18.05.2013 09:20 Merkliste 0

Gabi Burgstaller will Handelsschulen abschaffen

28.06.2012 | 15:41 |   (DiePresse.com)

Weil die HASCH immer mehr zum Auffangbecken für lernunwillige Schüler würde, will Salzburgs Landeshauptfrau sie schließen. Es gibt energischen Widerspruch von Gewerkschaft und ÖVP.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Salzburgs SPÖ-Landeshauptfrau und Bildungsreferentin Gabi Burgstaller will die Handelsschulen (HASCH) abschaffen. Viele Jugendliche würden dort nur ein Jahr absitzen, bevor sie eine Lehre beginnen, oder überhaupt nur auf das Ende der Schulpflicht warten, so ihre Begründung. Die BMHS-Lehrer-Gewerkschaft widerspricht heftig. Mit ihrer Forderung provoziere Burgstaller einen "Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit", hieß es in einer Aussendung. Derzeit besuchen knapp 11.000 Schüler eine Handelsschule.

Die dreijährigen Handelsschulen sind eine Form der berufsbildenden mittleren Schulen (BMS). Eltern würden ihrer Kinder dort anmelden, "weil sie wissen, dass ihre Kinder an einer Handelsschule chancenreicher ausgebildet werden als an einer polytechnischen Schule", so die Bundesfachgruppe kaufmännische Schulen in der GÖD. "Eine Bundesschulart schlecht zu reden, um eine an Schülermangel leidende Landesschule zu retten, ist genau der falsche Weg." Handelsschulen böten vor allem vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund Integrations- und Aufstiegschancen.

VP-Bildungssprecher Werner Amon reagierte "mit Befremden" auf den Vorstoß und stellte klar, dass am berufsbildenden Schulwesen in Österreich "nicht gerüttelt" werde. Ablehnung kam auch von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ).

Auffangbecken für lernunwillige Schüler

Aus Burgstallers Sicht sind die Zeiten der HASCH vorbei, die acht Standorte in Salzburg würden immer mehr zum Auffangbecken für schlechte und lernunwillige Schüler. Jobs, die früher an HASCH-Absolventen vergeben wurden, würden heute HAK-Abgänger erhalten. Als Vorbereitung für den Beruf seien indes die polytechnischen Schulen wesentlich besser geeignet, nach welcher eine Lehre, auch in Kombination mit der Matura, begonnen werden könne.

Amon betonte, dass die Probleme in der 9. Schulstufe bekannt seien. Deshalb aber gleich einen ganzen Schultyp abschaffen zu wollen, "ist ein höchst eigenartiger Zugang, der von der eigentlichen Problemlösung weit entfernt ist". Das berufsbildende Schulwesen sei Grund für die vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit. Amon will künftig verstärkt auf Bildungsberatung setzen und den Abschluss der Schulpflicht an Kompetenzen knüpfen.

In Wien würden die HASCH "vielen Jugendlichen entscheidende Möglichkeiten in ihrer weiteren Ausbildung sowie am Arbeitsmarkt" ermöglichen, wandte sich auch Brandsteidl gegen eine Abschaffung der Schulform. Viele der rund 3.000 Schüler an den 15 Wiener HASCH-Standorten würden über nachfolgende Aufbaulehrgänge eine Matura absolvieren. Die Alternative, die Schüler "sofort auf den Arbeitsmarkt zu werfen, stellt sich aus Wiener Sicht keinesfalls und kann wohl auch kaum der Intention der Salzburger Landeshauptfrau entsprechen".

 

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

16 Kommentare
Gast: Bloedsinn
01.07.2012 15:20
1 0

Wozu dann die neue Praxis-HAS?

... seit mehreren Jahren wurde ein neuer Lehrplan inkl. Praxisausbildung für die neue Handelsschule vom Unterrichtsministerium entwickelt (Entwicklungskosten!!!!) - jetzt zu sagen, die neue Schule, die erst seit 1 Jahr als Schulversuch begonnen wurde (in 2 Jahren Umstellung aller HASs) soll abgeschafft werden ist so, wie wenn BMW jahrelang Geld in die Entwicklung eines neuen Autos investiert und die Produktion nach der Herstellung von 10 Exemplaren wieder einstellt. Anscheindend hat Österrich doch genug Geld, das man (in diesem Fall Frau) zum Fenster rauswerfen kann!!!!

Es wäre klüger, die Gesamtschule zuzusperren -

aber das ist natürlich zu komplex.

Die BMHS-Lehrer-Gewerkschaft widerspricht heftig. Mit ihrer Forderung provoziere Burgstaller einen "Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit", hieß es in einer Aussendung.

Nein, nur Lehrerposten würden hier wegfallen, das ist die Wahrheit liebe Gewerkschafter. Die Schüler sind euch egal!

Re: Die BMHS-Lehrer-Gewerkschaft widerspricht heftig. Mit ihrer Forderung provoziere Burgstaller einen "Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit", hieß es in einer Aussendung.

Na hauptsache der Frau Burgstaller sind sie nicht egal. Offenbar sind alle Egoisten, die nicht die rote Meinung vertreten!

schlechte und lernunwillige Schülerinnen...

Wahnsinn, dass man das sagen darf...

3 0

Aufstiegschance

Und wohin sollen die, die lernen wollen, aber die HAK nicht schaffen? Auch ins Poly? Wo man schon beeindruckt ist, wenn die Schüler auf den Stühlen sitzen statt auf den Tischen oder auf dem Boden?

Die HAS hat ihre Berechtigung. Die unsägliche Problematik mit dem "Absitzen" des 9. Schuljahres ändert daran nichts, das bessert sich auch nicht, wenn man die HAS abschafft. Dann sitzen die Unwilligen eben irgendwo anders und die, die über die HAS den Aufstieg schaffen, sind die Bestraften, weil es ihren Weg nicht mehr gibt. Die HAS ist Teil der Bildungskarriere aus der Unterschicht heraus, das sollte gerade die SPÖ fördern und nicht abschaffen!

Gast: hasiputz
29.06.2012 06:35
6 1

Gibt's eigentlich irgend etwas, ...

... von dem die Frau Burgstaller wirklich eine Ahnung hat?
Oder lässt sie nur Luftblasen raus, um das Sommerloch zu stopfen?

Gast: Ignotus
28.06.2012 22:08
2 1

Egon Blum

die Erkenntnisse auf die sich Frau Burgstaller beruft und von Prof. Eder "gewonnen" wurden, sind mehr als 15 Jahre alt!
Der ehemalige Lehrlingsbeauftragte Egon Blum, einst der erfolgreichste Lehrlingsausbilder in Vorarlberg, hat schon vor mehr als 15 Jahren öffentlich darauf hingewiesen, das die Fachschulen - Hasch und HTL-UMGEHUNGSSCHULEN des Polytechnikums sind.
Man vermeidet das Poly, geht in eine Fachschule, ist dort zu blöd, fliegt hinaus, aber man hat die Schulpflicht erfüllt.
Das ist die Realität, die seit ca. 20 Jahren in Österreich bekannt ist! Nur nicht bei Frau Burgstaller!!
PS: der Herr Prof. Eder sollte sich auch besser in der Realität bewegen!

das ist erst der anfang

schule und bildung werden zurückgefahren wie noch nie.

Antworten Gast: guckmal
29.06.2012 06:16
2 0

Re: das ist erst der anfang

klar zurück gefahren, dann können die Politiker wieder nach "Fachkräften" aus dem Ausland schreien und weiterhin vom "ungebildeten Wählervolk" profitieren.

Oder wie erkläre man(n) sich so ein Unding!

Recht hat sie! In der HASCH sitzt nur der Rest und da würde das Poly auch reichen....

Aber, was soll´s, wenn erst die Neue Mittelschule flächendeckend für wirklich ALLE eingeführt ist, löst sich das Problem von selbst.Dort herrscht dann endlich absolute Chancengleichheit -gleiche Faulheit für alle, nämlich!

Gast: guckmal
28.06.2012 19:03
7 0

typisch Burgstaller

alles was nicht in ihr Konzept passt wird dann "abgeschafft"......nooja! SPÖ halt!

Lieber sitzen die Jugendlichen in Handelsschulen und lernen noch etwas.

Gäbe es keine Hasch mehr, würden sie wohl beim AMS landen, weil sie keinen Lehrplatz bzw. Job bekommen.


Und was sollen die dann machen?

Besser wäre es, Sanktionsmöglichkeiten für die absolut Lernunwilligen zu schaffen.

Gast: Händler
28.06.2012 18:23
9 0

lernunwillig?

Bis jetzt hat mir die Gaby eigentlich immer ganz gut gefallen. Aber was sie damit bezweckt, wenn sie angeblich lernunwilligen Kindern eine Schule wegnimmt, ist schwer zu verstehen. Glaubt sie wirklich, dass ein lernunwilliger Schüler in der Poly lernwilliger wird, weil man ihn zwingt dorthin zu gehen, anstatt in die Hasch?

Aha

Dann soll sie die Fachschulen an den HTLs auch schließen, denn die Leute wechseln dort auch von der Höheren in die Fachschule. Also so einen Blödsinn habe ich lange nicht mehr gehört.
Anstatt mehr Optionen zu schaffen, streichen sie mehr!

Re: Aha

Aber zwischen HASCH und Fachschulen an den HTLs ist von den Schülerleistungen her ein gewaltiger Unterschied, die sind einfach besser und leistungsorientierter.

Schlagzeilen Bildung