Salzburgs SPÖ-Landeshauptfrau und Bildungsreferentin Gabi Burgstaller will die Handelsschulen (HASCH) abschaffen. Viele Jugendliche würden dort nur ein Jahr absitzen, bevor sie eine Lehre beginnen, oder überhaupt nur auf das Ende der Schulpflicht warten, so ihre Begründung. Die BMHS-Lehrer-Gewerkschaft widerspricht heftig. Mit ihrer Forderung provoziere Burgstaller einen "Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit", hieß es in einer Aussendung. Derzeit besuchen knapp 11.000 Schüler eine Handelsschule.
Die dreijährigen Handelsschulen sind eine Form der berufsbildenden mittleren Schulen (BMS). Eltern würden ihrer Kinder dort anmelden, "weil sie wissen, dass ihre Kinder an einer Handelsschule chancenreicher ausgebildet werden als an einer polytechnischen Schule", so die Bundesfachgruppe kaufmännische Schulen in der GÖD. "Eine Bundesschulart schlecht zu reden, um eine an Schülermangel leidende Landesschule zu retten, ist genau der falsche Weg." Handelsschulen böten vor allem vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund Integrations- und Aufstiegschancen.
VP-Bildungssprecher Werner Amon reagierte "mit Befremden" auf den Vorstoß und stellte klar, dass am berufsbildenden Schulwesen in Österreich "nicht gerüttelt" werde. Ablehnung kam auch von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ).
Auffangbecken für lernunwillige Schüler
Aus Burgstallers Sicht sind die Zeiten der HASCH vorbei, die acht Standorte in Salzburg würden immer mehr zum Auffangbecken für schlechte und lernunwillige Schüler. Jobs, die früher an HASCH-Absolventen vergeben wurden, würden heute HAK-Abgänger erhalten. Als Vorbereitung für den Beruf seien indes die polytechnischen Schulen wesentlich besser geeignet, nach welcher eine Lehre, auch in Kombination mit der Matura, begonnen werden könne.
Amon betonte, dass die Probleme in der 9. Schulstufe bekannt seien. Deshalb aber gleich einen ganzen Schultyp abschaffen zu wollen, "ist ein höchst eigenartiger Zugang, der von der eigentlichen Problemlösung weit entfernt ist". Das berufsbildende Schulwesen sei Grund für die vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit. Amon will künftig verstärkt auf Bildungsberatung setzen und den Abschluss der Schulpflicht an Kompetenzen knüpfen.
In Wien würden die HASCH "vielen Jugendlichen entscheidende Möglichkeiten in ihrer weiteren Ausbildung sowie am Arbeitsmarkt" ermöglichen, wandte sich auch Brandsteidl gegen eine Abschaffung der Schulform. Viele der rund 3.000 Schüler an den 15 Wiener HASCH-Standorten würden über nachfolgende Aufbaulehrgänge eine Matura absolvieren. Die Alternative, die Schüler "sofort auf den Arbeitsmarkt zu werfen, stellt sich aus Wiener Sicht keinesfalls und kann wohl auch kaum der Intention der Salzburger Landeshauptfrau entsprechen".
(APA)
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