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Neue Kritik an Zentralmatura: Deutsch „zu einfach“

04.07.2012 | 18:12 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Der Nationalrat beschließt heute den Aufschub der teilzentralen Matura. Unterdessen bringt die Vorbereitung der Deutschmatura neue Aufregung: Ein „Genügend“ werde künftig praktisch verschenkt.

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Wien. Erst vor Kurzem hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) die Zentralmatura um ein Jahr auf 2015 verschoben, weil das Projekt noch mehr Vorbereitung brauche. Heute, Donnerstag, bestätigt der Nationalrat den Aufschub. Doch schon gibt es die nächste Aufregung um die teilzentrale Matura, die die Ergebnisse in mehreren Fächern österreichweit vergleichbar(er) machen soll. In Deutsch seien die Anforderungen für ein „Genügend“ künftig zu niedrig, jene für ein „Sehr gut“ aber weiter hoch, sodass sich erst wieder ein verzerrtes Bild von den Leistungen aller Schüler im Land ergeben könnte, meinen Kritiker.

 

Fehler, Beistriche: Vieles offen

Den Hintergrund bildet eine aktuelle Unterlage des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE), das die Zentralmatura im Auftrag des Bundes vorbereitet. Gemäß dem Papier, das der „Presse“ vorliegt, soll es für ein Durchkommen bei der (schriftlichen) Deutschmatura künftig unter anderem reichen, wenn die Arbeit des Schülers eine „deutlich erkennbare Anwendung der Prinzipien der deutschen Schreibung“ aufweist – wenn der Schüler also nicht zu viele Rechtschreibfehler gemacht hat.

Aber wie viele Fehler sind zu viel, und welche Fehler sind gerade noch erlaubt? Das sei nicht eindeutig festgelegt, empört sich der schwarze oberste AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin. Auch bei der Beistrich- oder Punktsetzung werde (zu) vieles offengelassen, glaubt er: Eine „deutlich erkennbare Anwendung der Regeln der Zeichensetzung“ verlangt das Papier des BIFIE. Und zur Grammatik heißt es, dass der Text des Schülers „überwiegend grammatikalisch korrekt“ sein müsse – also bei Weitem nicht immer oder meistens.

Mit welcher Konsequenz? „Wenn ein Akademiker in Bewerbungsschreiben schwere Fehler hat, wünsche ich ihm viel Glück“, sagt Quin: „Wenn wir solche Maßstäbe bei der Deutschmatura ansetzen, wie jetzt geplant, geben wir manchen Schülern zwar eine Studienberechtigung, nicht aber eine Studienbefähigung in die Hand.“

So sieht das auch Gerhard Riegler, Chef des Zentralausschusses der AHS-Lehrer, der direkt mit Ministerin Schmied über die Zentralmatura verhandelt. „Wir haben vor einem allgemeinen Downgrading durch die Zentralmatura gewarnt“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“: Weil die Schüler an den einzelnen Schulstandorten unterschiedlich gut sind, werde man für einen Vierer wohl besonders weit unten ansetzen, um die österreichweite Durchfallsquote gering zu halten. Als besonders störend empfindet Riegler in dem Zusammenhang Formulierungen aus dem BIFIE-Papier, denen zufolge bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten „nur in Ansätzen“ erkennbar sein müssen. Etwa in Sachen „Stil und Ausdruck“: Da ist die Rede davon, dass eine „nur in Ansätzen erkennbare Varianz in der Satzstruktur“ – vereinfacht gesagt: ein wenig Abwechslung – für ein „Genügend“ ausreicht. Für ein „Sehr gut“, so Riegler, brauche es hingegen weiter durchaus „anspruchsvolle“ Leistungen. Gemessen an den Regeln fürs Durchkommen sei das unfair.

An den AHS soll die Zentralmatura verpflichtend im Frühjahr 2015, an den BHS dann 2016 starten. Sie betrifft die schriftliche Matura, die mündliche bleibt in der Verantwortung jeder Schule.

 

BIFIE: „Zeitgemäße Fachdidaktik“

Im Ministerium verteidigt man die teilzentrale Matura: „Die Vorbereitungen laufen sehr gut“, heißt es knapp aus Schmieds Büro. Am BIFIE gibt man sich naturgemäß vom eingeschlagenen Kurs überzeugt: Die neuen Aufgaben würden keinesfalls zu einfach, sondern einer zeitgemäßen Fachdidaktik entsprechend ausfallen, sagt Projektmanagerin Susanne Reif-Breitwieser. „Und der neue Beurteilungsraster entspricht dem geltenden Recht.“ Beispielsweise nur stur Beistriche und Rechtschreibfehler zu zählen und das Gesamtbild einer Arbeit zu vernachlässigen wäre widersinnig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2012)

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38 Kommentare
 
12
Gast: schreib.isch.presse.weissu
16.07.2012 10:30
0 0

zb

Sätze wie:
"Geh isch Kino,weissu,ischwörr"
werden in Zukunft wohl für ein "Genügend" reichen.Das ist schade.

Gast: Tut ench Amon
09.07.2012 11:30
0 0

Die beiden Balkonmuppets...

... sind "Experten für eh alles"!
Wenn sich jemand zu einem Thema inhaltlich (nicht politisch!) äußert, sollte er sich mit den Gegebenheiten auseinandersetzen
Bisher gibt es praktisch keine Bestimmungen für Deutsch (außer den vagen Formulierungen in der Leistungsbeurteilugnsverordnung - LBVO), wie eine D-Arbeit (Klausur oder Schularbeit) zu beurteilen ist. Das weit verbreitete sog. "Melker Papier" widerspricht der derzeit gültigen LBVO in fast allen Belangen. Vielleicht ist es für die Herren dennoch die einzig wahre Beurteilungsgrundlage, weil es
1) den Namen einer niederösterreichischen Gemeinde trägt (was für sie offensichtlich ausreichend ist, weil aus NÖ) und
2) ohne gestzliche Basis ist.
Die auf der BIFIE-HP veröffentlichten Kriterien entsprechen der modernen D-Didaktik und sind so engmaschig, dass kaum ein Beurteilungsspielraum bleibt.
Aber anscheinend wollen sie nur ihr apokalyptisches Gequassel vom Niveauverlust loswerden.

endlich!

kommt ein solcher artikel in die zeitungen!!! die deutschmatura teilzentralisiert, so wie sie jetzt steht, ist unzureichend. das sagt jeder fachkundige. das bewertungsmodell ist ein schlechter witz. man weiß auch nicht, was mit der texstorte empfehlung gemeint ist. 3 verschiedene antworten habe ich von "experten" erhalten.
weil aber so milde bewertet wird, wird eben eine schwierige angabe konzipiert, damit sich das wirklich ausgleicht...sind schon tolle gedanken.

wo ich aber dem bifie recht geben muss, stur fehler zählen - diese zeiten sind vorbei! seien wir doch froh, dass die bewertung eher auf den text gerichtet ist als auf die fehler. einst galt 10 R-Fehler = 5! wie viele fehler nun allerdings den leseprozess des textes erschweren, ist wiederum sehr subjektiv...

Gast: gast45
06.07.2012 16:23
0 0

jessas maria und claudia ..

mit meiner hiermit submissest zur schau gestellten kleinschreibung lasse ich es offenbar an der " deutlich erkennbaren anwendung der grundprinzipien deutscher rechtschreibung" fehlen. da scheint mir also auch eine varianz in der sprachstruktur, die ich ja für mich ins treffen führen könnte, nicht zu helfen :-)
da hilft nur mehr eines .. james joice ist heute als abendlektüre gestrichen .. dafür gibt es den duden :-)

Gast: Bedenker
06.07.2012 13:25
1 0

Zentral ?

Wer korrigiert die Deutscharbeiten?
Hoffentlich geschieht dies zentral an einer Stelle (für ganz Österreich).
Nur so ist schließlich eine Vergleichbarkeit gegeben.
Einige Arbeiten sollten veröffentlicht werden, damit man sich ein Bild machen kann.

Re: Zentral ?

die österreichische lösung ist ja, wir nennen es zentral. dann merken wir, dass es nicht zur gänze zentral ist, da die mündliche nicht zentral ist. also nennen wir sie teilzentral. TOPP!

dass andere die maturaarbeit korrigieren, das wäre ein ansatz. allerdings frage ich mich dann, warum die lehrer bis zur matura alle schularbeiten ihrer klasse korrigieren müssen/dürfen/können (bringt ja auch vorteile, denn so kann ich den individuellen leistungsfortschritt auch berücksichtigen) und bei der matura auf einmal nicht. der lehrer nicht nur als schiedsrichter und trainer, sondern nur als trainer - dieses system ist in FRA. aber in Ö werden systeme miteinander total durchgemischt und obwohl man sich auf deren erfolg im ausland stützt, wundert man sich immer wieder, dass es dennoch nicht so funktionier, wie man es gerne hätte...

2 0

Naiv??

Wieso wundern sich jetzt manche sosehr, dass die Zentralmatura so leicht ist? Hat wirklich jemand geglaubt, man könne eine Prüfung für alle machen ohne mit dem Niveau drastisch nach unten zu gehen? Man strebte lange Zeit eine bunte Schullandschaft mit Autonomie und Schwerpunkten an und jetzt auf einmal sollen alle gleich sein bei der Abschlussprüfung. Die Österreicher werden alle für dep pert gehalten und durch Hochglanzbroschüren nach Strich und Faden belogen (siehe auch NMS!).

Gast: Champion3
05.07.2012 20:10
0 0

Mathura

Wie schreiselt man eigendlich Mathura - is ma wörscht weil i muaß es net wissen für Mathura

außerdem wos macht ma da ...

Deutsch für Ausländer?


Der Bericht ist sehr dankenswert. Allerdings sind die nunmehr amtlich vorliegenden Kriterien zur Beurteilung der Deutsch-Klausuren in noch viel mehr Punkten dazu angetan, das Niveau des Deutschunterrichts massiv herabzusetzen.

Sollte es nicht gelingen, das BIFIE, das diese Anleitung produziert hat und sich auch sonst oft äußerst unrühmlich betätigt, radikal zu reformieren, wäre es unverzüglich abzuschaffen und durch eine zumutbare Einrichtung zu ersetzen.

Etwas fehlt hier:

Der Kommentar des 1. Parteilosen, der die Lehrer dafür verantwortlich macht.

Re: Etwas fehlt hier:

Entschuldigung - ich war mit anderen Kommentaren beschäftigt.
Aber Sie haben vollkommen Recht: Die Lehrer sind natürlich dafür verantwortlich.

Eine „deutlich erkennbare Anwendung der Regeln der Zeichensetzung“

war ein Ziel, das in früheren Zeiten die meisten in der Volksschule erreicht haben.

Gast: oberon 12
05.07.2012 13:18
0 10

Witzig hier!

Das Presseforum ist bekannt als Hort des Analphabetismus und der Sprachschwäche.

Und diese Poster, deren Sprachvermögen auf Branntweinerniveau ist, regen sich hier auf?

Ein Kabarett...

Antworten Gast: mh
05.07.2012 16:17
2 0

"Branntweinerniveau" im Presseforum?

Ihr Kommentar beweist es.
Besser Sie posten bei Krone, Heute, Österreich ... dann wird das Niveau hier automatisch besser.


Antworten Gast: Gruftmaus
05.07.2012 14:40
0 0

Re: Witzig hier!

Naja...ich hab grade den Presse-Schulenglischtest nur mit 43 absolviert. (letzte Frage-car anstatt Pc)
*schäm*
Wie ergings euch denn so dabei?

Antworten Antworten Gast: Lichtgestalt
05.07.2012 17:26
0 0

Re: Re: Witzig hier!

Ich brauche kein Englisch. Ich kann mir das leisten, so, wie die Mehrheit der Europäer auch. Siehe Statistiken.

Antworten Antworten Antworten Gast: VWVW
05.07.2012 19:37
0 0

Re: Re: Re: Witzig hier!

Yep. Die anderen Europäer liegen beim Englischsprechen irgendwo um die 40% herum, die Österreicher bei über 70%. Komisch nur, dass die anderen deswegen trotzdem keine Nachteile haben, oftmals sogar internationaler sind.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ludewig R.
06.07.2012 19:34
0 0

Re: Re: Re: Re: Witzig hier!

Dafür beherrschen die vielleicht die eigene Muttersprache besser.

Wahnsinnige am Werk

Die Entwertung der Matura schreitet unaufhörlich voran. Kein Wunder, wenn die Anforderungen nicht objektiv erstellt, sondern immer stärker an den Fähigkeiten der Schüler ausgerichtet werden, die bekanntlich stetig im Sinken begriffen sind. Angesichts der inferioren Deutschkenntnisse von immer mehr Studenten, die es mit so einer nachgeworfenen Matura inzwischen auch auf die Uni schaffen, ist der obige Ansatz glatt eine gefährliche Drohung!

Gast: kaskrainer
05.07.2012 11:01
8 0

deutlich erkennbare Anwendung ...

der Rechtschreibung.
D.h. im Klartext: Eine Arbeit, die man in etwa als "Deutsch" erkennen kann, deren Inhalt man in etwa nachvollziehen kann, eine Arbeit, deren Rechtschreibung in Rufweite der Richtigkeit liegt, so etwas soll in Zukunft Grundlage für eine Universitätsberechtigung sein?

Also, wer sich DAS ausgedacht hat, möge bald einen Arzt aufsuchen, es dürfte sich um etwas Schwerwiegendes im neurologischen Bereich handeln.

Frei nach dem Motto: Ach, herrjeh, wir sind in PISA soooooooooo schlecht! Fazit: Wir senken das Niveau, geben darauf Supernoten und gleich sind wir wieder Bildungsweltmeister.
Und das haben PISA und die OECD so zu akzeptieren. Basta.
Und wenn sie es nicht tun, dann sind halt die Lehrer daran schuld, die diese "grenzgenialen" Konzepte nicht umsetzen konnten.
Quo vadis Austria?

Nichts geht mehr!

Einfach köstlich, mit welcher Leichtigkeit die wirklichen Praktiker (aus der Gewerkschaft) diese Konstruktivisten aus dem Elfenbeinturm (Bifie) an die Wand spielen. Die dürften dies wohl noch nicht mitbekommen haben oder man hat ihnen Schmerzempfinden und Scham ausgebaut.
Die nächste Regierung möge die verfügbaren Gelder wieder dort verwenden, wo sie für die Bildung der Jugend und nicht für die arroganten und ungebildeten Politgünstlinge verwendet wird!

Gast: Jemand
05.07.2012 08:48
8 0

Durchschnitt - nein danke!

Man sollte angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen das Niveau heben anstatt zu senken.

Sehr gute Leute braucht das Land und die Wirtschaft, um innovationsfähig zu bleiben.

Wir brauchen auch scharfe Denker und einen hohen Durchschnittsintellekt, um subtiler Manipulation Herr zu sein.

All das wird abgeschafft und die wahren Herrscher Europas scheinen ein dummes Volk zu wollen.

Offensichtlich gleicht man sich auch hier dem Niveau der Durchschnittsamerikaner an....

Re: Durchschnitt - nein danke!

Ich würde da gar nicht so viel hineingeheimsen. Ostöstereich wird von den Linken einfach umgevolkt und da ist die zu Beginn vorherrschende Sprache naturgemäß ein Hinderniss. Sobald die deutschsprachige Bevölkerung in der Minderheit ist, wird man die Katze eh aus dem Sack lassen.

Deutsch wird zu einer Interimssprache herabgestuft!

Sinowatz dreht sich im Grab herum!

Gast: noproblem
05.07.2012 08:20
2 1

Deutsch sollte kein Pflichtfach mehr sein.

In unseren Schulen spricht sowieso kaum noch jemand Deutsch.

2 2

wozu deutsch?

ist ja eh schon fast eine fremdsprache hier ...

(gehen sie auf die strasse und sperren sie die ohren auf ... !)

 
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