vielfach schon als Zweitsprache nicht ausreichen beherrscht wird

In der bisher halbwegs funktionierenden Hauptschule gab/gibt es

Leistungsgruppen. Ein Schikurs, bei dem blutige Anfänger und Fortgeschrittene in eine Gruppe gezwungen werden, kann nur daneben gehen.
Aber das werden die rückständigen Gesamtschulschikursler nie kapieren.

danke herr tangens

dass sie die frau ministerin auf dieses thema aufmerksam gemacht haben. ich darf sie beruhigen: die frau ministerin wird in der nächsten woche einen gesetzesentwurf präsentieren, in dem leistungsgruppen bei schulski-kursen gestrichen werden.
i.V. für fbm schmied

Seit Jahrzehnten

lernen Schüler nur noch dass sie eh für nix verantwortlich sind und sehen an den Erwachsenen Vorbildern dass eh alles geht. Man darf sich nicht wundern wenn dann ganze Generationen verlottern. Eltern wollen sich nicht mehr um die Kinder kümmern und geben sie an den Schulen förmlich ab, Lehrer sitzen wie die Maden auf ihren Privilegien und haben auf die Schüler schon lange geschi...n. der Staat zeigt uns jeden Tag dass alles geht, aber auch wirklich alles. Ein Bundeskanzler lügt ganz offensichtlich ohne dabei rot zu werden. Beamte zocken was die Bude hält, Manager stastsnaher Betriebe und von Banken bauen superkonkurse und kassieren Bonis dafür. Und unsere Jugend sieht das alls und denkt sich, Sch..ss drauf. Warum soll ich lernen. Verbrecher sein oder Sozialhilfe kassieren ist doch eh cool. Und so gehts abwärts.

Lasst die Schulen frei

Seit Jahrzehnten gibts im Bildungsbereich nur Stillstand. Und auf alle Probleme immer dieselbe Leier:
linksGESAMTSCHULE rechtsPFUITEUFELSWERK

und mit jedem Jahr werden die Probleme größer und neue Geberationen werden um Zukunftschancen gebracht.
Dabei gäbe es so viele gute Ideen un den Köpfen der Lehrer und Direktoren. Zum Beispiel auch da: http://mobil.derstandard.at/1353208092063/Freiheit-fuer-die-Schulen

wir müssen


in wien die eltern zwingen ihre kinder mit drei jahren in einen ganztagskindergarten zu geben und anschliessend in eine ganztagsschule.

es muss gesetz werden, wird dieses gesetz von den eltern nicht eingehalten, wird jede beihilfe gestrichen, angefangen von kindergeld bis zur mietbeihilfe.

und im kindergarten und der schule wird nur deutsch gesprochen, die muttersprache kann in der freizeit und zu hause gesprochen werden.

das trennt dann den spreu vom weizen, denn wenn ein kind deutsch spricht und trotzdem schlechte noten hat, dann fehlt es an der nötigen lernfähigkeit und die gibt es überall.

.

"Wir müssen noch mehr Wert auf die frühe Bildung – beginnend mit dem Kindergarten – legen."
Auch schon zu spät. Der Familiennachzug sollte neu reglementiert werden. "Importbräute", ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die in der Parallelgesellschaft "verschwinden", können ihren zahlreichen Kindern - vermutlich - keine ausreichenden Kenntnisse der Landessprache vermitteln.

Förderungen

Weg mit der übermäßigen Verschwendung von Steuergeldern für sogenannte Integrationsmaßnhmen.

Diese Mittel erhalten nur eine Asylindustrie, die für sich immer mehr fordert, aber keine Integration produziert.

Der beste Lehrmeister, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, ist der Zwang seinen Lebensunterhalt zu verdienen und nicht einen Master im Förderungswesen zu erhalten.

Ist nur komisch das wir eins der teuersten Systeme haben, mit solch einen Ergebnis!!!!


Bei diesen Regierungen darf man sich aber auch nicht wundern!


Re: Bei diesen Regierungen darf man sich aber auch nicht wundern!

Unterhält man sich mit Jugendlichen über die Schule und ihre Freizeit, dann hat man unwillkürlich das Gefühl, in den Schulen werden rot/grüne Ideologien unterrichtet. Was ich da oft höre klingt nach linker Politik mit giftgrünen Schattierungen. Ob das für unsere Kinder und Enkel und deren Zukunft gut sein wird, das wage ich zu bezweifeln.

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Konsequenzen bei mangelnder Integration

Es sollte weiter die Aufgabe der Eltern bleiben ihre Kinder auf den Schuleintritt vorzubereiten. Dazu gehört auch die dem Alter der Kinder entsprechende Kenntnis der Unterrichtssprache.

Wer seinem Kind keine Deutschkenntnisse beibringt der sollte auch keine Kinderbeihilfe kassieren dürfen sondern diese muss für die Bezahlung jener Personen aufgewendet werden die dem Kind Deutsch und Integration beibringen.


ghetto

wer ghettos hat kann ghettoschulen nicht vermeiden

AHS funktioniert besser als die anderen Schultypen

deshalb muss man die ja auch abschaffen und durch die Gesamtschule ersetzen. Es kann in unserer "gerechten" Gesellschaft doch nicht sein, dass irgendwer oder irgendetwas besser ist als die anderen. Da aich aber nicht alle gleich gut oder intelligent machen kann muss ich halt dafür sorgen, dass alle gleich dumm werden. Das kommt mir als Politiker dann auch sehr zu pass da ich dann ja die dadurch immer dümmer werdende masse besser und leichter regieren kann.

die bildungspolitik

ist seit jahren ideologisch vermurkst, frau schmid versucht ihr weltanschauliches umerziehungsprogramm durchzuboxen, dabei ist haben wir das beste gegenargument direkt vor der nase: die (gesamt)volkschule.
http://www.andreas-unterberger.at/2012/12/das-debakel-der-gesamtschule-ij-und-wie-es-die-schmied-medien-vertuschen/

Ja, hätte man...

schon vor Jahren die tägliche Turnstunde eingeführt, dann gäbe es heute keine Bildungsmisere in diesem Land.

Aber besser spät als nie, jetzt wird alles gut, danke SPÖ, danke ÖVP

Humerus

Sprachqualifikation VOR dem Schulbesuch fordern und fördern.

Sozialhilfen nur mehr als Naturalhilfen ausgeben, d.h. einen Ganztagsschulplatz anbieten, ein Mittagsessen, Lehrmittel, ggf. eine Art Schuluniform;
NICHT den analphabetischen Eltern Geld zuweisen, wenn sie die Zukunft ihrer Kinder verscherzen.

ghetto

das problem in den letzten 12 jahren ist das schulsystem tot gespart worden und jetzt aufeinmal will man das tot gesparte nicht und wundert sich das es nicht funktioniert und die ghettoschullen gibts scho weil es die ghettos auch schon gibt wenn man sich da ein paar bezirke so anschaut und warum weil es einfacher ist weg zuschauen uns spritzer zu trinken !

Re: ghetto

Wir gehören zu den Spitzenreitern beim Aufwand für das Schulsystem, dafür sind wir bei den Ergebnissen schwächer. Wohin fließt das viele Geld?

Unsere Volksschule ist ...

... eine Gesamtschule und zwar seit urdenklichen Zeiten. Alle Volksschüler der 4. Klassen besuchen seit 4 Jahren die Volksschule, Ministerin Schmied ist seit 6 Jahren Ministerin.

Wenn sie und ihr sauteurer Testverein Bifie professionell gearbeitet hätten, dann hätte man ZUERST die Volksschulen unter die Lupe nehmen müssen.

Genau das hat Ministerin Schmied nach der letzten PIRLS-Studie 2007 angekündigt, nämlich die ungewöhnlich hohen Unterschiede der Volksschulen zu ergründen. Was hat sie gemacht? Gar nix außer ein paar sinnlose Baustellen eröffnet.

Motto: In der Hafenstraße gibts einen Rohrbruch, da reißen wir mal den Stadtpark auf, wechseln die Laternen in der Mühlegasse aus und pflastern den Promenadenweg neu. Professionell halt wie die Volkskreditbank. :-(

im grunde genommen wäre es einfach

... wenn es nicht so viele politische dünkel in dem spiel gäbe.

wenn ein kind nicht ausreichend deutsch kann um dem unterricht zu folgen gehört es in einer ganztagsschule "kaserniert" bis es das niveau erreicht hat. quasi integrationsschulen mit österreichischem sprach- und kulturunterricht (aber den einen ist das sicher zu viel staatliche einmischung in familiengelegenheiten und den anderen ist es vermutlich zu leistungsorientiert und "rechts").

und der gedanke ist m.e. zulässig, dass wien vielleicht überhaupt ein anderes schulsystem braucht als der rest von österreich ...

Re: im grunde genommen wäre es einfach

wenn ein Kind nicht ausreichend Deutsch kann, um dem Unterricht folgen zu können gehört es nicht kaserniert, sondern für ein Jahr in eine Vorschule.
Die Schischulen haben dies schon lange erkannt und stecken nicht Anfänger und Fortgeschrittene in einen gemeinsamen Kurs.
Vielleicht kann eine hochrangige Expertenkommission des Unterrichtsministeriums von den Schischulen knowhow erwerben???

Wenn ich mir die ganze Problematik

mit den diversen Schultypen und Migranten ansehe, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Als Angehöriger der Generation 60plus erinnere ich mich gerne an meine Schulzeit und vergleiche diese mit der heutigen "Schul-Problem-Zeit". Was war bei uns damals anders? Vieles. In unserer Klasse waren 3 Migranten von 25 Schülern. Einer kam aus dem Irak, einer aus Südafrika und der Dritte aus Israel. Der war übrigens Klassenbester. Alle drei machten problemlos die Matura. Und wie waren die ProfessorInnen? Gut ausgebildet und engagiert. Doch von jedem von uns Schülern wurde Leistung verlangt und beherztes Lernen. Der Schwächste musste unbedingt versuchen mitzuhalten. Konnte er es nicht, wurde er nicht in die nächste Stufe versetzt und einige mussten das Gymasium verlassen. Mann kann in der heutigen Gesellschaft nur mit Leistung bestehen, andernfalls gibt es kein Weiterkommen. Man darf unter keinen Umständen den Schwächsten als Standard nehmen, da sonst alle anderen darunter leiden und nicht das Wissen und Können erhalten, das heute erforderlich ist. Und das solte nicht nur für das Gymnasium gelten, sondern für alle Schultypen. Daher muss auch unbedingt darauf geachtet werden, dass man nicht alle Zuwanderer so mir nichts dir nichts im Land aufnimmt und deren Kinder einfach in die Schule steckt, egal wie gut oder schlecht sie sprachlich zurechtkommen.

Re: Wenn ich mir die ganze Problematik

Ihre Generation hat aber bereits die besagten Zuwanderer aufgenommen.

Im Englischen sagt man zu Lösungsvorschlägen wie dem Ihrigen: Die Stalltüre zuschlagen, nachdem das Pferd weggelaufen ist.

Österreich ist eh schon in sich ein Ghetto...


 
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