Polen: Eltern gegen Schulpflicht für Sechsjährige

10.01.2013 | 10:41 |   (DiePresse.com)

Das neue Bildungsgesetz setzte das Alter bei der Einschulung von sieben auf sechs Jahre hinunter. Eltern sammeln nun Unterschriften zur Abhaltung einer Volksbefragung.

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Eine polnische Elternorganisation fordert ein Referendum über die umstrittene Einführung der Schulpflicht für sechsjährige Kinder in Polen. Dazu hat der Elternverband mit dem Sammeln von Unterschriften zur Abhaltung einer Volksbefragung begonnen. Trotz einer massiven Werbekampagne der Regierung sind die meisten Eltern weiterhin gegen die Bildungsreform, welche die Herabsetzung des Beginn der Schulpflicht von sieben auf sechs Jahre vorsieht.

Übergangsperiode: Eltern entscheiden

Laut dem neuen Bildungsgesetz sollten 2012 alle sechsjährigen Kinder eingeschult werden. Nach heftigen Protesten der Eltern hat das Bildungsministerium 2011 jedoch eingestanden, dass viele Schulen dafür noch nicht vorbereitet seien und die Übergangsperiode, in der die Eltern selber entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder früher in die Schule schicken oder nicht, bis zum Jahr 2014 verlängert. Im vergangenen Schuljahr entschlossen sich nur 17,5 Prozent der Eltern, ihre sechsjährigen Kinder einzuschulen.

Tomasz Elbanowski aus der Elternorganisation behauptete in einem Gespräch mit der "Rzeczspopolita", dass die intensive Regierungspropaganda einen gegenteiligen Effekt bewirke. "Eltern glauben nicht, dass Schulen auf die Aufnahme der jüngeren Kindern vorbereitet sind. Einige Jahre lang hatte ihnen das die Bildungsministerin Katarzyna Hall eingeredet, und dann hat sie sich entschlossen, die Reform doch zu verschieben", so Elbanowski.

Frühere Einschulung für Chancengleichheit

Das polnische Parlament beschloss die Schulpflicht für Sechsjährige bereits Anfang 2009. Das Bildungsministerium forcierte die Reform, weil es das herabgesenkte Alter der Einschulung für die "billigste, einfachste und effektivste Art" hielt, Chancengleichheit herbeizuführen. Die sogenannten Nullklassen für Sechsjährige, die in Kindergärten und Schulen bisher in Polen angeboten werden, hätten nämlich kein einheitliches Niveau und würden von Kindern auf dem Land kaum besucht. Ursprünglich hätte die Schulpflicht schon ab 2010 im sechsten Lebensjahr beginnen sollen.500.000 Unterschriften sind erforderlich, damit der Antrag für ein Referendum dem Parlament vorgelegt wird. Die Abgeordneten sind jedoch nicht dazu verpflichtet, die Volksbefragung anzuordnen.

(APA)

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3 Kommentare

Was qualifiziert Eltern eigentlich,


Re: Was qualifiziert Eltern eigentlich,

Nun... beispielsweise dass die Eltern wesentlich mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, als Katarzyna Hall und diese deshalb besser einschätzen und ihre Bedürfnisse besser verstehen und kennen können. Dann könnte man noch überlegen, welchen Vorteil die biologische Komponente bringt (also die Verwandtschaft mit dem Kind, die Hormone bei Müttern usw.).

Das, finde ich, qualifiziert Eltern mehr, als irgendeine Bildungsministerin auf dieser Welt.

Re: Was qualifiziert Eltern eigentlich,

Was qualifiziert den Staat (wenn ich z.B. an unsere Bildungspolitiker denke)?

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