Bildungsbericht spricht für verschränkte Ganztagsschule

Laut Nationalem Bildungsbericht werden zumindest 30.000 zusätzliche Ganztagsplätze benötigt. Die beste Versorgung gibt es an den Gymnasien. Wenige Angebote gibt es in Niederösterreich.

Bildungsbericht spricht fuer verschraenkte
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Bildungsbericht spricht fuer verschraenkte
(c) Clemens Fabry

"Insgesamt sprechen die Forschungsbefunde deutlich für den Ausbau der verschränkten Form der Ganztagsschule..." Zu diesem Schluss kommt eine Analyse im Nationalen Bildungsbericht 2012. Derzeit dominiert bei den ganztägigen Schulformen die Nachmittagsbetreuung. Gleichzeitig wird in einer Bedarfsschätzung für 2015 unter Heranziehung eine Lücke berechnet: 30.000 bis 50.000 Ganztags-Plätze fehlen auch dann noch, wenn die Ausbaupläne berücksichtigt werden.

Derzeit gibt es an etwa 1500 Schulen in Österreich Ganztagsplätze - entweder in verschränkter Form mit einem ganztägigen Wechsel von Unterrichts-, Lern- und Freizeit oder als reine Nachmittagsbetreuung. Bei einer Online-Befragung der Schulleiter zeigte sich, dass 86 Prozent dieser Schulen nur die offene Form mit Nachmittagsbetreuung anbieten. Lediglich sieben Prozent haben ein voll verschränktes Ganztagsangebot, das von allen Schülern eines Jahrgangs verpflichtend besucht wird. Rund acht Prozent der Schulen sind Mischformen. Besonders wenige verschränkte Angebote gibt es in Niederösterreich und der Steiermark, die meisten in Wien und Vorarlberg.

Hindernisse für Ausbau

Als Haupt-Hindernisse für eine Einführung der verschränkten Form nennen die Direktoren mangelnde Zustimmung der Eltern, mangelnde Ressourcen, ungeeignete bauliche Strukturen und geringe Unterstützung durch den Schulerhalter. Die zuletzt heftig diskutierte Blockademöglichkeit der Lehrer spielte dagegen kaum eine Rolle. Trotzdem plädieren die Studienautoren für ein Überdenken der Erfordernis einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Lehrer für die Einrichtung verschränkter Ganztags-Formen.

Derzeit werden rund 15 Prozent der Volksschüler ganztägig schulisch betreut (verschränkte Form: 3,6 Prozent; offene Form: 11,7 Prozent) und zwölf Prozent der Schüler an AHS-Unterstufen, Hauptschulen und Neuen Mittelschulen (verschränkt: 2,6 Prozent; offen: 9,7 Prozent). Die Betreuungsquote ist aber laut Studie deutlich im Steigen.

Die meisten ganztägigen Schulangebote sind erst in den vergangenen Jahren geschaffen worden - trotzdem gibt es nach wie vor eine "Betreuungslücke" zwischen Bedarf und Angebot. Diese wird durch den derzeitigen Ausbau zwar langsam geschlossen, liegt je nach Berechnungsmodell aber 2015 bei Beibehaltung der derzeitigen Pläne noch immer bei 30.000 bis 50.000 Plätzen für Kinder unter 14 Jahren.

Hoher Bedarf während der Ferienzeit

Von einem "wesentlich höheren Bedarf" an Betreuungsangeboten geht die Studie für die Ferienzeit aus. Selbst unter der "sehr optimistischen Annahme, dass die während der Schulzeit genutzten institutionellen Betreuungsangebote auch in den Ferien verfügbar sind bzw. für sie Ersatz gefunden wird, ergibt sich für die 6- bis 12-Jährigen eine Zahl von ca. 320.000, die in den Ferien zeitweise unbetreut sind".

Nach Schultypen betrachtet liegt die beste Versorgung mit ganztägigen Plätzen im AHS-Bereich vor: 84 Prozent der AHS verfügen über ein Ganztagsangebot, am schlechtesten ist die Situation im Bereich der Polytechnischen Schulen (vier Prozent), Hauptschulen (13 Prozent) und Volksschulen (25 Prozent). Mögliche Ursache dafür ist laut Bericht, dass im AHS-Bereich "der Bund Schulerhalter und damit für die Übernahme der Kosten verantwortlich ist, während bei allgemeinen Pflichtschulen die Gemeinden die Kosten für die Schulerhaltung tragen".

(APA)

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