Papamonat? Ja, aber kostenneutral

30.12.2011 | 18:18 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Jeder zusätzliche Anreiz zur Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung ist gut. Das muss auch nicht mehr kosten.

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Österreich hat zu wenige Kinder. Das ist nicht nur schade, weil Kinder eine Bereicherung fürs Leben sind, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem, weil so die Unfinanzierbarkeit des Pensionssystems in Zukunft dadurch noch weiter verschärft wird. 2,1 Kinder pro Frau braucht eine Gesellschaft, um nicht zu schrumpfen, 1,44 sind es hierzulande. Gezielte Migration kann dieses Problem abschwächen. Vollständig lösen lässt es sich dadurch aber nicht.

Das sind die bekannten Fakten. Warum die Österreicher gern aussterben wollen und wie die Zahl der Geburten angehoben werden kann, darüber gibt es nur eine Vielzahl von Vermutungen. Mehr Geld bringt etwa nicht automatisch mehr Kinder. Das beweisen Länder wie die USA, wo Familien deutlich geringere Zuwendungen erhalten, die Geburtenzahl aber dennoch höher ist.

Auf jeden Fall hilfreich dürfte eine bessere Verteilung der Kinderbetreuung auf Mütter und Väter sein. Ein Papamonat nach der Geburt könnte dabei – vor allem bei jenen, die sich an ihre neue Rolle als Vater erst langsam gewöhnen müssen – der erste Schritt in eine spätere Karenz sein. Wird dafür einfach ein späterer Karenzmonat vorgezogen, beschert das dem Staat und den Firmen auch nicht mehr Kosten. Lediglich mehr Flexibilität würde allen Beteiligten abverlangt werden. Und diese sollten angesichts des wichtigen Themas auch bei schlechten Konjunkturaussichten alle haben.

 

E-Mails an: jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2011)

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6 Kommentare

Kranke Welt

Für mich ist die heutige kranke Welt(inklusive unserer kranken Gesellschaft) ein Grund, keine Kinder in die Welt zu setzen.

"Warum die Österreicher gern aussterben wollen..."

Was ist denn bitte das für eine Aussage?

Die Österreicher wollen nicht aussterben, sie haben oft nur zuwenig Zeit und Geld für mehr als ein Kind. Es ist ja nicht in jeder Familie so, dass der Herr Papa mit 3000 EUR netto heimgeht und man daher auf das Gehalt der Mutter locker verzichten kann.

Jedes Kind bringt aber einen Verdienstausfall von mindestens 8 Monaten, selbst wenn die Mutter gleich nach dem Abstillen gleich wieder Vollzeit arbeitet, zusätzlich dazu kostet ein Kind auch noch viel Geld. Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe machen das leider nicht wett.

Außerdem werden die Mütter nicht selten dazu gedrängt, möglichst schnell wieder zu arbeiten. Wer zu lange in Karenz ist, verliert den Anschluss und mit Karriere ist dann Essig. Mit 2 oder mehr kleinen Kindern ist das aber nicht so einfach - wer soll die denn inzwischen betreuen? Die Omas/Opas arbeiten ja selbst meist noch und wenn man beide Kinder außer Haus betreuen lässt, dann ist das auch nicht gerade billig, speziell, wenn die Kinder noch unter 3 sind.

Ich verstehe auch jene Menschen, die sagen, sie sind abends zu müde, um sich noch mit mehr als einem Kind zu beschäftigen. Kinder sind anstrengend und fordernd und das Berufsleben verlangt einem oft so viel ab, dass man einfach nur mehr seine Ruhe haben will.

Re: "Warum die Österreicher gern aussterben wollen..."

Ich frage mich, wie das dann früher mit noch viel weniger Geld möglich war, mehr Kinder zu bekommen? Wir waren 5 Geschwister, geboren in den 40er und 50er-Jahren, die Mutter war natürlich Hausfrau (obwohl Akademikerin), der Vater hat wenig verdient, und keines von uns ist verhungert, wir hatten eigentlich eine schöne Kindheit, haben alle eine gute Ausbildung erhalten und es im Leben zu etwas gebracht. Im Alter waren unsere Eltern stolz auf ihre Kinder- und Enkelschar und wollten trotz der schweren Zeiten, die sie hatten, sicher mit niemandem tauschen! Heute muss sich jede Frau im Beruf selbstverwirklichen, wie wenn es nichts daneben gäbe. Wartet nur ab, es wird die Zeit kommen, wo ihr dann alt und allein seid und ob ihr euch dann so super fühlt? Aber ihr hattet die schönen Zeiten ja schon vorher gehabt ... (auch die dazugehörigen Männer sind gemeint!)

Antworten Antworten Gast: Alleinverdienerin
31.12.2011 14:50
0 1

Re: Re: "Warum die Österreicher gern aussterben wollen..."

Lieber Okasper!
Haben Sie persönlich 5-6 Kinder? Könnten Sie sich als Alleinverdiener eine 6-7-köpfige Familie samt 6-7-Zimmerwohnung und das zeitgemäße Equipment leisten? Wenn ja, gratuliere ich Ihnen recht herzlich und frage mich, warum Sie diese 5-6 Kinder samt dazugehöriger Hausfrau und Mutter in Wirklichkeit doch nicht haben. Könnten Sie mir diese simple Frage bitte beantworten? Vielen Dank!

Re: Re: Re: "Warum die Österreicher gern aussterben wollen..."

Liebe Alleinverdienerin,
mir ist eh klar, dass man die Verhältnisse der 50er-Jahre nicht ohne weiteres mit Heute vergleichen kann, ich wollte ja nur aufzeigen, dass derzeit die Prioritäten eindeutig falsch gesetzt sind. Ein oder gar kein Kind, das kanns ja auch nicht sein, oder? Im Übrigen sind die Förderungen für die Familien jetzt weit höher als damals! Und muss man wirklich eine 6-7 Zimmerwohnung mit dem "zeitgemässen Equipment haben???

Biologieunterricht

Herr Zirm:

Es sind, wie Sie richtig erkannt haben, die Frauen, die die Kinder zur Welt bringen, nicht die Männer.

Frauen sind von der Natur dazu geschaffen und ausgerüstet, Kinder zu empfangen, auszutragen, zu gebären und zu ernähren.

Daher ist bei den Frauen anzusetzen, wenn es um die Steigerung von Geburtenraten geht.

Wir sterben deswegen aus, weil wir versuchen, gegen die Natur zu arbeiten.

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