Schulschwänzen: Geldstrafen bis zu 440 Euro

28.06.2012 | 15:26 |   (DiePresse.com)

Vor der finanziellen Höchststrafe bei einer Schulpflichtverletzung soll es Gespräche mit Eltern, Psychologen, Sozialarbeitern, Schulaufsicht und Jugendwohlfahrt geben.

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Auf einen gesetzlich festgeschriebenen Stufenplan zur Bekämpfung des Schulschwänzens haben sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) geeinigt. In vier Stufen werden darin zunächst Gespräche zwischen Schülern, Eltern, Lehrern, Schulpsychologen, Sozialarbeitern und der Schulaufsicht sowie die Einschaltung der Jugendwohlfahrt vorgesehen. Nützt alles nichts, können Geldstrafen bis zu 440 Euro verhängt werden. Außerdem ist eine jährliche Erhebung der Zahl der Schulpflichtverletzungen geplant. Die Eckpunkte dieses Maßnahmenpakets sollen im nächsten Ministerrat beschlossen werden.

Verhaltensvereinbarungen erarbeitet

Um Schwänzen schon im Vorfeld zu vermeiden, müssen außerdem schon zu Beginn jedes Schuljahres zwischen Schülern und Klassenlehrern Kommunikations- und Verhaltensvereinbarungen erarbeitet werden. Direktoren, Lehrer und Eltern sollen außerdem schon bei den ersten Fällen von unentschuldigtem Fehlen angehalten werden, präventiv aktiv zu werden, unterstützende Angebote zu setzen bzw. die Ursachen für das Schwänzen zu beseitigen.

Eine Schulpflichtverletzung soll dann vorliegen, wenn ein Schüler fünf unentschuldigte Fehltage bzw. 30 unentschuldigte Fehlstunden in einem Semester aufweist oder an drei aufeinanderfolgenden Tagen unentschuldigt fehlt. Kommt es zu diesem Fall, tritt der Stufenplan in Kraft.

Stufe eins: Lehrer, Schüler und Eltern reden

Stufe eins sieht ein verpflichtendes Gespräch zwischen Schülern, Erziehungsberechtigten und Lehrern vor. Dabei wird nach den Gründen für das Fernbleiben vom Unterricht gesucht, eine schriftliche Vereinbarung über die nächsten Schritte getroffen und die Verantwortung für die Vermeidung des Schulschwänzens bzw. die Verbesserung der Situation geklärt. In einem weiteren Gespräch nach vier Wochen wird überprüft, ob die Vereinbarung eingehalten wurde.

Ist dies nicht der Fall bzw. zeichnet sich ein Scheitern schon früher ab, tritt Stufe zwei in Kraft. Dabei werden unter Federführung der Schulleitung Schülerberater, Schulpsychologen bzw. wenn vorhanden Schulsozialarbeiter und Jugendcoaches einbezogen. Wenn auch diese Maßnahme nach spätestens vier Wochen keine Wirksamkeit zeigt, wird in Stufe drei die Schulaufsicht befasst und die Beteiligten über weitere rechtliche Schritte informiert. Auch hier sind Gespräche mit Eltern, Schülern und Lehrern geplant. Nach maximal zwei Wochen wird in einem weiteren Gespräch erneut überprüft, ob die Maßnahmen Wirkung gezeigt haben.

Jugendwohlfahrt muss Gefährdung abklären

Nutzt auch das nichts, wird die Jugendwohlfahrt eingeschaltet. Diese beginne "unverzüglich mit der Gefährdungsabklärung und bietet Unterstützung zur Bewältigung von Erziehungsproblemen". Hat auch das keine Wirkung, erfolgt durch die Schulleitung nach maximal vier Wochen eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde. Diese kann dann eine Strafe von bis zu 440 Euro verhängen, das ist eine Verdoppelung der bisherigen Höchststrafe.

Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen, soll die Zahl der Schulpflichtverletzungen jährlich erhoben und vom Unterrichtsministerium gesammelt werden. Auf Basis dieser Schulschwänzstatistik erfolgt nach drei Jahren eine Evaluierung.

(APA)

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19 Kommentare
Gast: Ludmilla
29.06.2012 21:07
0

wieviel müssen lehrer Strafe bezahlen

wenn sie im Unterricht nicht da sind?

Antworten Gast: cobold
03.07.2012 12:22
0

Re: wieviel müssen lehrer Strafe bezahlen

Dem kann ich nur zustimmen. An der Schule meiner Kinder kommen und gehen die Lehrer wann es ihnen gefällt. Zu spät kommen ist obligat. Bei solchen Vorbildern kann man nicht erwarten, dass Schüler das besser machen. Das wird nicht überall so sein und rechtfertigt auch das Schwänzen nicht, aber allgemein gehören zuerst einmal die Lehrkräfte reglementiert, vielleicht funktioniert der "Betrieb" Schule dann insgesamt besser.

Re: wieviel müssen lehrer Strafe bezahlen

Gleich viel, wie die Leute in der Privatwirtschaft.

Spießrutenlauf für Lehrer

Verpflichtende Gespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, schriftliche Vereinbarung, Einbeziehung von Schülerberatern und Schulpsychologen, Überprüfung nach vier Wochen, weitere Gesprächen und Befassung der Jugendwohlfahrt...

...nein danke, das alles zahlt mir kein Mensch. Wer fehlen will, soll von mir aus weiter fehlen.

Re: Spießrutenlauf für Lehrer

Richtig, die Schule ist ja auch nicht dazu da, die Kinder zu erziehen sondern zu unterrichten.

völlig am problem vorbeigearbeitet.

wie immer, wenn es um das schulwesen geht...

Gast: murat30
28.06.2012 19:39
0

...

nix als geldgieriges schwachköpfe
immer nur wollen kole,kole,kole!
bringen zahlen von strafe wirklich sin?
wenn mein kinda tun schwanzen dann ich bestrafe ,nicht blode politiker.


Re: ...

diese Einstellung ist vernünftig, nur strafen nicht alle Eltern statt dankbar zu sein für eine gratisschule in Österreich.

Re: ...

Sie brauchen Ihre Kinder nicht zu bestrafen. Sorgen Sie dafür, dass in der Klasse sitzen. Das genügt.

Re: Re: ...

Ich glaube, dass der Vorposter nur 'trollt'

Re: Re: Re: ...

Das kann mir zu so später Stunde durchaus entgangen sein :)

Ist so

Ist so etwas schon jemals wirklich exekutiert worden?
Das juckt doch keinen, wird nichts ändern und ist bloß Zeitung füllende Propaganda.

zu viele Schritte

In diesem System gibt es zu viele Gesprächstreffen, sodass das Schuljahr ohnehin vorbei ist bis eine wirkliche Maßnahme zu greifen beginnt. Und im Herbst beginnt dann alles wieder von vorne. Also nur teuer, zahnlos und Arbeitsplatzbeschaffung für diverse Gesprächsteilnehmer. ein, max. zwei Gespräche, dann Strafen, unentschuldigte Fehlstunden im Zeugnis auflisten. und falls eine gewisse Anzahl überschritten wird, Kontrollprüfungen über den Schulstoff und/ oder Klassenwiederholung. Vielleicht hilft ja bei manchen. bei einem gewissen Klientel ist vermutlich jede Maßnahme vergebens.
Wer seine Kinder in Schutz nehmen will, kann ja entschuldigen und die Dinge Familienunternehmen besprechen.

Antworten Gast: najox4
02.07.2012 22:18
0

Re: zu viele Schritte

najo, aber sonst wird immer argumentiert, dass die Schmid über die Lehrer drüberfahrt und mit niemanden diskutiert...

Gast: 2Cent
28.06.2012 16:06
4

Toller Stufenplan!

Bis was passiert sind 14 Wochen vorbei und das Scheitern im Schuljahr kaum noch abwendbar.

Gast: 1. Parteiloser
28.06.2012 15:43
2

Muahahahahahaha!

Diese Strafen werden zu min. 50% nicht eintreibbar sein. Das deshalb, weil das Limit zur Pfändung weit über der Mindestsicherung liegt.

Diese Staatlichkeit der ideologischen Planwirtschafter, welche in allen Farben schillert, die hat die Bürger dazu verpflichtet sich in die Obhut der Staatlichkeit zu begeben. Es ist eine Obhut, welche bei den Kinder schon im Alter von 5 Jahren zu greifen beginnt und die Eltern, auch bei Strafe!, verpflichtet die Kinder dem Vorschuljahr zuzuführen. Die Qualität der Betreuung spielt dabei gar keine Rolle. Dann folgt die verpflichtete staatliche Schule (Ausweichen nur therot. möglich!), wo die Kinder und Jugendlichen dann wieder, natürlich bei Strafandrohung, in die staatliche Obhut gegeben werden müssen. Wie diese Obhut dann aussieht, das spielt dabei gar keine Rolle. Diese Staatlichkeit geht ja soweit, dass sogar vorbestrafte Pädophilie die Aufsicht über Kinder und Jugendliche bekommen, vom starken Trend zur Gewalt in Schulen (auch von einigen Lehrpersonen!) ganz zu schweigen.

Die Eltern werden also gezwungen den eigenen Kindern den Schutz der Familie zu entziehen und der Gewalt und Übergriffe in den staatlichen System auszuliefern. Zuwiderhandeln dieser Planwirtschaft wird bestraft (wenn eintreibbar!?) Das ist doch schon Prinzip her krank und muss eine Überforderung aller Beteiligten mit sich bringen.

Dass dann die Eltern für dieses Bildungssystem dann noch 16 Mrd. Euro an Zwangsabgaben abliefern müssen kommt oben drauf.

Gast: Renee65
28.06.2012 15:29
2

STRAFE FÜR SCHULSCHWÄNZER

WARUM GLAUBEN EIGENTLICH SO VIELE, DASS JEDER SCHULSCHWÄNZER NUR NICHT IN DIE SCHULE GEHT, WEIL ER KEINE LUST HAT. DAS ES SCHÜLER GIBT, DIE SCHWÄNZEN, WEIL SIE PSYCHISCH AM ENDE SIND (Z.B. WEGEN STARKEM MOBBING VON ANDEREN SCHÜLERN UND LEHRERN), DARAUF KOMMT VON DENEN KEINER.
UND DIE SOLLEN DANN AUCH DIESE HOHE GELDSTRAFE ZAHLEN,ODER WAS?!
DIE GELDSTRAFEN SIND FÜR MICH SOWIESO DER TOTALE SCHWACHSINN!

Re: STRAFE FÜR SCHULSCHWÄNZER

"Vor der finanziellen Höchststrafe bei einer Schulpflichtverletzung soll es Gespräche mit Eltern, Psychologen, Sozialarbeitern, Schulaufsicht und Jugendwohlfahrt geben."

gibt eh gespräche mit 1000 leute bevor was passiert


Re: STRAFE FÜR SCHULSCHWÄNZER

psychische Probleme mit der feststelltaste?

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