Anlässlich des bevorstehenden Schulendes hat Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger am Montag kritisiert, dass Bildung nach wie vor "mit Geld verbunden" sei. Das Bildungssystem sei ein zentrales Element dafür, "Ungleichheiten auch in Zukunft zu zementieren", sagte er bei einer Pressekonferenz und forderte unter anderem die Abschaffung der Sonderschulen, eine flächendeckende Ganztagsschule und die Verhinderung früher Selektion.
"Die Schule ist der einzige Ort, an dem man alle Kinder und Jugendlichen erreichen kann", sagte Fenninger, sie sollte daher ein Ort der Integration sein, nicht der Selektion. Die Neue Mittelschule bezeichnete er zwar als "wichtigen Schritt" in diese Richtung, vor allem in der Stadt führe dieses Modell zur Zeit aber dazu, dass die Hauptschule eine dritte Abstufung werde, kritisierte er. Um Ungleichheiten zu verringern, müssten laut Volkshilfe etwa auch die Sonderschulen abgeschafft werden. Weiters forderte Fenninger ein flächendeckendes Ganztagsschulangebot und gesetzlich verankerte Sozialarbeiter in Schulen. Die Lehrer sollten mehr Coach als Prüfer sein und in "benachteiligten Gebieten" müsse verstärkt in Bildungseinrichtungen investiert werden, so der Volkshilfe-Geschäftsführer.
Kritik an Nachhilfekosten
Auch die Tatsache, dass Eltern im Jahr 127 Millionen Euro für die Nachhilfe ihrer Kinder ausgeben, kritisierte er. (Wert aus dem Vorjahr, Anm.) Vor allem einkommensschwächere Familien würden diese Ausgaben sehr belasten, berief er sich auf Studien der Arbeiterkammer. Eine Bestrafung der Schulverweigerung lehnte Fenninger ebenfalls ab. Diese liege vor allem an einem "Mangel an Kompetenzen bei den Eltern", meinte er, und der lasse sich nur durch Förderung beheben, nicht durch Disziplinierung. Eine Strafmaßnahme würde zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen, fürchtete er.
Volkshilfe-Armutsexpertin Verena Fabris wies darauf hin, dass das österreichische Schulsystem dazu führe, dass "Kinder armer Eltern die armen Erwachsenen von morgen" seien, denn schlechtere Bildung führe zu einem höheren Armutsrisiko. In höhere Schulen gingen drei Viertel von Kindern, deren Eltern ein hohes Einkommen oder eine selbst seine höhere Ausbildung hätten. Auch die Schulabbrecherrate liege in Akademikerhaushalten bei unter vier Prozent, in Haushalten mit niedrigem Einkommen dagegen bei über 18. "Bildung ist kein Allheilmittel gegen Armut", so Fabris, "sie ist aber ein wesentlicher Faktor, um der Armut zu entkommen."
(APA)
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