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Wenn Schüler Zeitung machen

07.10.2012 | 18:16 |  JULIA NEUHAUSER UND IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Layouten, schreiben und Sponsoren suchen: Eine eigene Zeitung zu machen ist eine Herausforderung. Angenommen wird diese von immer weniger Schülern. Und das, obwohl ein solches Projekt durchaus lehrreich ist.

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Wien. Die Zeit drängt. Es sind nur noch drei Tage bis die nächste Ausgabe des „Coeurier“ in Druck geht. Hektisch wird an den Artikeln gefeilt, das Layout angepasst und nach letzten Fehlern gesucht. Immerhin soll die Schülerzeitung des Wiener Privatgymnasiums Sacre Coeur bereits am Tag der offenen Tür in der kommenden Woche verteilt werden. „Gegen Ende wird es immer stressig“, sagt Dorina Heller, die 17-jährige Chefredakteurin des „Coeurier“.

Doch die Hektik lohnt sich – nicht nur, weil man am Ende das fertige Produkt in den Händen hält. Auch der pädagogische Effekt eines solchen Projekts ist nicht zu unterschätzen. Schüler lernen mit dem Zeitdruck umzugehen, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten. Bei der Produktion einer eigenen Zeitung geht es um mehr als um das Verfassen von Texten. Die Schüler müssen sich um das Layout kümmern, Sponsoren finden, den Druck organisieren, den Verkauf übernehmen und die Abrechnung machen. Und: „Auch für das demokratiepolitische Verständnis der Schüler ist das Schreiben wichtig“, sagt Barbara Aschenbrenner, Geschäftsführerin der Organisation „Zeitung in der Schule“.

Mit dieser Einschätzung scheint Aschenbrenner richtig zu liegen, denn die kritische Auseinandersetzung mit den verschiedensten gesellschaftspolitischen Themen scheint bei zahlreichen Schülerzeitungen tatsächlich wichtig zu sein. Die Zeitung „Blickwinkel“ des Gymnasiums Wenzgasse im 13.Wiener Gemeindebezirk etwa übte zuletzt nicht nur Kritik an der eigenen Schule – weil dort Ethik (noch) nicht als Unterrichtsfach angeboten wird – sondern auch an der Bildungspolitik (Stichwort: Zentralmatura). Auch internationale Themen kommen nicht zu kurz. Der „Coeurier“ beschäftigte sich zuletzt etwa mit dem arabischen Frühling.

All den positiven Aspekten zum Trotz: Die Zahl der Schulen, an denen es eine Schülerzeitung gibt, ist überschaubar. Das Unternehmen Young Enterprises, das unter anderem für den Großteil der heimischen Schulwerbung verantwortlich zeichnet, hat im Jahr 2010 versucht, Gymnasien für ihr Schulzeitungsprojekt zu gewinnen (siehe unten). Dabei gaben von 75 Wiener AHS lediglich acht an, bereits eine Schülerzeitung zu produzieren. Und auch die heimischen Schülerzeitungswettbewerbe verzeichnen einen eher geringen Zulauf. Im anglo-amerikanischen Raum sowie in Deutschland seien Schülerzeitungen stärker verbreitet, sagt Aschenbrenner. Aber warum eigentlich? „Einer der Gründe dafür könnte sein, dass es in Österreich weniger Nachmittagsbetreuung gibt.“ Dadurch würden Projekte wie Schülerzeitungen gar nicht erst zustande kommen.

Wie wichtig es ist, einen eigenen Freigegenstand für die Produktion einer Zeitung zu haben, weiß auch Heidemarie Wimmer-Holzer, Lehrerin an der HAK/HAS Baden. Allein auf Initiative der Schüler hätte sich die Schülerzeitung in ihrer Schule wohl kaum etabliert, sagt Wimmer-Holzer im Gespräch mit der „Presse“. Für den Fortbestand der Schülerzeitung sei es enorm wichtig, dass die Freistunden nicht gekürzt werden. Die Schülerzeitung „Blickwinkel“ ist also eher eine Ausnahme. Sie wurde von den Schülervertretern selbst ins Leben gerufen; mittlerweile arbeiten 30 Schüler mit.

 

Facebook und Blogs sind Konkurrenten

Laut Thomas Bauer, Medienpädagoge an der Uni Wien, sind Schülerzeitungen ohnehin etwas veraltet: „Die Jugendlichen sind alle internetfähig und jetzt sagen ihnen die Lehrer: Wir machen eine Zeitung.“ Das könne für die Schüler durchaus rückschrittlich wirken. Dieser Argumentation kann auch AKS-Vorsitzende Tatjana Gabrielli etwas abgewinnen. Auch sie merke, dass „Facebook und Blogs für Schülerzeitungen immer mehr zur Konkurrenz“ werden.

Machen sich Schüler die Mühe, eine Zeitung zu gestalten, danken es die Kollegen zumeist mit einer hohen Kaufbereitschaft. „Ursprünglich war es das Ziel, die Druckkosten abdecken zu können“, sagt „Coeurier“-Chefredakteurin Heller. Am Ende des vergangenen Schuljahres konnte dann eine Runde Eis für das Redaktionsteam ausgegeben werden.

Der Spaß darf sowohl bei der Arbeit als auch in der Zeitung selbst nicht zu kurz kommen. In der Schülerzeitung „Blickfang“ unterhalten selbst gezeichnete Comics die Leserschaft. Die Schülerzeitung der HAK/HAS Baden lockt die Leser mit der Rubrik „Wer mit wem – Dr. Valentino gibt Ratschläge für Schulpärchen“ oder dem so genannten „Teacher's Talk“. Dabei erzählen Pädagogen Geschichten über ihre ehemaligen Lehrer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)

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2 Kommentare
Gast: Georg Kudrna
08.10.2012 19:00
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Wiener Schülerzeitungswettbewerb der Wiener Schülerunion

Die Wiener Schülerunion hat letztes Jahr den Wiener Schülerzeitungswettbewerb erstmals veranstaltet (http://www.meinbezirk.at/wien-01-innere-stadt/leute/ahs-wenzgasse-gewinnt-ersten-wiener-schuelerzeitungswettbewerb-d195726.html). Schade, dass darüber in dem interessanten Bericht nichts zu lesen ist, obwohl sogar die damaligen Gewinner (Wenzgasse) und Zweitplatzierten (Sacre Coeur) erwähnt sind

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