Wien/J.n. Als Tatsache wird das, was die Lehrer im Unterricht erzählen, von den Schülern schon lange nicht mehr hingenommen. Ein Griff zum Smartphone reicht aus, um auf seine Richtigkeit zu prüfen, was der Lehrer vorträgt. Die Schüler nützen die neuen Medien also – auch im Unterricht. Doch haben sich auch die Pädagogen dem digitalen Zeitalter bereits angepasst?
Nur teilweise, lautet die Antwort von Jutta Pauschenwein, die das Kompetenzzentrum „ZML – Innovative Lernszenarien“ der Fachhochschule Joanneum in Graz leitet. Das Problem: Vielen Lehrern fehle der Mut, den es brauche, um digitale Medien auch im Unterricht einzusetzen. Denn möglich wäre vieles, derzeit wird das meiste aber nur zögerlich eingesetzt. Während etwa Lernplattformen wie „Moodle“ schon von vielen Pädagogen genutzt werden, setzen nur die wenigsten auf Social Media. Twitter und Blogs haben im Unterricht zumeist Seltenheitswert, ebenso wie Computerspiele. Dabei würden vor allem interaktive Online-Lernprogramme und -Spiele großen Lernfortschritt und Motivation ermöglichen.
Ausbildung gehört reformiert
Die Hoffnung lag lange auf den jungen Lehrern. Sie gehören selbst zu den „Digital Natives“, also jenen, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind. Erwartet wurde, dass sie den Unterricht anders aufbauen und digitale Medien zum fixen Bestandteil machen. „Das hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Pauschenwein. Auch die Lehramtsabsolventen seien „sehr konservativ“, was den Einsatz digitaler Medien betrifft. Sie unterrichten so, wie sie selbst unterrichtet wurden – und nicht so, wie sie es in der Ausbildung gelernt haben, sagt auch Elisabeth Winklehner, die sich an der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich mit dem Aufbau digitaler Kompetenz beschäftigt.
Oder gelernt haben sollten, denn: Auch die Lehrerausbildung selbst ist noch weit vom Ideal entfernt, was den kompetenten Einsatz von Computer und Internet im Schulunterricht betrifft. An der PH Oberösterreich widmen sich nur zwei Lehrveranstaltungen in je zwei Wochenstunden explizit diesem Thema. Hier brauche es Reformen, fordert Winklehner.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)
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