Wenn es noch einen Beleg gebraucht hätte, dass die Sozialdemokratie in ihrem Bildungsverständnis noch immer nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist – Unterrichtsministerin Claudia Schmied hätte ihn jetzt erbracht: So will sie zwar an allen Schülern testen, ob diese die Bildungsstandards erfüllen (soll heißen: beherrschen, was unterrichtet wird), das Abschneiden der Schulen aber geheim halten (s. Artikel unten). Dass sie eigens betont, dass es ihr mit der Maßnahme nicht darum gehe, Wettbewerb auszuschließen, ändert nichts daran, dass sie genau dies tut. Sie verhindert Vergleiche.
Mehr noch: Wenn die Ministerin weiter sagt, dass es keine Rankings nach einem „plakativen Testwert“ geben solle, stellt sie zudem ihr eigenes Instrument infrage. Denn: Wenn die Bildungsstandards und deren Überprüfung nur zu „plakativen“, nicht aussagekräftigen Ergebnissen führen, stellt sich die Frage, warum sich die Ministerin für deren Einführung ständig und überall selbst auf die Schulter klopft.
Was Schmied verschweigt: Ihre Angst vor Wettbewerb ist nur zum Teil ideologisch begründet. Sie fürchtet, dass die Ergebnisse „ihrer“ Neuen Mittelschulen schlechter ausfallen als jene der AHS. Das wäre Munition für die ÖVP. Und da zieht es Schmied vor, die Daten in einer Schublade verschwinden zu lassen. Dass Eltern so wieder keine Chance haben zu erfahren, wo Kinder gut unterrichtet werden, ist ihr egal.
Empört sein sollten vor allem die Neuen Mittelschulen: Offensichtlich ist es mit dem Vertrauen der Ministerin doch nicht so weit her. Das dringend nötige Vertrauen der Bevölkerung in den Schultyp rückt damit in weite Ferne. Ein Lehrbeispiel, wie man gleich zwei Reformen in den Sand setzt.