Sprachförderung: Experten kritisieren Wiener Weg

Das "Netzwerk SprachenRechte" übt Kritik an einer Vorschule zum Deutscherwerb, da es "einer strukturellen Diskriminierung gleichkomme.

Sprachfoerderung Experten kritisieren Wiener
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Sprachfoerderung Experten kritisieren Wiener
(c) Clemens Fabry

In Wien müssen seit 2008 Schüler, die zu Beginn ihrer Schullaufbahn nicht ausreichend Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen, die Vorschule besuchen. Geht es nach Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), soll das Modell künftig in ganz Österreich angewendet werden. Das "Netzwerk SprachenRechte", ein Zusammenschluss von Experten aus Wissenschaft und Praxis aus dem Bereich Integration und Spracherwerb, hat indes das Wiener Modell verurteilt, da es "einer strukturellen Diskriminierung gleichkommt und dem Schulunterrichtsgesetz widerspricht".

Wenn Kinder wegen mangelnder Deutschkenntnisse in die Vorschule eingestuft würden, obwohl deren motorische, kognitive und soziale Kompetenzen für die Schulreife ausreichen würden, "werden dabei die sprachlichen Kompetenzen zwei- und mehrsprachiger Kinder völlig missachtet". Laut Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) ist Sprache allerdings ohnehin nicht das alleinige Kriterium für Schulreife.

Keine qualifizierte Sprachförderung

Das Netzwerk "SprachenRechte" kritisiert außerdem, dass die Sprachstandsfeststellungen nicht den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entsprächen und es auch keine Kindergartenpädagoginnen oder Volksschullehrer mit entsprechender Qualifizierung für Sprachförderung gebe. Die Folge: Kinder mit Sprachproblemen kämen in gesonderte Klassen, "in denen dann aber die sprachliche Förderung durch mangelnde Kompetenzen der PädagogInnen erst recht nicht gewährleistet ist".

Das Netzwerk - dem unter anderem die Sprachwissenschafter Rudolf de Cillia, Hans-Jürgen Krumm und Inci Dirim angehören - fordert deshalb, Kinder mit Sprachproblemen regulär in Volksschulklassen einzuschulen und "die nötigen Ressourcen für eine notwendige und sinnvolle Deutsch- und Familiensprachförderung im Regelklassenverband zur Verfügung zu stellen".

Unterstützung bekommt Brandsteidl indes vom Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien: Vorschulklassen für Schüler mit Sprachproblemen seien eine "sinnvolle Ergänzung zum Gratiskindergartenjahr vor Schuleintritt". Allerdings fordert die Vorsitzende Mechtild Lang, dass die Anmeldung für die 1. Klasse Volksschule schon im September des Vorjahres und nicht erst wie derzeit rund ein halbes Jahr vor Schuleintritt erfolgt.

(APA)

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