Durch die Publikation von "Bildung auf einen Blick 2012"zeigt sich: In Österreich ist die Akademikerquote nach wie vor extrem niedrig, sie beträgt nur 19 Prozent (OECD-Schnitt: 31 Prozent). Bei den Jungen ist der Wert kaum höher: Nur 21 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Österreich verfügen über einen Hochschulabschluss - schlechter liegt in der OECD (Schnitt: 38 Prozent) nur die Türkei (17 Prozent). Fernab jeder Diskussion um die Wertigkeit von Abschlüssen im internationalen Vergleich ist die Stagnation bedenklich. Im OECD-Schnitt zeigt sich nämlich, dass die Jungen (38 Prozent) die Älteren (23 Prozent) bei den Abschlussquoten bereits deutlich überflügelt haben und höher qualifiziert sind.
"Wenn sich die Entwicklung der aktuellen Abschlussquoten der 25- bis 34-Jährigen weiter fortsetzt, wird in Irland, Japan und Korea (und anderen Ländern) der Anteil der Erwachsenen mit einem Abschluss im Tertiärbereich größer werden als in anderen OECD-Ländern, während dieser Anteil in Brasilien, Deutschland und Österreich (und anderen Ländern) noch weiter hinter andere OECD-Länder zurückfallen wird."
Den hierzulande häufigen Verweis auf ohnehin steigende Absolventenzahlen in Österreich hält OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher für zu kurz gegriffen: "Jeder wird hier besser, Österreich ist da eher langsamer. Man muss sich heute mit den globalen Trends vergleichen."
Gewinn durch männlichem Absolventen
Dabei ist der private und öffentliche Ertrag von Hochschulbildung in Österreich besonders hoch: Hochschulabsolventen erzielen in Österreich hinter Luxemburg und den USA die dritthöchsten Nettoeinkommen in der gesamten OECD. Und der Staat erzielt pro männlichem Hochschulabsolvent einen deutlichen Gewinn: Der sogenannte "staatliche Nutzen" (etwa durch höhere Steuern und Sozialabgaben) übersteigt die staatlichen Kosten (für die Bereitstellung von Bildung) für einen Akademiker über das gesamte Erwerbsleben in Österreich um kaufkraftbereinigte 132.000 Dollar (103.888 Euro).
Im OECD-Schnitt macht der Staat bei Akademikern "nur" einen Gewinn von 101.000 Dollar. Deutlich geringer ist der Gewinn des Staates bei Maturanten bzw. Lehrabsolventen: Er beträgt in Österreich nur knapp 90.000 Euro, im OECD-Schnitt sogar nur 36.000 Euro.
Studiengebühren kein Hindernis
Studiengebühren sind nach Ansicht des OECD-Experten Andreas Schleicher kein Hindernis für den Bildungsaufstieg von Kindern aus schlechter verdienenden Haushalten. "Wenn man sich fragt, was behindert die Bildungsmobilität, dann gelten Studiengebühren zwar im öffentlichen Bewusstsein als Hinderungsgrund. Dazu gibt es aber in der Datenlage keinen Hinweis. Wir können das so gut wie ausschließen", so Schleicher. "Das große Hindernis ist vielmehr die Schule." Dort stelle der soziale Hintergrund sehr wohl einen Faktor für Aufstiegsschwierigkeiten in weiterführende Schulen dar.
"Österreich hinkt auch heuer bei der Hochschulbildung hinterher", betonte der OECD-Sonderbeauftragte für Bildungspolitik. "Aber das ist nichts Neues. Was aber doch auffällig ist, ist die relativ schwach ausgeprägte Bildungsmobilität. Man wünscht sich ja doch, dass es die Kinder einmal besser haben." In Österreich sei der Anteil der Bildungsaufsteiger im OECD-Vergleich sehr gering - nur sechs Länder würden schlechter liegen. "Österreich ist beim Aus- und Umbau der tertiären Bildung sehr zögerlich. Das spiegelt sich auch in den geringen Aufstiegschancen wider."
(APA/Red.)
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