"Jedem dritten Mädchen auf der Welt wird Bildung und Ausbildung verweigert - nur weil sie Mädchen sind", sagte Rudi Klausnitzer, Vorstandsmitglied von "Plan International", bei der Präsentation des Mädchen-Berichts 2012 im Wiener Gymnasium Alt Erlaa anlässlich des ersten UN-Mädchentags am heutigen Donnerstag (11. Oktober). 39 Millionen der elf- bis 15-jährigen Mädchen gehen nicht in die Schule. Die Gründe dafür sind Armut, Gewalt und Diskriminierung.
Plan International hat in sieben afrikanischen Ländern untersucht, was Mädchen am Schulbesuch hindert. Die Ursachen sind vielfältig: Zum einen sind es mangelnde finanzielle Mittel für Materialen wie Hefte und Stifte oder für Uniformen. Zum anderen berichten Mädchen in allen untersuchten Ländern von sexuellen Übergriffen. In Togo gaben 14 Prozent der Kinder an, dass ihr Lehrer für die Schwangerschaft einer Mitschülerin verantwortlich sei. Ähnliche Berichte gab es auch in Mali und Senegal. In Ghana beklagten drei von vier Kindern, dass Lehrer Gewalt ausüben.
Angst vor Schwangerschaft nach Einschulung
Frühe Schwangerschaften führen dazu, dass Mädchen die Schule abbrechen müssen. In Liberia kannten nahezu zwei Drittel der Befragten mindestens ein Mädchen, das während der vergangenen zwei Schuljahre schwanger geworden ist. In Ghana gaben 83 Prozent der Eltern an, Angst davor zu haben, dass ihre Töchter nach der Einschulung schwanger werden könnten.
Die Untersuchungen ergaben außerdem, dass die Mächen teilweise bis zu acht Stunden im Haushalt mithelfen müssen. Auch Hunger und extreme Armut verwehren Mädchen den Schulbesuch. Eltern in armen Verhältnissen entscheiden sich - wenn sie die Wahl haben - eher die Söhne zur Schule zu schicken als die Töchter.
"Bildung hat Schutzwirkung"
Gleichzeitig zeigt "Plan International" im Mädchen-Bericht die Schutzwirkung von Bildung auf: Sie gibt ihnen Selbstvertrauen und bewahrt sie vor Gewalt. In elf von 14 untersuchten Ländern wurden Frauen, die höher gebildet waren, weniger oft Opfer von Gewalttaten. "Dies zeigt, dass Bildung dazu führt, Gewohnheiten zu ändern und Kreisläufe von Gewalt zu durchbrechen", heißt es in dem Bericht. Gebildete Frauen seien eher bereit, Gewalttaten anzuzeigen, sich im Kampf gegen Gewalt zu organisieren und für mehr Rechte einzutreten. In Nigeria denken 71 Prozent der Frauen ohne Bildung, dass Gewalt gegen sie gerechtfertigt ist, wenn sie das Haus verlassen, ohne den Ehemann zu informieren.
Der "Because I am a Girl"-Bericht 2012 fordert neun Jahre Bildung für Mädchen. Nur so können Frauen die generationsübergreifenden Auswirkungen von Armut durchbrechen. "Ich bin stolz darauf, diesen Bericht in einer Wiener Schule präsentieren zu dürfen", betonte Klausnitzer. "Unsere Arbeit macht Sinn. Wir haben in Indien erreicht, dass die Regierung ein Maßnahmenpaket geschnürt hat gegen frühe Ehen von Mädchen", so Klausnitzer. "Mädchen wurden dort nicht in die Schule sondern in die Ehe geschickt. Trotz des Erfolges ist es aber noch ein weiter Weg."
(APA)
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