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Frankreich: "Sippenhaftung" für Schulschwänzer

08.07.2012 | 18:04 |  RUDOLF BALMER UND JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Gabi Burgstaller schlug die Sperre der Familienbeihilfe für Schulschwänzer vor. Das ist für französische Familien schon seit Beginn des Jahres Realität.

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Der konservative Abgeordnete Eric Ciotti möchte den Schülern und ihren Eltern beibringen, dass in der Republik Rechte mit Pflichten verbunden sind. Er will es nicht hinnehmen, dass gewisse Junge offenbar den Besuch des Unterrichts als freiwillig betrachten. Im vergangenen Jahr hat er sich mit einer Idee bei der damaligen Regierung von François Fillon durchgesetzt, die auf ziemlich drastische Weise in Erinnerung ruft, dass der Schulbesuch obligatorisch ist und dass der Staat auf seiner Autorität besteht. Aufgrund von Ciottis Initiative wurde ein Gesetz verabschiedet, das vorsieht, dass bei wiederholtem Schulschwänzen den Eltern die Familienzulagen vorbehalten werden. Und zwar dann, wenn sie ihre Aufsichtspflichten und ihre Verantwortung auch nach vorgängiger Ermahnung und Warnung nicht ernst genug nehmen.

Was in Frankreich die Regel ist, hat vergangene Woche auch die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) gefordert. Sie erklärte, dass sie die Sperre der Familienbeihilfe für sinnvoller halte als die Verdopplung der Strafe von 220 auf 440 Euro, auf die sich die Koalition geeinigt hat. Die Beihilfe sollte erst dann nachbezahlt werden, wenn das Kind die Schule wieder regelmäßig besucht.

In Frankreich ist das Gesetz seit Jänner 2011 in Kraft und immer noch sehr umstritten. Es sieht vor, dass nach mehr als vier Halbtagen Absenz im Klassenzimmer die Eltern von der Schulleitung gemahnt werden. Falls sich dann nichts tut, werden sie zu einem Gespräch mit der Schulinspektion vorgeladen. Tritt dann immer noch keine Besserung ein, kann die Sozialversicherung angewiesen werden, die Familienbeihilfe teilweise oder ganz einzubehalten. Laut offiziellen Angaben sind bisher 472 Familien effektiv mit einem Entzug der staatlichen Zulagen bestraft worden. Im vergangenen März waren laut „Le Figaro“ 288 Haushalte mit insgesamt 312 Schülern betroffen (in manchen Familien gleich mehrere Kinder).

Man könnte die Maßnahme als nicht wirksam bezeichnen, wenn man weiß, dass in Frankreich die Zahl der Schulschwänzer bei den Zwölf- bis 19-Jährigen in der Mittelstufe (Collège und Lycée) auf mehr als 300.000 geschätzt wird. Besonders hoch ist laut dem Erziehungsministerium die mutwillige Absenz in den Berufsmittelschulen, wo angeblich 14 Prozent der Schüler nur sporadisch am Unterricht teilnehmen.

 

Ineffizient und kontraproduktiv

Für Ciotti spiegeln diese Zahlen den Erfolg wider: „Nach einer Vorladung der Eltern sind 99 Prozent der Schüler in den Unterricht zurückgekehrt.“ Ganz anderer Meinung sind viele Verantwortliche des Erziehungswesens. Philippe Tournier vom Verband der Schulrektoren meint, dieses repressive System habe sich bereits in Großbritannien als ineffizient und zum Teil kontraproduktiv erwiesen. Alleinerziehende Mütter etwa hätten oft „jede Kontrolle über ihre Kinder verloren“ und würden sich vielfach in so „schweren materiellen und psychischen Schwierigkeiten befinden“, dass die Schulleiter bei der Anwendung der vom Gesetz vorgesehenen Sanktionen zögern. Skeptisch waren von Beginn an auch die Sozialisten, die diese Sanktionen für Eltern von Schulschwänzern als eine Art „Sippenhaftung“ kritisieren. Sie hatten angekündigt, dass sie im Fall eines Regierungswechsels dieses Gesetz außer Kraft setzen würden.

Jetzt ist die Linke an der Macht, und sie scheint vorerst andere Prioritäten zu haben als den Kampf gegen die Absenz durch Strafandrohungen. Der neue Erziehungsminister Vincent Peillon sagt, er ziehe den Dialog vor. Er möchte mit individuell ausgehandelten „Verträgen elterlicher Verantwortung“ Abhilfe schaffen. Die angebotene Qualität der Schule müsse der Nachfrage entsprechen. Bis auf Weiteres aber bleibt das Ciotti-Gesetz in Kraft. Nur dürfte es in der Schulrealität immer weniger beachtet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)

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16 Kommentare
Gast: Sulzer A
10.07.2012 07:38
0 0

Der Sozialismus wird's schon richten

Keine Strafen und Verbote mehr, das könnte nämlich Wähkerstimmen kosten.

Gast: 2Cent
09.07.2012 07:45
14 0

Sippenhaftung

Einer der grausigsten Aspekte der Sippenhaftung ist doch, dass jemand bestraft wird, der nichts getan hat.

Im Falle der Schulschwänzer ist es aber doch im Allgemeinen nicht so, dass die Eltern unschuldig an der Situation sind. Da wurde Erziehung verabsäumt, das Kind zu wenig unterstützt, dem Kind die Wichtigkeit von Bildung und Ausbildung nicht klargemacht und vorgelebt.

So gesehen, trifft der Entzug von Transferleistungen beim Vernachlässigen der Schulpflicht keine Unschuldigen.

Es ist doch im Übrigen völlig absurd, dass der Staat die Leute praktisch dazu zwingen muss, für sich selber eine bessere Zukunft zu erarbeiten. Das sollte doch wohl jedem selbst ein Anliegen sein!

Manchmal verstehe ich die Menschen nicht.

Gast: Schuhlbeobachter
09.07.2012 03:37
0 8

Aus dem Land der diabolischen Revolution

Dar man GAR NIX uebernehmen. Informieren sie sich einmal ueber den Ursprung der Schulpflicht. Da steigen einem dir Grausbirn auf.

Re: Aus dem Land der diabolischen Revolution

Die Schulpflicht wurde in Österreich unter Maria Theresia eingeführt. Das war vor der französischen Revolution.

Antworten Antworten Gast: Schuhlbeobachter
09.07.2012 14:58
0 0

Re: Re: Aus dem Land der diabolischen Revolution

In Oesterreich gibt es, im Gegensatz zum diabolischen Frankreich und kulturkaempferischen preussischen Nachfolgestaat derzeit immer noch KEINE Schulpficht, sondern eine Unterichtspflicht, was etwas GANZ ANDERES ist. Diese wurde in der tat von Maria Theresia eingefuehrt. Und gegen diese gibt es keine Einwand. Was die LINKSLINKE Mafia, die derzeit dieses Land beherrrscht will, ist eben die SCHULPFLICHT durch die Hintertuer einfuehren. Und die unwissenden Produkte der Staatsschulen koennen mir dafuer noch so viele Rote Streifen geben....

Antworten Antworten Antworten Gast: Certah
09.07.2012 15:19
0 0

Beispiel:

Linz, sog. Pöstlingbergfall.

Die Familienbeihilfe soll man belassen - aber...

...dafür gibt es für jedes Schuljahr, in dem auch nur einmal geschwänzt wurde, 12 Monate lang weniger Anspruch auf Arbeitslose, oder Sozialhilfe, oder Pension.

Die Schule bezahlen und dann noch ein Leben lang durchfüttern müssen ist zuviel...

Re: Die Familienbeihilfe soll man belassen - aber...

Schwänzen bedeutet noch lange nicht ein Leben in der sozialen Hängematte.
Wer klug ist schafft mit wohldosierten Absenzen in Verbindung mit diszipliniertem!!! Lernen ganz locker die Matura und zahlt dann brav seine Steuern und die Sozialversicherung.
Man muß eben wissen wo die Grenzen sind und dieses Verhalten nicht ins Arbeitsleben übernehmen,
nach der Schule ist Schluß mit Schwänzen!



Re: Re: Die Familienbeihilfe soll man belassen - aber...

Ihren wohldosierten Spezialfällen würde meine Regelung ja gar nichts ausmachen. Soll mir recht sein...

Gast: Don Quichote
08.07.2012 22:25
8 2

Was für einen Sinn ...

... soll es machen, lern- und leistungsunwillige Jugendliche in die Schule zu treiben, wo sie Lehrern und Mitschülern das Leben schwer machen und die Effizienz der Schule noch weiter nach unten drücken. Ohne geeignete Sanktionsmöglichkeiten der Lehrer, die Einhaltung von Spielregeln im Klassenzimmer durchzusetzen, bringen weder Geldstrafe noch Entzug der Kinderbeihilfe einen Nutzen, sondern wirken insgesamt kontraproduktiv. Wenn gar nichts mehr hilft, sollten Erziehungsanstalten und Arbeitscamps kein Tabuthema sein.

Gast: thjmkjuk
08.07.2012 22:19
2 7

Anscheinend

Die Poster hier haben anscheinend selber keine Kinder.
Bei soviel ahnungslosigkeit

Gast: noch einer
08.07.2012 22:13
3 0

Vorbildlich

So könnten auch Politiker ,
erst nachdem sie ihre Aufgaben als Vertreter des Volkes nachweislich erfüllt haben ,
ihr Gehalt beziehen .

da zeigt der sozialismus seine haessliche fratze

wer nicht spurt und dem staatswillen folgt, dem werden die transferleistungen gestrichen

es gibt genug "verschwoerungstheoretiker" die uns seit jahren davor warnen, das es ziel der nwo ist jedem einen chip einzupflanzen und gleichzeitig durch bestimmte implementierte "policies" jeden abhaengig machen von transferleistungen / transferzahlungen vom staat um die leute gefuegig zu machen.

wer sich nicht fuegt, dem wird der chip abgedreht. sobald deren ziel erreicht ist, das bargeld komplett abzuschaffen und es nur mehr buchgeld gibt (damit werden auch bank - runs unmoeglich) kann es per mausklick ermoeglich werden, dass buerger xyz am wirtschaftleben teilnehmen kann oder nicht

1989 verschwand der sozialismus / kommunismus nicht, er hat sich nur angepasst und die heutigen probleme werden dem kapitalismus / freier marktwirtschaft zugeschrieben ohne einer fairen analyse, die bestaetigen wuerde dass fast alle hausgemachten gesellschaftsprobleme heutzutage dem interventionismus zuzuschreiben sind, der in einer freien marktwirtschaft nicht vorkommen wuerde.

was wir hier miterleben ist der wandel eines ganzen kontinents zum totalitaeren sozialismus, wo es unmoeglich wird dass individuen freie entscheidungen treffen und mit freiem willen handeln.

wie lange dauert es noch, bis die armen schafe aufwachen?

"niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der faelschlicherweise glaubt glaubt frei zu sein"
- das wusste schon goethe

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Der neue linke Erziehungsminister sagt, er ziehe den Dialog vor.

Dialog statt Konsequenzen heißt, dass der Lehrer man dem Schüler sagt, dass er "sehr traurig" ist, weil er ständig schwänzt.
Das hilft gaaanz sicher.


Antworten Gast: konsequenzen-nein
08.07.2012 20:43
8 0

Re: Der neue linke Erziehungsminister sagt, er ziehe den Dialog vor.

Nicht in der Schule, nicht zur Arbeit, nicht zum Arzttermin erscheinen, nicht zum AMS-kurs wollen, gar nichts wollen - das macht doch nichts. Auch einen Dialog müssen beide Seiten wollen. Eh egal. Schicken wir die Betreuer halt zu den Leuten nach Hause. Sozialarbeiter, Psychologen, Deutschlehrer, Hausärzte..

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... hätten oft „jede Kontrolle über ihre Kinder verloren“ und würden sich vielfach in so „schweren materiellen und psychischen Schwierigkeiten befinden“ ...

Ja dann gehören die Kinder unter staatliche Kontrolle. Kinder entziehen, fertig.

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