Kindergarten light als Irrweg

05.03.2012 | 18:11 |  DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Spätestens seit Einführung des Gratiskindergartens leidet Wien unter einem Pädagogenmangel.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien wirbt ja (besonders intensiv, wie wir wissen, in den Boulevardmedien) für so allerlei. Nun auch verstärkt um Frauen und Männer, und zwar für eine der – wie jeder, der auch nur ein Kind im entfernten Bekanntenkreis kennt, weiß – nicht gerade unanspruchsvollsten Tätigkeiten. Mindestens 200 Kindergartenpädagogen würden gesucht, sagt selbst die Stadtregierung. Hier und heute.

Der Mangel ist auch dem durchaus absehbaren Erfolg der Einführung des Gratiskindergartens geschuldet. Es bleibt eines der großen Rätsel, weshalb eine sozialdemokratisch geführte/verwaltete Stadt gerade in ihrer vermeintlichen Kernkompetenz (Soziales!) und ihrer vermeintlichen Kernzielgruppe (Werktätige! Frauen, abseits aller Herdklischees!) so schwächelt.

Im Beheben dieses Personalmangels werden raschere Rekrutierungsmöglichkeiten forciert. Dabei wird die Gefahr in Kauf genommen, Kindergartenpädagogen light mit vergleichsweise kurzer Ausbildung zu „produzieren“. Hauptsache, offene Stellen können rasch besetzt werden. Dabei würde genau das Gegenteil nottun: Die Ausbildung für Kindergartenpädagogen sollte nicht verkürzt oder vereinfacht, sondern auf ein qualifizierteres Niveau gehoben werden. Wie es Experten verlangen. Bisher erfolglos. Österreichs Bildungspolitik geruht im Schlummermodus zu verweilen.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

16 Kommentare
Gast: Sarah Sinn
27.05.2012 16:54
0 0

Nicht zu fassen eigentlich

Ich kenne sehr wohl leute, die wegen des Pflichtjahres im Kindergarten keinen Platz für ihr Kind finden. So. Und noch was.

Kinder werden den Eltern weggenommen. Erst ist es 1 Jahr. Es geht schon aufs zweite zu.. Erstmal mit der Ausrede, dass es nur um Migranten geht.

Irgendwann werden die Kinder vom Staat erzogen werden und ihre Eltern dürfen sie gar nicht mehr sehen.

Das ist jedenfalls meine Angst. Bitte.

Das Buch "1984" war keine Anleitung!


Gast: Didili
08.03.2012 20:27
0 0

Light?

Wie kommen sie darauf, dass es sich um eine light Version handelt? Ist jedes Kolleg, das im Anschluss an die Matura besucht wird, die light Version der entsprechenden Ausbildung? Um ein solches handelt es sich nämlich - ein Kolleg. Kollegs bieten Personen, die eine Matura absolviert haben die Möglichkeit, die Lerninhalte des jeweiligen Fachgebietes frei von Grundrechenregeln oder Geographie konzentriert zu lernen. An der BAKIP 21 sowie zahlreichen anderen BAKIPs gibt es schon immer die Möglichkeit Kollegs für Kindergartenpädagogik zu besuchen. Das Modell "CHANGE" bietet genau das Selbe nur dauert es ein Semester länger. Die angesprochen Personen sind halt nicht 18/19 jährige sondern Menschen die im dritten oder vierten Bildungsweg diese Ausbildung absolvieren. Viele haben selber Kinder, manche davon allein erziehend, manche haben einen redlich erworbenen akademischen Grad usw..
Light? Setzen Sie sich ein Semester hinein, bringen Sie Familie (Kindergarten bringen + abholen, Krankheit des Kindes etc..), 39 Stunden Schule, mind. einmal im Monat Samstag Vormittagsunterricht etc. unter einen Hut!
Ich behaupte nicht, dass andere Kollegs leichter sind aber sicher handelt es sich bei dieser Ausbildung nicht um die "light" Version!!!
Ahja, ich bin auch einer dieser "lightler", im dritten Semster (nur mehr 23 Wochenstunden Schule, dafür 16 Stunden Kindergarten als Mitarbeiter aber das Lernen und Vorbereiten fällt noch immer nicht weg)

Gast: Burgenländer
07.03.2012 11:36
0 0

Wann wird man endlich begreifen?

Was begreifen?
1. Dass die Frauenpolitik der SPÖ durch Johanna Dohnal von Anfang an auf einen Klassenkampf zwischen Frauen und Männern ausgelegt war. Schließlich hat diese viel verehrte Frau mit dem Wunsch ihrer Lebensgefährtin eine Rente zu zahlen auch ein Rechtsproblem hinterlassen.
2. Auf der Strecke bleiben die Kinder, da sich die ÖVP mit hausbackenen Argumenten wie "Zwangsbeglückung", "Einheitsbrei" und "Zwangstagsschule" die bereits gegebenen gesellschaftlichen Entwicklungen zu wehren versucht.
3. Landwirtehepaare und Selbständige können sich beim "managen" von Beruf und Kindern noch immer besser helfen als unselbstständig Erwerbstätige Ehepaare. Deshalb ist das "Argument Wahlfreiheit" das vom ÖAAB ständig kommt eine Farce, jedenfalls für die Billaverkäuferin und der Ehemann, der als Schlosser auf Baustellen unterwegs ist.
4. Die oa. Punkte sind nur ein - obzwar ein wesentliches - Element für Blockaden in dieser unseligen Koalition zwischen SPÖ und ÖVP.
5. Ich sehe nur mehr den Ausweg, die Politik den Parteiapparatschicks die bloß Slogans aus den Sekretariaten weiterverbreiten aus der Hand zu nehmen.

Gast: AntiWappler
06.03.2012 21:59
0 0

Hört's doch endlich mit der Verkopfung auf

Pädagogik ist (erlerntes, angewandtes und durch permanente Rückkopplung optimiertes) Können UND Empathie.
Können kommt aus dem Lernen und der Erfahrung,
Empathie kann man schwer lernen. Es ist tw. ein Talent, eine Gabe auch ein Produkt der Sozialisation. Wie jedes Talent kann es durch die Sozialisation gefördert werden oder unterdrückt.

Es ginge darum die Empathie (früher eine weibliche Stärke) endlich als gleichwertig zum (einst männlichen) Kopfwissen anzuerkennen, zu fördern und auch zu bezahlen. Wenn Frauen heute die Männer in Männlichkeit zu überholen versuchen - ist das die wahre Emanzipation ?

Auch bei der letzten Bastion der positiven Gefühlswelt (was ist "Mütterlichkeit" in ihrer positiven Ausprägung anderes als das schönste Gefühl das einem das Leben bieten kann, die Geborgenheit auf dessen Basis man ein ganzes Leben aufbauen kann) das Gefühl, die Empathie abzuschaffen, abzuqualifizieren zu Gunsten der Bologna-"akademischen"- Kopflastigkeit die alles und jedes so lange erklärt bis alles grau und tot ist: das ist wohl der Höhepunkt an Uneinsichtigkeit in die wahren Mechanismen dieser Welt.

Bei der Pädagogik brauch man beides: Kopf UND Hirn, daher gehört es auch (endlich) gleich gewertet, gleich bezahlt.

Antworten Gast: Burgenländer
07.03.2012 11:38
0 0

"Kopf und Hirn"

Sie meinen wahrscheinlich Verstand (Hirn) und Gefühl (Herz)!?

die einfache Kindergartentante


hat über Generationen unsere Kinder durch die Vorschulzeit recht erfolgreich begleitet und somit ein Fundament zu meist tüchtigen und anständigen Bürgern gelegt.

Ob eine teure und oft praxisferne akademische Ausbildung zu Kindergartendiplompädagoginnen unsere gesellschaftlichen und sozialen Probleme lösen wird, stelle ich in Frage.

Ohne Frage wird diese mäßig wirkungsvolle Massnahme unser Familien, -Sozial- und Bildungsbudget erheblich belasten.

Gast: Freiheit statt Zwang
06.03.2012 15:03
0 0

Mit Migranten-Standards und Zwangsregime werden unsere freiheitsberaubten Kinder nach unten nivelliert

Die Absorptionsfähigkeit Österreichs hinsichtlich Migranten ist bereits weit überschritten. Dies beweist diese Schnappsidee. Häupls Migranten-Stimmenkaufmodell wird jetzt von Schwindeleggers ÖVP-Sumpf übernommen. Büßen müssen das die wehrlosen Kinder. Es ist nicht lustig, viele Stunden des Tages mit frustrierten Langzeitarbeitslosen als "Tanten", die vielfach nichteinmal ordentlich Deutsch können und nur die Kinder ihrer Landsleute versorgen, verbringen und nach deren Pfeife tanzen zu müssen. Ein aufoktroyiertes Zwangsregime wirkt entwicklungshemmend für unsere Kinder.

Die Rechnung dahinter heißt, daß die Österreicher entweder ihre Kinder als eine Art zusätzlicher Strafsteuer in teure Privatkindergärten geben müssen oder den österr. Familien Einkommensverzicht durch das Zuhausebleibenmüssen der Mütter aufgezwungen wird. Die Österreicher werden also zwangsgeschädigt und weiter nach unten nivelliert.

Wen wundert es, daß unter solch tristen Umständen noch weniger Österreicherinnen sich den für sie zu stressigen, kostenintensiven Luxus von eigenen Kindern leisten werden können.

Mit solch perfider Politstrategie werden die echten Österreicher langsam aber zielsicher ausgelöscht.

Unsere von den im Rahmen der Migrantenaufwertungsstrategie von exotischen Standards huldigenden Dumping-"Pädagoginnen" vielfach ignorierten u.damit marginalisierten Kinder sollen durch dieses perfide Zwangsregime für den alle anderen hinabdrückenden rotschwarzen Neo-Feudalismus gefügig gemacht werden.

Antworten Gast: Fremdworte, oh wie ich sie liebe
08.03.2012 20:38
0 0

Re: Mit Migranten-Standards und Zwangsregime werden unsere freiheitsberaubten Kinder nach unten nivelliert

Apropos nicht einmal ordentlich Deutsch können:
"nicht einmal " sind zwei Worte
"aufoktroyiert" ist ein sogenannter Pleonasmus (dieses Wort müssen sie schon selber nachschauen) und bedeutet "aufauferlegt" oder aufaufgezwungen" und was das heißen soll weiß ich nicht.
mfg einer der frustrierten Langzeitarbeitslosen "Onkeln" die nicht einmal ordentlich Deutsch können - ahja, ich bin Österreicher in der zigsten Generation.

Zwangskindergarten und seine Folgen

Da werden Kinder in den Kindergarten gezwungen, der so schon schlimm genug wäre, weil er nicht auf die individuellen Anforderungen der Familien im Bezug auf Ernährung (Qualität, Uhrzeit, Sauerstoff im Freien) und Erziehung Rücksicht nimmt.

Aber dann hat man nicht einmal genug Personal, und lässt zur Not schlecht ausgebildetes auf die Kinder los! Das schlägt ja wohl alles.

Freiheit!

Antworten Gast: Wer ist gut ausgebildet?
08.03.2012 20:43
0 0

Re: Zwangskindergarten und seine Folgen

Ich versteh die Polemik nicht? Wie kommen Sie auf die Idee, wir wären schlecht ausgebildet? Die Lehrer sind die gleichen wie an der fünfjährigen Schule bzw. des Kollegs, der Lehrplan ist ident mit dem des Kollegs. Also wieso bitte glauben Sie, dass die Ausbildung schlechter ist?
Wissen Sie was ein Kolleg ist? Ja, dann versteh ich die Polemik noch weniger.

Gast: Die Antwort ist 42
05.03.2012 20:11
3 1

Wie wäres es mit Mrktwirtschaft mal zum Vorteil der Arbeitnehmen?

Wie wäre es wenn einmal nicht nur die sogenannten Top Manager von der Marktwirtschaft profitieren ("ich muss 1 Million bekommen - weil das ist mein Marktwert") sondern jene Menschen die wirklich sehr wichtige Arbeit leisten. Es gibt ja genug ausgebildete KindergartenpädagogInnen. Nur die sind verständlicherweise nicht bereit für 1200 Euro die sehr veranwortungsvolle Arbeit zu machen.
Wie in Skandinavien sollten die allerbersten Lehrer/Pädagogen mit den jüngsten Kindern arbeiten. Denn da kann man am meisten für die Zukunft der Kinder bewirken. Und die sollen dann bitte ordentlich bezahlt bekommen. Von mir aus auch 4000 Euro. Dann könnte man sich die Fähigsten aussuchen. Und die würden das dann auch gerne machen. Das wäre mal echte Martwirtschaft. Und nicht den Mangel dadurch beheben, dass man schnell, schnell eine Pseudoausbildung macht.

Martwirtschaft - gerne!

Nur, wer zahlt gern zB 1.000 EUR/Monat für den Kindergarten seiner Kinder?

Solange die Sache über Steuergelder finanziert wird, wird keine Marktwirtschaft draus - egal wie man es dreht.

Re: Martwirtschaft - gerne!

Ob alle gemeinsam für alles zahlen, oder jeder einzeln, macht volkswirtschaftlich keinen preislichen Unterschied.

Doch - einen riesigen.

Individuelle Entscheidungen werden meist halbwegs rational nach dem Muster "was kostets - was bringts" gefällt.

Bei politischen Entscheidungen steht eher der Gedanke "Steuern zahl ich sowieso - dann will ich auch was dafür haben" im Vordergrund.

Ersteres fördert Sparsamkeit, letzteres Verschwendung, und diese ist volkswirtschaftlich ein ganz massives Problem.

Antworten Gast: Martin_S
05.03.2012 21:27
2 0

Re: Wie wäres es mit Mrktwirtschaft mal zum Vorteil der Arbeitnehmen?

Marktwirtschaft UND WIen ?? Das passt doch schon überhaupt nicht zsamm! Wie können Sie nur SOETWAS auch nur ansatzweise denken! Na pfuigack!

Re: Wie wäres es mit Mrktwirtschaft mal zum Vorteil der Arbeitnehmen?

Völlig richtig! Zumal ja die Arbeit der Kindergärtnerinnen immer komplizierter wird; allein schon durch die mulitethnische Durchmischung der zu betreuenden Kleinen. Da gilt es auf diverse kulturelle Vorgaben aus den jeweiligen Herkunftländern Rücksicht zu nehmen aber auch darauf, inwieweit diese Kinder in ihrem Elternhaus entwicklungsmäßig gefördert werden oder nicht. Dabei hatte ich doch erst kürzlich gelesen, daß die Ausbildung der Betreuerinnen auf ein hohes akademisches Niveau angehoben werden soll, um diesen geänderten Rahmenbedingungen in diesem Berufsbild gerecht zu werden. Ein derartiger Schnellsiedekurs wie im Artikel beschrieben ist somit wirklich äußerst kontraproduktiv.

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden