Sprachförderung: Experten kritisieren Wiener Weg

10.01.2013 | 09:45 |   (DiePresse.com)

Das "Netzwerk SprachenRechte" übt Kritik an einer Vorschule zum Deutscherwerb, da es "einer strukturellen Diskriminierung gleichkomme.

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In Wien müssen seit 2008 Schüler, die zu Beginn ihrer Schullaufbahn nicht ausreichend Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen, die Vorschule besuchen. Geht es nach Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), soll das Modell künftig in ganz Österreich angewendet werden. Das "Netzwerk SprachenRechte", ein Zusammenschluss von Experten aus Wissenschaft und Praxis aus dem Bereich Integration und Spracherwerb, hat indes das Wiener Modell verurteilt, da es "einer strukturellen Diskriminierung gleichkommt und dem Schulunterrichtsgesetz widerspricht".

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Wenn Kinder wegen mangelnder Deutschkenntnisse in die Vorschule eingestuft würden, obwohl deren motorische, kognitive und soziale Kompetenzen für die Schulreife ausreichen würden, "werden dabei die sprachlichen Kompetenzen zwei- und mehrsprachiger Kinder völlig missachtet". Laut Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) ist Sprache allerdings ohnehin nicht das alleinige Kriterium für Schulreife.

Keine qualifizierte Sprachförderung

Das Netzwerk "SprachenRechte" kritisiert außerdem, dass die Sprachstandsfeststellungen nicht den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entsprächen und es auch keine Kindergartenpädagoginnen oder Volksschullehrer mit entsprechender Qualifizierung für Sprachförderung gebe. Die Folge: Kinder mit Sprachproblemen kämen in gesonderte Klassen, "in denen dann aber die sprachliche Förderung durch mangelnde Kompetenzen der PädagogInnen erst recht nicht gewährleistet ist".

Das Netzwerk - dem unter anderem die Sprachwissenschafter Rudolf de Cillia, Hans-Jürgen Krumm und Inci Dirim angehören - fordert deshalb, Kinder mit Sprachproblemen regulär in Volksschulklassen einzuschulen und "die nötigen Ressourcen für eine notwendige und sinnvolle Deutsch- und Familiensprachförderung im Regelklassenverband zur Verfügung zu stellen".

Unterstützung bekommt Brandsteidl indes vom Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien: Vorschulklassen für Schüler mit Sprachproblemen seien eine "sinnvolle Ergänzung zum Gratiskindergartenjahr vor Schuleintritt". Allerdings fordert die Vorsitzende Mechtild Lang, dass die Anmeldung für die 1. Klasse Volksschule schon im September des Vorjahres und nicht erst wie derzeit rund ein halbes Jahr vor Schuleintritt erfolgt.

(APA)

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14 Kommentare
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Experten....

"die nötigen Ressourcen für eine notwendige und sinnvolle Deutsch- und Familiensprachförderung im Regelklassenverband zur Verfügung zu stellen"

also in einer durchschnittlichen Volksschulklasse je eine Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache, Türkisch, Serbokroatisch, ....
und das mndestens 3 Stunden pro Woche. 1-2 Stunden sind zu wenig, wie man an anderer Stelle liest.

experten

von der uni wien, sogar im bereich sprache, sprachforschung und deutsch als fremd- bzw. zweitsprache raten ALLE von dem vorgeschlagenen weg von kurz und schmied ab! aber das volk weiß es doch stets besser als fundiert ausgebildete wissenschaftler, die in diesem bereich forschen. ein hoch auf das volk!

Re: experten

Hier ihre achso tollen, sicher total objektiven "Experten"

Dunja Bogdanović (Juristin am Beratungszentrum für MigrantInnen)

Elfie Fleck (BMUKK, Referat für interkulturelles Lernen)

Angelika Hrubesch (Leiterin des AlfaZentrum für MigrantInnen im lernraum.wien)

Verena Krausneker (Soziolinguistin, Mitbegründerin von ZARA, Lehrbeauftragte für Gebärdensprachen, freie Wissenschafterin)

Gertraud Kücher (ZARA – Zivilcourage und Antirassismusarbeit)

Martin Wurzenrainer (Integrationshaus, Sprachkurskoordination)

Katharina Brizić (freie Migrationsforscherin, Lektorin an Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien)


Re: Re: experten

und was bezwecken sie mit dieser expertenauflistung? schon einmal ein buch oder text von jemandem dieser personen gelesen?

0 2

Re: Re: experten

Danke für diese Auflistung, welche allerdings nicht überrascht!

Die Auflösung, Zerstörung unserer Gesellschaft soll auch weiterhin u.a. auf dem Rücken von Kindern ausgetragen werden!

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Die spinnen alle.

Was ist daran schlecht, wenn ein Kind in der Lage ist, dem Unterricht auf Deutsch zu folgen? Wollen die weiterhin lauter Pflichtschulabsolventen, die weder Lesen, Schreiben noch Rechnen können?

diskriminierung

ja ich komme mir als einheimischer auch schon diskriminiert vor. ich bekomme keinen migrantenbonus und muss arbeiten gehen und steuern zahlen. die sollen gefälligst die sprache lernen. ohne wenn und aber.

Experten

Wirklich fragwürdig, was das für Experten sind? Sprachforscher aus der realitätsfremden Gutmenschenrunde, die noch nicht verstanden haben, dass gut gemeint auch voll daneben sein kann.
Der Zwang Deutsch zu lernen ist, sollte das Kind hier bleiben wollen, mehr eine Hilfestellung. Und was daran genau diskriminiert zweisprachige Kinder?

... sollen die Ressourcen bereitgestellt werden...

also ich ziehe jetzt ein paar Monate nach Ungarn - dort werden mit Ressourcen bereitsgestellt um ungarisch zu lernen, dann ziehe ich ein paar Monate nach Slowenien, dort werden mit Ressourcen bereitgestellt um slowenisch zu lernen, dann ziehe ich nach Polen - dort werden mit natürlich auch sofort wieder Ressourcen bereitgestellt um polnisch zu lernen - oder wird so etwas nur in Österreich erwartet?

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Experten aus dem Bereich Integration und Spracherwerb

Die haben jetzt wohl Angst um die Umsätze ihrer Vereine.

Hier geht es nicht um die Kinder sondern um das Geld.

wie recht Sie doch haben:

bei so viel förderung und subvention allein durch die stadt wien nach 40 jahren zuwanderung immer noch keine bildungserfolge:

http://www.wien.gv.at/mdb/gr/2011/gr-004-s-2011-01-26-007.htm

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Man merke:

Ein spezielles Bildungsangebot zum raschen und gezielten Beheben von Defiziten ist diskriminierend????

sehr diskriminierend ...

da sitze ich am eingang zum spital, bin mitarbeiter des spitals, und darf nicht operieren. dabei habe ich erst vor kurzem einen erstehilfekurs gemacht ..ich meine, nur weil ich wenig ahnung von medizin habe, ist das kein grund mich zu diskiminieren, und ausserdem kann ich schön singen :-)

12 0

Diskriminierung

Wenn ein großer Teil der Schüler nicht ausreichend deutsch kann, werden eigentlich die anderen Kinder diskriminiert, die dann nicht den Stoff gelehrt bekommen, den sie eigentlich lernen sollten. Ist das besser?

Schlagzeilen Bildung

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