Wien/J.n./Beba/Chs/Apa. Es wäre ein Paukenschlag in der Bildungspolitik, sollte die ÖVP ihr Veto gegen die Gesamtschule aufgeben. Ein durchaus gewichtiger ÖVP-Politiker tat das bereits offiziell: der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Inoffiziell soll es in der ÖVP noch andere geben, die mit einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sympathisieren.
Von einer schweigenden Mehrheit spricht jedenfalls Andreas Schnider, früherer steirische ÖVP-Bundesrat und Leiter der Kommission zur Reform der Lehrerausbildung. Gesamtschulbefürworter könnten – oder dürften – sich aber innerhalb der ÖVP noch nicht zu Wort melden, sagt Schnider.
Tatsächlich ist es schwierig, ÖVP-Politiker zu finden, die sich offen für eine Abschaffung der Langform des Gymnasiums und eine Einführung der Gesamtschule aussprechen. Die strikte Ablehnung scheint bei manchen dennoch zu schwinden – etwa bei ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager, die die Gesamtschule im „Presse“-Gespräch nicht ausschließen will. Sie zeigt sich aber vorsichtig: „Versichern kann ich, dass man nicht ohne eine Evaluierung der Schultypen die Türschilder auswechselt.“ Wie im Regierungsübereinkommen vereinbart, brauche es zuallererst eine Evaluierung der Neuen Mittelschule, so Cortolezis-Schlager. Erst, wenn diese Ergebnisse vorliegen, könne man über Weiteres sprechen.
Dass die Ablehnung nicht mehr so vehement ist wie bisher, ist vor allem auf den immer wahrscheinlicher werdenden Schwenk der SPÖ in Sachen Uni-Zugang zurückzuführen. Sollte die SPÖ einer Zugangsbeschränkung tatsächlich zustimmen, würde wohl auch von der ÖVP ein Einlenken erwartet.
Stemer: „Zeit ist nicht reif“
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle verteidigt allerdings nach wie vor das Gymnasium. Ihm gehe es bei der Diskussion um verschiedene Schulformen vor allem um eine stärkere Typen- und Leistungsdifferenzierung – „sonst sehe ich die Gefahr einer Nivellierung nach unten“. Auch in Vorarlberg zeigt man sich skeptisch. „Ich halte die Zeit für nicht reif“, sagt Schullandesrat Siegi Stemer (ÖVP) im Gespräch mit der „Presse“: Es gebe eine „ganz ordentliche Zahl an Leuten, die klar gegen eine Abschaffung des Gymnasiums ist“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)
Im EntstehenNeue Studentenheime in Wien
Bildungswege im ÜberblickE-Beilage
Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











