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Gesamtschule sorgt für Wirbel in ÖVP

26.08.2012 | 18:41 |   (Die Presse)

Tirols Landeschef Platter sympathisiert mit der Gesamtschule. Der steirische EX-ÖVP-Bundesrat Schnider ortet in der ÖVP bereits eine schweigende Mehrheit.

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Wien/J.n./Beba/Chs/Apa. Es wäre ein Paukenschlag in der Bildungspolitik, sollte die ÖVP ihr Veto gegen die Gesamtschule aufgeben. Ein durchaus gewichtiger ÖVP-Politiker tat das bereits offiziell: der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Inoffiziell soll es in der ÖVP noch andere geben, die mit einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sympathisieren.

Von einer schweigenden Mehrheit spricht jedenfalls Andreas Schnider, früherer steirische ÖVP-Bundesrat und Leiter der Kommission zur Reform der Lehrerausbildung. Gesamtschulbefürworter könnten – oder dürften – sich aber innerhalb der ÖVP noch nicht zu Wort melden, sagt Schnider.

Tatsächlich ist es schwierig, ÖVP-Politiker zu finden, die sich offen für eine Abschaffung der Langform des Gymnasiums und eine Einführung der Gesamtschule aussprechen. Die strikte Ablehnung scheint bei manchen dennoch zu schwinden – etwa bei ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager, die die Gesamtschule im „Presse“-Gespräch nicht ausschließen will. Sie zeigt sich aber vorsichtig: „Versichern kann ich, dass man nicht ohne eine Evaluierung der Schultypen die Türschilder auswechselt.“ Wie im Regierungsübereinkommen vereinbart, brauche es zuallererst eine Evaluierung der Neuen Mittelschule, so Cortolezis-Schlager. Erst, wenn diese Ergebnisse vorliegen, könne man über Weiteres sprechen.

Dass die Ablehnung nicht mehr so vehement ist wie bisher, ist vor allem auf den immer wahrscheinlicher werdenden Schwenk der SPÖ in Sachen Uni-Zugang zurückzuführen. Sollte die SPÖ einer Zugangsbeschränkung tatsächlich zustimmen, würde wohl auch von der ÖVP ein Einlenken erwartet.

 

Stemer: „Zeit ist nicht reif“

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle verteidigt allerdings nach wie vor das Gymnasium. Ihm gehe es bei der Diskussion um verschiedene Schulformen vor allem um eine stärkere Typen- und Leistungsdifferenzierung – „sonst sehe ich die Gefahr einer Nivellierung nach unten“. Auch in Vorarlberg zeigt man sich skeptisch. „Ich halte die Zeit für nicht reif“, sagt Schullandesrat Siegi Stemer (ÖVP) im Gespräch mit der „Presse“: Es gebe eine „ganz ordentliche Zahl an Leuten, die klar gegen eine Abschaffung des Gymnasiums ist“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)

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23 Kommentare
Gast: OberlehrerXXL
01.09.2012 12:28
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Egal

Ich werde mich nicht aufregen, über die Qualitätsverschlechterung die eine Gesamtschule mit sich bringt. Meine Kinder wird das nicht betreffen, denn sie sind schon über 18. Und für alle anderen, die in der Gesamtschule nichts lernen, werden wohl die Frau Minister, oder die liebe grüne Eva, oder der Wirtschaftskammerpräsident Leitl oder der Landeshauptmann Platter geeignete Arbeitsplätze bereitstellen (hoffentlich nicht nur die Mindestsicherung).
Unsere Politiker haben für Österreich in der letzten Zeit so viel erreicht (Bankenrettungspaket, ESM, Wehrpflichtdebatte usw.), sie sind so fähig, dass sie die zukünftigen Probleme unserer Republik bravourös meistern werden.
Gleichzeitig mit der Einführung der Gesamtschule bin ich aber auch für ein VERBOT ALLER PRIVATSCHULEN und für die VERPFLICHTUNG ZUM SCHULBESUCH IN ÖSTERREICH FÜR ALLE IN ÖSTERREICH GEBORENEN KINDER, DAMIT DIE POLITIKERELITE HAUTNAH DIE QUALITÄTSVERBESSERUNG IN DEN GESAMTSCHULEN MITERLEBEN DARF.
Sollte ein Politiker meinen, sein Kind auf ein ELITEINTERNAT in die Schweiz schicken zu müssen, sollten die Absetzbeträge und die Kinderbeihilfe gestrichen werden. Außerdem dürften diese Kinder in Zukunft keine Jobs im öffentlichen Dienst in Österreich erhalten.

Re: Egal

wieso lassen wir unsere kinder nicht gleich an ausländischen eliteschulen ausbilden? nachdem unser bildungssystem so teuer ist, müsste durch schließung unserer schulen eh genug geld dafür frei werden ...

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Platter,..

ist die Merkel Österreichs. Was, zumindest vordergründig, dem eigenen Machterhalt dienlich sein könnte, wird hinaus gekräht.
Sollte es das Gegenteil der bisherigen Meinung sein, so findet man sicher eine Wortwolke, um das Ganze als Erkenntnisprozess darzustellen. Platter war Bildungslandesrat, was ja schon in sich gesehen, der Quadratur des Kreises sehr nahe kommt.
Es geht nicht um Schule, es geht um Macht und deren Erhalt. Wie sagte es einst schon Adenauer, ... was geht mich mein saudummes Geschwätz von gestern an ...

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stmk + tirol

Man sollte die Steiermark und Tirol zusammenlegen, dann braucht man keinen Platter mehr... die ÖVP merkt man dort und da sowieso schon kaum mehr. Wenn sich diese Partei nicht bald jener Leute entledigt, die Überzeugungen wechseln wie Hemden, werden ihre Wähler sich in Luft auflösen... Die restlichen ÖVP-Politiker - zumindest in Graz, können dann ja wie Schider ihre Kinder in die private Volksschule Sacré Coeur schicken und danach wird's wohl Ähnliches auch noch als Gymnasium geben...

Antworten Gast: Meisterei
28.08.2012 11:27
5 5

Legende vom fehlenden Ei

Irgendwie fehlt dem Schnider ein e, um ein ordentlicher Schneider zu werden. Ein Meister in der Bildungspolitik wird aber nie draus. Auch dazu fehlt ihm das Ei.

Gast: Gesamtschulbefürworter
27.08.2012 17:46
7 4

Gesamtschultest

Wer ist der Mann im Bild oben?
a) Plattner
b) Schnider
c) Stemer oder gar
d) Cortolezis-Schlagere

Töchterle

scheint der einzig vernünftige Mensch mit Hausverstand zu sein, auf der weiten Flur der Regierenden und ihrer Lakaien.

Re: Töchterle

ich frag mich auch wie sie zu dieser Feststellung kommen - mit Nichtstun kann keinen Blödsinn machen - aber Töchtere deswegen als erfolgreich zu beschreiben ist etwas gewagt

Antworten Gast: Mister Soho
27.08.2012 15:45
2 0

Re: Töchterle

Das dürfte eine Einzelmeinung sein...

Re: Re: Töchterle

Lady sagte, "scheint ... zu sein".

Gast: Hans im Glück
27.08.2012 14:45
2 0

Die Spitze ist dann noch die voll gebundene Ganztatesschule

Für manche ist es praktisch wenn die Kinder sinnvoll beschäftigt sind solang man selber Arbeitet.

Ich sehe es nicht ein warum mein Kind den ganzen Tag in der Schule sein soll.

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Die Allgemeinbildung ist tot, es lebe das Fachidiotentum!

So wie eine humanistische Bildung heute manchen als nicht zeitgemäß erscheint, so ist die Humboldt'sche Universität gerade am Sterben und wird durch berufsbezogene höhere Fachausbildungen ersetzt.

Natürlich brauche ich 60% des in einer humanistischen Bildungsidealen frönenden Gymnasialschule vermittelten Wissens in meinem praktischen Berufsleben später nicht.

Wenn man aber Bildung nicht als zweckgebunden, sondern als Zweck an sich ansieht, dann sieht man auch, daß eine solche Einstellung für Politik und vor allem für die Wirtschaft gelinde gesagt unpraktisch ist und nicht mitgetragen wird.

Sowohl die Wirtschaft wie die Politik leben heute vom Fachidiotentum, das zwar wunderbare neue Produkte erfindet (besonders segensreich im Bereich der Finanzwirtschaft) aber Querdenker und Neinsager gar nicht erst ermöglicht.

Und die USA sind nun einmal nicht in allem Vorbild und auch nicht die beste aller schlechten Möglichkeiten.

Österreich hat eine Gesamtschule - und diese versagt!

Österreich hat eine 4 jährige (wenn man den Kindergarten dazunimmt, was als Vorbildung Sinn machen würde, sogar 5-jährig) Gesamtschule. Und wie aus vielen Studien, Berichten und Tests hervoreht, versagt genau diese. Nach der Volksschule gibt es einen beträchtlichen Anteil an Kindern, die nicht sinnerfassend Lesen könen, geschweige denn gerad schreiben oder die Grundrechnungsarten beherrschen. Und das (auf den Druck der Eltern und ihrer Anwälte sowie Schulbehörde hin) auch noch verziehrt mit alles Einser!

Gut, dann machen wir das weitere 4 Jahre und benachteiligen die, die mehr wollen oder einfach mehr/schneller können.

Das mit der Innendifferenzierung ist ein Traum, denn dafür wird jetzt schon (weit weg vom Vollausbau der NMS) nur gestrichen, gekürzt und gespart!

Die NMS war ein Trugschluss und im Endeffekt nur eine Sparmaßnahme: 3 (kleinere) eher homognere Leistungsgruppen mit 3 Lehrern wurde getausche gengen 1 (größere) eher inhomogenere Gruppe mit 1,5 Lehrern (wobei 0,5 immer mehr eingespart werden).

Antworten Gast: Büdungspolitiga
27.08.2012 18:07
7 0

Gesamtschule - österreichisch

Österreich hat auch eine Gesamtschule der 10-14jährigen: die Unterstufe der AHS in Wien und in den ländlichen Ballungszentren. Jedes Kind, das seinen Namen halbwegs richtig schreiben kann, wird dort aufgenommen. Damit wurde sowohl die Unterstufe als auch die Hauptschule umgebracht. Die NMS ist kein "Trugschluss", sondern ein Schritt zur Gesamtschule, auf die sich schon alle freuen. Die so Ausgebildeten werden das Recht erwerben, dereinst in China Künetten zu graben. Und die, die es sich leisten können, gehen in Privatschulen. Und da man Privatschulen nicht abschaffen wird (wohin gingen dann die Kinder der roten Bonzen?), wird es sowieso nie echte Gesamtschulen geben.

Antworten Gast: graf ortho
27.08.2012 17:34
4 1

Re: Österreich hat eine Gesamtschule - und diese versagt!

Ja, in der Volksschule sollte man sinnerfassend "Lesen könen" und auch rechtschreiben lernen, wenn das Zeugnis "verziehrt mit alles Einser" ist. Und schlampert Buchstaberl vertauschen unbd auslassn soll man auch nicht. Aber so isst es halt.

ohne Wertung

Gemeinsame Schule der 10-14 Jährigen gegen Studiengebühren abzutauschen ist lächerlich - das Erstere ist ein echter Paradigmenwechsel in der österreichischen Bildungslandschaft - das Zweitere ist eine Randnotiz - völlig unbedeutend für die Zukunft der tertiären Bildung - ausser, dass einige Wenige von dieser Bildung ausgeschlossen sind. 200 Millionen sind viel Geld - aber im Gesamtkontext der Bildungsausgaben unbedeutend. Eine Diskussion zur Regelung des UNI-Zugangs im Land mit einer der geringsten Akademikerquoten macht da schon eher Sinn - die Grundfrage: wo fehlen Akademiker - und wo gibt es mehr als genug.

Gast: Westerner
27.08.2012 08:07
1 1

Wenn Platter in der ÖVP

nunmehr die progressive Seite vertritt, dann wissen wir, wo die ÖVP angelangt ist....

"brauche es zuallererst eine Evaluierung der Neuen Mittelschule"

wozu noch evaluierung dieses gaus.
die nms wurde bereits ohne evaluierung aufgedrückt.

Die Gesamtschule schadet allen Beteiligten - wahrscheinlich

ist die ÖVP deshalb dafür.

Gast: Abdisu (kein Lehrer)
27.08.2012 02:09
8 0

Ab ins politische Nirwana

mit dieser Partei, die niemand mehr braucht, weil sie sich systematisch überflüssig macht. Für ein paar Prestigepunkte vor der Wahl nimmt man die nächsten Generationen als Geiseln? Man tauscht die Gesamtschule gegen den Uni-Zugang ab? Wie kann man etwas, gegen das man ehrlich überzeugt ist, abtauschen? Haben diese Figuren eigentlich keinen Funken Charakter mehr? Und das alles, um der politisch toten Frau Schmied die Zustimmung zu Dingen abzuringen, die nach der Wahl ohnehin neu diskutiert werden?

Gast: bärig
26.08.2012 21:23
0 0

Tausch?

Die ÖVP gibt in Sachen Gesamtschule nach und im Gegenzug lässt sich die SPÖ in Sachen Studiengebühren erweichen!

7 1

Einheitsbrei

Wenn die ÖVP so weiter macht, wird sie "untergehen" und wir haben einen Einheitsbrei an Regierenden, die sich durch nichts mehr unterscheiden. Wozu wählen? Die Einheitsregierung (wie in der Steiermark) wird sowieso über alle drüberfahren.

Gast: Keilbath K
26.08.2012 20:23
5 1

Langsam

wird mir die ÖVP immer unheimlicher.
Ihre jüngsten Aktionen kann ich nicht mehr nachvollziehen.

Schlagzeilen Bildung