11.02.2012 22:50 | Meine Presse Merkliste0

Die Studenten und ihre selbst verschuldete Unmündigkeit

23.11.2009 | 18:28 |  GASTKOMMENTAR VON HANNES GRASSEGGER UND PATRICK LOBIS (Die Presse)

Die Audimax-Besetzer haben drei Dinge missverstanden.

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Aber das bedenke stets“, warnt Wilhelm Busch, „wie man's treibt, mein Kind, so geht's“. Diese Warnung könnten sich die Audimax-Besetzer durchaus zu Herzen nehmen. Wie Max und Moritz schaden die protestierenden Studenten nämlich vor allem sich selbst. Zwar haben sie recht, bessere Studienbedingungen zu fordern, doch bekämpfen sie vehement gerade jene Reformen, auf denen eine Besserung fußen könnte.

Es steht außer Frage, dass den Lippenbekenntnissen der Politik nun auch die nötige finanzielle Unterstützung für das Hochschulsystem folgen muss. Eine schlichte Erhöhung der Uni-Budgets wird allerdings wirkungslos verpuffen, wenn das System nicht modernisiert wird. „Gegen Zugangsbeschränkungen“, „Gegen Studiengebühren“ und „Nein zu Bachelor und Master“ steht auf den Transparenten zu lesen. Im Wesentlichen haben die protestierenden Studenten drei Dinge missverstanden:

Missverständnis 1: Eingangsprüfungen sind sarkastische Selektionsmaßnahmen. Solche Tests sollen lediglich sicherstellen, dass nur jene, die für ein Fach tatsächlich geeignet und begeistert sind, es auch studieren. Hier sollte man keinem Irrtum unterliegen: Chancengleichheit impliziert noch keine Gleichheit der Eignung, und Eignung sollte bei der Studienwahl eine entscheidende Rolle spielen. Ein klares Nein noch vor Studienbeginn mag ernüchternd sein, aber es zwingt die Betroffenen immerhin dazu, sich noch intensiver zu orientieren und eine bewusste(re) Berufs- oder Studienwahl zu treffen. Die Alternative – ein freier Studienzugang ohne jede Voraussetzung – verschiebt diesen Orientierungsprozess nur um einige Jahre und macht ihn noch schmerzhafter: Wer will schon nach Abschluss des Studiums, bei der Jobsuche, erkennen müssen, das falsche Studium absolviert zu haben?

Eine Leistungsüberprüfung vor Beginn des Studiums ist sicherlich auch weit fairer als die derzeitig gängige Praxis, mit der sich gewisse Institute der unangenehmen Diskussion um Zugangskontrollen entziehen. Das Rezept ist einfach: Man quält die Studenten durch eine mehr oder weniger lange Einführungsphase mit überfüllten Hörsälen, um sie dann vor harte Drop-out-Prüfungen zu stellen. Die Studenten verlieren bei diesem Trick doppelt: Sie erhalten zu Beginn eine qualitativ unzureichende, weil quantitativ nicht durchsetzbare Ausbildung und stehen im schlimmsten Fall – dann, wenn sie an der Drop-out-Hürde scheitern – am Ende auch ohne Abschluss da.

Diejenigen Studenten, die eine Eingangsprüfung bestehen, werden dagegen auch ohne Budgetaufstockung belohnt. Die Studienbedingungen verbessern sich nämlich ganz wesentlich allein dadurch, dass die Mitstudenten für das gewählte Studium befähigt und motiviert sind.

 

Keine Exzellenz ohne Leistung

Warum steht man Eingangsprüfungen in studentischen Reihen also so kritisch gegenüber? Vielleicht deswegen, weil sie einen vermeintlich neoliberalen Leistungsgedanken implizieren? Derzeit wird in einigen Studienrichtungen von Studenten wenig gefordert, dafür wird ihnen aber im Gegenzug auch wenig geboten. Massen von mehr oder weniger motivierten Studenten werden von Semester zu Semester, von Professor zu Professor weitergereicht, und es scheint fast, als wäre dies einigen Studenten nicht immer ganz unrecht. Die von Politikern großmütig geforderte akademische Exzellenz wirkt in so einem Umfeld fast schon wie Hohn. Exzellenz entsteht nur, wenn man Leistung fordert.

Missverständnis 2: Studiengebühren sind prinzipiell abzulehnen. Dies ist aller populistischen Wirksamkeit zum Trotz eine recht seltsam anmutende Position. Es ist doch so, dass Bildung von allen politischen Lagern geschlossen als besonders kostbares Gut gepriesen wird. Woher kommt dann eigentlich die Idee, dass Bildung nichts wert sein darf, und zwar auch im monetären Sinn? Man muss Schopenhauer gar nicht zwingend bemühen, um hier klarzusehen, aber auch er hat erkannt, „dass wir der Güter und Vorteile, die wir wirklich besitzen, gar nicht recht innewerden noch sie schätzen, sondern nicht anders meinen als eben, es müsse so sein“. Was nichts kostet, ist in der Wahrnehmung der Menschen nichts wert. Ohne Studiengebühren also keine Wertschätzung des Studienbetriebs, was sich auch in einer durchschnittlich längeren Studiendauer niederschlägt.

Dabei könnten Studenten über einen Kostenbeitrag Anteilseigner an ihrem eigenen Studium bzw. ihrer eigenen Hochschule werden. So geschieht es zum Beispiel an der deutschen Privatuniversität Witten/Herdecke, deren Beiträge sich ganz offiziell an „der persönlichen Wertschätzung der Studierenden für ihre Universität“ orientieren. Diese Diktion kommt nicht etwa von Politikern oder der Hochschulleitung, sie kommt von der dortigen Hochschülerschaft selbst, die kraft ihres finanziellen Beitrages sogar einen Sitz im Direktorium der Uni-GmbH innehat. Bezahlen kann man den Studienbeitrag im fünfstelligen Eurobereich übrigens gemäß eines „umgekehrten Generationenvertrages“, also ganz oder teilweise im Nachhinein, als Prozentsatz des Einkommens von Absolventen. Dieser Ansatz ist zwar nicht eins zu eins auf staatliche Universitäten in Österreich übertragbar, doch zeigt er auf, dass es verschiedenste Möglichkeiten gibt, Studenten zu wahren Teilhabern ihrer Universität zu machen. Damit stehen soziale Gerechtigkeit und Studiengebühren nicht mehr im Widerspruch.

 

Teilhaber statt Neinsager

Missverständnis 3: Bologna ist an allem schuld. Oder, anders gesagt: Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge führt zu einem Chaos in den Studienordnungen und ist auf dem Arbeitsmarkt nicht hinreichend akzeptiert. Dies ist soweit auch zutreffend. Man muss allerdings dazusagen, dass die Bologna-Reform hierzulande inadäquat umgesetzt worden ist. Vielerorts wurde das bereits bestehende Studienangebot kurzum in ein neues Korsett gezwängt, ohne Sinn, Form und Ziel der Reform in einem ersten Schritt verinnerlicht zu haben. Schlechtes Uni-Management sollte aber nicht als Grund dafür angeführt werden, einen grundsätzlich richtigen Reformschritt in Europa nicht zu gehen. Bologna wird in Österreich landläufig – wie leider so viel Europäisches – mehr als Schikane denn als Chance betrachtet. Wahr ist vielmehr, dass Bologna Österreich europäischer macht. Sähe man die Reform als Chance, würde man vielleicht auch ihre Vorteile erkennen: Verkürzung der Studienzeit, zusätzliche Flexibilisierung des Studiums, höhere Mobilität der Studierenden und größere Praxisnähe des Studiums. All diese Faktoren, die zu einer Vereinheitlichung des europäischen Hochschulraumes beitragen, können nur positiv gesehen werden, gerade unter jungen Leuten, die ganz bewusst in einem Europa ohne wesentliche nationalstaatliche Schranken aufwachsen.

Daraus ergibt sich: Sollen die Studentenproteste eine nachhaltige Verbesserung der Studienbedingungen erreichen, so müssen die protestierenden Studenten ihre verkürzte Sichtweise ablegen. Stets mehr von den Universitäten zu fordern, ihnen aber im Gegenzug die nötigen Reformen (Bologna-Prozess), Mittel (Studiengebühren) und die Leistungsbereitschaft seitens der Studenten (Zugangsbeschränkungen als einen ersten Schritt) zu verweigern, kann nicht zielführend sein. Was Österreich dringend braucht, ist eine gesunde Streitkultur im bildungspolitischen Bereich und insbesondere einen sinnvollen Dialog zwischen Hochschülerschaft und Bildungsministerium bzw. Hochschulleitungen. Wenn die Politiker und Uni-Manager ihrer Verantwortung nur unzureichend nachkommen, dann stehen eben die Studenten in der Pflicht. Allerdings als echte Teilhaber an der Lösung und nicht als Neinsager.

 

Patrick Lobis hat an der WU Wien studiert und ist Joseph-A.-Schumpeter-Stipendiat an der Kennedy School of Government (Harvard University).
Hannes Grassegger ist Absolvent der Kennedy School of Government und derzeit Referent für strategische Neuausrichtung im Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2009)

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40 Kommentare
 
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Gast: Österreichische Bildungsreform
01.12.2009 22:18
0 0

Welcher Master? Hausmasta!


Soziale Ungleichgewichte ...

Was sagen Lobis & Grassegger zB zu sog Einführungs-Prüfungen (zB bei Jus in Wien), wo Philosophie (in aller Regel) nach dem - mehr oder weniger sinnvollen - Aneinanderreihen möglichst treffender fettgedruckter Wörter (ich beziehe mich hierbei ua auf Aussagen eines jetzigen WU-Assistenten ...) abgeprüft wird?

Wie sieht es diesbzgl zB aus?
Ist das fair, dass zB derjenige, der philosoph. Vorwissen hat, dechiffrieren vermag was hinter bisweilen polito-"logischen" Termini "down to earth" (eigentlich) gemeint ist?

Arg: Kein K.I.S.S. ("keep it short and simple"), sondern eher: möglichst komplizierte Umschreibungen.

Ferner ad sog "Argument 1":
Eignung: definieren!!
Und: was mit man/frau, die erst zu einer Eignung zu gelangen vermag?
(arg "QuereinsteigerInnen")
Und: wo ist der "Papa ist Rechtsanwalt und ich bin die Rechtssprache gewohnt" - bezogen zB auf Jus - -Faktor??!
Ferner eine grds Frage:
was, wenn ein (mehr oder weniger) freier Bildungszugang von einem berühmten Politiker zB der Volkspartei oder der FPÖ lanciert worden wäre:
wäre dann das Auflehnen, Dramatisieren und Polemisieren (etwa in der sog "Kronenzeitung") auch derart stark wie in diesen Tagen?
Was, wenn zB nicht Robert Menasse, sondern zB ein ÖVP-Politiker (vor Jahren) für einen (möglichst) offenen Bildungszugang eingetreten wäre ? (Bitte als sehr grds Frage zu verstehen!)

Überhaupt geht es mE bei den StudentInnen-Protesten bitte um erheblich mehr als hier anskizziert, ua auch um Prüfungsfairness..

Gast: Studentin
29.11.2009 14:23
0 1

Schwarz-Weiß-Denken

Sehr geehrter Herr Grassegger, sehr geehrter Herr Lobis,

ich kann mich meinen Vorrednern insofern anschließen, als das was Sie schreiben nicht objektiver ist als die Forderungen der Studentenbewegungen. Zugangsbeschränkungen sind sicherlich sinnvoll in einigen Fächern und Universitäten, aber ist nicht die Frage nach dem "wie" entscheidender als die nach dem "ob"? Sollten Studenten nur nach einmaligen Prüfungen oder dem Abiturzeugnis ausgewählt werden oder die Studentenzahl künstlich -trotz vieler überqualifizierter Bewerber- unten gehalten werden? Das das Aussieben durch unschaffbare Klausuren in den ersten Semestern, wie es an so vielen Unis üblich ist, die definitiv schlechteste Variante ist, da sind sich wahrscheinlich alle einig.

Zu den Studiengebühren lässt sich im Prinzip das gleiche sagen. Die Unis brauchen mehr Geld, der Staat weigert sich mehr zu geben. Aber ist es die Beste Lösung das Geld von Studenten zu nehmen? 100€ im Montat ist verdammt viel Geld, wenn man Miete und Lebenserhaltungskosten aufbringen muss und "nebenher" mind. 60h die Woche studiert. Freie Zeiteinteilung um einen freien Tag zum Arbeiten zu haben (wie sich schon andere Generationen ihr Studium finanziert haben) ist im Bachelor-System leider nicht mehr möglich. Warum ist denn hier kein Kompromiss möglich? Müssen es 500€ sein, könnten sie nicht auch nach dem Studium gezahlt werden (Modell HH)?

Statt die Schuld hin-und herzuschieben sollte man lieber nach Lösungen suchen!!

Gast: Leuphana Student
26.11.2009 16:44
1 0

Ich weiß warum ich Leuphant bin

Danke an die Autoren die das aussprechen was viele vergessen!

Ich weiß warum ich an die Leuphana wollte und das hat sich auch mit dem Bildungsstreik nicht gerändert!

JA zur Zugangsbeschränkung,
weil ich mir den Hörsaal mit Leuten nicht teilen will, die sowieso nie fertig studieren werden.

JA zum Bachelor und Master,
weil das internationale Standards sind die sich weltweit längst etabliert haben UND weil es das best angepasste Studienmodel für die sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland ist.

JA zu Studiengebühren,
Bildung gibt es nicht umsonst!!!! Auch nicht für alle! Bei Abschaffung der Studienbeiträge dürfen die Studenten sich nicht mehr an Kosten Beteiligen und die die in Ersterlinie nichts davon haben werden zur Kasse gebeten - was ist das für eine Gerechtigkeit?

http://immeninfo.wordpress.com/

Gast: splendid
26.11.2009 15:26
0 0

Anteilseigner oder Mitglied

"Dabei könnten Studenten über einen Kostenbeitrag Anteilseigner an ihrem eigenen Studium bzw. ihrer eigenen Hochschule werden."

Hört sich toll an, nur dass die Studenten vor Einführung der Studiengebühren nicht nur Anteilseigner sondern bereits Mitglieder ihrer Hochschule waren. Mit demokratischen Mitbestimmungsrechten. Ganz ohne Bezahlung. Das scheint in Vergessenheit zu geraten während immer mehr Entscheidungsbefugnisse weg von den Mitgliedern der Universität hin zu den Präsidien und externen Persönlichkeiten verlagert werden.

Gast: Niederösterreicher
26.11.2009 14:44
1 0

WENDE:

Während sich der europäischen Oststaaten nach Jahrzehnten leidvoller Erfahrung von der kommunistischen Idealen ABGEWENDET haben (Vorrang der Quantität vor der Qualität), WENDET sich der übersättigte Westen diesen Idealen offenbar ZU, ohne sich auch nur beiläufig die Frage zu stellen, was in Hinkunft mit den vielen halbgebildeten Akademikern geschehen soll und auch auf die Gefahr hin, daß diese durch ihre mangelnde Qualität (nicht jeder Mathe-Student ist ein Einstein od. zumindestens ausreichend begabt - nach Statistiken können nicht einmal 25 % eines Jahrgangs sinnerfassend lesen, aber restliche 75 % wären r Akademiker!!) verproletarisieren. Natürlich kann der Staat zumindestens eine Zeit lang, auf jeden Arbeitsplatz mehrere Akademiker anstellen. Nur führt das auf Dauer zu einem Riesen-Defizit des Staates und zu einer Pleite wie weiland in der DDR. Auch Ungarn hat uns das sogar schon in postkommunistischen Zeiten mit einer sozialistischen Regierung vorgezeigt!

Wenn also die UNI-Budgets den Wünschen der Audi Maxisten gemäß zulasten anderer gesellschaftliche Gruppen (haben sich da nicht unlängst Pensionisten, Kindergärtnerinnen, Metaller, DIE Frauen etc. mit finanziellen Forderungen gemeldet) ausgeweitet werden, dann bitte auch eine zeitgemäße Bedarfberechnung und einen Finanzierungsplan (der auch auf die Wünsche anderer Bedacht nimmt) auf den Tisch legen!
Denn mit "Geld fordern, ohne zu sagen, woher es kommt" geht es sicher nicht!

Gast: Student der Leuphana
26.11.2009 10:37
1 0

LEISTUNG

... ist es nicht bezeichnend, dass die Chefetage, der Wannabe-Elite-Uni, in der Herr Grassegger angestellt ist, sich (fast) nur aus Wirtschaftsnahen Leistungsfetischisten rekrutiert. Es lebe Witten/Herdecke, es lebe St. Gallen - Nieder mit den Altruisten - wer nicht Akkord arbeiten will, soll bitte untergehen, danke nein!

Antworten Gast: Mitarbeiter der Leuphana
26.11.2009 11:58
0 0

Re: LEISTUNG

Lieber Student der Leuphana,

direkt im Präsidialbüro unserer Uni arbeiten meines Wissens derzeit: zwei Kulturwissenschaftler, zwei Erziehungswissenschaftler, ein Wirtschaftswissenschaftler, ein Umweltwissenschaftler. Warum sie hier besondere Wirtschaftsnähe vermuten ist mir schleierhaft.

Was mir aber viel mehr am Herzen liegt: Nicht nur Mitarbeiter im Präsidium arbeiten viel und weitaus mehr als sie müssten, sondern auch in Instituten, Fakultäten usw. Und sie tun das, wie sicherlich auch die Kollegen im Präsidium, für SIE, lieber Leuphana-Student, nicht weil sie müssten, sondern weil sie aus Begeisterung für die Idee der Universität, UNSERER Universität arbeiten, und weil sie gute Bedingungen auch für IHRE Bildung erreichen wollen. Egoistisch ist das zumindest nicht, erst recht nicht wenn man Arbeitszeit mit Entlohnung vergleicht.

Ein bisschen mehr Reflexion über das, was Sie da vorwurfsvoll schreiben, würde ich mir schon wünschen im Namen aller, die sich derzeit an unserer Uni über alle Maßen anstrengen, um gute Forschung und Lehre zu erreichen - übrigens glaube ich, dass die Leuphana hier absolut auf dem richtigen Weg ist und mit dem neuen College usw genau an den Themen arbeitet, die derzeit im Bildungsstreik diskutiert werden. Also: Nicht nur meckern, wenn andere sich anstrengen, sondern helfen Sie auch mit, dass sich die Dinge verbessern.

Ein Ihnen verbundener wiss. Mitarbeiter der Leuphana

Gast: EM
26.11.2009 08:17
0 1

Reflexion im emanzipatorischen Sinne sieht anders aus

Ich finde es erstaunlich wie kurz gesprungen und vor allem mit welchen Argumenten hier gegen das Recht auf Bildung (UN Sozialpakt) gewettert wird und anstelle dessen der Markt/Wettbewerb mit allen seinen (vermeintlichen) Vorzügen gepriesen.
Eignungstest: Über diese Chancengleichheit und vor allen Fähigkeit/Begabung feststellen zu wollen spätestens mit Bourdieu der Vergangenheit angehören.
Studiengebühren: Sind und bleiben sozial ungerecht - ein Blick in aktuelle Studien sollte dies belegen. (Bei Witten/Herdecke wäre ich vorsichtig: die Hochschule ist pleite.)
"Vorzüge von Bologna": Nunja: Mobilität wurde nicht erhöht (inb GB/USA erkennen den Bachelor nicht an)-der Wechsel innerhalb eines Landes ist noch schwieriger geworden. Felxibilitäts/Mobilitäts/Studienzeitverkürzungsargumente spiegeln lediglich das des Mainstream entsprechende Menschenbild wieder: immer flexibel, angepasst und hoffentlich nicht reflektierend. Schon seit Anfang an geht es nicht um die VEREINHEITLICHUNG, sondern die Vergleichbarkeit, wenngleich erstere im europäischen Protektonismus und in engem Zusammenhang mit der Lissabon Strategie gesehen werden muss.

Wenn Personen Beiträge schreiben, dann sollte dringend öffentlich gemacht werden, welche Verbindungen zu sog. Think Thanks (Bertelsmann/McKinsey/CHE) bestehen wie im Falle der Leuphana Universität. Gerade diese player tragen die Forderung der Vermarktlichung von Bildung zu Ausbildung vor sich her und plazieren diese gezielt.

ONE WORLD ONE STRUGGLE!

Gast: Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu
25.11.2009 17:30
0 2

Also:

Die Studenten sollen sich selektieren lassen, wie die anderen es gerade wollen, und für diese Fremdbestimmtheit noch jede Menge privates Geld auf den Tisch blättern. Was ist wohl harmloser: Das Risiko von Fehlentscheidungen für ein, zwei Semester oder eine persönliche Verschuldung über die gesamte Lebenszeit?

Gast: einStudent
25.11.2009 15:11
1 0

Volle Zustimmung

Kann mich diesem Artikel/Gastkommentar nur anschließen. In keinem Winkel der Welt wären Forderungen nach freiem, kostenlosen Unizugang ohne Leistungsdruck denkbar. Das sind weltfremde Illusionen, die nicht mehr zeitgemäß sind.

JA zur Zugangsbeschränkung,
weil ich mir den Hörsaal mit Leuten nicht teilen will, die sowieso nie fertig studieren werden

JA zum Bachelor und Master,
weil das internationale Standards sind die sich weltweit längst etabliert haben

JA zu Studiengebühren,
weil Bildung nicht gratis ist

Gast: herbst
25.11.2009 13:21
0 1

bologna

die tatsache, dass die alten studienangebote ins neue korsett gezwängt wurden, hat ja mit den fehlenden mitteln zu tun.
ich bin selber aneinem institut tätig, wo man "kostenneutral" bolognisieren musste!!!!!
das ist die österreichische verlogenhei!

Gast: Alumna
25.11.2009 09:03
1 0

Lieber Herr Lobis!Lieber Herr Grassegger!

Gratuliere zu Ihrem äußerst gelungenen Kommentar. Kann mich Ihren Ausführungen nur anschließen. Sehr gut!

Gast: Guest
25.11.2009 03:58
0 1

Das war dann wohl...

...das Unnötigste, was ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Aus Gründen, die unten teilweise schon genannt sind.
Was wollen Sie uns sagen? Ich glaube, jeden einzelnen Satz zu verstehen, aber Sinn und Stoßrichtung dieses Kommentars kann ich einfach nicht erkennen...

Metz
25.11.2009 00:56
1 1

Keine Argumente sondern Phrasen.

ad 1) Ich kenne viele Absolventen der Technischen Universität und der Universität für Bodenkultur, aber keinen Einzigen, der in seinem Job das macht was er studiert hat. Die Korrelation zwischen abgeschlossenen Studium und Job ist (zumindest für diese beiden Universitäten) vernachlässigbar gering. Was soll ein Eingangstest in welcher Einheit daher testen?
ad 2) Es ist bezeichnend, dass ein WU Absolvent nur Geld als einziges Bewertungsmittel kennt. In Zukunft werden wir wahrscheinlich auch für unseren Job bezahlen. Es kann ja nicht sein, dass etwas so wichtiges wie ein guter Job quasi gratis ist. In der Serie SpongeBob Schwammkopf zahlt unser Held dafür, dass er in der "Krosse Krabbe" arbeiten darf! Und erst seit wir kräftig für die Finanzkrise zahlen, schätzen wir sie wirklich und wissen was wir daran haben! Auch die „bezahlte Liebe“ erscheint jetzt in völlig neuem Licht…
ad 3) Die Formulierung "als Chance betrachten" sagt doch schon eigentlich alles! Bologna, Kyoto, die Krise, der Jobverlust, den Weltuntergang - mit der richtigen Einstellung kann man alles als Chance betrachten. Wenn man Vereinheitlichung positiv sieht, dann sollte man auch den Mut haben den nächsten logischen Schritt zu erwähnen: Synergien nutzen und Verwaltung und Organisation der (dann nicht mehr österreichischen sondern europäischen) Universitäten zentral aus Brüssel (oder Deutschland) steuern.

„Verwechsle nie das Modell mit der Realität! (Merksatz: Versuche nie die Speisekarte zu essen).“ Murphy's Law

Gast: Arthur
24.11.2009 23:34
0 1

Busch und Schopenhauer

Mit einem launigen, reichlich viel- bis nichtssagenden Busch-Zitat beginnen und in der Mitte Schopenhauer durch ein unvollständiges Zitat missbrauchen, ist das der von Selbstgewissheit strotzende Stil von (ehemaligen) WU-Musterstudenten, die sich für Philosopen halten?
Schopenhauer setzt fort: "Erst wenn wir sie [die Güter und Vortheile] verloren haben, wird uns ihr Werth fühlbar:". Von Kosten ist weder vorher noch nachher die Rede, sondern von Mangel.
Vielleicht ahnen die Protestierenden längst, was sie zu verlieren haben oder was schon verloren ist.

Gast: Overton
24.11.2009 18:10
0 1

kaum angestreift...

... am staatlichen Bildungsystem dürften die beiden Herren sein. Schaut euch mal deren CV an- Hauptstudium an der Uni St.Gallen. Da ist es reichlich zynisch normalen Studenten "gute" Tipps zu geben. Zudem klingt der Text wie eine Gebetsmühle der ÖVP- war wohl Auftragsarbeit.

Antworten Gast: frustl
25.11.2009 08:52
1 1

Re: kaum angestreift...

Lol. Haben also diese vollidioten von audimax besetzern doch internet

Gast: Klaus Botschen
24.11.2009 13:27
0 0

So ein Unsinn.

Gerade die Bologna-Reform ist von Grund auf dazu gedacht, die breite Massenausbildung billiger zu machen. Der Nebeneffekt ist, daß Forschung beim Bachelor überhaupt nicht mehr vorkommt, dieser Abschluß mag alles Mögliche sein, akademisch im eigentlichen Sinn ist er nicht mehr. Bologna macht Österreich nicht europäischer, sondern Bildung in ganz Europa qualitativ schlechter und bürokratisch überladen (allerdings quantitativ am Papier besser, zugegebenermaßen). Über sowas kann sich nur jemand freuen, der schon in anderen Kontinenten verwurzelt ist und dem egal ist, was aus seiner Alma Mater langfristig wird. Vielleicht wurde hier auch die Magna Charta Universitatum (Bologna 1988) mit der Bologna-Reform 1999 verwechselt? Erstere jedenfalls wäre wesentlich besser.

Gast: ja sind die künstler die einzigen, die hier noch denken?
24.11.2009 10:41
1 1

Ist das ein Text FÜR die Proteste?

Der Text liest sich zusammengefasst so: Studierende sollten nicht protestieren, denn die bemängelten Maßnahmen sind im Prinzip sinnvoll und gut, nur die Umsetzung war mangelhaft.
Das habe ich zuletzt im Zusammenhang mit dem kommunistischen System gehört: Idee eigentlich ganz gut, Umsetzung mangelhaft.

Überhaupt klingt der Text im ersten Moment so, als ob er gegen die Proteste sprechen würde, die Argumente sprechen allerdings für die Proteste:
1. (die Proteste sind) die "Pflicht" der Studierenden, weil die Politiker und die Uni-Manager ihrer Verantwortung nur unzureichend nachkommen.
2. Bologna-Reform wurde inadequat umgesetzt (Anm.: nicht nur hierzulande).
3. überhaupt alle Reformen wurden unzureichend umgesetzt.
4. Leistungsüberprüfungen gegen falsche Studienwahl: Wenn man erst NACH dem Diplom bei der Arbeitssuche feststellt, dass man das falsche Studium absolviert hat, hilft auch keine Prüfung im Vorfeld...

Wenn man nicht vergisst, dass der Autor an der WU wohl ein Gratisstudium ohne Zugangsbeschränkungen absolviert hat, fragt man sich:

worum gehts in dem Text eigentlich?

Antworten joquer
24.11.2009 13:09
0 0

Re: Ist das ein Text FÜR die Proteste?

Klar ist das schwierig nachzuvollziehen, wenn man nur schwarz und weiß kennt, aber der Text ist halt nicht ausschließlich für oder gegen die Proteste.

Gast: Gelangweilter Schüler im PC-Saal
24.11.2009 08:34
0 1

Ich bezweifle, dass...

...einer der beiden Herren mit einem Mitglied der Protestbewegung gesprochen hat. Ansonsten wäre dieser Kommentar wenigstens auf Fakten zurückzuführen und nicht NUR auf die persönliche Meinung.

Über die Proteste an sich lässt sich streiten, aber nicht über die Forderungen an sich.

3 1

Haben Sie sich die Forderungen auf unsereuni.at durchgelesen?

vielleicht können Sie ja die Langeweile im PC-Saal weiter hintanhalten, wenn Sie sich die Forderungen der Audimax-Besetzer durchlesen. Vom ersten (Wir fordern antidiskriminatorische Betriebsvereinbarungen und Anti-Diskrimninierung als Grundkonsens in allen Bildungseinrichtungen) bis zum letzten Satz (Wir bestehen auf der geschichtspolitischen Auseinandersetzung, mit der Teilhabe der Wissenschaft und ihrer Institutionen, an Kolonialismus, Faschismus und Nationalsozialismus) eine amüsante Lektüre auch wenn (zumindest mir) im letzten Satz-oh wie seltsam?!- in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung der Kommunismus fehlt.
Ich halte es im Übrigen für eine Zumutung, jedes Mal zu verlangen, man möge mit einem Mitglied der Protestbewegung persönlich sprechen oder ins Audimax kommen. Ist es verboten bzw. unzulässig, sich seine Meinung aufgrund der publizierten Forderungen der Besetzer zu bilden?

Gast: cdg
24.11.2009 08:34
1 0

initialzuendung ...

... zu diskussionen unter studenten? dann koennten sie mit (weit)blick auf's wesentliche postiv ihre zukunft mitgestalten.
absolut treffender kommetar!

komajo
24.11.2009 06:21
3 0

Lesen das die Protestierer?

Und verstehen sie es auch?

Antworten Gast: gast
24.11.2009 10:39
0 0

Re: Lesen das die Protestierer?

Lesen - vermutlich.
Verstehen - vermutlich nicht ..

 
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Schlagzeilen Bildung