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AHS: Kleinere Klassen, weniger Freifächer

10.10.2012 | 11:00 |   (DiePresse.com)

In Oberösterreich werden Schultheater, zusätzliche Sprachkurse oder Sportangebote in den AHS zurückgefahren. Grund ist die Klassenschülerzahl. Lehrer und Eltern wehren sich.

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Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25 an den AHS-Unterstufen hat in Oberösterreich zu Kürzungen bei den Freifächern geführt. Schultheater, zusätzliche Sprachkurse oder Sportangebote etc. werden zurückgefahren, weil das Geld nicht reicht, kritisieren Eltern- und Lehrervertreter. "Wenn ich mit demselben Geld mehr machen will, kann ich mir halt bestimmte andere Dinge nicht mehr leisten", kommentiert Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer diese Entwicklung. Das Unterrichtsministerium kündigt an, die Mittelverwendung in Oberösterreich zu untersuchen.

Lehrer und Eltern an den oberösterreichischen Schulen wehren sich unterdessen gegen Kürzungen bei den unverbindlichen Übungen: Die Landes-ARGE "Darstellendes Spiel" hat eine Aktion "SOS-Schultheater" gegründet. Eine für 18. Oktober in Wien geplante Aktion, um auf die Kürzungen aufmerksam zu machen, wurde zuletzt jedoch vom Landesschulrat untersagt. Wolfgang Pfeil, der Präsident des Landeselternverbands der mittleren und höheren Schulen, fordert von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) die Einsetzung einer Expertengruppe. Diese soll im Dialog mit den Bundesländern eine Möglichkeit finden, wie die Finanzierung von Klassen mit maximal 25 Schülern und das Angebot von Freifächern sichergestellt werden kann.

Schmied schickt "Task Force" nach OÖ

Ministerin Schmied entsendet angesichts der aus Sicht des Ministeriums nicht nachvollziehbaren Einsetzung von Werteinheiten eine "Task Force" nach Oberösterreich. Experten sollen analysieren, wofür die Ressourcen eingesetzt werden und eine Lösung suchen, wie sowohl die Klassenschülerhöchstzahl von 25 als auch ein Angebot von Freifächern sichergestellt werden kann.

Aus Enzenhofers Sicht ist das Problem in Oberösterreich zum Teil hausgemacht: Das Ministerium könne den Schulen nicht genug Geld geben, um die Klassenschülerhöchstzahl 25 generell einzuhalten und zusätzlich noch Freifächer zu finanzieren. Das Gesetz sehe aber ohnehin vor, dass die Höchstzahl um 20 Prozent - also bis zu 30 Schülern pro Klasse - überschritten werden dürfe. Im vergangenen Schuljahr hätten sich an einigen Schulen Lehrervertreter aber geweigert, Klassen mit mehr als 25 Kindern zuzustimmen - was vom Ministerium akzeptiert worden sei.

Im Unterrichtsministerium findet man diese Argumentation nicht nachvollziehbar. Man habe keinem Antrag für eine absolute Obergrenze von 25 Schülern pro Klasse stattgegeben. Außerdem könne man Enzenhofers Angaben nicht einmal nachvollziehen: Laut Datenmeldung sitzen nämlich heuer in jeder fünften AHS-Unterstufenklasse in Oberösterreich mehr als 25 Schüler. Und auch einen Kahlschlag der Freigegenstände "können wir nicht feststellen", heißt es. Man werde jedenfalls den Landesschulrat genau befragen, was mit den Werteinheiten, die pro Schüler seit 2008 immerhin um 20 Prozent gestiegen seien, passiert sei.

Quin: Höchstzahl, nicht Richtwert

Aus Sicht von AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin müssten indes an allen AHS-Unterstufen maximal 25 Schüler pro Klasse sitzen. Immerhin handle es sich um eine Höchstzahl und nicht wie an den Pflichtschulen um einen Richtwert. Es dürften demnach nur dann mehr als 25 Schüler in einer AHS-Unterstufenklasse sitzen, wenn andernfalls Schüler abgewiesen werden müssen - "aber nicht aus Ressourcenmangel", betont Quin.

Derzeit werde in einem Drittel der AHS-Unterstufen die Klassenschülerhöchstzahl nicht eingehalten, betont Quin. Und damit nicht in noch mehr Klassen mehr als 25 Schüler sitzen, "sind die Schulen gezwungen, Angebote, die nicht sein müssen, sehr stark zurückzufahren". Dass die Schulen bei Ressourcenknappheit den Sparstift bei den Freifächern ansetzen, ist aus Quins Sicht geradezu zwingend - es gebe sonst kaum noch "Sahnehäubchen" im schulischen Angebot, auf die man verzichten könne.

"Die Werteinheiten reichen nicht aus"

An den Pflichtschulen hat das Land Oberösterreich - wie viele andere Bundesländer - den Richtwert von 25 Schülern pro Klasse als Höchstzahl festgelegt. Die Differenz zwischen den Ressourcen, die vom Bund kommen - laut Enzenhofer gibt es Geld für 27,5 Schüler pro Klasse - und den tatsächlich benötigten Dienstposten bezahlt es selbst. Bei den AHS, die Bundesschulen sind, ist das allerdings nicht möglich. "Derselbe Effekt, der zu einer Verteuerung der Kosten im Land geführt hat, führt jetzt zu einer Reduktion der Angebote im AHS-Bereich", erklärt Enzenhofer.

Aus Sicht von Theodor Saverschel, dem Vorsitzenden des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, ist das Problem der Kürzung von Freigegenständen zwar nicht neu, "aber es eskaliert gerade. Die Werteinheiten reichen nicht aus." Auch Lehrervertreter Quin betont, es handle sich um "kein oberösterreichisches Phänomen. Das Angebot an Freigegenständen ist mittlerweile extrem gering."

(APA/Red.)

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12 Kommentare

was auch niemand weiß

seit jahren werden zu schulbeginn die werteinheiten für jedes gymnasium gekürzt. d.h., dass weniger stunden unterrichtet werden und bezahlt werden. logische konsequenz - klassengrößen steigen, orchideenfächer werden gestrichen.

wo geht das eingesparte geld hin? das kann sich jeder selbst beantworten ... jedenfalls nicht in die bildung!

Antworten Gast: Hellmesberger (kein Lehrer)
11.10.2012 06:36
8 0

Re: was auch niemand weiß

Nein, in die Unbildung namens NMS, Gesamtschule und BIFIE

Re: Re: was auch niemand weiß

definitiv kann das nicht sein! zur Erinnerung: Gehrer hat sogar die schülerstunden kürzen müssen, weil sie die Lehrer nicht zahlen wollte. trifft die APS wie alle anderen. würden wir (HS) nicht alles mögliche zusammenlegen, könnten wir auch nichts wie maschineschreiben, Informatik oder Fußball anbieten.

4 0

Die Argumentation des Ministeriums ist etwa folgende:

Ich habe ja eh niemanden umgebracht, ich habe ihm nur einen Fuß abgehackt - und nachdem das nur weniger als 20% seines Körpers sind, war ich auch gaaanz brav und habe überhaupt nichts Unrechtes getan, denn dieses gesetzliche Schlupfloch habe ich mir schließlich zugestanden - l´Etat c´est moi.

Auch in NÖ

Das selbe findet auch in Niederösterreich statt. Aber leider interessiert das niemanden.

Gast: CD
10.10.2012 18:27
5 2

aber hauptsache ...

... wir finanzieren in der NMS 2 Lehrer pro klasse!

Re: aber hauptsache ...

sie müssen und dürfen nicht alles glauben, was in zeitungen steht. das war so, das ist so und das wird auch immer so sein! zum glück können sie vom user bärig erfahren, wie es wirklich ist! das ist der fakt!

in meinem fall in der nms war es so: in manchen hauptfachstunden (2 von 4 max.) ein teamteacher. und weil es stundenplantechnisch nicht anders ging, musste man die weiteren teamteaching stunden auf irgendwelche anderen "nebenfachstunden" aufteilen. so kam es zum beispiel, dass ich als nichtphysiker teamteacher in physik war. aber überhaupt: in der nms unterrichet man, was gerade anfällt. ich hatte 6 fächer, eine kollegin 8! studiert haben wir aber nur 2. das werden sie in keiner zeitung so lesen...

Re: Re: aber hauptsache ...

Werteinheitenvernichtung. Es könnten einem die Tränen kommen, wenn man daran denkt, was man alles an einer Schule anbieten könnte, wenn die Schuldirektionen über diesen Werteinheitenpool frei verfügen könnten, der so teilweise zwangsverschwendet wird ...

Antworten Gast: bärig
10.10.2012 20:36
7 0

Re: aber hauptsache ...

Schön wär`s! Die 2 Lehrer pro Klasse sind Schnee von gestern! Die Realität in der NMS:25 Schüler, davon mindestens 3 Verhaltenskreative, die von dem vielleicht manchmal anwesenden zweiten Lehrer stillgehalten werden müssen.
Aber dieser zweite Lehrer ist nur- wenn überhaupt-in den Hauptgegenständen dabei (wenn er nicht supplieren muss). In allen anderen Gegenständen ist der Lehrer allein- allein mit ALLEN, die in diese Gesamttopfklassen hineingestopft werden. Vor allem Kinder jener Eltern, die sich eine Privatschule nicht leisten können!

Gast: wozu beschränken
10.10.2012 16:54
0 2

das geht auch anders

Sind solche Freigegenstände nicht weitgehend altersunabhängig möglich, kann man nicht die Schüler mehrerer Jahrgänge zusammenfassen?

Re: das geht auch anders

wird je eh gemacht, bitte erkundigen

Gast: Hellmesberger (kein Lehrer)
10.10.2012 16:09
20 0

Bravo, ganze Arbeit!

Erst die Gymnasien budgetär drangsalieren, dann ohne entsprechende Ausstattung Klassenhöchstzahlen verordnen und endlich Sprach- und Theaterkurse abschaffen. Mit anderen Worten: alles tun, um den Zivilisationsgrad hinunterzufahren und die Menschen daran zu hindern, ihre Kinder in der letzten noch nicht im Nirwana angelangten Schulform ausbilden zu lassen. Vor der Schmied’schen Task Force kann man nur in Deckung gehen.

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