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Volkshilfe fordert Bildungssystem gegen soziale Ungleichheit

25.06.2012 | 12:55 |   (DiePresse.com)

Das österreichische Schulsystem sei ein zentrales Element, um "Ungleichheiten auch in Zukunft zu zementieren", sagt Volkshilfe-Geschäftsführer Fenninger.

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Anlässlich des bevorstehenden Schulendes hat Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger am Montag kritisiert, dass Bildung nach wie vor "mit Geld verbunden" sei. Das Bildungssystem sei ein zentrales Element dafür, "Ungleichheiten auch in Zukunft zu zementieren", sagte er bei einer Pressekonferenz und forderte unter anderem die Abschaffung der Sonderschulen, eine flächendeckende Ganztagsschule und die Verhinderung früher Selektion.

"Die Schule ist der einzige Ort, an dem man alle Kinder und Jugendlichen erreichen kann", sagte Fenninger, sie sollte daher ein Ort der Integration sein, nicht der Selektion. Die Neue Mittelschule bezeichnete er zwar als "wichtigen Schritt" in diese Richtung, vor allem in der Stadt führe dieses Modell zur Zeit aber dazu, dass die Hauptschule eine dritte Abstufung werde, kritisierte er. Um Ungleichheiten zu verringern, müssten laut Volkshilfe etwa auch die Sonderschulen abgeschafft werden. Weiters forderte Fenninger ein flächendeckendes Ganztagsschulangebot und gesetzlich verankerte Sozialarbeiter in Schulen. Die Lehrer sollten mehr Coach als Prüfer sein und in "benachteiligten Gebieten" müsse verstärkt in Bildungseinrichtungen investiert werden, so der Volkshilfe-Geschäftsführer.

Kritik an Nachhilfekosten

Auch die Tatsache, dass Eltern im Jahr 127 Millionen Euro für die Nachhilfe ihrer Kinder ausgeben, kritisierte er. (Wert aus dem Vorjahr, Anm.) Vor allem einkommensschwächere Familien würden diese Ausgaben sehr belasten, berief er sich auf Studien der Arbeiterkammer. Eine Bestrafung der Schulverweigerung lehnte Fenninger ebenfalls ab. Diese liege vor allem an einem "Mangel an Kompetenzen bei den Eltern", meinte er, und der lasse sich nur durch Förderung beheben, nicht durch Disziplinierung. Eine Strafmaßnahme würde zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen, fürchtete er.

Volkshilfe-Armutsexpertin Verena Fabris wies darauf hin, dass das österreichische Schulsystem dazu führe, dass "Kinder armer Eltern die armen Erwachsenen von morgen" seien, denn schlechtere Bildung führe zu einem höheren Armutsrisiko. In höhere Schulen gingen drei Viertel von Kindern, deren Eltern ein hohes Einkommen oder eine selbst seine höhere Ausbildung hätten. Auch die Schulabbrecherrate liege in Akademikerhaushalten bei unter vier Prozent, in Haushalten mit niedrigem Einkommen dagegen bei über 18. "Bildung ist kein Allheilmittel gegen Armut", so Fabris, "sie ist aber ein wesentlicher Faktor, um der Armut zu entkommen."

(APA)

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3 Kommentare
Gast: Gesamtschulfan
14.07.2012 10:12
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holistische Bildung

die Gesamtschule ermöglicht als einzige Schulform holistische Bildung für alle. Egal ob handwerkliche Fächer oder alte Sprachen. Jeder Bürger hat immer das Recht auf ein Vollangebot und Standards und Niveau müssen immer möglichst hoch sein. Gute Gesamtschulländer haben Kurssysteme - vor allem in Großstädten bestünde die Möglichkeit Kurssysteme zur Vfg. zu stellen - es ist dort aber keine Schande, in einem Fach B-Niveau, im anderen aber A-Niveau zu absolvieren -- nicht jeder muss alles gleich gut können.

ich hab schon Hauptschüler aus DE getroffen, die in der Lage sind ein naturwissenschaftliches Studium zu absolvieren. Haben aber eine partielle Schwäche mit Sprachen und evtl. Legasthenie.

man muss niemanden von höherer Bildung fernhalten, nur weil er kein Französisch kann. Für das was er studieren will, ist das evtl vollkommen unerheblich.

in anderen Ländern gibt es mehr Fächerwahlfreiheit bis auf wesentliche Grundfächer die belegt sein müssen. Dann kann man oft Kurse wählen in vielen Fächern, je nach Interesse und Begabung. Man muss nicht jedem nur auf C-Niveau zwingen.

zur Vorbereitung aufs Studium gibt es auch Hochniveaukurse für Interessierte und als Anreiz für gute Leistungen. In denen kooperiert man oft mit Colleges.

Handwerk und alte Sprachen sind gleichberechtigte Fächer, für jeden zugänglich
Man kann sein Abitur mit Woodworking, Kochen und Engineering genauso machen wie mit Latein oder Chemie.

Das ist gleichwertig! Nichts schlechteres!

Die Gesamtschule schadet allen Betroffenen, weil es

ein pädagogischer Unfug ist, 5 verschiedene Niveaus in eine Klasse hineinzuwingen.
Jeder Verein würde abhausen, wenn er so rückständig wäre.

Antworten Gast: Carl von Ossietky
14.07.2012 10:03
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Re: Die Gesamtschule schadet allen Betroffenen, weil es

dann macht doch ein gutes Kurssystem wie in Kanada und USA - darauf kommt wohl wieder mal keiner. Ein Kurssystem ist absolut gerecht.

wir nehmen mal das Bsp. Deutschland, weil das die Absurdität besonders gut abbildet:

ich nehm das x-beliebige Kind, dass auf eine Hauptschule in Bayern kommt, nehmen wir eine Bekannte von mir.

sie hat dort alles nur auf C-Niveau mitbekommen - jedes einzelne Fach! Schwerpunkt war ab Klasse 7 eh das Fach "Arbeitslehre"

sie hat nachher Abitur nachgeholt und war gut in Mathe, Physik,Chemie, schlecht in Deutsch, Geschichte und Sprachen -- jeder hat so seine Vorlieben/Interessen.

jetzt hat sie in Bayern ALLES nur auf C-Niveau mitbekommen! Obwohl sie in NaWi A-Niveau hätte nehmen können!

in den o.g. Ländern hätte sie NaWi immer auf A-Niveau belegen können und den Rest halt entweder im C-Kurs oder B-Kurs. Sie hätte beliebig wechseln können, wie es ihr beliebt.

wenn sie also gemerkt hätte, in Englisch wird sie besser, hätte sie das halt dann auf B-Niveau wechseln können. Das ist individuelles Lernen.

man muss niemanden dazu verdonnern wegen einer partiellen Lernschwäche alles nur auf niedrigstem Niveau mitbekommen zu dürfen. Nichts ist ungerechter - und dann auch noch andere Wissensbereiche als höhere Bildung von denen fernhalten.

es gibt genug Modelle für intelligente Schulsysteme. Man muss sich nicht ans 19. Jahrhundert klammern. Auch Handwerk als Fachangebot ist keine Schande "niederer Bildung" (siehe Waldorfschulen)

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