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Angst vor der eigenen Reform

18.05.2012 | 18:33 |  CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Schmied fürchtet den Wettbewerb. Weil sie „ihrer“ Neuen Mittelschule misstraut.

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Wenn es noch einen Beleg gebraucht hätte, dass die Sozialdemokratie in ihrem Bildungsverständnis noch immer nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist – Unterrichtsministerin Claudia Schmied hätte ihn jetzt erbracht: So will sie zwar an allen Schülern testen, ob diese die Bildungsstandards erfüllen (soll heißen: beherrschen, was unterrichtet wird), das Abschneiden der Schulen aber geheim halten (s. Artikel unten). Dass sie eigens betont, dass es ihr mit der Maßnahme nicht darum gehe, Wettbewerb auszuschließen, ändert nichts daran, dass sie genau dies tut. Sie verhindert Vergleiche.

Mehr noch: Wenn die Ministerin weiter sagt, dass es keine Rankings nach einem „plakativen Testwert“ geben solle, stellt sie zudem ihr eigenes Instrument infrage. Denn: Wenn die Bildungsstandards und deren Überprüfung nur zu „plakativen“, nicht aussagekräftigen Ergebnissen führen, stellt sich die Frage, warum sich die Ministerin für deren Einführung ständig und überall selbst auf die Schulter klopft.

Was Schmied verschweigt: Ihre Angst vor Wettbewerb ist nur zum Teil ideologisch begründet. Sie fürchtet, dass die Ergebnisse „ihrer“ Neuen Mittelschulen schlechter ausfallen als jene der AHS. Das wäre Munition für die ÖVP. Und da zieht es Schmied vor, die Daten in einer Schublade verschwinden zu lassen. Dass Eltern so wieder keine Chance haben zu erfahren, wo Kinder gut unterrichtet werden, ist ihr egal.

Empört sein sollten vor allem die Neuen Mittelschulen: Offensichtlich ist es mit dem Vertrauen der Ministerin doch nicht so weit her. Das dringend nötige Vertrauen der Bevölkerung in den Schultyp rückt damit in weite Ferne. Ein Lehrbeispiel, wie man gleich zwei Reformen in den Sand setzt.

 

christoph.schwarz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)

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9 Kommentare

Früher war alles besser?

Früher hat man sich hier lang und breit darüber ereifert, dass Gehrer "nur" eine Volksschullehrer-Ausbildung hatte, also an sich für den Ministerposten unterqualifziert wäre (eigentlich zu Recht).

Bei Schmied würde man sich dagegen wünschen, die Dame hätte WENIGSTENS eine Volksschullehrer-Ausbildung - Schmied ist ja noch weniger für den Job qualifziert als Darabos fürs Milität....

Gast: dirge
20.05.2012 20:21
1 0

die nms ist mist

sie dient nur einsparungen. díe lehrer sind verärgert, die schüler lernen überhaupt nichts mehr.

Gast: Gast: Leser
19.05.2012 14:32
2 0

Gesamtschule

Schmied will (und wollte) ja nicht wirklich die Neue Mittelschule; sie wollte die ersatzlose Abschaffung der Hauptschule und die Einführung einer gemeinsamen Schule für alle 10-14-Jährigen (Gesamtschule). Das war mit der ÖVP nicht machbar, daher der Kompromiss "Neue Mittelschule", was nicht Fleisch und nicht Fisch ist; eigentlich weiß niemand so genau, wo der Unterschied zur Hauptschule liegt, Schmied selbst offenbar auch nicht. Sie (die Neue Mittelschule, nicht die Schmied) wird wohl irgendwann sanft entschlafen und kein Hahn wird ihr nachkrähen.

Kinderinteressen zuerst

Die Eltern haben ein Recht darauf zu erfahren, in welchen Schulen ihre Kinder etwas lernen.

Gast: Hubertus
19.05.2012 00:40
7 0

Überraschung?

Was haben Sie von einer Frau erwartet, die für die Zockereien der Kommunalkredit zuständig und einer Partei zugehört, die sich über die Zocker ereifert. Dieser Geschäftszweig ,für den Frau Schmied zuständig war, hat nach ihrem Ausscheiden dazu geführt, daß der Republik Österreich Schäden in Milliardenhöhe entstanden sind. Damit ist über die Qualitäten dieser Dame alles ausgesagt.

Der Kommentator...

.... hat durchaus recht.

Verwunderlich ist nur, dass er so erstaunt tut, ganz, als ob er von dieser Unterrichtsministerin tatsächlich eine sinnvolle Reform erwartet hätte.

Vielleicht sollte er lieber darüber schreiben, wie schön ihr neues Büro ausschaut, die einzige sinnvolle Reform in ihrer Amtszeit bis jetzt.

Und vergleichsweise billig.

Gast: b754
18.05.2012 21:07
1 5

wenns ums 21 jhtd geht dann ist die övp noch im 19 jhdt

und nicht nur bei der bildung

4 0

Re: wenns ums 21 jhtd geht dann ist die övp noch im 19 jhdt

Eine wirklich fundierte Aussage, die noch dazu eindeutig mit Argumenten unterlegt ist.

2 0

Vergleich existiert in der Folgeschule

Um zu wissen, wie es um die NMS bestellt ist, braucht man nur mit Lehrern der HAKs zu sprechen. Die sind landauf, landab davon überzeugt, dass die Schüler, die sie aus der NMS bekommen, viel schlechter sind als die aus der AHS-Unterstufe.

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