Tägliche Turnstunde: Für Schulärzte "Utopie"

31.01.2013 | 13:41 |   (DiePresse.com)

Die Schulärzte glauben nicht daran, dass eine tägliche Turnstunde umgesetzt werden kann. Stattdessen plädieren sie für Bewegungseinheiten fernab des Turnsaals und gesunde Ernährung.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Für eine "Utopie" hält die Sprecherin der Schulärzte in der Ärztekammer, Gudrun Weber, eine tägliche Turnstunde. Diese sei organisatorisch mit den Stundenplänen kaum vereinbar, es fehle an Infrastruktur und sie sei nicht finanzierbar, so Weber in einer Aussendung. Sie plädiert für kurze tägliche Bewegungseinheiten im Rahmen der übrigen Unterrichtsstunden.

Kindern werde schon ab dem Kindergarten "die Bewegung regelrecht ausgetrieben", indem sie zum Stillsitzen angehalten würden, kritisierte Weber. Im Rahmen einer "bewegten Schule" sollen sie wieder zu mehr Bewegung im Alltag animiert werden, in anderen Ländern werde dieses "innovative Konzept" schon umgesetzt.

Neben mehr Bewegung fordern die Schulärzte auch, dass gesunde Ernährung stärker in den Mittelpunkt rücken müsse: Neben gesunden Schulbuffets brauche es weitere Präventionsmaßnahmen unter Einbindung der Schulärzte, so sei die Einführung eines verpflichtenden Faches "Gesundheits- und Ernährungskunde" vorstellbar.

Die Bundessportorganisation (BSO) hat zuletzt mehr als 140.000 Unterschriften für die Einführung einer täglichen Turnstunde gesammelt, im Nationalrat wurde Ende vergangenen Jahres mit den Stimmen aller sechs Parteien ein Entschließungsantrag zur Einführung einer täglichen Turnstunde an den Schulen und in Kindergärten beschlossen. Elternverbände hingegen bezweifeln die Umsetzbarkeit einer täglichen Turnstunde und plädieren wie die Ärztekammer für mehrere tägliche Bewegungseinheiten.

Laut Unterrichtsministerium würde eine tägliche Turnstunde zusätzliche 200 Mio. Euro Personalkosten pro Jahr bedeuten. Die BSO sieht indes ein Einsparungspotenzial im Gesundheitswesen von bis zu 600 Mio. Euro pro Jahr und eine Wertschöpfung von 1,1 Mrd. Euro jährlich.

Ärztekammer-Vizepräsident Karl Forstner warnte vor einer Explosion der Gesundheitskosten, sollte nicht stärker auf Prävention bei Kindern gesetzt werden. Er verwies auf Berechnungen, wonach der schlechte Gesundheitszustand der Jugend 2030 jährliche Mehrkosten von 1,6 Mrd. Euro und bis 2050 plus 3,7 Mrd. Euro pro Jahr erzeugen würde.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

13 Kommentare

Da gibts doch was...

...das nennt sich Sporthauptschule, da hatten wir entweder 8 oder 7 Unterrichtseinheiten Sport und waren froh wenn wir mal ruhig sitzen durften.

Schulweg

Es gab einmal eine Zeit auf dem Land (noch nicht so lange her), da hat man sich zu Fuß auf den Schulweg gemacht oder man ist zumindest ein Stück zur Haltestelle gegangen. Heute beschweren sich die Eltern, wenn der Schulbus nicht bis zur Haustüre fährt. 200 Meter Fußweg? - Das ist schon fast zu viel. Die Eltern bringen die Kinder mit dem Auto zur Haltestelle oder gleich in die Schule. Wir könnten uns viel Geld sparen und die Gesundheit fördern, wenn wir den Kindern einen kleinen Weg zumuten könnten. Straßenverkehr oder Witterung - auch mit dem müssen die Kinder umgehen lernen!

.

eine tägliche turnstunde wäre eigentlich gar keine schlechte idee. doch wer zahlt das bitte alles???
ich finde man sollte nicht nur beim sport sondern auch eben bei der ernährung ansätzen.

denn wenn man nicht zunimmt braucht man gar nicht erst abnehemen.

...

ich denke sowas muss von den eltern vermittelt werden! kinder die keinen bock auf turnen haben schwänzen die stunden, sind "krank" oder verletzt oder bekommen entschuldigungen von den eltern. selbige mit gesunder schuljause, natürlich ist eine gesunde schuljause absolut zu begrüßen allerdings gabs die bei uns auch und dann hatten die kinder alternativ milchschnitten, pizzaecken und leberkässemmel mit! die schule ist dazu da bestmöglich wissen zu vermitteln allerdings kann die schule nicht für alles die verantwortung übernehmen!

Re: ...

Die Schule ist dazu da, Kompetenzen zu vermitteln, dazu gehören auch motorische!

In anderen Länder werden diese Projekte schon lange umgesetzt

Meint ihr mit anderen Ländern etwa Währing, Mariahilf und andere Bezirke und deren freien Schulen, die von der Stadt immer wieder nur Ressentiments spüren durften?

Es scheitert am Lehrpersonal

"Bewegte Schule" bzw. "offenen Unterricht" gibt es schon lange, z.B. in Montessorischulen. Für diese Art von Pädagogik abseits von Frontalunterricht braucht es jedoch motiviertes Lehrpersonal.

Dazu eine kleine Anekdote: eine Bekannte von mir war vom Frontalunterricht so angewidert, dass sie immer schon Lehrerin werden wollte, um es dann besser zu machen. Sie unterrichtet jetzt seit ca. 1 Jahr und vor Kurzem sind wir wieder einmal zusammen gekommen und was hat sie gesagt? Ein paar Monate hat sie es probiert, das war ihr dann aber auch zu anstrengend und sie hat wie alle anderen Lehrer auf Frontalunterricht umgeschwenkt.

Dass es auch anders gehen kann habe ich bei meinem sehr praxisorientierten FH-Studium kennen gelernt - Gruppenarbeiten standen da im Vordergrund. Natürlich ist es mit Erwachsenen leichter zu arbeiten, aber dass es die meisten Lehrer aber nicht einmal versuchen gibt mir doch zu denken.

Re: Es scheitert am Lehrpersonal

Weder reiner Frontalunterricht noch ständiger "offener Unterricht" sind brauchbare Methoden. Es braucht beides. Es gibt auch kaum Lehrer, die reinen Frontalunterricht praktizieren. Das ist nichts Neues, denn das war schon vor 30 Jahren so. Das ändert jedoch nichts daran, dass den Lehrern dauernd unterstellt wird, reinen Frontalunterricht zu praktizieren.

Re: Es scheitert am Lehrpersonal

...und all diese lustigen Alternativ-Schulen (Waldorf etc.) sind mit ihren Programmen so "erfolgreich", dass ihre Schüler vor der Matura dann extern von einer öffentlichen Schule ein ganzes Jahr "vorbereitet" werden, damit sie diese irgendwie mit Ach-und-Krach schaffen. Man muss sich entscheiden. Den zahlungskräftigen Eltern eine Spass-Welt vorgaukeln oder seinen Bildungsauftrag ernst nehmen.

Re: Es scheitert am Lehrpersonal

erwachsene verstehen in der regel die anleitungen, und da gibt es schon große schwierigkeiten.
elf- bis 14-jährige tun sich mit einfachsten begriffen schwer. aber die leute außerhalb der klassenzimmer sind ja immer die gescheiten besserwisser.

Re: Re: Es scheitert am Lehrpersonal

noch etwas:

freiarbeit oder offenes lernen ist ja zu zeit das non plus ultra der fortschrittlichen außerhalb der klassenzimmer.
11-14-jährige verstehen meist nicht die arbeitsanweisungen in den arbeitsbüchern. da soll jetzt der lehrer noch einmal hergehen und diese aufträge so umformulieren, dass sie für eine gruppenarbeit taugen. nicht mit mir. schon im sinne der ökonomie.

Re: Re: Re: Es scheitert am Lehrpersonal

und die abwechslung bzw die richtige mischung macht einen guten unterricht aus

da brauchen sie keine schulärzte zu fragen

dass dies eine utopie und ein blödsinn ist. fragen sie mich als turnlehrer. aber wer fragt schon die frontschweine.

Schlagzeilen Bildung

  • ÖVP: Pro-Gymnasium-Linie „bedauerlich“
    Im Westen des Landes ist man enttäuscht, dass im neuen Parteiprogramm das Gymnasium festgeschrieben wird. „Wir hätten uns mehr erwartet“, heißt es aus Vorarlberg und Tirol.
    Abgesang auf die Akademiker
    Die neuen Technologien steigern die Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal nicht – im Gegenteil. Computer übernehmen die qualifizierte Arbeit, vom Arzt bis zum Juristen.
    Heimische Unis in Forschung gut, in Lehre weniger
    Beim EU finanzierten Hochschulranking "U-Multirank" zeigten österreichische Unis in der Forschung auf. Die Lehre bleibt ein Schwachpunkt.
    Inklusion: "Da gibt es Grenzen des Zumutbaren"
    Die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung sei ein gutes Anliegen, sagt der Pädagoge Bernd Ahrbeck – trotzdem sollten Sonderschulen nicht abgeschafft werden.
  • Mathematikmatura – eine Abrechnung
    Die Zentralmatura stellt den Mathematikunterricht völlig auf den Kopf: weg von eingetrichterten Rechentechniken, hin zu mehr Reflexion und Argumentation. Was das bedeutet, zeigt ein Vergleich der Beispiele.
    Liessmann über Bildungsillusionen
    Die Schlagworte Individualisierung und Inklusion haben mittlerweile den Charakter von Glaubenswahrheiten angenommen. Es scheint, als solle das Bildungssystem das schlechte Gewissen der Erwachsenenwelt auffangen.
    Marcel Koller: "Man hat verlernt, Nein zu sagen"
    Warum die fünf Minuten nach dem Tor die schwierigsten sind und achtzig Prozent einfach nicht reichen. ÖFB-Teamchef Marcel Koller über österreichische Eigenheiten und den Wert von Disziplin.
    Eine Verteidigung des Gymnasiums
    Das Gymnasium ist Brennglas kultureller und sozialpolitischer Krisenlagen. Es ist wesentliches Element der kulturellen Identität und gleichzeitig starker Kritik ausgesetzt. Was das Gymnasium kann – und wofür es nichts kann.
  • Polizei soll Schwänzer ansprechen: Was macht ihr hier?
    Polizisten sollen schulpflichtige Jugendliche, die sich während der Schulzeit in Einkaufszentren oder öffentlichen Plätzen tummeln, ansprechen.
    Von Hundeleben, Rehkitzen und Pferdegeduld
    Tierstudien. Die Veterinärmedizinische Uni Wien wird 250 Jahre alt. Seit damals hat sich in der Beziehung Tier-Mensch viel getan. Das zeigt sich auch an der Vielfalt der einschlägigen akademischen Weiterbildungslehrgänge.
    Neue Antworten auf altes Schweigen
    Aufarbeitung. Die WU beschäftigt sich mit der Affäre Borodajkewycz, die Wiener Vorlesungen widmen sich neuer Forschung zum NS-Widerstand.
    Wegweiser für beruflichen Wechsel
    Bildungsberatung. Laut einer Studie des BFI Wien wechseln Österreicher durchschnittlich dreimal ihr Berufsfeld. Von Beratungsangeboten und Ausbildungen für die Berater.
AnmeldenAnmelden