Sprachförderung: Qualifizierte Lehrer fehlen

Experten warnen: Für eine Ausweitung der Deutschförderung fehlen die Voraussetzungen. Es gibt nicht ausreichend qualifiziertes Personal.

Sprachfoerderung Qualifizierte Lehrer fehlen
Schließen
Sprachfoerderung Qualifizierte Lehrer fehlen
(c) Clemens Fabry

Für eine Ausweitung der Deutschförderung in Österreich gibt es nicht ausreichend qualifiziertes Personal, warnen Experten aus dem Bereich Sprachförderung in einem Schreiben an Unterrichts- und Wissenschaftsministerium, Integrationsstaatssekretariat und Hochschulen. Schon jetzt gebe es nur eine "verschwindend kleine Anzahl" fachlich qualifizierter Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache (DaZ), bei einer Ausweitung müsse auf noch geringer qualifiziertes Personal zurückgegriffen werden; und auch in der Forschung gebe es derzeit nur wenig Ressourcen für dieses Thema. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf!", appellieren sie an die Politik.

Die Unterzeichner - darunter Bildungswissenschafter Erich Ribolits, Linguistin Ruth Wodak und Germanistin Inci Dirim - befürchten, dass die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Österreichs durch den Mangel an Infrastruktur "nachhaltig beeinträchtigt" werden könnte. Für eine Aufwertung bzw. Ausweitung der Deutschförderung würden in Österreich derzeit die Voraussetzungen fehlen.

Nicht genug Kurse für Lehrer

Die bestehenden Fortbildungsangebote für Lehrer in DaZ seien zwar in der Regel hochwertig und würden gut angenommen, es gebe jedoch schon jetzt nicht genug Kurse. An den Unis komme DaZ nur im Lehramt Deutsch und an den Pädagogischen Hochschulen (PH) beim Lehramt für Volksschulen bzw. Deutsch an Hauptschulen vor, allerdings auch hier nicht immer verpflichtend. Landesweit gebe es nur drei Uni-Professuren für DaZ bzw. Deutsch als Fremdsprache (DaF) - so viel wie in Nordrhein-Westfalen an einzelnen Unis, beklagen die Forscher. In den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik komme DaZ als Fach überhaupt nicht vor.

Die Unterzeichner fordern u.a. zusätzliche Professuren sowie Dissertations- und Habilitationsstellen für DaF und DaZ an Unis und PH, qualifiziertes Fachpersonal für DaZ an allen Lehrerbildungseinrichtungen, DaZ und Mehrsprachigkeit als verpflichtenden Teil der Ausbildung für alle Lehrer und für Kindergartenpädagogen sowie mehr Forschung in diesem Bereich. Eine Absage erteilen sie unterdessen erneut der Sprachförderung im Rahmen eines Vorschuljahrs oder in Crashkursen, "da internationale (und auch österreichische) Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen eindeutig die Ineffizienz solcher 'Gettoklassen' nachgewiesen haben".

Der Aufruf wurde bisher von insgesamt 50 Forschern und Praktikern aus Bildungswissenschaft oder dem Bereich Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache unterzeichnet, auf einer Petitionsplattform im Internet werden weiterhin Unterschriften gesammelt.

(APA)

Lesen Sie mehr zum Thema

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.