Wien. Eigentlich ist das Thema Klimaschutz laut Lehrplan in den Fächern Geografie, Physik, Biologie und teilweise auch in Chemie angesiedelt. Offensichtlich gibt es aber Hemmschwellen im Umgang mit dem Thema – immerhin gaben bei einer aktuellen Umfrage nur 39 Prozent der Schüler an, dass die Themen Klimaschutz und Klimawandel Platz im Unterricht fänden.
Die renommierte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb ortet die Ursache darin, dass sich „einige Lehrer unsicher und hilflos mit dem Thema fühlen“ – dazu würde die mediale Berichterstattung beitragen. Einerseits würden Lehrer erkennen, dass es ein „hoher Aufwand für sie ist, sich so weit einzuarbeiten, dass sie sich mit ihren Aussagen sicher fühlen“. Andererseits würden sich auch viele Lehrer in pessimistischen Argumentationen über potenzielle Schuldige („Politiker, Medien, Amerika, China und so weiter“) verlieren. „Wenn mit so einer Haltung unterrichtet wird, dann kann man nicht erwarten, dass ein Schüler optimistisch an ein Problem herangeht und sich um eine Lösung bemüht“, führt die Klimaforscherin aus.
„Angst ist kein guter Ratgeber“
Es gebe viele Beispiele engagierter Lehrer und Schulen in diesem Bereich – essenziell sei es nun, das Wissen aller Schüler auszubauen, sagt Kromp-Kolb. Nur wer informiert sei, könne sein Verhalten ändern und verliere die Angst. Und: Angst sei schließlich nie ein guter Ratgeber. Fehlendes Wissen bei einer gleichzeitigen Fülle an Katastrophenmeldungen über das Thema Klima ist auch nach Ansicht von Ulrike Steiner vom Forum Umweltbildung ein zentrales Problem. „Früher hat man bewusst die Katastrophenpädagogik verfolgt – man wollte die Leute damit aufrütteln.“ Das habe aber viel mehr dazu geführt, dass das Gefühl der eigenen Hilflosigkeit verstärkt wurde, sagt Steiner. Hinzu komme, dass gerade das Thema Klimawandel das Gefühl hervorrufe, allein machtlos zu sein. Dabei sei die Schule ein Ort, an dem man der Ohnmacht entgegenwirken könne: „Dort muss man aufzeigen, dass große Bewegungen über Einzelne begonnen haben, das können auch Schüler sein“, so Helga Kromp-Kolb.
Projektorientierter Unterricht
Diesem Verständnis müssten auch die Methoden angepasst werden, erklärt Steiner, die sich mit didaktischen Fragen der Umweltbildung beschäftigt. „Am meisten lernen die Schüler dann, wenn sie Handlungen setzen dürfen.“ Gerade das Thema Klima würde sich für eine interdisziplinäre Behandlung anbieten. „Der wirksamste Ansatz wäre, in Projektform selbst klimarelevante Handlungen zu setzen und sich gleichzeitig in den Einzelfächern das entsprechende Wissen anzueignen“, so Steiner.
Der Education Award von „Presse“ und VERBUND unterstützt Lehrer und Klassen bei der Umsetzung ihrer innovativen Projektideen zum Thema Klima. Bis Ende November können Lehrer an AHS, BHS, Neuen Mittelschulen, Hauptschulen, Berufsschulen und Polytechnischen Schulen ihr Projekt einreichen. VERBUND sponsert ein Preisgeld von 50.000 Euro. Vergeben wird der Award in zwei Kategorien: an Pflichtschulen (5. bis 8. Schulstufe) und an höhere Schulen (9. bis 13.).
Der Ablauf. Im Dezember wählt eine Jury die 20 besten Ideen, bei einem Publikumsvoting werden die sechs Finalisten gekürt. In einer letzten Runde ermittelt die Jury die Platzierungen der Gewinner. Die siegreichen Teams können ihre Projekte bis Ende des Schuljahres umsetzen. Die Ergebnisse werden in der „Presse“ dokumentiert.
Infos unter:DiePresse.com/eduard
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)
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