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Gesamtschule: Unbegründete Angst vor Niveausenkung?

23.09.2012 | 18:12 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Eine deutsche Studie vergleicht Berliner Gesamtschulen mit dem differenzierten Schulsystem in Hamburg. Zumindest im Fach Deutsch zeigt sich, dass sowohl schwache als auch leistungsstarke Schüler profitieren.

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Berlin. Dass die Einführung der Gesamtschule positive Auswirkung auf die Leistung schwächerer Schüler hat, gilt als nahezu unumstritten. Immerhin könnten sie von den begabteren Schülern lernen. Umgekehrt ist die Angst groß, dass die besseren Schüler auf der Strecke bleiben. Kritiker der Gesamtschule warnen deshalb vor einer „Nivellierung nach unten“. Diese Angst ist (großteils) unbegründet – das besagt zumindest eine aktuelle Studie aus Deutschland.

Erstmals wurden die Leistungen der Gesamtschulen unter die Lupe genommen. Die Hamburger Erziehungswissenschaftler Johannes Bastian und Ulrich Vieluf verglichen dabei 13 Berliner Gesamtschulen mit Schulen Hamburg, wo es ein differenziertes Schulsystem gibt. In der siebten sowie in der neunten Schulstufe wurde der Wissensstand der Schüler erhoben. Um sinnvolle Vergleiche anstellen zu können, wurden die Schulen je nach sozialer Zusammensetzung in drei Gruppen unterteilt.

In der ersten Gruppe wurden etwa Schulen miteinander verglichen, die von vielen Jugendlichen mit nicht deutscher Muttersprache und verhältnismäßig weniger gut ausgebildeten Eltern besucht werden. Die dritte Gruppe bildeten Schulen mit einem niedrigen Anteil an Jugendlichen mit nicht deutscher Muttersprache und einem vergleichsweise hohen Anteil an Eltern mit Hochschulreife. Gruppe zwei lag dazwischen.

Das Ergebnis: Zumindest im Unterrichtsfach Deutsch nutzt der gemeinsame Unterricht nicht nur den Schwächern. Auch die leistungsstarken Schüler profitieren. Im Bereich Leseverständnis erzielen die Berliner Gesamtschüler deutlich höhere Leistungszuwächse. Und das in allen drei genannten Gruppen. Ein ähnliches Bild zeigt sich, was die Verbesserung der Rechtschreibung betrifft. Auch hier erzielen die Gesamtschulen laut Studie „beachtliche Fördererfolge“. In allen drei Schulgruppen liegt der mittlere Lernzuwachs der Schüler höher als bei den Hamburger Vergleichsschulen.

Die getesteten Berliner Gesamtschulen dürften die Förderung von Deutschkenntnissen zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht haben. Dass besonders auch die leistungsstarken Schüler profitierten, lässt auf eine starke innere Differenzierung schließen.

 

Englisch: Geringere Lernzuwächse

Weniger deutlich fallen die Ergebnisse in den Bereichen Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften aus. Im Bereich Englisch erzielen die Gesamtschulen etwas geringere Lernzuwächse als die Hamburger Vergleichsschulen. Die Wissenschaftler kommen aber zu dem Schluss, dass das vor allem auf die Unterschiede im Lehrplan zurückzuführen ist.

Was den Mathematikunterricht betrifft, erzielen die Gesamtschulen in der Vergleichsgruppe drei (niedriger Anteil nicht deutscher Muttersprache, gebildetes Elternhaus) einen ebenso hohen Lernzuwachs wie die Hamburger Vergleichsgruppe. Der Fördererfolg in den Gruppen eins und zwei ist an der Gesamtschule etwas geringer als an den Hamburger Schulen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2012)

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25 Kommentare
 
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Gast: GemSe
01.10.2012 18:43
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Gemeinschaftsschule

Bitte um Korrektur: Untersucht wurden in Berlin nicht die Gesamtschulen (die gibt es seit der Schulstrukturreform in Berlin nicht mehr), sondern die Gemeinschaftsschulen, die an einer Pilotphase teilnehmen

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NMS Studien

Aufgabe: Suche mir in einer Kiste mit faulen Äpfeln den besseren heraus; schwindle aber nicht und greife ja nicht in die Kiste mit den guten Äpfeln daneben. Der Vergleich Berlin Hamburg ist zynisch, wertlos und "ver arscht" wieder einmal die Österreicher und alle, die eine gute Schule wollen.

eigene Süppchen

Warum sind alle so geil auf die Gesamtschule?

Immerhin wittert man ein tolles Geschäft mit folgenden Grundvoraussetzungen:

- Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit
- Erhöhung der allgemeinen Arbeitslosigkeit
- Senkung der Löhne und Gehälter
- Erhöhung der Arbeitszeit
- Jederzeitige unentgeltliche Verfügbarkeit der Arbeitnehmer
- Streichung von Überstundenbezahlung
- Streichung von Arbeitsnehmerrechten
- Senkung von Sozialleistungen
- Senkung von Krankenständen
- Erhöhung von Abhängigkeiten
- Verdienen mit Privatschulen
- Kontrolle der Zukunftschancen zugunsten der eigenen Klientel

Diese Ziele lassen sich leicht erreichen durch:
- Vernichtung des Ansehens des Lehrerstandes und ihrer Glaubwürdigkeit
- Schlechte Bezahlung des Lehrerstandes
- Zerstörung funktionierender Schulformen
- Umwandlung qualitätsvoller Lehrerarbeit in reine Anwesenheit
- Senkung des Leistungsgedankens bei Schülern
- Zuschütten der Schulen mit Schwachsinn
- Querschüsse und Hackeln ins Kreuz vonseiten gut bezahlter politisch opportuner "Experten"
- Abbau des Ausbildungsniveaus bei Lehrern (Bachelor für alle)
- Förderung einer Zweiklassengesellschaft innerhalb der Lehrkörper zwecks Aufspaltung der Einheit
- Abwürgen jeder Form von kritischem Denken, indem man jedem, der lästige Fragen stellt, ausrichten lässt, er sei nur darauf aus, sinnvolle und notwendige Reformen wegzubetonieren.

Re: eigene Süppchen

Danke. Vollinhaltliche Zustimmung.

Antworten Gast: Verstehe-oder
24.09.2012 21:18
0 0

Re: eigene Süppchen

Also Sklaven! Schaffung von (modernen) abhängigen willigen unwissenden Kräften.

Das wird nur eine kurze Zeit lang funktionieren. Die Geschichte zeigt dies.

"Erstmals wurden die Leistungen der Gesamtschulen unter die Lupe genommen"


Nach tausenden anderer Studien?

Was sind das für Wissenschaftler, die sich über jede Diskussion hinwegsetzen, einfach irgendetwas behaupten, um in den Medien genannt zu werden (was sie sonst mangels Kompetenz nie schaffen würden)?
Wieso geht eine "Qualitätszeitung" dem so leicht auf den Leim?

Gefälligkeitsstudie


In der Wissenschaft ist durch jahrzehntelange Vergleichsstudien (v. a. Max-Planck-Institut) tausenfach exakt belegt, dass die Gesamtschule ihre Erwartungen nicht erfüllt und ganze Jahre an möglichem Wissens- und Kompetenzerwerb verschenkt.
Sie ist eine Schule der Träume und Versprechungen - also ideal für Politiker geeignet, die nur versprechen und nicht halten.
Warum jetzt wie die Geier alle auf die Gesamtschule stürzen, hat handfeste materielle Gründe, die mit dem Wohl des Kindes bzw. Qualitätsentwicklung überhaupt nichts zu tun haben.

NMS

da werden dann Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf neben Schülern sitzen, die leicht ein Gym schaffen. Wirklich toll und unsere Lehrer werden sooo gut geschult sein, dass sie alle mit links und bestens fördern. Ja - es brechen goldene Zeiten an.
Und in welche NMS werden die Politikerkinder gehen?

Re: NMS

die nms sieht alt aus, wenn mich einer fragt. tut aber keiner.

Gast: Be-obachter
24.09.2012 17:34
8 0

Hat man

den Wissensstand der Gesamtschüler so hingetrimmt wie bei den Medizinstudentinnen in Wien? Wahrscheinlich!

Was war scho schlecht an unserem traditionellen Schulsystem, das Leute wie Erwin Schrödinger, Bertha von Suttner, Josef Maderperger, Siegfried Marcus, Vikroe Kaplan, Adolf Loos, Friedrich Torberg, Sigmund Freud, Otto Wagner, Anton Zeilinger, Auer von Welsbach, Ludwig Boltzmann, Kurt Gödel, Felix Mitterer usw. hervorbrachte?
Warum darf dieses Schulsystem nicht fortgesetzt werden? Weil es verschlechtert werden muss? Will man es fit für die dümmsten und Lernunwilligsten machen?

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Gesamtschule ist so modern wie der Abteilungsunterricht

der 1950er Jahre. Warum stehen die Linken auf dieses Steinzeitmodell?

3 0

Warum nicht auch noch Bremen?

Hamburg und Berlin wetteifern mit Bremen um den Ruhm, die schechtesten Schulen in Deutschland zu besitzen, ein Vergleich z.B. mit Bayern wäre also sinnvoller gewesen.

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mh

mich würd der lernpsychologische Hintergrund interessieren, wieso in den untersuchten Schulen auch die leistungsstarken profitieren.

Seis drum: niemand sagt, dass eine Gesamtschule per se schlecht ist - siehe Finnland. Sie kann aber sehr wohl auch mies sein, siehe UK oder Frankreich. Es kommt immer auf das wie an und ob die Gesellschaft das auch will.

In Österreich sage ich: Finger weg von der Gesamtschule.

Gast: lskfgjd
24.09.2012 06:47
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Superklar

Die schwächeren Schüler haben schon immer von den besseren profitiert: Aufgaben abschreiben, einsagen lassen. Dafür haben die besseren ein relativ ruhiges und gewaltfreies Leben führen können und wurden höchstens 50x am Tag Streber genannt.

Wenn die Gesamtschule so toll ist....

dann machen wir dasselbe doch im Sport! EINE einzige Liga für alle vom Anfänger bis zum Weltmeister!

5 0

einige verstehen die Absicht nicht ..

man nehme eine Studie, die niemand kennt, richtig, außer die Experten, die von jemanden erstellt wurde, den niemand kennt, richtig, außer die Experten und schon hat man alles, was man will. So etwas nennt man Rosenthal-Effekt, oder self fulfilling prophecy. Bei der Einführung der derzeit vielgehassten Leistungsgruppen war ein wichtiges Argument, dass schwache Schüler von besseren lernen und einen Zug zu den oberen Leistungsgruppen hätten. Die Praxis zeigte, dass es nicht wenige waren, die in der I. Gruppe starteten und schon nach kurzer Zeit auch in der III. landeten. Es war einfach alles viel lockerer und die weiterführenden Schulen haben auch solche genommen, weil sie ihre Klassen ausfüllen wollten.
Das Problem im österreichischen Schulsystem ist die fehlende Ehrlichkeit. Leistungsunfähige und - unwillige werden irgendwann hinausgeschoben, weil sie dann dem System keine Probleme mehr machen. Ihr Leistungsvermögen ist aber auf der 1.Klasse VS stehen geblieben!

Witzlos

Am Ende kommt es auf das Ergebnis an, nicht auf relative Zuwächse. Wenn der Ausgangswert fast bei Null liegt, bringt auch eine Verdopplung wenig.

Bayern und BW liegen bei allen mir bekannten Testungen, so fraglich die auch sein mögen, vorne, und die haben keine Gesamtschulen.

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Es gibt wohl kaum einen größeren Schwachsinn!


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Die Gesamtschule ist eine Erfindung ahnungsloser

Scharlatane, denen die noch ahnungslosere Bildungspolitik gerne nachläuft.
Wenn es nach den Grüninnen ginge, würde sogar die Sonderschule aufgelöst.

Antworten Gast: Gast G.
29.09.2012 00:02
0 0

Ahnungslose Scharlatane

Ich verstehe nur dann nicht, warum die gemeinsame Schule der 10-14-Jährigen z.B. in Südtirol funktioniert, und die PISA Egebnisse dort besser waren als in Nordtirol? Wissen Sie eine Antwort darauf.

Gast: 2Cent
23.09.2012 20:28
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Lernzuwachs???

Was ist denn bitte ein Lernzuwachs? Wenn ich als erziehungswissenschaftlicher Laie versuche, das Wort zu verstehen, dann stelle ich mir einen prozentuellen Zuwachs an Wissen vor - und dann scheint mir das ein gefährliches Konzept zu sein.

Ich gebe zu bedenken, dass 100% von 5 genauso viel ist wie 5% von 100.

Ich ersuche die geschätzten Erziehungswissenschaftler unter den Lesern, den Begriff für mich zu klären.

Gast: Hellmesberger
23.09.2012 20:06
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Diese Propagandawalze

geht mir allmählich auf den Bobo

Antworten Gast: Bourgeois Bohemien
23.09.2012 21:56
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Re: Diese Propagandawalze

Bobo oder Popo - das ist hier die Frage!

Antworten Antworten Gast: Hellmesberger
24.09.2012 07:03
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Re: Re: Diese Propagandawalze

Tschuldigen, ich dachte immer, das wäre dasselbe und nur eine Frage der Schreibung. Jetzt, wo Sie fragen, komme ich drauf, dass das eine unentbehrlich, das andere aber sehr entbehrlich ist.

Gast: Titanic100
23.09.2012 19:58
9 0

Selbstbetrug

Tuts euch nur weiter selbst belügen!

Die Gesamtschule ist nur dann gerecht, wenn die Schüler vorher nach Talenten und Sprachkenntnissen sortiert werden und dann GERECHT auf die einzelnen Schulen aufgeteilt werden. Dabei dürfen Fahrzeiten und Kosten keine Rolle spielen.

Außerdem müsste es zu einem Verbot für Privatschulen kommen, damit auch die Politikerkinder in den Genuss der Vorteile der Gesamtschule kommen.
Der Besuch einer Schule im Ausland gehört ebenfalls verboten. Schüler die sich durch den Besuch einer Eliteschule im Ausland unrechtmäßige Vorteile IM SINNE DER SOZIALISTISCHEN CHANCENGLEICHHEIT gegenüber den Gesamtschuljüngern erworben haben, dürften ihr Leben lang keinen Staatsposten in Österreich mehr erhalten.

 
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