Herr Salcher hat eine Idee

Solle der Unterricht später starten?

Der international berühmte Sozial-, Gesellschafts-, Trauer-, Kultur-, Ästhetik-, Ökologie- und Bildungsexperte Andreas Salcher hatte eine Idee: Der Unterricht solle eine Stunde später beginnen, vor allem Volksschüler könnten sich nämlich so früh nicht konzentrieren. Aber Salcher, einst gefeierter Kultursprecher der Wiener ÖVP, möchte nicht etwa den Schulbeginn verschieben. Nein, um acht sollen sich Schüler und Lehrer versammeln, um zu frühstücken, zu reden und sich mental vorzubereiten. Dieser Teil ist neu.

Ein Bobo-Thema, heißt es dazu im Stadtschulrat Wiens, wo das Oxymoron „Bourgeois Bohemien“ noch immer ein Modewort ist. Diese Reaktion beweist Realitätssinn: Mittelalterliche, stilbewusste Städter wählen nicht mehr SPÖ und wurden daher aufgegeben wie Hietzings Bürger.

Daher nur theoretisch: In vielen modernen Großstädten, deren Bewohner zum großen Teil in der Dienstleistungsbranche tätig sind, beginnt die Schule um neun. (Erst um zehn öffnen übrigens viele Geschäfte bei uns.) Das schenkt Eltern, deren Jobs nicht wie einst um Punkt acht beginnen, eine gemeinsame Stunde oder mehr Schlaf, vor allem aber weniger Stress. In Dänemark, zugegebenermaßen eine Bobo-Destination, gibt es sogar eine Partei, die mit der Forderung nach späterem Arbeits- und Schulbeginn und Entschleunigung erfolgreich war. Aber das betrifft natürlich das echte Leben und ist somit kein politisches Thema hier. Die Schule ist eine unveränderliche Institution, der man sich zu unterwerfen hat.

Salcher bleibt auf jeden Fall unser Frühstücksexperte.

 

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2012)

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