Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung führen zu motorischen Defiziten und Übergewicht. Zunehmend mehr übergewichtige Schüler - und auch die schlechten Ergebnisse heimischer Sportler bei den Olympischen Spielen - haben der Diskussion um die tägliche Turnstunde neue Impulse gegeben. Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sieht diese Vision nur in der ganztägigen Schulform umsetzbar. Wie es gehen könnte, wurde am Montag in der Bewegungs-Klasse der verschränkten Form in der Volksschule Waltendorf in Graz vorgeführt.
Schulende um 14.15
Mindestens sechs Stunden Bewegung: So sieht der wöchentlichen Schulalltag in der ersten Klasse der VS Waltendorf aus. Dort wurde das Sportangebot als verbindliches Angebot in die ganztägige Schulform integriert. "Wir führen erstmals eine Klasse in verschränkter Form, bei der sich bis 14.15 Uhr Unterricht, Aufgaben und Freizeiteinheiten pädagogisch abgestimmt abwechseln. Die Freizeiteinheiten werden überwiegend für den Bewegungsschwerpunkt genützt - und die Kinder sind mit Begeisterung dabei", schilderte Direktorin Evelyn Lindner.
Zuvor gab es an der Schule lediglich ein unverbindliches Sportangebot am Nachmittag. Mit dem Schulzubau samt neuem Turnsaal und Sportplatz wurde in den vergangenen Jahren nun auch die Voraussetzung für ein Modellprojekt, welches das Bewegungsangebot stärker in den direkten Schulalltag integriert, möglich.
Bewegung für die Entwicklung unverzichtbar
"Bewegung und Spiel sind Teile der kindlichen Welt, die zu den elementaren Bedürfnissen von Kindern gehören und sind für eine körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung der Kinder unverzichtbar sind", so Gerhard Judmayer, Sportlehrer und Projektkoordinator an der VS Waltendorf. Der Sportpädagoge wurde als Experte dem Klassenlehrer zur Seite gestellt. Bei der Umsetzung des Konzeptes im Rahmen der verschränkten Schulform gehe es "nicht um Leistungssport", so Judmayer. Vielmehr sollen "mit vielfältigen Bewegungsangeboten" der Spaß an der Bewegung aufrechterhalten, motorische und sensorische Bereiche nachhaltig entwickelt, Defizite ausgeglichen und Interessen und Begabungen gefördert werden.
Keine Selektion nach Sportlichkeit
"Ziel ist es, in vielen Bereichen die Basis für spätere sportliche Betätigung zu legen", so der Sportpädagoge. "Die Klasse war bei der Anmeldung offen für alle Kinder. Es wurde keine motorische Selektion betrieben und wie wir sehen, sind die Kinder tatsächlich motorisch sehr unterschiedlich gut entwickelt. Interessant für uns ist jetzt die Frage, wie sich ein jedes von ihnen weiterentwickelt", schilderte der Projektleiter. Das soll in den kommenden vier Jahren eine parallel laufende wissenschaftliche Studie festhalten.
Unterstützung von Sportunion
Finanziell und auch hinsichtlich der infrastrukturelle Ressourcen für ein möglichst breites Bewegungsangebot, wird das Schulprojekt von der Sportunion Steiermark, deren Sportzentrum räumlich gesehen, "gleich ums Eck" liegt, unterstützt: "Es ist nur zu begrüßen, wenn Schulen selbst nach Möglichkeiten suchen, die Erhöhung der Bewegungszeiten von Kindern zu realisieren", so der steirischen Sportunion-Präsident Stefan Herker. Ein Projekt wie dieses spreche ihm "aus der Seele", so der Grazer Sportstadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg (ÖVP). In Waltendorf erkenne er "ein Modell, dass künftig "Schule" machen werde.
(APA)
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