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Die Angst der Mitte vor der (öffentlichen) Schule

30.09.2012 | 18:29 |  von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Das einzige, was die Mittelschicht ihren Kindern vererben kann, ist Bildung – deshalb sind die Eltern im Schulstreit auch so nervös. Die politische Botschaft muss sich ändern, sagt der Soziologe Heinz Bude.

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Die Presse: In Österreich wird erbittert über die Gesamtschule diskutiert. Man hat den Eindruck, dass der Kampf um Statusbewahrung immer schärfer wird. Können Sie das bestätigen?

Heinz Bude: Das ist ein Effekt der Nachkriegsentwicklung: Wir hatten nach dem zweiten Weltkrieg eine Phase, in der die Mitte der Gesellschaft immer breiter wurde. Diese Mitte will ihren Sozialstatus jetzt reproduzieren – und zwar über das Bildungssystem.


Was ist die Konsequenz daraus?

Vor allem für jene, die in ihrer Lebensgeschichte an Status gewonnen haben – zum Beispiel als Bildungsaufsteiger – ist es völlig inakzeptabel, dass ihre Kinder einen niedrigeren Bildungsabschluss haben als sie selbst. Das heißt, diese Menschen sind besonders sensibel, ob die Milieus, in die sie ihre Kinder in der Schule schicken, für diese förderlich sind – oder nicht.


Gibt es eine Gruppe von Eltern, auf die das besonders zutrifft?


Deutlich gezeigt hat sich das beim Schulstreit in Hamburg, wo es um die Einführung der sechsjährigen Primarschule ging. Die Grünen haben diese Reform protegiert – aber viele ihrer Wähler haben still und heimlich die Gegeninitiative unterschrieben. Das ist ein Klientel, das relativ privilegiert ist, was Bildung, Einkommen und Sozialstatus betrifft. Aber viele von ihnen haben Jobs mit prekärem Charakter: Medien, kreative Selbstständigkeit etc. Für diese Eltern gibt es ein Grundmotiv: Sie wollen ihren Kindern etwas vererben. Aber sie haben kein großes Haus, keine Firma, keinen großen Einfluss in der Gesellschaft.


Was können sie denn vererben?

Sie können Bildung vererben. Und deshalb werden sie alles tun, damit dieses Erbe nicht gemindert wird.


Daher kommt also die Verunsicherung, wenn es um die Gesamtschule geht.


Ja. Es gibt eine grassierende sozialmoralische Ansteckungsangst. Die Vorstellung, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, in der sie mit Kindern in Kontakt kommen, deren Familien nicht so viel Wert auf Bildung legen, macht diese Eltern nervös.

Das klingt sehr hart. Haben diese Eltern völlig unrecht mit ihren Sorgen?

Nein. Natürlich kann man das verstehen. Und es ist auch absolut legitim, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Sie sind aber nicht locker. Sie sagen nicht: Ach, das wird mein Kind schon nicht tangieren.


Andererseits ist unser Bildungssystem offenbar nicht in der Lage, Chancengleichheit herzustellen. Warum nicht?

Soziale Ungleichheit gibt es natürlich überall. Das Problem: In Österreich wie auch in Deutschland wird diese durch das Bildungssystem eher verstärkt – und nicht gemindert. Dass man über das Bildungssystem gleiche Startchancen für alle herstellen kann, ist soziologisch gesehen natürlich eine Illusion. Man kann Ungleichheit nur mindern – und sie durch das Versprechen, mittels eigener Anstrengung nach oben kommen zu können, erträglich machen.

Brauchen wir eine Gesamtschule, um mehr Gerechtigkeit herzustellen?

Langfristig werden wir überall Gesamtschulstrukturen haben. Allein deshalb, weil das Gymnasium bei einer Maturaquote von nahezu 50 – in einzelnen Wiener Bezirken bis zu 70 Prozent – längst den Exklusivitätscharakter verloren hat. Der grundsätzliche Fehler ist aber, dass eine Strukturdebatte geführt wird. Auch in einem mehrgliedrigen System – mit Hauptschulen und Gymnasien – kann man inklusive Bildungspolitik machen. Wenn man das Verhalten im System ändert.


Wichtiger als das, was draufsteht, ist also das, was in der Schule passiert.


Es gibt Untersuchungen über gute Hauptschulen. Der zentrale Punkt: Dort gibt es eine Atmosphäre der Akzeptanz. Dort hat man von Defizit- zu einer Differenzpädagogik umgeschaltet, bei der Schüler in dem bestärkt werden, was sie können – und nicht nur dafür kritisiert werden, was sie nicht können. Das ist der entscheidende Schwung.


Die Frage, wer mit wem in die Schule geht, bleibt ungelöst – aber Schule soll ja auch Ort der Sozialisierung sein.

Wir haben eine Separierung der sozialen Milieus, die sich über das Bildungssystem stabilisiert. Weil Eltern den Eindruck gewinnen, dass das öffentliche System ihrem Streben nach Statuserhalt nicht mehr entgegenkommt. Denn die politische Botschaft klingt so: Wir tun vor allem etwas für die Bildungsverlierer – für die anderen brauchen wir nichts zu tun, die haben ohnehin bessere Ausgangsvoraussetzungen.


Muss man daher fürchten, dass Eltern aus dem öffentlichen System flüchten?


Das öffentliche Schulsystem muss wahnsinnig aufpassen, dass es für bestimmte Fraktionen unserer Gesellschaft nicht als das System des Rests erscheint. In Deutschland finanzieren viele Großeltern wahnwitzige Bildungsinvestitionen für die Enkel, wir haben ein wachsendes System privater Zusatzbeschulung. Das öffentliche System muss eine ernsthafte Variante bleiben. Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, es sei die schlechtere.


Was tun?

Man muss die Mitte inkludieren, so komisch das klingt. Man muss diesen Eltern eigentlich sagen: Wir tun etwas für eure Kinder – aber wir müssen eben auch noch für ein paar andere was tun.


Was würden Sie den Eltern raten?


Setzen Sie sich doch einmal abends ganz in Ruhe hin und überlegen Sie ernsthaft, was Sie glauben, dass Ihr Kind können muss. Sie werden auf sehr einfache Dinge kommen. Und fragen Sie sich, ob das nicht genauso in einem System zu erreichen ist, wo Ihre Tochter auch mit Ivana zu tun hat, deren Vater vor fünf Jahren aus Bulgarien gekommen ist.

TIPP
Heinz Bude

Bildungspanik Was unsere Gesellschaft spaltet

Hanser Verlag 2011, 144 Seiten, 15,40 €

INFO
Heinz Bude (58) ist ein deutscher Soziologe. Er lehrt als Professor für Makrosoziologie an der Uni Kassel und arbeitet zudem am Hamburger Institut für Sozialforschung. Auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) war Bude vergangene Woche zu Gast in Wien. Zuletzt erschien sein Buch „Bildungspanik“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2012)

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155 Kommentare
Antworten Gast: Der mit der Wölfin tanzt
01.10.2012 11:19
8 0

Re: "Das einzige, was die Mittelschicht ihren Kindern vererben kann, ist Bildung"

Das ist ja nichts Neues. Das war schon immer so.
Bildung jedoch ist das Wichtigste. Sie fängt im Elternhaus von klein auf an z. B. mit Vorlesen. Das Um und auf dabei: Die Neugierde, den Wissendurst wecken, korrektes Ausdrücken usw. durch vorbildhafte Sprache lehren. Leider sind viele Eltern nicht in der Lage ihren Kindern dies alles zu vermitteln.

Gast: das hirn
01.10.2012 10:20
9 0

bildung vererben

das eröffnet neue perspektiven für den schuldenabbau und die umverteilung :
erbschaftssteuer auf bildungsvererbung !!!!! das sichert dem werner den wahlsieg 2013 !!!

Gast: Tromak Warantin
01.10.2012 09:50
2 10

Man bemerke: Die Privatschulen

sind nicht besser, meist sogar noch schlimmer. Aber für Geld bekommt man dort vieles. Bis zur Matura.

Re: Man bemerke: Die Privatschulen

und ein gutes Netzwerk, hilft enorm, kann ich Ihnen sagen! wo und wie auch immer die Matura herkommt. nur ganz so leicht, wie Sie das darstellen ist es keinesfalls!

Antworten Antworten Gast: Kynia
01.10.2012 15:43
0 0

Korrekte Rechtschreibung lernt man in Privatschulen

auch? Offensichtlich nicht ....

Re: Korrekte Rechtschreibung lernt man in Privatschulen

war in einer öffentlichen, (staatlichen) Schule, allerdings noch zu einer Zeit, wo man, zugegebenermaßen, Rechtschreibung dort hätte lernen können.

Antworten Gast: BYD2
01.10.2012 12:37
2 1

Völlig korrekt,

mir fallen da einige "Übliche Verdächtige" ein. Unter den Privatschulen und unter ihren in der Öffentlichkeit bekannten Absolventen.

Antworten Gast: stanislausius
01.10.2012 11:29
1 0

stimmt leider, zumindest war es bei meiner so


Re: stimmt leider, zumindest war es bei meiner so

und schlecht? schadet es Ihnen jetzt?

Antworten Gast: gast1984
01.10.2012 10:40
3 0

Re: Man bemerke: Die Privatschulen

Am Ende zählt eh nur das "Abschluss Zertifikat"!

Gast: blind und taub
01.10.2012 09:48
5 0

Das versteht die Ministerin nie!

Sie ist auch keine Pädagogin.

Gast: Pensador
01.10.2012 09:45
20 0

Intelligenz ist nicht alles, aber auch vererblich

Kontakt mit Kindern aus Familien "die nicht so viel Wert auf Bildung legen".
Man müsste einmal untersuchen, warum Entwicklungen, die es in den USA schon vor 30, 40 Jahren gab, immer mit Verspätung auch zu uns kommen. Die negativen Auswirkungn leider immer früher, die guten oft nie.
Dort gab es schon in den 70-ern das "busing", d. h. man wollte mit Gewalt (Bustransporte) die Kinder aus weissen Mittelstandsfamilien mit jenen aus afroamerikanischen Gegenden "integrieren". Natürlich scheiterte das und da der Mittelstand (aller Ethnien) seither seine Kinder in Privatschulen schickt, bleibt in den öffentlichen Schulen der "integrierte" Rest.
Denn dass Kinder aus dem Mittelstand oft mehr Hirn haben und das nicht nur wegen der besseren "Umwelt", sondern weil auch Intelligenz (und Dummheit) sich in der Regel genauso häufig (nicht immer) vererben wie andere körperliche oder geistige Eigenschaften. Die moderne Biologie beweist das immer mehr.
Was bedeutet das? Begabte fördern, für weniger Begabte die Ausbildung und Tätigkeit finden, bei der auch sie erfolgreich sein können.
Und allen klarmachen, dass nicht jeder für alles geeignet ist. Das erreicht man aber nicht dadurch, dass man z. B. "akademische" Kindergärtnerinnen fordert, denn für diesen Beruf ist menschliches Einfühlungsvermögen, Güte und Herzlichkeit viel wichtiger als "Intelligenz".

oeffentlich neim danke

Ich habe meine kimder ein paar monate in so eine oeffentliche schule gesteckt - aus falsch verstandenen idealismus.
Jetzt gehen sie in privatschulen. Das kostet mich 25k€ im jahr aber es loest viele probleme. Soll herr bude doch machen was er will und ich mache was ich will. Die oeffentlichen schulen sind eh schon laengst zerstoert worden ob mit oder ohne gesamtschule. Der unsinn faengt bei oeffentlichen schulen viel frueher als bei der gesamtschule an. Die pisa resultate werden in oesterreich nicht ohne grund ignoriert und weggeredet.

Antworten Gast: tennisspoert
01.10.2012 11:33
0 1

Re: oeffentlich neim danke

also ich war auf einer sehr guten öffentlichen schule.
und die pisa studie ist mangelhaft (weil nicht repräsentativ, da das ergebnis von tests in drei schulen auf ganz österreich hochgerechnet wird)

Antworten Antworten Gast: Leser324345
01.10.2012 12:41
1 0

3 Schulen?

In der Presse stand aber etwas anderes: "Insgesamt nehmen hierzulande rund 5000 Jugendliche aus 200 Schulen an PISA teil". Siehe http://diepresse.com/home/bildung/schule/746500/Ab-Mittwoch_5000-Schueler-bei-PISATest

Antworten Gast: Hungerberg222
01.10.2012 09:59
1 8

"Öffentliche Schule" heisst Schule mit Öffentlichkeitsrecht

und nicht staatliche Schule. Das umfasst staatliche und Privatschulen. Bei manchen reicht die Bildung nicht mal zum Verständnis eines simplen Artikels der Presse.

Re: "Öffentliche Schule" heisst Schule mit Öffentlichkeitsrecht

ich verstehe das anders: öffentliche Schulen sind vom Staat angeboten und kostenfrei! Private kosten zumeist, manche davon ein Öffentlichkeitsrecht, das heiß, der Abschluß wird anerkannt und man muß nicht extern einen nachmachen oder es anerkennen lassen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Dreomotor
01.10.2012 15:45
1 1

Da verstehen Sie das wohl eher privat

so. Die offizielle Bezeichnung "öffentliche Schulen" erfasst alle Schulen mit Öffentlichkeitsrecht.

Re: Da verstehen Sie das wohl eher privat

www.wien.gv.at/bildung/stadtschulrat/schulsystem/ahs/uebersicht

So wie es aussieht, sieht das auch die Stadt Wien so.
Es gibt öffentliche Schulen und private Schulen mit Öffentlichkeitsrecht.


Antworten Gast: Peter Gama
01.10.2012 09:54
0 0

Das Problem vieler

Kinder, ist dass ihre Eltern ihnen nichts beibringen können. Rechtschreibung beispielsweise. Wer hier in diesem Forum ein Post nicht ohne 20 Fehler zuwege bringt (s.o.), dessen Kinder werden es in der Schule schwer haben. Auch in der Privatschule obwohl man dort durch Geldzahlungen viel wett machen kann.

Re: Das Problem vieler

Gilt das auch für Beistrichfehler? ;-)

Re: Das Problem vieler

Dann ist ja alles Bestens. Sie koennen Ihre Kinder auf eine Gesamtschule schicken. Da werden Ihre Ideale von Intoleranz, ruepelhaften Benehmen und ein wenig Deutschkenntnisse sicher gut vermittelt werden. Die intellektuelle Arroganz, die Ihnen auch noch wichtig zu sein scheint, muessen Sie Ihren Kindern halt persoenlich vermitteln / aber da duerften Sie eh ein Naturtalent sein. Sie koennen das sicher sehr gut. Ich schicke meine Kinder wohin wo Ihnen Toleranz, Fleiss, Selbstvertrauen, Innovationsgeist und Naechstenliebe vermittelt wird. So ist dann jeder gluecklich und freut sich seines Daseins. Als zusaetzlichen Bonus kann ich Ihnen noch versichern, dass Sie und Ihre Kinder sich in der Gesamtschule nicht mit Untermenschen wie mir und meiner Famillie abgeben werden muessen.

Antworten Antworten Gast: Boxenluderchen
01.10.2012 11:22
2 3

Re: Das Problem vieler

Das sind die Nachwirkungen von zuviel Motorsport. Diese vielen Abgase benebeln den Geist ;-)

Re: Re: Das Problem vieler

darf ich raten? Um so originell zu sein haben Sie sicher Matura. Man merkt gleich, dasz Sie aus besserem Haus sind.

Antworten Gast: KAN2
01.10.2012 09:52
1 1

Die PISA-Resultate

sind in österreichischen Privatschulen genauso schlecht wie in den staatlichen (merke: öfentlich heisst mit Öffentlichkeitsrecht, also Privatschulen und Staatsschulen im Regelschulwesen!).

Gast: Nimitz S
01.10.2012 09:28
8 0

Sie können Bildung vererben. Und deshalb werden sie alles tun, damit dieses Erbe nicht gemindert wird.

Da kann sich die Mittelschicht bei den bildungsfernen Zuwanderern, aus eh schon wissen, ein Beispiel nehmen, die diesen oben angeführten Grundsatz perfektioniert haben, was den schulischen Gesamterfolg eklatant beeinträchtigt.

Gast: Peter03
01.10.2012 09:07
13 1

Und fragen Sie sich, ob das nicht genauso in einem System zu erreichen ist, wo Ihre Tochter auch mit Ivana zu tun hat, deren Vater vor fünf Jahren aus Bulgarien gekommen ist.

Von einer einzigen Ivana pro Klasse kann man in den Großstädten nur träumen. Viele Schulen sind durchislamisiert, und dort gibt natürlich kein Einheimischer mehrsein Kind hinein.

Antworten Gast: Denka09
01.10.2012 12:43
1 1

Bulgarien ist kein islamisches Land.

Bildung, quo vadis....

Antworten Gast: wovon lebt eigentlich peter
01.10.2012 11:35
1 4

durchislamisiert - durchkatholisiert


Antworten Gast: Jan Kolnik
01.10.2012 09:55
3 1

Blidung ...

Ivana ist kein islamischer Name. Das ist ein (sehr typischer) tschechischer Name ....

Gast: Eltern
01.10.2012 08:40
8 0

Typischer Presseartikel

Es gibt Eltern denen ist es wichtig ihre Kinder zu Individuen zu erziehen. Für dieses Ziel ist es vor allem notwendig, den Kindern von Beginn an wie geliebte, individuelle, nicht austauschbare, einzigartige Wesen zu begegnen.
Es gibt Eltern, denen ist es wichtig, dass ihre Kinder möglichst nicht auffallen, sich anpassen, mit der Masse schwimmen. Entsprechend bleuen sie ihren Kindern ein, niemals aufzufallen und immer zu tun was andere ihnen anschaffen und möglichst das Fähnchen nach dem Wind zu hängen.

Die Bürger, der Souverän hat dem Staat den Auftrag gegeben aktiv zu werden, wenn Eltern ihre Kinder misshandeln. Aber der Staat hat nicht den Auftrag, die Eltern daran zu hindern ihre Kinder zu individuellen entscheidungsfähigen Kindern zu erziehen.

Wir Eltern sind nicht nervös und wir fürchten uns auch nicht vor irgend etwas. Wir finden die derzeit angestrebe "Bildungsmethode" einfach nur schlecht und schädlich für unsere Kinder. Wir wollen unsere Kinder nicht diesem niedrigen Niveau ausgesetzt sehen.

Es ist auch nicht grad die feine Art die Eltern zu verspotten, weil sie sich Gedanken darüber machen, wo ihre Kinder sich den ganzen Tag über aufhalten und welchen Einflüssen sie ausgesetzt sind.

Antworten Gast: besorgt
02.10.2012 20:46
0 0

Re: Typischer Presseartikel

ausgezeichnet-welchem Elternteil ist es zu verwehren, dass es sich Gedanken über die Einflüsse macht, denen sein Kind ausgesetzt ist-

3 1

Bude ein Quatschkopf

Einer der Sätze prägt wie : " Bildung vererben " sollte sich einmal über die Bedeutung der Worte im klaren sein .

Antworten Gast: TGB
01.10.2012 11:24
2 2

Re: Bude ein Quatschkopf

Würden Sie aus einem intellektuellen Elternhaus kommen, wüssten Sie was damit gemeint ist.

Antworten Gast: ferrari 556
01.10.2012 09:45
1 0

Re: Bude ein Quatschkopf

Werter Enzo: Das, was "Eltern" schreibt, ist vielleicht etwas kurz formuliert, inhaltlich aber ganz in Ordnung. Dass Sie nicht wissen, dass man Bildung (lang formuliert: die Liebe und Neigung zur Bildung, das Wissen, dass man gebildet sein muss, wenn man im Leben erfolgreich sein soll und das Wissen, dass das mit Mühen und Opfern verbunden ist) durchaus vererben kann sagt nur etwas über Sie selbst aus.

Antworten Antworten Gast: Enzo Anselmo
01.10.2012 11:36
0 0

hehe, gut analysiert


13 1

Meine Schuld

Asche auf mein Haupt. Ich wusste nicht, dass es einmal verwerflich sein würde das Verlangen zu hegen, der Nachwuchs solle in der Lage sein den Genitiv zu bilden und wissen, dass ein Lichtjahr nicht die Stromrechnung für 12 Monate ist. Auch dass der Wunsch nach Bildung für die eigenen Kinder nur meiner Erfolglosigkeit entspringt sehe ich ein. Selbstverständlich werde ich, sofort nachdem ich in ca. 20 Jahren meine, von den Linken an die armen der Welt umzuverteilende Rente, gerne abgegeben habe, auch meine Immobilien Hausbesetzern freiwillig zur Verfügung stellen. Nur um Abbitte zu leisten dafür, dass mein Kind, ganz ohne Nachhilfe, an einer katholischen Privatschule maturiert und danach erfolgreich zwei Studien abgeschlossen hat. Mea culpa, mea maxima culpa.

Re: Meine Schuld

Alles was Sie beschreiben, ist gut und sinnvoll. Die eigene Bildung, die Unterstützung der Bildung der Kinder.
Nur: wer hat Ihnen im obigen Interview etwas vorgeworfen?
Ganz im Gegenteil: es ist das einer der ersten Beiträge, den ich lese, aus dem man Anerkennung für den Wunsch der Vererbung der eigenen Bildung lesen kann.
Es ist ebenso einer der ersten Beiträge, in dem erklärt wird, dass es notwendig ist, die "gebildete Mitte" nicht aus den Augen zu verlieren, wenn es darum geht, die Schulen zu reformieren.
Und es ist einer der wenigen Beiträge, der richtig stellt, dass eine reine Umstrukturierung von HS/Gymnsium-Unterstufen auf Gesamtschule alleine gar nichts bringt, da die Problematik nicht in den Strukturen liegt - denn mit beiden Struktur-Arten ließe sich viel erreichen und lässt sich viel zerstören.

Re: Re: Meine Schuld

Sg Herr Schenk,
die Rhetorik lehrt uns: wahr ist, was ankommt. Bei mir kam an, dass ich eventuell ängstlich und nervös sei, ob der bildungsfernen Schichten und das sei auch noch irgendwie unlocker und, dass Ivana mich derart stört, in meinem Bestreben meinem Nachwuchs zumindest Bildung zu hinterlassen, wenn ich es sonst schon zu nichts gebracht hab. Ganz ehrlich, wenn Ivana sprachlich so kompetent ist, dass sie dem Unterricht ohne Probleme folgen kann und auch gewillt ist zu lernen, ist sie mein geringstes Problem. Aber wenn das Bildungsniveau an die Schwächsten einer Klasse angepasst werden soll (wie mir von einem Lehrer erzählt wurde), dann macht mich das unrund. Ich finde es nicht nur legitim, sondern sehe es geradezu als Elternpflicht an, den Kindern die bestmögliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Auch wenn das bei manchen Oma und Opa finanzieren.

Antworten Antworten Antworten Gast: hauppel
01.10.2012 11:40
0 2

wahr ist was ankommt ist kompletter blödsinn


Re: Re: Re: Meine Schuld

Ein interessanter Satz: "die Rhetorik lehrt uns: wahr ist, was ankommt".

Das würde heißen, dass es keine missverstandenen Texte gibt, da nicht des Autors Wahrheit ist, was der Autor schreibt, sondern eben das, was der Leser versteht.
Da es aber viele Leser und nur einen Autor gibt, und bei unterschiedlichen Lesern Verschiedenes ankommen kann, gibt es also pro Text viele und verschiedene Wahrheiten - nur eine nicht, nämlich die des Autors.
Hm.

"Aber wenn das Bildungsniveau an die Schwächsten einer Klasse angepasst werden soll (wie mir von einem Lehrer erzählt wurde), dann macht mich das unrund." - da hingegen bin ich wieder ganz bei Ihnen.
Aber auch der Interviewte scheint es zu sein - da er ja dafür plädiert, die gebildete Mitte nicht zu vernachlässigen, die ein gewisses Niveau hochhalten will.

Und: Ja, Ihre Beispiele habe ich auch bemerkt, aber mir schienen Sie nicht gegen alle gebildeten Eltern gerichtet, sondern gegen jene, die aus Angst generell gegen Neuerungen sind, statt darüber nachzudenken, welche gut sein könnten.
Denn eines scheint eine Tatsache zu sein: das Ö. Schulsystem war wohl bis in die 70/80er eines der besten der Welt - heute ist es das nicht mehr.
Das liegt zum Teil sicher an neuen Problemen - zB Unterschiede in den Muttersprachen- zum Teil aber auch daran, dass Reformen vielen Angst machen.

Re: Re: Re: Re: Meine Schuld

- viele und verschiedene Wahrheiten - nur eine nicht, nämlich die des Autors.
Hm. – doch wenn der Autor gelernt hat sich so zu artikulieren, dass er richtig verstanden wird, das meint der Rhetoriker. So liegt es offenbar weder an Ihnen noch an mir. So entsteht Diskussion und das ist gut so.
Ich habe auch nichts gegen Neuerungen, aber etwas gegen die um sich greifende Gleichmacherei. Wir sind nicht alle gleich, haben nicht alle den gleichen Hintergrund. Ich meine, wir sollten denen, die qualifiziert sind doch bitte das Gymnasium lassen (mit dem entsprechend hohen Anspruch, humanistisch od. naturwissenschaftlich) und jenen, die aus sozialer oder geistiger (das soll nicht abwertend sein) Bedürftigkeit heraus, anderer Förderung bedürfen, diese an z.B. der NMS zukommen lassen. Vielfältigkeit und Wahlmöglichkeit statt Einheitsbrei und Bevormundung.

4 0

Sprache im Elternhaus

Die Ungleichheiten wird es immer geben, egal was die Schule macht.

na und?

Eltern wollen ihren kindern etwas vererben, na und? was soll daran denn moralisch verwerflich sein, dass man alles daransetzt, seinen kindern gute bildung zu ermöglichen? eine gesellschaft, welche in allen anderen subsystemen mehr und mehr entsolidarisiert und individualisiert, sollte nicht von der schule erwarten, gleichheit herzustellen. die von Bude genannten mittelschichteltern haben soviel oder sowenig moralisch recht, ihre kinder nicht als beilehrer für migrantenkinder einsetzen zu lassen, wie sogenannte sozialdemokraten a la androsch ihre Millionen vererben dürfen. schule soll primär wissen, einstellungen und fertigkeiten vermitteln und nicht jedwede gesellschaftlichen umbaufantasien bewerkstelligen. solange in der wohnungs-, Verkehrs- und generell Sozialpolitik die mehrheit der bevölkerung nicht besonders integrationsfreundlich eingestellt ist und sich die Politiker dementsprechend verhalten, soll man vom system schule nicht verlangen, was man selbst in anderen bereichen nicht vorzuleben bereit ist.

Gast: Johan Meltini
01.10.2012 07:28
3 0

Bude, der neoliberale Armutsdiagnostiker

Heinz Bude ist ein seltenes Exemplar eines Soziologen. Seine Publizität begann ja mit Schröders Agenda 2010, deren Anhänger er war. Zug um Zug mit ihrer Implementierung wurde Bude zum angesagten Armutsdiagnostiker: eine neue Unterschicht erkannte der Soziologe am Horizont der Gesellschaft emporkommen und seitdem ist er Experte, für das verschärfte Auf und Ab sowie das breitverteilte Unten in der Gesellschaft.


eine abstruse reaktionäre Idee

Das wirklich abstruse an der Debatte ist, dass diese Argumente ja eigentlich von reaktionären Rechten kommen müssten: "Ja, baut Gesamtschulden, dreht endlich die Gymnasien ab! Damit endlich Schluss ist mit kostenloser Oberstufenbildung für die Hackler-Kinder. Weg mit freien Gymnasien, denn dann können wir uns endlich wieder auf teure Privatschulen konzentrieren. Und wir, der Geld-Adel bleiben endlich unter uns. Nur wer in Eton, Exeter oder bei den Schotten gelernt hat, soll zu uns gehören!" Und das, genau das, wollen wirklich die Linken??????

Antworten Gast: schulreformator
01.10.2012 09:41
0 1

Re: eine abstruse reaktionäre Idee

Wer hat denn den unteren Schichten höhere Bildung zukommen lassen? Sicher nicht die ÖVP, sondern die SPÖ, namentlich Bruno Kreisky. Die ÖVP verhindert auch höhere Investitionen ins Bildungssystem, bei den Schulen, Universitäten usw.
Kleinere Klassen, Separierung nach Leistungsgruppen uvm ist jedenfalls Überlegung wert. Die erste Leistungsgruppe einer NMS sollte ein höheres Niveau als eine durchschnittliche AHS haben- ob das so gehandhabt wird, ist eine andere Frage, aber das Konzept ist prinzipiell brauchbar.

Akademische Dummheit

So schön lebt sich's im Elfenbeinturm! Auch Heinz Bude erliegt einem weit verbreiteten Denkfehler: Nicht die Gymnasien trennen die Gesellschaft, sondern die Gesellschaft ist auf Grund ihrer natürlichen Struktur getrennt und dass die Bildungsschicht ihre Kinder in Gymnasien separieren will, ist nur ein Effekt davon.
Die Bildungsschicht legt eben Wert auf die Bildung ihrer Kinder. Also, nochmal für alle: Ursache der Bildungsunterschiede ist nicht die soziale Undurchlässigkeit unseres Systems, sondern umgekehrt, das ist die Wirkung. Denn - das vergessen alle immer gern - das Gymnasium steht *allen* frei, es ist die sozialste Möglichkeit für Kinder aus unterprivilegierten Schichten kostenlos zu einer höheren Bildung zu kommen. Und das wollen wir kaputt machen?

Re: Akademische Dummheit

Sowieso, denn ein dummes Volk regiert sich leichter. Bildung stört, sie bringt selbstbestimmte Menschen mit dem unanständigen Drang zur eigenen Meinung hervor.

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Re: Re: Akademische Dummheit

dummes Volk regiert sich leichter @@@
Und um diesen Sollzustand zu erreichen ist seit Jahrzehnten die Schulreform ganz nahe am Ziel angelangt.

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