Nicht jeder ist für die Uni geeignet

15.01.2013 | 18:19 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Wider die österreichische Akademisierungswut.

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Manches Mal liefern auch Studien, die man nicht selbst gefälscht hat, erfreuliche Ergebnisse: Der Arbeitsmarkt, stellte das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft jetzt fest, benötigt gar nicht so viele Akademiker, wie wir stets glauben. Dass das Institut der Wirtschaftskammer nahesteht, die laufend für eine Stärkung der Berufsausbildung lobbyiert, sei erwähnt. Die Daten, die das Institut vorgelegt hat, verdienen dennoch Beachtung: Sie brechen auf wohltuende Art mit der Akademisierungswut.

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Es hat sich der Grundkonsens gebildet, dass nur der ein erfolgreiches Leben führe, der eine Hochschule besucht hat: Linke Ideologen wünschen aus Gründen der gesellschaftlichen Gleichstellung überhaupt alle an die Uni. Bürgerlich-Konservative sehen rein aus Tradition für ihre Kinder hohe Bildungsabschlüsse vor. Zu allem Überdruss fordert die OECD laufend höhere Akademikerquoten, was beide Seiten in ihrer Argumentation bestärkt.

Vernachlässigt werden somit nicht nur die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts, der qualifizierte Arbeitnehmer und auch Selbstständige in nicht akademischen Berufen dringend benötigt. In Österreich geht (vor allem im urbanen Raum) fast nur noch jener in die Lehre, dem sonst nichts mehr einfällt. Und nicht derjenige, der Lust und Begabung verspürt. Damit verspielen wir Talente.

Es wäre höchste Zeit, sich eines einzugestehen: Nicht jeder ist für die Uni geeignet. Und das ist kein Problem, sondern – in einer arbeitsteiligen Gesellschaft – durchaus gut so. Findet sich ein Bildungspolitiker, der sich traut, das offen auszusprechen?

 

christoph.schwarz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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31 Kommentare
 
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Wer schon Titel braucht

als ich meinen Magister aus dem Pass streichen liess (wenn man einmal über 5 Stunden nächtens in einem aussereuropäischen Flughafen bei der Einfeisepolizei verbracht hat weil die aufgrund des Titels an einen falschen Pass denken tut man sowas) hat man mich ganz gross angeschaut. Ich geb auf Titel gar nix. Der einzige auf den ich immer stolz war ist Papa.

Hier der Link zur Studie

http://images.derstandard.at/2013/01/15/berufe_in_zukunft.pdf

Ich möchte gleich mal auf Seite 4 verweisen. Dort sieht man, welcher Blödsinn von unseren Qualitätsmedien einfach von der APA übernommen wird.
Die Akademiker stellen nämlich die am stärksten wachsende Gruppe dar....

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Aus dem heutigen WSJ:

Offenbar entdeckt man auch in den USA, dass Studieren alleine nichts bringt:

• Pell grants. Paying people to go to college instead of to work is traditionally justified on the grounds that higher education builds "human capital" that is vital for the country's economic future. But a study Christopher Denhart, Jonathan Robe and I did for the Center for College Affordability and Productivity (that will be released soon) shows that nearly half of four-year college graduates today work in jobs that the Labor Department has determined do not require a college degree. For example, over one million "retail sales persons" and 115,000 "janitors and cleaners" are college graduates.

In 2000, fewer than 3.9 million young men and women received Pell Grant awards to attend college. The number rose one-third, to 5.2 million by 2005, and increased a million more by 2008. In the next three years, however, the number grew over 50%, to an estimated 9.7 million. That is nearly six million more than a decade earlier. The result is fewer people in the work force. Meanwhile the mismatch grows between the number of college graduates and the jobs that require a college education.

Tja...

Auch die Medien benötigen nicht so viele linksrotgrüne Schreiberlinge - aber was passiert?
Gar nichts...
:)

K.u.K Titelgläubikeit

In AT gehen die meisten auf die UNI nur um einen Akad. Titel zu erhalten da man sonst in AT ohne Titel als minderwertiger Mensch gilt. Der Titel ist in AT Teil des Namens und man wird sogar in Wartezimmer beim Arzt mit dem dämlichen Titel (z.B. als Hr Magister) aufgerufen was ich als Herabsetzung der Menschen ohne Titel betrachte. Ingenieure und Berufsspezialisten die eine umfanreichere Ausbildung machen müssen und welche die eigentlichen produktiven Berufszweige der Wirtschaft, haben weniger Ansehen in AT als ein Jurist, Psychologe. Germanist mit UNI-Titel usw,. Ich habe sehr lange Zeit im Ausland verbracht wo man nur den Arzt mit Doktor anredete. In meiner Firma durfte man nur den Funktionstitel auf die Visitenkarte eintragen und nicht irgendwelche auf UNI’s erworbenen Titel. In anderen Ländern kommt es nur darauf an ob einer etwas kann und nicht auf irgend einen Titel,

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Re: K.u.K Titelgläubikeit

Magister ist nicht wichtig! Erst ein Doktor ist wichtig ;)

Über Magister, lachen die meisten Leute!

Re: K.u.K Titelgläubikeit

Ganz kann ich Ihnen nicht zustimmen. Beim Arztbesuch gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht, was wohl mit einer fast archaisch anmutetenden Hierarchiegläubigkeit dieses Berufsstandes zu tun haben mag. Teilweise habe ich diese Erfahrung auch bei Ämtern gemacht. Uns unterscheidet dies jedoch nach meiner Erfahrung praktisch überhaupt nicht von den übrigen deutschsprachigen Ländern. In Deutschland hatte ich sogar öfter den Eindruck, dass viele entgegen der deutschen Selbsteinschätzung (im Vergleich zu Österreich) noch titelverliebter sind als wir. Lediglich in den skandinavischen Ländern und in England hatte ich den Eindruck, dass Titeln bedeutungslos sind und sehr oft nicht einmal auf den Visitenkarten zu finden waren, es sei denn, man betrachtet eine Funktionsbezeichnung als Titel.
Ich selbst arbeitete in einem sehr großen österr. Industriebetrieb, in dem ausnahmslos jeder (inklusive Management) nur mit dem Namen angesprochen wurde, auf den Türschildern keine Titel zu finden waren und auch das Du auch zwischen den (wenigen) Hierarchieebenen weit verbreitet war. Kompetenz und ein gemeinsames technisches Interesse braucht Vertraulichkeit nicht zu scheuen.
Nach meinem Eindruck hat sich in Österreich diesbezüglich in den letzten 30 Jahren sehr vieles geändert. Die österreichische Lebensrealität ist also durchaus sehr unterschiedlich. Ein Vergleich mit der K. u. K. Monarchie ist nach meiner Erfahrung nicht angebracht.

presse-kommentatoren und -poster leisten eh ihren anteil zur verringerung der akademiker-quote!

normalerweise lernt man es in der oberstufe kennen.
spätestens aber im ersten semester, das basiswerkzeug für gehobene bildung:
belegen statt behaupten
zitieren
quellen nachprüfbar anfügen.

wann hat man solches zuletzt in kommentaren und posts in dieser zeitung gesehen?

so mancher hier wird schon seinen akad. grad haben. aber er praktiziert nicht. also kein grund, über eine zu hohe akademikerquote zu klagen. es ist eh nur eine theoretische.

Das wichtigste aber ist:

Beim Thema bleiben und ad-personam Argumente zu vermeiden...

Im Übrigen ist ein Forumsposting keine Erörterung. Bildung zeigt sich nämlich auch daran, bei der Textkritik die Art des Textes zu berücksichtigen - ein Kochrezept ist kein Fortsetzungsroman.

Meine Deutschprofessorin

hätte mir einen Aufsatz mit diesem Titel und mit dem nachfolgenden Textinhalt als "Thema verfehlt" zurückgeschmissen.

Ob jemand für die Uni geeignet oder nicht geeignet ist, ist ein ganz anderes Thema als die "Problematik", die in dem Artikel behandelt wird.


Meine Deutschprofessorin


Re: Meine Deutschprofessorin

Entschuldigung!

Solange Akademiker im öff. Dienst OHNE Leistungsnachweis mehr verdienen


als die meisten WERTSCHÖPFER, wird sich NICHTS ändern.

Bildung ist ein Wert an sich u. darf auf KEINEN Fall a priori mit hohen Gehältern BELOHNT werden !!

Kenne Facharbeiter, die Millionenprojekte führen u. nicht mal die Hälfte akademischer Sesselfurzer verdienen.

Speziell in der Länder/Bundesverwaltung wird LANGJÄHRIGES Sitzen belohnt.

Prof. STREISSLER: "Der Staat sollte alle seine Mitarbeiter nach 3 Tagen Streik von Rechts wegen entlassen u. nur jene zu den EINSTIEGSGEHÄLTERN wieder anstellen, die er wirklich benötigt".

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Wertschöpfer - sollte wohl besser Wortschöpfer heißen!


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sehr richtig

aber eine andere front.

gegen die automatischen biennalsprünge müsste einmal ein volksbegehren gestarten werden. zudem ist längst eine solidarsteuer von allen beamten fällig, von uns steuerzahlern einen kündigungsschutz bekommen, öbb, post und telekom inklusive.

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Danke dass Sie darauf hinweisen!

Leider geht dieser Kommentar wieder einmal vollkommen unter, wenn es darum geht in der leider großteils sinnlosen Bildungsdebatte ein vernünftiges Argument zu bringen.

Gerade Länder wie Spanien und Griechenland, sogar Tunesien, haben Heere von arbeitslosen Akademikern, für die es einfach keine Jobs gibt. Österreich wird europaweit für das duale System gelobt, aber hierzulande wird in jedem Artikel suggriert, dass Hauptschüler (bzw. Nms) dumm sind und alle zumindest eine Matura brauchen.

Re: Danke dass Sie darauf hinweisen!

man muß halt auch ermöglichen dass Hauptschüler nach abgeschlossener Lehre und div. Weiterbildungen auch mehr als € 1.400,-- im Monat verdienen können (siehe Kollektivverträge!)


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Re: Re: Danke dass Sie darauf hinweisen!

mehr verdienen können: ja auf jeden fall. aber mindestlöhne etc. haben nur zur folge, dass sich noch breitere schichten in die hängematte legen.

Re: Re: Re: Danke dass Sie darauf hinweisen!

Ich spreche nicht von Midestlöhnen, sondern davon dass diese Tätigkeit schon bei der allgemeinen Beurteilung, etwa bei der Festlegung von Kollektivverträgen sehr schlecht bewertet werden.

Konnte doch ein sehr mäßig lernender Maturant eine wesentlich bessere Einkommenskurve und eine längere Lebenszeit erwarten als sein Mitschüler der nach HS und Lehre und Weiterbildung seinen manuellen Job tat.

Erst wenn der Meister wie der Magister gleich viel wert ist an Stundenlohn, kann man sagen, gehts in die Hauptsvchule und lernt ein Handwerk .....

Genau dort liegt das Problem

Wenn Kollektivverträge Gehälter nach formalem Bildungsgrad festlegen, wird Bildung zum Selbstzweck.

Im Prinzip sollte ein Gehalt immer Verhandlungssache sein.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß die Unterschiede zwischen Meister und Meister oder zwischen Magister und Magister (jeweils desselben Faches) größer sind als die zwischen Magister und Meister. Warum sollte also für die einen ein anderes Gehalt gelten als für die Anderen.

Wir - als Gesellschaft - müssen uns von dem Gedanken lösen, daß man für die Leistung während der Ausbildungszeit bezahlt wird und nicht für die während der Arbeitszeit.

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da gebe ich ihnen vollkommen recht

in der privatwirtschaft ist das leicht lösbar und größtenteils gelöst.

das problem im öffentlichen bereich ist aber, dass es keinerlei anhaltspunkt für die entlohnung gibt. daher diese unselige entlohnung nach ausbildung (unter interner weiterbildung) sowie die bienalsprünge. außer einer solidarabgabe für alle öffentlich bediensteten fällt mir aber keine lösung ein.

Wobei Mindestlöhne bewirken,

daß sie es müssen.

Das Können ist bereits mit der Mindestsicherung gegeben.

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Begabungen statt Maturazeugnis

Gut dass dieses Thema angeschnitten wird. Der Universitätsbereich muss mit der Qualifikation der Studierenden gelenkt werden. Nicht ein Maturazeugnis, sondern der Nachweis einer Eignung soll eine Studienbefähigung sein. Wie Maturazeugnisse zustande kommen ist hinlänglich bekannt. Schon in den Mittelschulen muss klar werden, dass Begabungen in zB MINT Fächern eher zu einem Studium berechtigen als die Einstellung "na schau ma amoi".
Begabungen in den Bereichen wo Mangel besteht müssen aber auch mit Stipendien mehr gefördert werden, auch zu Lasten der anderen Studienfächer!
Daher sind tiefgreifende Reformen notwendig. Angefangen von den Volksschulen über Mittelschulen bis Universitäten mit angeschlossenem Stipendienwesen.

Re: Begabungen statt Maturazeugnis

Und wer soll diese Begabungen objektiv beurteilen? Die AHS-Lehrer? Lachhaft!

Re: Begabungen statt Maturazeugnis

Jeder glaubt, sein Kind hätte diese "Top-Qualifikationen" und die anderen "versitzen meinem Genie den Platz"

Wenn ganz faire Qualifikationen gelten würden, ohne Intervention und ohne Tricks, täte sich so mancher Vollakademiker schwer sein Kind tatsächlich auf die akademische Berufslaufbahn zu bringen ....
und das wollen wir doch Alle nicht?
... oder ?

Die objektive Gerechtigkeit ist doch oft verbunden mit bitteren Wahrheiten .......

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Re: Begabungen statt Maturazeugnis

Was sind MINT Fächer? Sind das zartgrüne Fächer, die Damen bei Hitze benützen, um sich Kühlung zu verschaffen?

 
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