Volksbegehren, fast esoterisch

02.11.2011 | 18:23 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Wer unterstützt eigentlich das Androsch-Volksbegehren nicht? Nur Fritz Neugebauer?

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Es war eine große Chance: Eine breite Bewegung aus enervierten Eltern, unter- oder überforderten Schülern, frustrierten Lehrern, kämpfenden Universitätsprofessoren, überarbeiteten Assistenten und einigermaßen hoffnungslosen Studenten könnte angesichts einer international mittelmäßigen Positionierung des einstigen Musterschülers Österreich in fast allen relevanten Rankings im Bildungsbereich für einen mittleren Volksaufstand sorgen. Der hätte vielleicht zu einer Modernisierung des gesamten Bildungsbereichs und zu einem Ende der parteipolitischen Geiselnahme des Zukunftsthemas führen können. Zumal an der Spitze des Begehrens mit Hannes Androsch einer der derzeit so aktiven, grantigen und charismatischen Senioren steht.

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Doch leider verbreitete Androsch die Bewegung zu sehr: Die Ziele sind vage und schwammig zugleich. Damit möglichst viele mit von der Partie sind, wurde im Text des Volksbegehrens auf notwendige scharfe Forderungen verzichtet – etwa die klare Kampfansage an die allmächtige Lehrergewerkschaft. Und so nett es sich anfühlt, gemeinsam mit den Grünen, der Gewerkschaft und der Industriellenvereinigung für glückliche Schüler und Forscher zu singen und zu stimmen, politisch relevant wird ein derartiges Volksbegehren kaum.

Aber: Unterschreibt man nicht und macht es zum Flop, wird es zum Erfolg der Blockadefraktion um Fritz Neugebauer. Das will keiner.

 

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2011)

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47 Kommentare
 
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Gast: pensionär
03.11.2011 21:43
2

Wenn ...

... die Pferde wüssten, wie stark sie sind, würden sike keinen Reiter tragen.
Die Menschen sind nicht viel klüger als die Pferde, sie ertragen Lsten von korrupten Schweinen.

Gast: Gast248
03.11.2011 20:02
6

Androsch

Androsch - sozialistisches Urgestein.

Selbst Milliardär (es sei im vergönnt).

Nur "gleich" sein sollen alle "anderen" (das sei ihm allerdings nicht vergönnt).

Wer also dafür ist, dass die Masse "gleichgemacht" wird, um sozialistischen Milliardären das Leben zu erleichtern (durch leicht manipulierbare, minimalistisch zweckausgebildete Fachidioten), der soll jedenfalls unterschreiben!

Gast: Niederösterreicher
03.11.2011 18:54
3

In Österreich muß alles etwa kosten, sonst is`nix!

Ergo werden jene Bildungseinrichtungen, die in Regionen bestens und bilig funktionieren, nämlich Hauptschule und Gymnasium, schleunigst den dafür ausgebildeten Lehrern abgeschafft und Einheitsklassen geschaffen, für die man gleich mehrere Lehrer und viel mehr Unterrichtsräume braucht, so nach dem Motto, nur eine 8-klassige "Volksschule" vermittelt ausreichende "soziale Kompetenz". Daß uns dies Ausbildung der Schüler ein Vielfaches von den bisherigen Ausgaben kostet, weil durch Spezialisierung die Ausgaben niedrig gehalten werden konnte, ist als sicher anzunehmen! Und das in den Zeiten, wo es in allen europäischen Staaten vorn und hinten an Geld fehlt.

Neugierig bin ich auch, welche "Umgangssprache" sich angesichts des geringen Anteils von deutschsprachigen Schülers (denen bald auch nicht deutschsprachige Lehrer gegenüberstehen werden) in den Schulen herausbilden wird. "'Denglish", "Fäaken-Sprak" oder Türkisch wie in den Berliner Bezirken Kreuzberg oder Wedding, wo die Eltern längst "Bussing" betreiben, damit ihre Kinder in der Schule überhaupt noch ordentlich Deutsch lesen und schreiben lernen!

Gast: gast12345
03.11.2011 14:31
1

Schule der Zukunft

Der Unterricht in der Schule muss vielfältig sein. Selbstständiges, kreatives Lernen, LehrerInnen-Vortrag, Projektunterricht und Praktika, Auflösung des Fächerkanons und Sprengung des Korsetts der 50-Minuten-Stunde, Einüben in soziale Fertigkeiten, Theaterspiel und Sport, Kunsterleben wechseln einander ab. Die Schule muss eine faszinierende Welt werden, die auf das spätere Leben in der Gesellschaft und in der Wirtschaft vorbereitet. Dazu brauchen wir auch eine neue Schularchitektur für flexiblen Unterricht, sowie eine neue Gestaltung der Schulumgebung für Sport und Freizeit.
DIE SCHULE MUSS EINE FASZINIERENDE WELT WERDEN, ja! das unterschreibe ich!

Re: Schule der Zukunft

@gast12345

So sehe ich das auch, jedes Kind ist per se neugierig und gewillt neues zu lernen, viele der Gesamtschulen-Gegner fehlt meines Erachtens diese Erfahrung, sie glauben, Bildung muss weh tun und Schmerzen bereiten, alles andere ist wertlos.

Ich unterschrieb es bereits.

Antworten Gast: mnti
03.11.2011 17:27
5

Re: Schule der Zukunft

oh mann, eine montessori-schüler/lehrer...

Re: Re: Schule der Zukunft

Zumindest beherrsche ich die Groß- und Kleinschreibung im Gegensatz zu Ihnen.

Und Ihre Ausdrucksweise "oh mann" zeugt auch nicht gerade von geistiger Elite, vielleicht hätte gerade Ihnen eine Gesamtschule gut getan, zumindest hätten Sie gelernt, Aussagen zu begründen und nicht mit Vorurteilen hausieren zu gehen!

Gast: Frau Lehrer
03.11.2011 14:17
0

Ich unterschreibe...

...aber nicht um Herrn Neugebauer eines auszuwischen, oder um Herrn Nowak zu gefallen.
Ich unterschreibe, weil ich, als Lehrerin, dringend Veränderungsbedarf fordere.
Es kann nicht sein, dass für "schlimme Kinder" kein Schulplatz gefunden wird, weil es keine Lehrer gibt.
Es kann nicht sein, dass mein Arbeitsplatz in der Schule knapp 1m2 groß ist und ich mir einen veralterten PC mit 12 Lehrern teilen muss, dass der Kopierpapierverbrauch beschränkt wird und ich so oft Unterlagen auf meinem eigenen PC ausgrucke und vervielfältige, um mit meinen SchülerInnen überhaupt arbeiten zu können.
Wir brauchen Sonderklassen, die auf die besonderen Bedürfnisse der besonderen SchülerInnen abgestimmt sind.
Wir LehrerInnen unterrichten nicht nur den Lehrstoff, wir sind für die SchülerInnen auch Ansprechparnter und Zuhörer.
Mit weitere Ausführungen würde ich wohl den Rahmen hier sprengen.
Ich denke, dass Bildung JEDEN in Österreich angeht und wenn sich was ändern soll, sollte man seine Stimme dazu erheben - oder in diesem Fall unterschreiben!

Antworten Gast: genauu
03.11.2011 17:23
0

Re: Ich unterschreibe...

genau. meine mutter ist auch lehrerin und denkt gleich.

Antworten Antworten Gast: Niederösterreicher
03.11.2011 19:00
3

Re: Re: Ich unterschreibe...

Ich unterschreibe NICHT, weil mein Sohn erst unlängst seine Ausbildung auf der PH als Hauptschullehrer abgeschlossen hat und jetzt "ohne Vorwarnung" feststellen muß, daß die Hauptschule abgeschafft und seine Ausbildung "für die Katz" ist - entgegen den früheren Versprechungen der Politiker, mit denen er in die PH gelockt wurde!!!

Gast: Gast248
03.11.2011 14:05
8

Mogelpackung

Ein paar gut klingende Ideen dienen als Mogelpackung für zwei alte Sozialistenträume: Gesamtschule und Schulden ohne Ende (letzteres wäre nötig, wollte man alle Forderungen unterstützen).

Wer täglich die Internationale absingt, muss hier unterschreiben. Alle anderen: Denken Sie über die Konsequenzen der Vorschläge nach, bevor Sie unterschreiben.

Da ich selbst Kinder habe, die die Schule noch vor sich haben, werde ich nicht unterschreiben.

Antworten Gast: kinderkinder
03.11.2011 17:22
0

Re: Mogelpackung

Das Blöde ist, dass Kinder sich nicht instrumentalisieren lassen!

Antworten Antworten Gast: Gast248
03.11.2011 19:45
1

Re: Re: Mogelpackung

Wollten Sie etwas sagen, oder mussten Sie bloss "rülpsen"?

Re: Mogelpackung

In ein paar Jahren, wenn ihre Kinder dann schon ein paar Klassen hinter sich haben und sie wissen, was sich im Bildungsbereich wirklich abspielt, werden sie sich maßlos darüber ärgern, nicht unterschrieben zu haben...

Antworten Antworten Gast: Gast248
03.11.2011 19:54
3

Re: Re: Mogelpackung

Ich bin im Bildungsbereich tätig, jedoch nicht in der Schule. Dieser Bereich erschliesst sich mir nur durch etliche Lehrer im Bekanntenkreis.

Der Ruf nach mehr Geld hat noch selten was gebracht, und es mangelt (von Ausnahmen abgesehen) auch nicht am Geld. Ich sehe vielmehr eine übersättigte pragmatisierte Menge an Personen, die sich daran gewöhnt haben (als "gutes Recht") wenig zu tun. Damit meine ich die schlechten Lehrer, die es leider auch gibt, und unter denen die guten Lehrer leiden (die Schüler sowieso).

Man kann (auch ohne Volksbegehren) jederzeit viel verbessern: Durch Initiative, gute Ideen, eigenen Antrieb, und - ja - auch harte Arbeit. Oft findet man Nachahmer und es entsteht eine neue Qualität durch positive Rückmeldungen. Gute Lehrer haben das stets verstanden und auch so gehandhabt.

Re: Re: Re: Mogelpackung

An den Universitäten mangelt es sehr wohl an Geld. Dass im Schulbereich das Geld großteils in der Verwaltung verschwindet ist eine bekannte Tatsache - die geändert gehört. (Übrigens Forderung 1 des Volksbegehren?)

Und eigener Antrieb ist ja schön und gut - aber keine Ausrede um das schaffen eines akzeptablen bildungspolitischen Rahmens aufzuschieben. Wenn österreichweit ein gewisser Standard erreicht werden soll, ist der nämlich essentiell.

Und aus meiner Sicht geht es bei diesem Volksbegehren vor allem darum, dass den aktuell regierenden Politikern mit Nachdruck klar gemacht wird, dass Bildung kein Thema ist, das langfristig ignoriert werden kann, sondern durchaus viele Menschen betrifft - vollkommen egal ob man zu 100% hinter allen Forderungen stehen kann oder nicht. Dann sonst wird sich auch in den nächsten 10 Jahren nichts tun...

Gast: pinzimonio
03.11.2011 14:02
0

es geht um Bildung, nicht um die Lehrergewerkschaft

Das passt ja wieder perfekt zusammen. Bildungsvolksbegehren und Lohnrunde der Beamten zeitgleich.
Aber die beiden gehören nicht auch untrennbar zusammen!
Beim Bildungsvolksbegehren sind die Forderungen nicht schon konkret als Lösungen dargestellt, denn dann würde es sich ja nicht um Forderungen handeln, sondernn um ein komplettes neues Bildungskonzept.
So einfach geht das in Österreich aber nicht. Vorschläge und Verbesserungsideen und auch Finanzierungsüberlegungen gibt es viele....aber wie nennt das Herr Novak so treffend: die "Parteipolitische Geiselnahme des Themas Bildung" ermöglichte noch keine fortschrittliche Entwicklung.
Vielleicht schaffen das nun die Personen, die das Bildungsvolksbegehren unterschreiben, dass diese Geiselhaft zu ende geht!?

Gast: jetti
03.11.2011 13:52
1

Parteipolitische Geiselnahme

Ja, eine parteipolitische Geiselnahme, genau das ist es bisher!
Und darum finde ich es großartig, dass sich ein überparteiliches Gremium formiert hat, um die Forderungen darzustellen.
Das sind noch keine konkreten Pläne aber Ansätze - gute Ansätze!
Und daher finde ich es wichtig, dazu Stellung zu nehmen. Oder wenn Sie es so wollen ein Zeichen zu setzen - meine Unterschrift, mit der ich auch bekunde, dass sich am jetzigen Bildungssystem vieles ändern muss.
Bildung geht alle an, alle Parteien und alle Bürger.

Gast: Beamter
03.11.2011 13:41
7

Bin ich hier wirklich bei der Presse?

Wow! Man soll also für die Abschaffung der AHS, für die Zersplitterung des Schulwesens, für no da ned Aussagen (Bildung umfasst auch Ausbildung, ...), Abschaffung der Pädagogischen Hochschulen, Finanzierung von Schulveranstaltungen durch den Staat, ... unterschreiben nur damit sich der Neugebauer ärgert. Arbeiten Sie bei der richtigen Zeitung Herr Nowak?

Antworten Gast: nfp
03.11.2011 17:19
0

Re: Bin ich hier wirklich bei der Presse?

es heißt neue FREIE presse - die redakteure sind keine parteisoldaten oder ideologieverblendeten

Gast: Luzifer
03.11.2011 10:05
5

Androsch for president?

Der "schöne" Hannes hat noch nie etwas getan, was sich letzten Endes nicht als für ihn sehr vorteilhaft herausgestellt hat.

Das beginnt schon bei seiner "Heirats-Politik". Meines Wissens ist er der einzige österr. Finanzminister, der die Seilschaften und Startvorteile, die man sich in diesem Amt verschaffen kann, genutzt hat, um zum (vermutlich) Milliardär zu werden. Und immer in der "Maske" des "sozial warmen" Sozialisten auftritt (Gegenpol: KH Grasser, der seit Jahren von seinen politischen Gegner massiv der Korruption beschuldigt, den Medien gejagt und von den Justizbehörden nicht gerade mit Samthandschuhen angefaßt wurde, ohne dass es bisher auch nur zu einer Anklageschrift gereicht hätte)!

Der "Industrielle" Androsch ist wirklich ein Phänomen!

Antworten Gast: dany1
03.11.2011 14:52
0

der androsch ...

... ist nicht das volksbegehren, sondern sein initiator.

die allianz für das volksbegehren ist sehr breit und bei breiter unterschriftenmäßiger beteiligung, hat er nur eine stimme von vielen.

Antworten Gast: schlÄchter
03.11.2011 11:19
4

Re: Androsch for president?

sg lichtbringer!
+
mfg
s.

p.s.: ich unterschreibe nicht.

Gast: michael schrantz
03.11.2011 10:01
1

hauptsache verhindern

Der Kommentar und die Postings sind typisch Österreich: Nein, niemals setzen wir uns für etwas ein weil wir es gut finden. Wir setzen uns nur dann für etwas ein, um etwas zu verhindern. Entweder dass der Androsch keinen Erfolg hat oder dass der Neugebauer keinen Erfolg hat. Zwei Personen die, bis die Reform überhaupt greifen würde, schon unter der Erde sein werden.

Antworten Gast: ösier
03.11.2011 17:18
0

Re: hauptsache verhindern

das ist oldschool österreich. wir aber leben im 21. jahrhundert.

ich nicht

also ich unterschreibe diesen Schwachsinn nicht, die starke soziale Selektion wird weiter mit 15 betrieben.
Die Lehre gehört abgeschafft und die Schulpflicht auf 18 verlängert. aber das würde bedeuten, dass die Primitiven neben dem Nobeltöchtersöhnchen sitzen und wenn die dann auch noch besser sind... oh mein Gott. Dann zerbrechen Welten in Hietzing/Döbling.
schließlich ist es selbstverständlich, dass nur das eigne Töchtersöhnchen eine Bildung bis 30 auf Staatskosten erhalten soll.

 
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