Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) spricht sich für eine Änderung des Systems der schulischen Sprachförderung aus. Vor Eintritt ins Regelschulwesen müssten Kinder zunächst ausreichend Deutsch können, so Kurz. In Österreich aufgewachsene Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse sollten im Rahmen eines Vorschulsystems ein Deutsch-Förderjahr absolvieren, später zugewanderte "Quereinsteiger" am Schulstandort drei- bis sechsmonatige "Crashkurse" machen, bevor sie den Unterricht in ihrer Stammklasse besuchen. In Fächern wie Turnen oder Zeichnen, wo Sprachkenntnisse nicht so entscheidend sind, sollen sie dagegen von Anfang an mit allen anderen unterrichtet werden.
Viele sprachlich noch nicht fit für Schule
Kurz stützt sich bei seiner Forderung auf einen ersten Austausch mit dem Vorsitzenden des Expertenrats für Integrationsfragen, Heinz Fassmann, sowie dem für Bildungsfragen zuständigen Ratsmitglied Ilan Knapp. Derzeit gebe es enorme Probleme bei der Sprachförderung: Kinder mit Migrationshintergrund würden viermal so häufig die Schule ohne Abschluss verlassen wie "einheimische". Bei der PISA-Studie habe sich wiederum gezeigt, dass die Unterschiede bei der Lesefähigkeit zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund im OECD-Vergleich in Österreich besonders weit auseinander liegen. "Ich will, dass in Österreich nicht die Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet, sondern der Fleiß und das Talent. Derzeit ist beim Schuleintritt die Chancengleichheit einfach nicht gegeben, weil viele sprachlich noch nicht fit für den Unterricht sind."
Bisher Ressourcen nicht richtig eingesetzt
Das derzeitige System der Sprachförderkurse, bei denen außerordentliche Schüler mit Sprachproblemen nur bis zu elf Stunden in der Woche entweder in eigenen Gruppen oder per Stützlehrer integrativ im Unterricht mit allen anderen Kindern gefördert werden, hält Kurz nicht für sinnvoll. "Es hapert daran, dass wir die Ressourcen nicht richtig einsetzen. Wir haben unzählige Kinder im Schulsystem, die Mathe- oder Sachunterricht über sich ergehen lassen müssen, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen."
Stattdessen sollten in Österreich aufgewachsene Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse beim Eintritt in die Volksschule zunächst einmal in eigenen Gruppen unterrichtet werden, so Kurz. Diese sollten so durchlässig wie möglich gestaltet sein - Fächer wie Turnen könnten so in der eigentlichen "Stammklasse" absolviert werden, wer seine Sprachrückstände aufgeholt hat, könne ebenfalls in die "Stammklasse" wechseln. Dies stehe auch im Einklang mit generellen Entwicklungen in der Schule: "Der Trend geht ohnehin in Richtung eines modularen Systems." Wer erst später zuwandert und ins Schulsystem quer einsteigt, soll laut Kurz bei Sprachproblemen mit "Crashkursen" in Kleingruppen fit gemacht werden, bevor er mit allen anderen Kindern den Fachunterricht besucht.
(APA)
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