Wien/Red. Während andernorts leidenschaftlich über übergewichtige Kinder, mangelnde Bewegung und zusätzliche Turnstunden diskutiert wird, können sich die Schüler des Goethe-Gymnasiums in der Wiener Astgasse (14. Bezirk) bereits während des Unterrichts auf Fast Food freuen: An einer der Wände des Turnsaals prangt – quasi zwischen Sprossenwand und Basketballkorb – ein riesiges Plakat einer nahen Filiale des Fast-Food-Unternehmens McDonald's.
Genau dieses Plakat erregt den Ärger so mancher Eltern. Werbung in Schulen sei, so die Argumentation der Eltern, per se ein diskussionswürdiges Thema. „Diese Werbung im Besonderen ist wohl mäßig angebracht.“ In einer Zeit, in der immer mehr Kinder mit Übergewicht kämpften, könne es nicht sein, dass man ungesundes Essen im Turnsaal bewerbe, so die Kritik. Zuletzt beschäftigte das Plakat sogar den Stadtschulrat: „Die Frage, ob in einem Turnsaal eine McDonald's-Werbung sein soll/darf, wurde sehr intensiv und in der Tat mit gegenteiligen Meinungen diskutiert“, heißt es in dem Schreiben der zuständigen Wiener Landesschulinspektorin, das der „Presse“ vorliegt. Letztlich habe aber – so die Argumentation – „der finanzielle Aspekt die Entscheidung zugunsten dieser Werbung bewirkt“. Die Entscheidung sei in Absprache mit dem Elternverein erfolgt. „Ein wichtiges Argument für die Zulassung war, dass auch namhafte Vereine und Nationalteams in den Stadien die McDonald's-Werbung alltäglich laufen haben.“
Zu hoffen bleibt, dass die Schüler wenigstens gute Manieren lernen. Auch ein Plakat der renommierten Tanzschule Elmayer prangt an der Turnsaalwand.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)
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