Volksbegehren, fast esoterisch

Wer unterstützt eigentlich das Androsch-Volksbegehren nicht? Nur Fritz Neugebauer?

Es war eine große Chance: Eine breite Bewegung aus enervierten Eltern, unter- oder überforderten Schülern, frustrierten Lehrern, kämpfenden Universitätsprofessoren, überarbeiteten Assistenten und einigermaßen hoffnungslosen Studenten könnte angesichts einer international mittelmäßigen Positionierung des einstigen Musterschülers Österreich in fast allen relevanten Rankings im Bildungsbereich für einen mittleren Volksaufstand sorgen. Der hätte vielleicht zu einer Modernisierung des gesamten Bildungsbereichs und zu einem Ende der parteipolitischen Geiselnahme des Zukunftsthemas führen können. Zumal an der Spitze des Begehrens mit Hannes Androsch einer der derzeit so aktiven, grantigen und charismatischen Senioren steht.

Doch leider verbreitete Androsch die Bewegung zu sehr: Die Ziele sind vage und schwammig zugleich. Damit möglichst viele mit von der Partie sind, wurde im Text des Volksbegehrens auf notwendige scharfe Forderungen verzichtet – etwa die klare Kampfansage an die allmächtige Lehrergewerkschaft. Und so nett es sich anfühlt, gemeinsam mit den Grünen, der Gewerkschaft und der Industriellenvereinigung für glückliche Schüler und Forscher zu singen und zu stimmen, politisch relevant wird ein derartiges Volksbegehren kaum.

Aber: Unterschreibt man nicht und macht es zum Flop, wird es zum Erfolg der Blockadefraktion um Fritz Neugebauer. Das will keiner.

 

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2011)

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